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Fr, 2016-05-06 11:49
Kabul (dpa)

Die Frauen der Toten und ihre Zuflucht - Kabuls Witwenhügel Von Christine-Felice Röhrs, dpa

Zehntausende afghanische Männer sind in den vergangenen Jahren im Krieg umgekommen. Aber was wird aus ihren Frauen? Der Staat hilft Witwen selten. Und das Klischee vom Klan-Zusammenhalt stimmt auch nicht immer. Die einzige Zuflucht: Sanabad, der Witwenhügel.

Kabul (dpa) - Vor ein paar Wochen hat Nadija Mehl gebraucht. Es war kein Geld im Haus, kein einziger Afghani, und ihre sieben Töchter waren hungrig. Nadijas Mann ist vor vier Monaten von einer Bombe zerrissen worden, bei einem Anschlag der Taliban auf einen belebten Platz in Kabul. Er hatte sich am Straßenrand als Tagelöhner angeboten. Am Ende des Tages waren seine Frau und seine Töchter allein, ganz auf sich gestellt.

Wäre Nadija irgendwo anders gewesen, hätte sie leicht verhungern können. Eine afghanische Frau ohne Mann ist eine Frau ohne Stimme, Rechte oder Ressourcen. Aber Nadija lebt in Sanabad, Kabuls Frauenstadt. Witwenhügel könnte man auch sagen zu der dichten Ansammlung krummer Lehmziegelhäuschen an engen Schlammwegen auf einer Bergkuppe im Südwesten der Millionenstadt. Nadija ist also zur Nachbarin gegangen, die andere Frauen zu Hilfe gerufen hat. Und jede hat Nadija eine faustvoll Mehl gegeben. Am Abend gab es Brot für Nadijas Töchter.

Der Witwenhügel von Kabul ist eine einzigartige Gemeinde. Sie ist Zuflucht für 500 oder mehr afghanische Frauen ohne Männer. Sie leben alleine, verdienen ihr eigenes Geld und beschützen sich gegenseitig.

Wann genau die Siedlung entstanden ist, weiß keiner mehr so genau, sagt die afghanische Frauenrechts-Analystin Nahid Ehsar, die die Gemeinde lange für ein Rechercheprojekt begleitet hat. Vermutlich irgendwann in den 90er Jahren, nachdem der Aufstand gegen die russische Besatzung und der Bürgerkrieg zwischen den Mudschahedin-Fraktionen Zehntausende Witwen geschaffen hatten.

Und die Gemeinde wächst noch immer. Mittlerweile kommen Frauen sogar aus anderen Provinzen. Aus Logar, Kunar, Kandahar - stark umkämpfte Ecken des Landes. Die Witwen helfen den Neuen dabei, eine Lehmhütte hochzuziehen, bringen Essensspenden, erklären, wie man in Kabul - wenigstens ab und zu - an Geld kommt.

Wie viele Witwen es in Afghanistan gibt, bleibt verschwommen. Aus dem zuständigen Ministerium für Arbeit, Soziales und Märtyrer heißt es, man habe diese Zahl nicht. Die Frauenorganisation der Vereinen Nationen, UN Women, sprach vor ein paar Jahren von allein von rund zwei Millionen Kriegswitwen. Die US-NGO «Beyond the 11th», die afghanische Witwen unterstützt, hat ihre Gesamtzahl auf 2,5 Millionen geschätzt. Bei einer wiederum geschätzten Bevölkerungszahl von um die 25 bis 30 Millionen wären das sieben bis zehn Prozent aller Afghanen.

Sicher ist: Jeden Tag verwitwen mehr Frauen, denn der Krieg in Afghanistan ist wieder voll entflammt. Allein im vergangenen Jahr sollen nach unterschiedlichen Angaben 5500 bis mehr als 7000 Soldaten und Polizisten bei Gefechten gestorben sein. Dazu kamen mehr als 3200 zivile Männer. Sie alle haben gemeinsam: die Frauen, die sie hinterlassen - oft allein in einer Gesellschaft, in der die Frau an sich nicht zählt, in der sie wenig Bildung bekommt und es als verwerflich gilt, wenn sie außerhalb des Hauses arbeitet.

Die treibende Kraft in der Frauenstadt war jahrzehntelang Bibi Koh, die Großmutter vom Berg, die sich um solche Konventionen nicht geschert hat. Bibi Koh hat jede Witwe, die sie sah, eingeladen, auf den Berg zu kommen und die Gemeinde so auf eine Größe gebracht, die Macht bedeutet und Widerstand ermöglicht. Sie war eine große, schwere Frau mit wirrem rot gefärbtem Haar, einem herabgesunkenen rechten Augenlid, das ihr etwas piratenhaftes gab - und schnellen Fäusten. Wenn ihr etwas nicht passte, schlug sie zu. Auch auf das Kinn der Enkelin, den Arm einer Nachbarin. Der Witwenhügel ist keine Kuschelgemeinde. Die Gewalt, die die Frauen erlebt haben, hat Spuren hinterlassen.

Bibi Koh ist im März gestorben, aber bei einem Besuch im Herbst hatte sie von ihrem Leben erzählt. Zwei Mal hatte sie ihren Mann verloren. «Kopfesser» - «kala-khor» - nannten die Verwandten sie irgendwann. Bibi Koh bringt den Tod, hieß es, und so wurde sie eines Tages samt ihren fünf Kindern aus dem Dorf geworfen. «Das zu erleben, hat mich sehr wütend und stark gemacht», hat sie damals gesagt.

Nach ihrem Tod hat nun ihre Tochter Anisa die inoffizielle Leitung übernommen. Anisa ist Polizistin. Dass sie eine Waffe trägt - und das auch jedem sagt -, hat ihre Schützlinge enorm beruhigt.

Denn der Staat hilft den Witwen nicht. Der Aufbau eines funktionierenden Sozialsystems stand nie im Mittelpunkt der internationalen Aufbaubemühungen. Das zuständige Ministerium für Arbeit, Soziales und Märtyrer gehört, mit anderen «sozialen» Ministerien wie dem Flüchtlingsministerium, zu den am schlechtesten organisierten des Landes. Kein Geld, wenig Motivation, noch weniger Fachwissen.

Ruft man dort an und fragt nach dieser großen Gruppe der Opfer - eine der verwundbarsten sozialen Gruppen des Landes, wie humanitäre Helfer sagen -, dann heißt es, man habe «gute Programme» für Witwen. Aber wie viele daran teilhaben, das wisse man gerade nicht.

Aus einer UN-Umfrage unter Kriegswitwen aus 2014 ging allerdings hervor, dass nur ein Drittel der befragten Frauen staatliche Unterstützung bekam - und dass die meisten von ihnen mit einer kleinen Einmalzahlung abgespeist worden waren statt eine regelmäßige Zuwendung zu erhalten. Die meisten anderen sagten, sie wüssten nicht, wie und wo sie sich um solche Unterstützung bewerben sollten.

Was bleibt, ist die Familie. Das Klischee besagt, dass in Afghanistan der Klan die staatliche Fürsorge ersetzt. Aber wer den Geschichten der Frauen vom Witwenhügel zuhört, lernt, dass dies kein verlässliches Netz ist. Auch Verwandte können grausam sein. Verwandte haben manchmal selber zu wenig zum Leben. Mitunter haben Verwandte Angst, die neue Frau im Haus könnte der Hausherrin ihren Einfluss oder sogar den Mann wegnehmen.

Jede vierte der von der UN befragten Witwen erzählte von Gewalt innerhalb der eigenen Familie. Sie seien beschimpft, geschlagen, zur Wiederheirat gezwungen oder ausgestoßen worden. Witwen, sagt Analystin Ehsar, werden zu «Frauen ohne Identität und Schutz». Deg-e be-sarposch - Topf ohne Deckel - würden sie verächtlich auch genannt.

Nausi zum Beispiel. Bei einem Besuch der Witwengemeinde im April sitzt sie im Hof einer Nachbarin. Auf dem gestampften Erdboden liegt eine Plastikplane als Teppichersatz, Schuhe stehen aufgereiht davor, in der Ecke ein Haufen Schutt und verrostete Dinge, die für irgendwas sicher nochmal zu gebrauchen sind. Hühner und Kinder überall.

Nausi ist eine zierliche Dame Mitte 50 im zerrissenen Kopftuch und mit tiefen Falten im schüchternen Gesicht. Ihr Mann war ums Leben gekommen, als Mitte der 90er Jahre Raketen auf ihr Haus fielen. Die erste Rakete traf nur sein Bein, und er beschwor seine Familie ohne ihn zu fliehen. Als Nausi am nächsten Morgen zurückkehrte, konnte sie nur noch seinen zerschmetterten Körper bergen. In der Stadt bekriegten sich damals die Mudschahedin-Gruppen, die zuvor vereint die Sowjets aus dem Land getrieben hatten und stritten, wer nun über die Hauptstadt herrschen durfte. Die Frauen vom Witwenhügel sind ein lebendiges Lexikon der Krisen, Konflikte und Kriege in Afghanistan.

Nach dem Tod ihres Mannes hat Nausi monatelang mit einem Schubkarren ihre Besitztümer, drei kleine Söhne und vier noch kleinere Töchter von Haus zu Haus geschoben - niemand wollte sie. «Du kommst mit acht Mäulern, was erwartest Du?», sagten sie zu ihr.

Den Witwenhügel nennt sie ein Gottesgeschenk. Sie denkt nicht gerne an die Zeit davor zurück. Sie bekommt Kopfschmerzen davon. Sie habe sich «wie eine Verrückte» gefühlt. Immer nur weinen, weinen. Bleierne Beine. Aber die Hügel-Frauen waren so stark. Bauten Häuser, besiegten die Polizisten, die kamen, um die illegal gebauten Häuschen wieder einzureißen, gingen raus und fanden Arbeit als Autowäscherinnen oder Besenbinderinnen. «Hier habe ich meine Füße wiedergefunden», sagt Nausi.

Bibi Mehru, ihre Freundin, die um die 60 ist, beschreibt es ähnlich. Ihr Mann ist bei einer Explosion gestorben. Sie blieb zurück mit vier Töchtern und Verwandten, die kamen, wenn es Essen gab und wegblieben, wenn sie Hilfe brauchte. «Manchmal haben wir in einem Zelt gelebt, und ich konnte nächtelang nicht schlafen, weil ich Angst hatte, Männer wollen hinein zu meinen Mädchen», sagt Mehru.

Sie habe immer Angst vor Menschen gehabt, sagt sie, aber auf dem Hügel sei sie klug und stark geworden. Von den anderen «frechen Frauen» habe sie gelernt, mit Menschen zu sprechen.

Trotz des Schutzes, den die weibliche Gemeinde bietet - das Leben der Witwen vom Hügel ist nicht leicht. Nausis Kinder und Enkel verkaufen hartgekochte Eier und bringen etwa 300 Afghani, vier Euro, am Tag nach Hause. Aber ein Sohn hat Tuberkulose. Die Flasche Medizin, die für zwei Wochen reicht, kostet 650 Afghani, umgerechnet etwa zehn Euro. Als es schlimmer wurde, wurden die Kinder aus der Schule genommen, damit sie mehr arbeiten konnten.

Nadija verdient gar kein Geld. Sie ist abhängig von Verwandten, die sie daheim nicht haben wollen, aber ab und zu Essen oder Geld bringen. Und von den Nachbarinnen. Vor kurzem hat jemand ihr angeboten, die jüngste der sieben Töchter zu kaufen. Mariam, acht Monate, war kurz vor dem Tod von Nadijas Ehemann zur Welt gekommen. Du kannst ihr doch sowieso kein gutes Leben bieten, hat die Frau gesagt. Aber Nadija bringt es nicht über sich. Noch nicht.

Einige der Töchter von Witwen haben geheiratet. Es sind jetzt wieder mehr Männer auf dem Hügel. Mehr Beschützer. Aber es kommen immer neue Witwen hinzu. Denn nun sterben wieder Tausende Männer in Afghanistan.

Fr, 2016-05-06 11:22
Hamburg (dpa)

Energie und Rohstoffe erneut teurer

Hamburg (dpa) - Energie und Rohstoffe haben sich im April zum dritten Mal in Folge auf breiter Basis verteuert. Der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) erhöhte sich auf Dollar-Basis um 6,6 Prozent, wie die Forscher am Freitag in Hamburg mitteilten. Die Ölpreise entfernten sich weiter von ihrem Tiefpunkt aus dem Januar, als der Preis für die europäische Leitsorte Brent auf den niedrigsten Stand seit 2004 gefallen war.

Mit durchschnittlich 43,22 Dollar je Barrel (159 Liter) lag der Preis im April laut HWWI-Index um 8,6 Prozent höher als im März. Das ist aber immer noch rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr.

Teurer wurden auch Industrierohstoffe mit einem Anstieg um 3,2 Prozent sowie Nahrungs- und Genussmittel mit einem Plus von 3,7 Prozent. Auf Euro-Basis fallen die Steigerungen jeweils etwas geringer aus, weil sich der Euro-Kurs gegen den Dollar festigte.

Fr, 2016-05-06 11:49
Hamburg (dpa)

Energie und Rohstoffe werden wieder teurer - Verbraucher spüren es Von Eckart Gienke, dpa

Nach einem jahrelangen Abwärtstrend haben sich die Preise für Energie und industrielle Rohstoffe gedreht. Nicht nur Rohöl ist seit Januar wieder teurer geworden - sondern auch Erze, Metalle und Agrargüter.

Hamburg (dpa) - Der Verbraucher merkt es an der Tankstelle und beim Heizölkauf: Er muss wieder tiefer in die Tasche greifen. Der Preis für 100 Liter Heizöl bei Abnahme von insgesamt 3000 Litern (inklusive Mehrwertsteuer) kratzt an der Marke von 50 Euro, wo er zuletzt im vergangenen Dezember notierte. Ein Liter Diesel kostete nach einer Analyse des Portals «Clever Tanken» im April im Durchschnitt 1,02 Euro je Liter und hat damit die Preiszone unterhalb von einem Euro verlassen. Und für Benzin mussten die Autofahrer in Deutschland 1,25 Euro je Liter bezahlen, fünf Cent mehr als im Monat zuvor.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) betrachtet die steigenden Preise noch nicht unbedingt als eine Trendwende. «Dazu müssten die Steigerungen noch einige Zeit anhalten», sagte HWWI-Rohstoffexperte Leon Leschus.

Der Rohstoffpreis-Index des Instituts kletterte im April abermals um 6,6 Prozent, nachdem das HWWI schon im März ein sehr kräftiges Plus von 14,6 Prozent gemessen hatte. Im Januar hatte der Index seinen tiefsten Stand seit zwölf Jahren erreicht; seitdem geht es wieder aufwärts.

Das betrifft nicht allein Energie, also vor allem Öl und Gas. Viele andere Rohstoffpreise hatten ihre Tiefpunkte in den vergangenen Monaten und erholen sich nun wieder. Eisenerz kostete im Dezember weniger als 40 Dollar je Tonne, jetzt sind es mehr als 60 Dollar.

Auch Nichteisen-Metalle wie Zink, Nickel und Aluminium zogen an. Der Index stieg im April um 3,2 Prozent, für Eisenerz und Stahlschrott sogar um 13,6 Prozent. Auch Agrarrohstoffe verteuerten sich: Kaffee, Zucker, Soja und Kakao legten auf den Weltmärkten zu. Der entsprechende Index erhöhte sich im April um 3,7 Prozent.

Dass fast alle Rohstoffe gleichzeitig teurer werden, deutet nach dem Eindruck von Leschus auf ein gewisses Maß an Spekulation auf den Märkten hin. Zudem zieht der Ölpreis auch die anderen Preise nach oben. «Beim Abbau von Metallen wird Energie benötigt, und in der Landwirtschaft verteuern sich die Kosten für Kraftstoffe und Dünger», sagte der Rohstoffexperte.

Die Autofahrer nutzten die günstige Situation zum Jahresbeginn und kauften viel Sprit, auch weil die guten Straßenverhältnisse es zuließen. Der Mineralölverbrauch in Deutschland stieg nach Angaben des zuständigen Bundesamtes BAFA in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um 3,0 Prozent - ganz gegen den langfristigen Trend.

Allein der Absatz von Diesel nahm um 8,0 Prozent zu, bei den Otto-Kraftstoffen waren es 3,7 Prozent. Höhere Spritpreise könnten nun auch den Absatz von Ölprodukten wieder dämpfen.

Doch hält der Trend zu steigenden Energie- und Rohstoffpreisen überhaupt an? «Das glaube ich nicht», sagte Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID. «Der Markt scheint mir ziemlich fest.» Nach dem Jahreshoch in der vergangenen Woche sei der Preis für Rohöl schon wieder etwas zurückgegangen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent kostete am Freitag ungefähr 45 Dollar und damit gut 50 Prozent mehr als beim Tiefstand im Januar.

«Damit haben wir von einem übertrieben tiefen Niveau aufgeholt auf ein immer noch günstiges Niveau», sagte Wiek. Weder sei ein deutlicher Rückgang der Förderung noch eine anziehende Nachfrage in Sicht. Von den alten Höchstständen von mehr als 100 Dollar je Barrel wie vor zwei Jahren ist der Brent-Ölpreis noch weit entfernt. «Wir werden die heutigen Preise vermutlich noch eine ganze Weile sehen», meinte Wiek.

Fr, 2016-05-06 11:47
Tripolis (dpa)

Medien: IS erobert Stadt in Libyen

Tripolis (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat Medienberichten zufolge in Libyen eine Stadt westlich ihrer Hochburg Sirte eingenommen. Nach Kämpfen mit örtlichen Milizen hätten die Dschihadisten die Stadt Abugrein unter ihre Kontrolle gebracht, meldete die libysche Nachrichtenseite Al-Wasat am Freitag. Eine unabhängige Überprüfung des Berichts war nicht möglich. Abugrein liegt rund 140 Kilometer westlich der Hafenstadt Sirte.

Libyen ist seit dem mit westlicher Militärhilfe erreichten Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahre 2011 nicht mehr zur Ruhe gekommen. Eine neue von den Vereinten Nationen vermittelte Einheitsregierung hatte zuletzt ihre Amtsgeschäfte in Tripolis aufgenommen. Sie soll zwei rivalisierende Regierungen in dem Land ersetzen, hat sich aber bisher noch nicht durchgesetzt. Der IS beherrscht derzeit einen wichtigen Küstenstreifen des ölreichen Staates rund um die zentrallibysche Küstenstadt Sirte.

Fr, 2016-05-06 11:07
Hamburg (dpa)

Energie und Rohstoffe erneut teurer

Hamburg (dpa) - Energie und Rohstoffe haben sich im April zum dritten Mal in Folge auf breiter Basis verteuert. Der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) erhöhte sich auf Dollar-Basis um 6,6 Prozent, wie die Forscher am Freitag in Hamburg mitteilten. Die Ölpreise entfernten sich weiter von ihrem Tiefpunkt aus dem Januar, als der Preis für die europäische Leitsorte Brent auf den niedrigsten Stand seit 2004 gefallen war.

Mit durchschnittlich 43,22 Dollar je Barrel (159 Liter) lag der Preis im April laut HWWI-Index um 8,6 Prozent höher als im März. Das ist aber immer noch rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr.

Teurer wurden auch Industrierohstoffe mit einem Anstieg um 13,6 Prozent sowie Nahrungs- und Genussmittel mit einem Plus von 3,7 Prozent. Auf Euro-Basis fallen die Steigerungen jeweils etwas geringer aus, weil sich der Euro-Kurs gegen den Dollar festigte.

Fr, 2016-05-06 10:47
Pjöngjang (dpa)

Bericht: Nordkorea beginnt ersten Parteikongress seit 1980

Pjöngjang (dpa) - Inmitten zunehmender Spannungen wegen seines Atomprogramms hält das weithin isolierte Nordkorea den ersten Kongress der herrschenden Arbeiterpartei seit 1980 ab. Der Parteitag habe offensichtlich Beratungen begonnen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Demnach könnte der Kongress mehrere Tage dauern.

Beobachter gehen davon aus, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un den Kongress nutzen wird, um seine Stellung zu festigen und Richtlinien für die Politik und Wirtschaft auszugeben. Erwartet wurden außerdem personelle Veränderungen in der Führungsriege der Partei. Nordkoreas Staatsmedien hüllten sich zunächst über Dauer und Programm der wichtigsten Versammlung im Einparteiensystem des Landes zunächst in Schweigen. 

Im Zentrum von Kims Politik steht eine Strategie, den Bau von Atomwaffen und gleichzeitig die Entwicklung der maroden Wirtschaft voranzutreiben. Der Kurs wird in Südkorea und im Westen stark kritisiert. 

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Fr, 2016-05-06 10:41
Luxemburg (dpa)

Stahlriese ArcelorMittal rutscht weiter ab - Aussichten bessern sich

Billigpreise in China und Überkapazitäten in den Industrieländern: Die Stahlbranche steckt weiter in der Krise. Beim weltgrößten Hersteller hinterlässt das tiefe Spuren. Es gibt aber etwas Hoffnung.

Luxemburg (dpa) - Der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal ist angesichts des dramatischen Preisdrucks im ersten Quartal weiter abgerutscht. Der Umsatz ging verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um gut ein Fünftel auf 13,4 Milliarden US-Dollar zurück, wie der Konzern am Freitag in Luxemburg mitteilte. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen brach um ein Drittel auf 927 Millionen Dollar ein. Für das Gesamtjahr prognostizierte der Vorstand hier einen Rückgang auf gut 4,5 Milliarden Dollar. Schon 2015 war das Ergebnis um rund zwei Milliarden auf 5,2 Milliarden Dollar abgesackt.

Unter dem Strich kam bei ArcelorMittal wegen hoher Abschreibungen im vorigen Jahr ein Rekordverlust von fast acht Milliarden Dollar zusammen. Die Aktien des Konzerns legten seit Jahresbeginn angesichts wieder steigender Stahlpreise aber bereits um mehr als 50 Prozent zu.

«Unsere Ergebnisse spiegeln noch die sehr schweren Bedingungen aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wider», sagte Vorstandschef Lakshmi Mittal. Inzwischen gibt er sich wieder etwas optimistischer: «Die Erholung der Preise wird unsere Ergebnisse in den nächsten Quartalen verbessern.» Allerdings werde sich das bessere Umfeld erst in der zweiten Jahreshälfte voll in den Zahlen niederschlagen.

Die aktuelle Erholung sei brüchig. An den massiven Überkapazitäten in China habe sich nicht geändert, auch wenn dort die Preise zuletzt angesichts wieder besserer Aussichten rasant angesprungen seien. Unklar ist nach Einschätzung von ArcelorMittal, wie nachhaltig die Entwicklung ist. Zudem hätten im ersten Quartal die Ausfuhren von Stahl aus China weiter über dem Vorjahreswert gelegen. «Wir müssen deshalb wachsam vor der Gefahr von unfairem Handel bleiben.»

2015 waren die Stahlpreise weltweit eingebrochen, weil China angesichts der Wirtschaftsabkühlung im eigenen Land dazu überging, seine Ausfuhren zu erhöhen. Die Konkurrenz in Europa und Amerika wirft den Chinesen Preis-Dumping vor und fordert Schutzmaßnahmen.

Die USA und die EU führten inzwischen Strafzölle ein. Aber in Europa wünschen sich viele Hersteller ein aktiveres Vorgehen. Sie fürchten um ihre Existenz. In den vergangenen Monaten machten die europäischen Konzerne mobil und demonstrierten mit Tausenden Stahlarbeitern.

In Deutschland sind bei ArcelorMittal derzeit keine Einschnitte vorgesehen. Der Konzern beschäftigt hierzulande gut 9000 Mitarbeiter. Beim zweitgrößten deutschen Stahlhersteller Salzgitter war im ersten Quartal nach vorläufigen Berechnungen der Vorsteuergewinn von 51,8 auf 3,1 Millionen Euro eingebrochen. Die deutsche Nummer eins, Thyssenkrupp, legt am Dienstag (10. Mai) ihre Zwischenbilanz vor.

Fr, 2016-05-06 10:56
Athen (dpa)

Fähren, Bahnen, Schulen: Griechen streiken gegen neues Sparpaket

Die Griechen sollen noch mehr sparen - und wehren sich mit heftigen Streiks. Auf Initiative der Gewerkschaften gehen Menschen auf die Straße, im Verkehr läuft fast nichts mehr. Dem Land droht weiter die Pleite.

Athen (dpa) - Aus Protest gegen ein neues Sparprogramm mit Rentenkürzungen haben die griechischen Gewerkschaften am Freitag das ganze Land mit umfangreichen Streiks lahmlegt. Die meisten Ägäis-Fähren blieben in den Häfen, die Eisenbahner legten ihre Arbeit nieder, der Nahverkehr in Athen und anderen Städten brach zusammen. Auch staatliche Schulen in Griechenland blieben geschlossen.

Die meisten Ausstände sollen durch das gesamte Wochenende andauern. Am späten Sonntagabend soll das Parlament die neuen Sparmaßnahmen billigen. Neben Rentenkürzungen von 1,8 Milliarden Euro sind 1,8 Milliarden Euro an Steuererhöhungen vorgesehen.

Der Gewerkschaftsverband des privaten Bereichs GSEE bezeichnete die Rentenkürzungen als «Grabstein» des Rentensystems. Wer ab Montag in die Rente geht, solle bis zu 30 Prozent weniger Geld bekommen, hieß es. Die Staatsbediensteten-Gewerkschaft ADEDY sprach von einem «Überfall auf die Renten» und rief zum Widerstand auf.

Die wichtigsten Auswirkungen des Generalstreiks, wie die Gewerkschaften ihn nennen: Der Ausstand der Seeleute im Fährverkehr zu den Ägäis-Inseln soll bis zum Dienstagmorgen dauern, die Eisenbahner streiken drei Tage lang, Busse und Bahnen fuhren in Athen und anderen Städten am Freitag nicht. Auf den Zufahrtsstraßen der Ballungszentren entstanden gewaltige Staus. Die Menschen versuchten, mit dem Auto oder Taxi zur Arbeit zu fahren.

Die Streiks im Nahverkehr sollen am Samstag weitergehen. Auch die staatlichen Schulen blieben am Freitag geschlossen. Die Müllabfuhr soll für drei Tage bestreikt werden.

«Nieder mit den neuen Gesetz - Fallbeil für unsere Renten», skandierten Hunderte Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft PAME im Zentrum Athens, wie Reporter berichteten. Am Samstag und Sonntag sind weitere Demonstrationen in der Hauptstadt und anderen Städten geplant. Auch Journalisten legten die Arbeit für zwei Tage nieder. Im Radio und Fernsehen gab es nur Musik und Filme. Lediglich eine private Radiostation sendete ein Not-Nachrichtenprogramm, das nur über die Streiks und die Reformen berichtete.

Der griechische Flugverkehr lief dagegen normal, teilte der Flughafen Athen mit. Auch Supermärkte und Läden sowie die meisten antiken Stätten waren geöffnet.

Mit der Billigung des Sparpakets solle Finanzminister Euklid Tsakalotos zu einem am Montag in Brüssel angesetzten Treffen der Eurogruppe gestärkt reisen, hieß es aus Regierungskreisen. Die Abstimmung der Parlamentarier soll am späten Sonntagabend stattfinden, teilte das Parlamentspräsidium am Freitag mit.

Ursprünglich war mit dem Votum erst am kommenden Mittwoch gerechnet worden. Die Abstimmung gilt als erneute Kraftprobe für die Links-Rechts-Koalition unter Ministerpräsident Alexis Tsipras.

Zahlreiche Regierungsabgeordnete hatten sich wiederholt negativ zu den Sparvorhaben geäußert. Tsipras' Regierung verfügt über eine knappe Mehrheit von 153 Abgeordneten bei insgesamt 300 Sitzen. «Heißes Wochenende im Parlament», meinte die Athener Zeitung «Ta Nea» am Freitag. Die Sparmaßnahmen sind Voraussetzung für weitere Hilfen für das von der Pleite bedrohte Land.

Fr, 2016-05-06 10:59
London (dpa)

Schottlands Nationalpartei verliert absolute Mehrheit

London (dpa) - Die schottische Nationalpartei SNP hat bei der Regionalwahl ihre absolute Mehrheit verloren, bleibt aber mit Abstand stärkste Partei. Das berichtete der Sender BBC am Freitag. Nach dem Wahlerfolg sagte die schottische Ministerpräsidentin und SNP-Parteichefin Nicola Sturgeon: «Wir haben Geschichte geschrieben.»

Nach vorläufigen Ergebnissen reichte es für die Nationalpartei nur zu 63 von 129 Sitzen. Bei der Wahl 2011 hatte die SNP mit 69 Sitzen die absolute Mehrheit errungen. Eine Koalition könnte die Nationalpartei etwa mit den Grünen bilden, die die Zahl ihrer Mandate von 2 auf 6 steigerten.

Als zweitstärkste Kraft landeten die Konservativen in Schottland mit 31 Sitzen vor Labour mit 24 Sitzen. Der britische Premierminister David Cameron gratulierte der konservativen Parteichefin am Freitag auf Twitter: «Glückwünsche an Ruth E. Davidson zu diesem historischen Ergebnis: Sie ist eine Vorsitzende, die sich der SNP entgegenstellen und Schottland eine starke Opposition geben wird.»

Im März hatte die separatistische Partei angekündigt, nach dem Referendum über die britische EU-Mitgliedschaft am 23. Juni erneut für die Abspaltung Schottlands aus Großbritannien werben zu wollen.

Millionen Briten hatten am Donnerstag neue Regional- und Kommunalparlamente sowie neue Bürgermeister in London und anderen Städten gewählt. Die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl in der britischen Hauptstadt wurden aber erst am Freitagabend erwartet.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

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Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Fr, 2016-05-06 10:33
Edmonton (dpa)

Verheerende Waldbrände in Nordamerika

Edmonton (dpa) - Waldbrände wie aktuell in der kanadischen Provinz Alberta haben in Nordamerika mehrfach große Zerstörungen angerichtet und viele Menschen in die Flucht getrieben. Einige Beispiele:

Juli 2015: Im Westen Kanadas müssen sich mehr als 13 000 Menschen in Sicherheit bringen. Allein in der Provinz Saskatchewan lodern zeitgleich mehr als 120 Waldfeuer, weitere 80 Brände sind in der Provinz British Columbia ausgebrochen.

Mai 2014: Ein gewaltiger Waldbrand im Süden des US-Bundesstaates Alaska vernichtet mehrere Hundert Quadratkilometer eines Wildreservats auf der Kenai-Halbinsel.

Juni 2013: Nordöstlich von Colorado Springs im US-Bundesstaat Colorado müssen rund 38 000 Bewohner wegen tagelanger Waldbrände ihre Häuser verlassen.

Mai/Juni 2013: Im Großraum der US-Metropole Los Angeles in Kalifornien stehen bei mehreren Bränden mehr als 240 Quadratkilometer Wald- und Buschland in Flammen. 5000 Menschen werden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.

März bis August 2012: In 13 US-Bundesstaaten westlich des Mississippis kämpfen Tausende Feuerwehrleute gegen viele Feuer. In Colorado müssen sich 36 000 Menschen in Sicherheit bringen.

September 2010: In Colorado werden im Bezirk Boulder mehr als 3000 Menschen von schweren Waldbränden aus ihren Häusern vertrieben.

Mai bis September 2009: In Kalifornien zerstören im Mai Brände bei Santa Barbara 77 Häuser, darunter Luxusvillen. Im August sind 100 Kilometer südlich von San Francisco 2000 Menschen auf der Flucht vor den Flammen. Im September verwüsten Brände im Raum Los Angeles 600 Quadratkilometer Wald- und Buschland.

Juli/August 2009: In British Columbia zwingen rund 500 verheerende Waldbrände mehr als 11 000 Menschen zur Flucht. In der kanadischen Pazifikprovinz waren innerhalb von fünf Monaten rund 1800 Feuer ausgebrochen.

Fr, 2016-05-06 10:29
Hongkong (dpa)

Studie: Feinstaub erhöht Sterberisiko durch Krebs deutlich

Hongkong (dpa) - Ältere Menschen, die dauerhaft einer hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt sind, haben einer Studie zufolge ein deutlich erhöhtes Sterberisiko für verschiedene Krebsarten. Ein internationales Forscherteam untersuchte hierfür über mehrere Jahre die Todesursachen von Zehntausenden Menschen in Hongkong. Die Studie mache deutlich, dass Feinstaub in Großstädten weltweit «so viel und so schnell wie möglich reduziert werden muss», sagte Mitautor Neil Thomas von der britischen Universität Birmingham.

Das Ergebnis: Bei einer um 10 Mikrogramm erhöhten Konzentration von Feinstaub pro Kubikmeter Luft erhöhte sich das Risiko, an Krebs im oberen Verdauungstrakt zu sterben, um 42 Prozent. Das Sterberisiko durch Krebs an der Leber, Pankreas oder Gallenblase stieg demnach um 35 Prozent. Bei Frauen nahm das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, sogar um 80 Prozent zu, wie die Forscher berichteten. Die Experten aus Hongkong und Großbritannien veröffentlichten ihre Studie im Journal «Cancer Epidemiology, Biomarkers and Prevention».

Als Feinstaub werden winzige Partikel bezeichnet, die eine gewisse Zeit in der Luft schweben. Ursprung der Schadstoff-Teilchen können etwa Dieselruß, Reifenabrieb oder Abgase von Industrie-, Kraftwerks- oder Heizungsanlagen sein. Je nach Größe und Eindringtiefe der Teilchen sind die gesundheitlichen Wirkungen von Feinstaub nach Angaben des Umweltbundesamtes verschieden. Als besonders gefährlich gelten ultrafeine Teilchen mit weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser (PM2,5), die sich tief in den Bronchien und Lungenbläschen festsetzen oder sogar ins Blut übergehen können.

Fr, 2016-05-06 09:06
Damaskus (dpa)

Al-Nusra-Front und andere Rebellen erobern in Syrien wichtigen Ort

Damaskus (dpa) - Die radikale Al-Nusra-Front und andere Rebellen haben im Norden Syriens einen strategisch wichtigen Ort von der Armee erobert. Bei den heftigen Gefechten in Chan Tuman südlich der Großstadt Aleppo seien mehr als 70 Kämpfer getötet worden, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag.

Die Armee verlor demnach durch die Niederlage eine ihre Hauptverteidigungslinien in der Region. Die Rebellen seien näher an die Verbindungsstraße zwischen Aleppo und der Hauptstadt Damaskus herangerückt, hieß es weiter.

Bei der Al-Nusra-Front handelt es sich um den syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Sie kämpft im syrischen Bürgerkrieg an der Seite moderaterer Rebellengruppen. Die derzeitige Waffenruhe gilt für die Al-Nusra-Front und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nicht.

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Fr, 2016-05-06 10:00
Hamburg (dpa/lno)

Sozialverband warnt vor Sozialabbau bei TTIP-Abschluss

Hamburg (dpa/lno) - Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat angesichts der jüngsten Veröffentlichung geheimer Papiere einmal mehr vor dem Freihandelsabkommen TTIP gewarnt. «TTIP betrifft nicht nur Chlorhühner oder Gen-Mais», warnte Hamburgs SoVD-Vorsitzender Klaus Wicher mit Blick auf die von Greenpeace veröffentlichten Dokumente. Das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU sei der Freifahrtschein, «dass die Wirtschaft die Hoheit gewinnt über Politik und damit auch über die Gestaltung sozialer Gerechtigkeit vor Ort».

«Wenn internationale Konzerne dem nationalen Parlament vorschreiben, dass Regulierungen nur in Abstimmung mit den USA vorgenommen werden dürfen, ist die Demokratie in Gefahr», betonte Wicher. Durch die jüngsten Veröffentlichungen sei nun auch bekannt, dass es nicht nur um eine Liberalisierung des Handels gehe. «Wenn die öffentliche und demokratisch verantwortete Daseinsvorsorge radikal den internationalen Marktgesetzen unterworfen wird, sind soziale Grundwerte in Gefahr.»

So könnten Bereiche wie Bildung und Kultur, Wasser und Strom einer «Ökonomisierung des kommunalen Handels» unterworfen werden. Für Hamburg könnte das eine weitere Privatisierung von Krankenhäusern, Pflegeheimen oder des öffentlichen Nahverkehrs (HVV) bedeuten, befürchtet der Sozialverband. Hinzu kommen könnten zudem unter anderem ein Abbau bei der Lebensmittelsicherheit, beim sozialen Wohnungsbau und beim Datenschutz. Auf der anderen Seite drohten etwa Fracking, mehr Pestizide beim Obstanbau und das Aus für Volksentscheide, warnte der Sozialverband.

Fr, 2016-05-06 08:05
Singapur (dpa)

Ölpreise sinken

Singapur (dpa) - Die Ölpreise sind am Freitag trotz einer deutlich reduzierten Ölproduktion in Kanada wegen starker Waldbrände gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete am Morgen 44,57 US-Dollar. Das waren 44 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni fiel um 51 Cent auf 43,81 Dollar.

Aufgrund starker Waldbrände in Kanada waren die Ölpreise am Donnerstag zeitweise deutlich gestiegen. Zahlreiche in der Provinz Alberta angesiedelte Unternehmen, die vornehmlich Ölsande fördern, haben ihre Produktion eingestellt oder gedrosselt. Ein nachhaltiger Preisschub am Ölmarkt wurde dadurch jedoch nicht ausgelöst. Am Markt wurden das hohe Produktionsniveau des Ölkartells Opec und die abermals auf Rekordhöhe gestiegenen Rohölvorräte in den USA als Gründe für die sinkenden Preise genannt.

Fr, 2016-05-06 08:21
Aviv (dpa)

Neuer Mörsergranaten-Beschuss aus dem Gazastreifen

Tel Aviv (dpa) - Die militärischen Konfrontationen zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen gehen weiter. Soldaten seien bei einem Einsatz am Sicherheitszaun mit Mörsergranaten beschossen worden, teilte die Armee am Freitag mit. Es sei niemand verletzt worden.

Beide Seiten lieferten sich in den letzten Tagen den intensivsten Schlagabtausch seit dem Gaza-Krieg vor fast zwei Jahren. Am Donnerstag wurden bei israelischen Luftangriffen eine Palästinenserin getötet und mehrere Menschen verletzt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollte am Freitag in einer Dringlichkeitssitzung mit seinem Sicherheitskabinett über das weitere Vorgehen beraten.

Fr, 2016-05-06 07:53
Kabul (dpa)

Neue Chefs für Verteidigung und Geheimdienst in Afghanistan

Kabul (dpa) - Der afghanische Präsident Aschraf Ghani baut angesichts der wachsenden Gewalt im Land erneut seinen Sicherheitsapparat um. Der bisherige Verteidigungsminister Massum Staniksai übernimmt die Leitung des Geheimdienstes NDS. An seine Stelle tritt General Abdullah Habibi. Ein Sprecher des Präsidenten, Safar Haschemi, tweetete die Veränderungen am späten Donnerstagabend. Erst im Februar hatte Ghani den Innenminister ersetzt.

Der wichtige Geheimdienst-Chefposten war vakant, seit im Dezember der Direktor aus Protest gegen Ghanis Kurs der Annäherung an Pakistan zurückgetreten war. Staniksai hat aus seiner Zeit als Geschäftsführer des auch von Deutschland mitfinanzierten Hohen Friedensrates einen guten Ruf. Im Verteidigungsministerium hat er laut Militärbeobachtern Fortschritte bei der Beseitigung massiver Probleme mit Gehaltslisten und Nachschubsystemen gemacht. Mehr als 100 Generäle wurden entlassen, Front-Kommandeure wurden ersetzt.

General Abdullah Habibi war bereits 2015 als Kandidat für den Posten gehandelt worden. Er ist Paschtune, während der Sicherheitsapparat von Tadschiken dominiert wird. Dass er aus Kunar stammt, wo Kämpfer der Terrormilizen Islamischer Staat und Al-Kaida sowie der pakistanischen Taliban eine Zuflucht gefunden haben, dürfte ein Vorteil sein.

Staniksai und Habibi müssen noch vom Parlament bestätigt werden.

Fr, 2016-05-06 07:00
Kabul (dpa)

Die Frauen der Toten und ihre Zuflucht - Kabuls Witwenhügel Von Christine-Felice Röhrs, dpa

Zehntausende afghanische Männer sind in den vergangenen Jahren gestorben. Aber was wird aus den Frauen? Der Staat hilft Witwen selten. Und das Klischee vom Klan-Zusammenhalt stimmt auch nicht immer. Die einzige Zuflucht: Sanabad, der Witwenhügel.

Kabul (dpa) - Vor ein paar Wochen hat Nadija Mehl gebraucht. Es war kein Geld im Haus, kein einziger Afghani, und ihre sieben Töchter waren hungrig. Nadijas Mann ist vor vier Monaten von einer Bombe zerrissen worden, bei einem Anschlag der Taliban auf einen belebten Platz in Kabul. Er hatte sich am Straßenrand als Tagelöhner angeboten. Am Ende des Tages waren seine Frau und seine Töchter allein, ganz auf sich gestellt.

Wäre Nadija irgendwo anders gewesen, hätte sie leicht verhungern können. Eine afghanische Frau ohne Mann ist eine Frau ohne Stimme, Rechte oder Ressourcen. Aber Nadija lebt in Sanabad, Kabuls Frauenstadt. Witwenhügel könnte man auch sagen zu der dichten Ansammlung krummer Lehmziegelhäuschen an engen Schlammwegen auf einer Bergkuppe im Südwesten der Millionenstadt. Nadija ist also zur Nachbarin gegangen, die andere Frauen zu Hilfe gerufen hat. Und jede hat Nadija eine faustvoll Mehl gegeben. Am Abend gab es Brot für Nadijas Töchter.

Der Witwenhügel von Kabul ist eine einzigartige Gemeinde. Sie ist Zuflucht für 500 oder mehr afghanische Frauen ohne Männer. Sie leben alleine, verdienen ihr eigenes Geld und beschützen sich gegenseitig.

Wann genau die Siedlung entstanden ist, weiß keiner mehr so genau, sagt die afghanische Frauenrechts-Analystin Nahid Ehsar, die die Gemeinde lange für ein Rechercheprojekt begleitet hat. Vermutlich irgendwann in den 90er Jahren, nachdem der Aufstand gegen die russische Besatzung und der Bürgerkrieg zwischen den Mudschahedin-Fraktionen Zehntausende Witwen geschaffen hatten.

Und die Gemeinde wächst noch immer. Mittlerweile kommen Frauen sogar aus anderen Provinzen. Aus Logar, Kunar, Kandahar - stark umkämpfte Ecken des Landes. Die Witwen helfen den Neuen dabei, eine Lehmhütte hochzuziehen, bringen Essensspenden, erklären, wie man in Kabul - wenigstens ab und zu - an Geld kommt.

Wie viele Witwen es in Afghanistan gibt, bleibt verschwommen. Aus dem zuständigen Ministerium für Arbeit, Soziales und Märtyrer heißt es, man habe diese Zahl nicht. Die Frauenorganisation der Vereinen Nationen, UN Women, sprach vor ein paar Jahren von allein von rund zwei Millionen Kriegswitwen. Die US-NGO «Beyond the 11th», die afghanische Witwen unterstützt, hat ihre Gesamtzahl auf 2,5 Millionen geschätzt. Bei einer wiederum geschätzten Bevölkerungszahl von um die 25 bis 30 Millionen wären das sieben bis zehn Prozent aller Afghanen.

Sicher ist: Jeden Tag verwitwen mehr Frauen, denn der Krieg in Afghanistan ist wieder voll entflammt. Allein im vergangenen Jahr sollen nach unterschiedlichen Angaben 5500 bis mehr als 7000 Soldaten und Polizisten bei Gefechten gestorben sein. Dazu kamen mehr als 3200 zivile Männer. Sie alle haben gemeinsam: die Frauen, die sie hinterlassen - oft allein in einer Gesellschaft, in der die Frau an sich nicht zählt, in der sie wenig Bildung bekommt und es als verwerflich gilt, wenn sie außerhalb des Hauses arbeitet.

Die treibende Kraft in der Frauenstadt war jahrzehntelang Bibi Koh, die Großmutter vom Berg, die sich um solche Konventionen nicht geschert hat. Bibi Koh hat jede Witwe, die sie sah, eingeladen, auf den Berg zu kommen und die Gemeinde so auf eine Größe gebracht, die Macht bedeutet und Widerstand ermöglicht. Sie war eine große, schwere Frau mit wirrem rot gefärbtem Haar, einem herabgesunkenen rechten Augenlid, das ihr etwas piratenhaftes gab - und schnellen Fäusten. Wenn ihr etwas nicht passte, schlug sie zu. Auch auf das Kinn der Enkelin, den Arm einer Nachbarin. Der Witwenhügel ist keine Kuschelgemeinde. Die Gewalt, die die Frauen erlebt haben, hat Spuren hinterlassen.

Bibi Koh ist im März gestorben, aber bei einem Besuch im Herbst hatte sie von ihrem Leben erzählt. Zwei Mal hatte sie ihren Mann verloren. «Kopfesser» - «kala-khor» - nannten die Verwandten sie irgendwann. Bibi Koh bringt den Tod, hieß es, und so wurde sie eines Tages samt ihren fünf Kindern aus dem Dorf geworfen. «Das zu erleben, hat mich sehr wütend und stark gemacht», hat sie damals gesagt.

Nach ihrem Tod hat nun ihre Tochter Anisa die inoffizielle Leitung übernommen. Anisa ist Polizistin. Dass sie eine Waffe trägt - und das auch jedem sagt -, hat ihre Schützlinge enorm beruhigt.

Denn der Staat hilft den Witwen nicht. Der Aufbau eines funktionierenden Sozialsystems stand nie im Mittelpunkt der internationalen Aufbaubemühungen. Das zuständige Ministerium für Arbeit, Soziales und Märtyrer gehört, mit anderen «sozialen» Ministerien wie dem Flüchtlingsministerium, zu den am schlechtesten organisierten des Landes. Kein Geld, wenig Motivation, noch weniger Fachwissen.

Ruft man dort an und fragt nach dieser großen Gruppe der Opfer - eine der verwundbarsten sozialen Gruppen des Landes, wie humanitäre Helfer sagen -, dann heißt es, man habe «gute Programme» für Witwen. Aber wie viele daran teilhaben, das wisse man gerade nicht.

Aus einer UN-Umfrage unter Kriegswitwen aus 2014 ging allerdings hervor, dass nur ein Drittel der befragten Frauen staatliche Unterstützung bekam - und dass die meisten von ihnen mit einer kleinen Einmalzahlung abgespeist worden waren statt eine regelmäßige Zuwendung zu erhalten. Die meisten anderen sagten, sie wüssten nicht, wie und wo sie sich um solche Unterstützung bewerben sollten.

Was bleibt, ist die Familie. Das Klischee besagt, dass in Afghanistan der Klan die staatliche Fürsorge ersetzt. Aber wer den Geschichten der Frauen vom Witwenhügel zuhört, lernt, dass dies kein verlässliches Netz ist. Auch Verwandte können grausam sein. Verwandte haben manchmal selber zu wenig zum Leben. Mitunter haben Verwandte Angst, die neue Frau im Haus könnte der Hausherrin ihren Einfluss oder sogar den Mann wegnehmen.

Jede vierte der von der UN befragten Witwen erzählte von Gewalt innerhalb der eigenen Familie. Sie seien beschimpft, geschlagen, zur Wiederheirat gezwungen oder ausgestoßen worden. Witwen, sagt Analystin Ehsar, werden zu «Frauen ohne Identität und Schutz». Deg-e be-sarposch - Topf ohne Deckel - würden sie verächtlich auch genannt.

Nausi zum Beispiel. Bei einem Besuch der Witwengemeinde im April sitzt sie im Hof einer Nachbarin. Auf dem gestampften Erdboden liegt eine Plastikplane als Teppichersatz, Schuhe stehen aufgereiht davor, in der Ecke ein Haufen Schutt und verrostete Dinge, die für irgendwas sicher nochmal zu gebrauchen sind. Hühner und Kinder überall.

Nausi ist eine zierliche Dame Mitte 50 im zerrissenen Kopftuch und mit tiefen Falten im schüchternen Gesicht. Ihr Mann war ums Leben gekommen, als Mitte der 90er Jahre Raketen auf ihr Haus fielen. Die erste Rakete traf nur sein Bein, und er beschwor seine Familie ohne ihn zu fliehen. Als Nausi am nächsten Morgen zurückkehrte, konnte sie nur noch seinen zerschmetterten Körper bergen. In der Stadt bekriegten sich damals die Mudschahedin-Gruppen, die zuvor vereint die Sowjets aus dem Land getrieben hatten und stritten, wer nun über die Hauptstadt herrschen durfte. Die Frauen vom Witwenhügel sind ein lebendiges Lexikon der Krisen, Konflikte und Kriege in Afghanistan.

Nach dem Tod ihres Mannes hat Nausi monatelang mit einem Schubkarren ihre Besitztümer, drei kleine Söhne und vier noch kleinere Töchter von Haus zu Haus geschoben - niemand wollte sie. «Du kommst mit acht Mäulern, was erwartest Du?», sagten sie zu ihr.

Den Witwenhügel nennt sie ein Gottesgeschenk. Sie denkt nicht gerne an die Zeit davor zurück. Sie bekommt Kopfschmerzen davon. Sie habe sich «wie eine Verrückte» gefühlt. Immer nur weinen, weinen. Bleierne Beine. Aber die Hügel-Frauen waren so stark. Bauten Häuser, besiegten die Polizisten, die kamen, um die illegal gebauten Häuschen wieder einzureißen, gingen raus und fanden Arbeit als Autowäscherinnen oder Besenbinderinnen. «Hier habe ich meine Füße wiedergefunden», sagt Nausi.

Bibi Mehru, ihre Freundin, die um die 60 ist, beschreibt es ähnlich. Ihr Mann ist bei einer Explosion gestorben. Sie blieb zurück mit vier Töchtern und Verwandten, die kamen, wenn es Essen gab und wegblieben, wenn sie Hilfe brauchte. «Manchmal haben wir in einem Zelt gelebt, und ich konnte nächtelang nicht schlafen, weil ich Angst hatte, Männer wollen hinein zu meinen Mädchen», sagt Mehru.

Sie habe immer Angst vor Menschen gehabt, sagt sie, aber auf dem Hügel sei sie klug und stark geworden. Von den anderen «frechen Frauen» habe sie gelernt, mit Menschen zu sprechen.

Trotz des Schutzes, den die weibliche Gemeinde bietet - das Leben der Witwen vom Hügel ist nicht leicht. Nausis Kinder und Enkel verkaufen hartgekochte Eier und bringen etwa 300 Afghani, vier Euro, am Tag nach Hause. Aber ein Sohn hat Tuberkulose. Die Flasche Medizin, die für zwei Wochen reicht, kostet 650 Afghani, umgerechnet etwa zehn Euro. Als es schlimmer wurde, wurden die Kinder aus der Schule genommen, damit sie mehr arbeiten konnten.

Nadija verdient gar kein Geld. Sie ist abhängig von Verwandten, die sie daheim nicht haben wollen, aber ab und zu Essen oder Geld bringen. Und von den Nachbarinnen. Vor kurzem hat jemand ihr angeboten, die jüngste der sieben Töchter zu kaufen. Mariam, acht Monate, war kurz vor dem Tod von Nadijas Ehemann zur Welt gekommen. Du kannst ihr doch sowieso kein gutes Leben bieten, hat die Frau gesagt. Aber Nadija bringt es nicht über sich. Noch nicht.

Einige der Töchter von Witwen haben geheiratet. Es sind jetzt wieder mehr Männer auf dem Hügel. Mehr Beschützer. Aber es kommen immer neue Witwen hinzu. Denn nun sterben wieder Tausende Männer in Afghanistan.

Fr, 2016-05-06 06:59
Kabul (dpa)

Der Frauenhügel - Zuflucht für Kabuls Kriegswitwen Von Christine-Felice Röhrs, dpa

Tausende Frauen verwitwen jedes Jahr in Afghanistan, wo der Krieg wieder voll entflammt ist. Sie werden zu Frauen ohne Identität und Schutz. Der Staat hilft selten, die Familie nicht immer. Eine Zuflucht bleibt: der Witwenhügel in Kabul.

Kabul (dpa) - Vor ein paar Wochen hat Nadija Mehl gebraucht. Es war kein Geld im Haus, kein einziger Afghani, und ihre sieben Töchter waren hungrig. Nadijas Mann ist vor vier Monaten von einer Bombe zerrissen worden, bei einem Anschlag der Taliban auf einen belebten Platz in Kabul. Wäre Nadija irgendwo anders gewesen, hätte sie verhungern können. Eine afghanische Frau ohne Mann ist eine Frau ohne Stimme, Rechte oder Ressourcen. Aber Nadija lebt in Sanabad, Kabuls Frauenstadt. Sie ist also zur Nachbarin gegangen, die andere Frauen zu Hilfe gerufen hat, und jede hat Nadija eine Faustvoll Mehl gegeben. Am Abend gab es Brot für ihre Töchter.

Sanabad, die Frauenstadt von Kabul, ist eine einzigartige Gemeinde. Die dichte Ansammlung krummer Lehmziegelhäuschen auf einer Bergkuppe im Südwesten Kabuls ist Zuflucht für rund 500 afghanische Frauen ohne Männer. Sie leben alleine, verdienen ihr eigenes Geld und beschützen sich gegenseitig.

Entstanden ist «der Witwenhügel» irgendwann in den 90er Jahren, als der Aufstand gegen die russische Besatzung und der anschließende Bürgerkrieg zwischen den Kämpfer-Fraktionen schon Zehntausende Witwen geschaffen hatten.

Aber die Gemeinde wächst noch immer. Mittlerweile kommen Frauen sogar aus anderen Provinzen auf den Hügel in Kabul. Aus Logar, aus Kunar, aus Kandahar - besonders stark umkämpfte Ecken des Landes.

Wie viele Witwen es in Afghanistan gibt, ist unklar. Aus dem zuständigen Ministerium für Arbeit, Soziales und Märtyrer heißt es, man habe diese Zahl nicht. Die Frauenorganisation der Vereinen Nationen, UN Women, sprach vor ein paar Jahren von allein zwei Millionen Kriegswitwen.

Das dürfte heute weit überholt sein. Jeden Tag verwitwen mehr Frauen in Afghanistan, denn der Krieg ist wieder voll entflammt. Allein 2015 sollen nach unterschiedlichen Angaben 5500 bis mehr als 7000 Soldaten und Polizisten bei Gefechten gestorben sein. Außerdem mehr als 3200 zivile Männer.

Die Frauen, die sie hinterlassen, müssen überleben in einer Gesellschaft, in der die Frau nichts zählt, wenig Bildung bekommt und selten außerhalb des Hauses arbeiten darf. Dazu kommt der Status-Verlust. Witwen, sagt die afghanische Frauenrechts-Analystin Nahed Ehsar, werden zu «Frauen ohne Identität und Schutz». Deg-e be-sarposch - Topf ohne Deckel - würden sie verächtlich auch genannt.

Der Staat hilft selten. Aus einer UN-Umfrage unter Kriegswitwen aus 2014 ging hervor, dass nur ein Drittel der befragten Frauen staatliche Unterstützung bekam - und dass die meisten von ihnen mit einer kleinen Einmalzahlung abgespeist worden waren statt eine regelmäßige monatliche Zuwendung zu bekommen.

Was bleibt, ist die Familie. Aber ein verlässliches Netz ist das nicht. Witwen und ihre Kinder bedeuten oft eine zusätzliche Bürde im Land, in dem es täglich mehr Gefechte und weniger Arbeit gibt. In der UN-Umfrage von 2014 heißt es, jede vierte der befragten Witwen habe von Gewalt erzählt. Die Frauen seien beschimpft, geschlagen, zur Wiederheirat gezwungen oder ausgestoßen worden.

Nausi ist ein Beispiel. Sie ist eine zierliche Frau Mitte 50 im zerrissenen Kopftuch und mit tiefen Falten im schüchternen Gesicht. Ihr Mann war ums Leben gekommen, als Mitte der 90er Jahre eine Rakete auf ihr Haus fiel. Sie gehört zu den ältesten Bewohnerinnen des Witwenhügels.

Nach dem Tod ihres Mannes hat Nausi monatelang mit drei kleinen Söhnen und vier noch kleineren Töchtern bei Verwandten um Hilfe gebeten - niemand wollte sie. «Du kommst mit acht Mäulern, was erwartest Du?», sagten sie zu ihr.

Den Witwenhügel nennt sie ein Gottesgeschenk. Sie denkt nicht gerne an die Zeit davor zurück. Sie bekommt Kopfschmerzen davon. Sie habe sich «wie eine Verrückte» gefühlt. Immer nur weinen, weinen, weinen. Bleierne Beine. Aber auf dem Hügel waren die anderen so stark, bauten Häuser, besiegten die Polizisten, die kamen, um sie wieder einzureißen. «Hier habe ich meine Füße wiedergefunden», sagt Nausi.

Trotz des Schutzes, den die weibliche Gemeinde bietet - das Leben der Witwen vom Hügel ist nicht leicht. Nausis Kinder und Enkel verkaufen hartgekochte Eier am Straßenrand und bringen etwa 300 Afghani, vier Euro, am Tag nach Hause. Für acht Familienmitglieder.

Nadija verdient gar kein Geld. Sie ist abhängig von Verwandten, die sie daheim nicht haben wollen, aber ab und zu Essen oder Geld bringen. Und von den Nachbarinnen. Vor kurzem hat jemand ihr angeboten, die jüngste der sieben Töchter zu kaufen. Du kannst ihr doch sowieso kein gutes Leben bieten, hat die Frau gesagt. Aber Nadija bringt es nicht über sich. Noch nicht.

Fr, 2016-05-06 06:00
Köln/Bonn (dpa) 

Guido Knopp auf Spuren des RAF-Terrors - Doch nicht nur Geschichte?    Von Yuriko Wahl-Immel, dpa

Alle reden über islamistischen Terror und die Gefahren von rechts. Der Doku-Kanal Phoenix beschäftigt sich nun noch einmal mit der RAF. Zu viele Bluttaten seien noch ungeklärt, viele Rätsel ungelöst. Guido Knopp setzt auf neue Zeitzeugen.

Köln/Bonn (dpa) - Mord, Entführung, Geiselnahme, Terror. Vor mehr als 40 Jahren hatte die Rote Armee Fraktion (RAF) mit ihren Schlägen gegen Staat und Wirtschaft begonnen - nach wie vor tappen die Ermittler bei vielen Attentaten im Dunklen. Die Akten sind noch nicht geschlossen. «Es geht jetzt darum, sich vor allem den Rätseln, den offenen Fragen zuzuwenden und konkret zu zeigen, was bis heute noch ungelöst ist - ein spannendes Thema», sagt der Fernseh-Historiker Guido Knopp. Er mischt zentral mit beim diesjährigen Jahresschwerpunkt RAF, den der Sender Phoenix am 8. Mai startet.

«Die RAF ist ein rein historisches Phänomen - so dachten wir bis vor zwei Jahren. Aber das ist offenkundig nicht der Fall», meint Knopp. «Es wäre leichtfertig, zu sagen, die RAF ist «nur» Geschichte und das alles eine abgeschlossene Sache.» Fast 40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine «Landshut» nach Mogadischu, dem Mord an Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer und Bank-Topmanager Jürgen Ponto rückt die linksterroristische Gruppe wieder stärker in den Fokus. Auch zwei Überfälle auf Geldtransporter in den vergangenen Monaten in Wolfsburg und bei Bremen - begangen von drei mutmaßlichen früheren RAF-Mitgliedern - haben aufhorchen lassen.

Was vor fast einem halben Jahrhundert mit ersten Gewalttaten begann, sei also womöglich noch kein komplett abgeschlossenes Kapitel, meint man bei Phoenix, dem Ereigniskanal von ARD und ZDF. Ob die RAF im Untergrund weiter aktiv sei - trotz ihrer 1998 verkündeten Selbstauflösung - bleibe offen. «Konkret beschäftigt uns die Frage: Sind sie noch unter uns?», erklärt Knopp. Bis 1998 ermordete die RAF 34 Menschen und verletzte etwa 230. Die jüngsten Überfälle könnten Beschaffungskriminalität sein, meint der Historiker, der rund drei Jahrzehnte beim ZDF die Redaktion Zeitgeschichte geleitet hat und 2013 zu Phoenix wechselte.

Der Jahresschwerpunkt beginnt mit einem tagesfüllenden Programm rund um die Rote Armee Fraktion am 8. Mai mit einer Reihe von Sendungen über den ganzen Tag verteilt. Knopp geht mit namhaften Terrorismusforschern dem «Rätsel RAF-Terror» nach. Außerdem äußert sich Ex-Mitglied Karl-Heinz Dellwo über damalige Ideologie und Ziele. Ulrike Meinhof und ihr Selbstmord vor 40 Jahren im Gefängnis Stuttgart-Stammheim werden am Nachmittag thematisiert. Übers Jahr sollen viele Dokus, Interviews und Filme folgen, zum Abschluss am 30. November eine Zeitreise - diese wieder mit Knopp: Eine Spurensuche mit Betroffenen und Zeitzeugen an Tatorten im Rheinland, in Frankfurt, Stuttgart oder Berlin.

«Wir haben neue Gesichtspunkte und eine ganze Reihe von Zeitzeugen und Augenzeugen, die einzelne Mosaikstein liefern können», kündigt Knopp an. «Über die dritte Generation der RAF, die ja vor allem in den 80er Jahren gemordet hat, ist noch erstaunlich wenig bekannt.»

Bei den Attentaten auf den Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen 1989 oder Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder vor 25 Jahren in Düsseldorf seien Täter und genauer Hergang bis heute nicht ermittelt. Es gebe Anzeichen für eine Unterstützung der Terroristen aus dem Ausland, sagt der Phoenix-Moderator. Der Sender werde auch die Rolle der Geheimdienste beleuchten: «Was wussten sie, wie waren sie verwickelt?» Unter die Lupe nehme man außerdem die Rolle der Anwälte in der Justizvollzugsanstalt Stammheim, wo mehrere RAF-Terroristen einsaßen.

Kommen bei all den Fragen auch neue Antworten auf den Tisch? «Das wollen wir hoffen», betont Knopp. «Es wäre allerdings vermessen zu behaupten, dass uns etwas gelingt, was Hunderten von BKA-Beamten und anderen Fachleuten, Kriminalisten, bisher nicht gelungen ist.» Aber man werde das Bewusstsein schärfen, welche Komplexe noch einer Aufklärung bedürfen. «Wenn wir das ausarbeiten, ist schon eine Menge geschehen - und wer weiß, vielleicht fällt uns da auch ein Goldstück in den Schoß.»

Fr, 2016-05-06 04:30
Berlin (dpa)

Das Rote Kreuz wählte das Kreuz - und verschmähte das Nashorn Von Jan Ludwig, dpa

Es ist eines der bekanntesten Symbole der Welt: das Rote Kreuz. In vielen Ländern aber denken Menschen auch dann an Erste Hilfe, wenn sie einen Roten Halbmond sehen - oder einen Roten Löwen. Andere Zeichen werden weniger akzeptiert. Aus gutem Grund.

Berlin (dpa) - Keine Institution erhielt so viele Friedensnobelpreise, wohl kaum eine rettete so viele Menschenleben: Am 8. Mai wird deshalb der Weltrotkreuztag gefeiert. Schon von Weitem lässt das rote Kreuz auf weißem Grund erkennen, wo Kranken und Verwundeten geholfen wird. Doch warum eigentlich ein Kreuz?

Die Ursprünge des Symbols gehen auf den Gründer der Rotkreuz-Bewegung zurück, den Schweizer Henry Dunant. Aus Respekt vor seinem Herkunftsland sollen die Mitgründer 1863 die Farben der Schweizerfahne - weißes Kreuz auf rotem Grund - einfach umgedreht haben. Ursprünglich dachte man also wohl nicht an das Kreuz als religiöses Zeichen.

Ab 1875 entsandte das Rote Kreuz die ersten Freiwilligen in Kriegsgebiete, vor allem auf den Balkan. Die osmanischen, also muslimischen Helfer verwendeten jedoch ein anderes Emblem. Zu stark erinnerte das Kreuz an die sehr ähnlichen Wappen der Kreuzritter. An seine Stelle trat der Rote Halbmond, der offiziell erst 1929 anerkannt wurde. Die meisten islamisch geprägten Länder verwenden ihn bis heute.

Die Aufnahme eines neuen Zeichens weckte bei anderen Staaten Begehrlichkeiten. Auch sie wollten nun ihr je eigenes Symbol wählen dürfen: Der Sudan schlug ein Rotes Nashorn vor, der Libanon die Rote Zeder, Indien ein Rotes Wagenrad. Abgelehnt wurden sie alle, schließlich wollte man keine Inflation der Zeichen. Der Vorschlag von Sri Lanka aus dem Jahr 1957, eine Rote Swastika (eine Art Hakenkreuz) einzuführen, fand zwölf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auch nur wenig Zustimmung. Mehr Erfolg hatte da schon der Iran: Der Rote Löwe mit Roter Sonne wurde in den Kreis der geschützten Zeichen aufgenommen. Seit 1980 wird er aber nicht mehr verwendet.

Einst hatte man das Kreuz als neutrales, leicht zu zeichnendes und vor allem einheitliches Symbol gewählt. Nun gab es gleich drei - und immer noch nicht genug. Kurz nach der Gründung des israelischen Staates bat die dortige Hilfsorganisation darum, in die Föderation der Rotkreuz-Bewegung aufgenommen zu werden. Ihr Symbol: der Rote Davidstern. Doch das Rote Kreuz lehnte den Antrag ab. Israel weigerte sich daraufhin, das Kreuz oder den Halbmond zu verwenden, und blieb bei seinem Davidstern. Erst 2006 wurde das Zeichen offiziell anerkannt, wenn auch nur im Inland. In anderen Staaten müssen israelische Helfer ein Zeichen nutzen, das eigens für sie entworfen wurde und keine religiösen Assoziationen weckt: den Roten Kristall.

Ob Löwe oder Stern, Halbmond, Kreuz oder Kristall, eines ist allen Zeichen gemeinsam: Wer immer in Kriegen ein solches Zeichen trägt - Krankenpfleger, Sanitäter, Ärzte - genießt besonderen völkerrechtlichen Schutz. Niemand darf sie angreifen, und wer es doch tut, macht sich eines Kriegsverbrechens schuldig. Denn mit dem Roten Kreuz entstand nicht nur eine Hilfsorganisation - sondern auch die Genfer Konventionen.

Fr, 2016-05-06 03:05
Herrenalb (dpa)

Kiefer wächst auf Klostermauer - seit fast 200 Jahren Von Sönke Möhl, dpa

Was treibt einen Baum auf eine Klostermauer? Der Zufall ließ eine Kiefer vor knapp 200 Jahren sogar auf einem Torbogen keimen. Besucher bestaunen den Wunderbaum von Bad Herrenalb.

Bad Herrenalb (dpa) - Sie steht senkrecht und trotzig auf der alten Klostermauer in Bad Herrenalb als gäbe es keinen besseren Platz zum Wurzeln. Die Kiefer trotzt Stürmen ebenso wie Trockenheit und bringt Besucher zum Staunen. Manche nennen sie «Wunderkiefer», wohl auch, weil das Samenkörnchen damals ausgerechnet auf den Resten der Vorhalle der Klosterkirche keimte, die Paradies heißt. Bürgermeister Norbert Mai findet: «Wie die Kiefer nun seit fast 200 Jahren auf dem Torbogen des Paradieses wächst, hat etwas Magisches.»

Muss ein Baum nicht vertrocknen, der mehrere Meter hoch auf einer Mauer steht? Nein, denn die Kiefer hat ihre Wurzeln durch die Fugen bis ins Erdreich getrieben und kann sich so mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Der Karlsruher Baumexperte Prof. Claus Mattheck kennt viele ähnlich kuriose Fälle auf der ganzen Welt. Entscheidend sei, dass Mauern zwar Druck gut aufnehmen können, aber bei Zugkräften Risse bekommen. Das ermöglicht den Pflanzen, ihre Wurzeln in sie hinein und durch sie durchzutreiben.

Die Kiefer auf der Paradiesmauer hat sich inzwischen zu einer echten Touristenattraktion entwickelt. «Bei Stadtführungen sowie bei den Kloster- und Kirchenführungen erfährt sie seit jeher besondere Aufmerksamkeit und bringt die Gäste immer wieder zum Staunen», sagt die Pressesprecherin der Gartenschau 2017 in Bad Herrenalb, Viktoria Menhart. Der Baum soll auch bei der Veranstaltung im nächsten Jahr eine Rolle spielen.

Um die Zukunft des Baumes muss man nach Überzeugung von Experten keine Sorge haben. 2010 sei das Paradies saniert worden. Statiker und Baumsachverständige hätten dabei die untrennbare Einheit von romanischer Mauer und Baum auf ihre Standfestigkeit hin untersucht, berichtet Menhart. Nur zur Sicherheit wurden Halteseile zu benachbarten Laubbäumen gespannt. Bei Bedarf schauen Stadtgärtner nach der besonderen Kiefer, etwa um trockene Äste zu entfernen.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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