Mo, 2015-04-27 14:09
Berlin (dpa)

Wie deutsche Organisationen nach dem Erdbeben in Nepal helfen

Hilfe für die Erdbebenopfer im Himalaya: Zahlreiche deutsche Organisationen haben Unterstützung auf den Weg gebracht.

Berlin (dpa) - Nach dem katastrophalen Erdbeben in Nepal haben Hilfsorganisationen ihre Arbeit aufgenommen. Eine Auswahl:

- Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) schickt einen Hilfsflug im Wert von 670 000 Euro in das Erdbebengebiet in Nepal. An Bord sind 60 Tonnen Hilfsgüter, darunter Zelte, Decken, Hygienepakete, Küchensets, Wasserkanister sowie eine Trinkwasseraufbereitungsanlage des Technischen Hilfswerks (THW). Finanziert wird der Flug vom Auswärtigen Amt.

- Das THW hat außerdem ein vierköpfiges Vorausteam nach Kathmandu entsandt. Es soll unter anderem die deutsche Botschaft bei der Koordinierung und Lageerkundung unterstützen. Außerdem sollen elf Einsatzkräfte der sogenannten Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (SEEWA) helfen.

- Die Katastrophenhilfe I.S.A.R. hat sich mit Medizinern und Bergungsexperten sowie 15 Tonnen Hilfsgütern auf den Weg gemacht. Sie warten in Indien auf die Möglichkeit zur Weiterreise. An Bord der Sondermaschine sind 52 Helfer. Unter ihnen sind Rettungshundeführer und Experten für die Suche nach Verschütteten sowie Mediziner.

- Malteser International hat aus Deutschland eine halbe Tonne Medikamente bereitgestellt. Die Organisation entsandte am Sonntag Mitarbeiter in die Krisenregion.

- Das internationale Kinderhilfswerk terre des hommes stellt in einem ersten Schritt 100 000 Euro für dringend nötige Soforthilfemaßnahmen für die Erdbebenopfer bereit. Aus diesen Mitteln werden vor allem sauberes Trinkwasser, Decken und Kleidung sowie Hygieneartikel speziell für Frauen und Kinder finanziert.

- Die Hilfsorganisation Care plant, bis zu 100 000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrung, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen. Mehr als 150 Care-Mitarbeiter seien schon in der Region.

- Misereor stellt eine Soforthilfe von 100 000 Euro bereit. Sie soll für die Basis-Versorgung eingesetzt werden, also Notunterkünfte, Lebensmittel, Wasser, Hygieneartikel und gesundheitliche Betreuung.

- Auch die Caritas hat nach eigenen Angaben bereits 100 000 Euro für die schnelle Versorgung bereitgestellt.

Mo, 2015-04-27 14:20
Prag (dpa)

Tschechien sieht Konflikt zwischen Mittelmeer- und Ukraine-Hilfe

Prag (dpa) - Tschechien hat vor einer Vernachlässigung der Ukraine-Hilfe angesichts des dramatischen Flüchtlingsdramas im Mittelmeer gewarnt. Es gebe derzeit großen Druck, die Gelder für Südeuropa zu erhöhen, sagte Außenminister Lubomir Zaoralek der Zeitung «Lidove noviny» (Montag). «Es droht, dass uns die Ukraine völlig ausblutet», warnte der Sozialdemokrat. Gemeinsam mit den übrigen Staaten der Visegrad-Gruppe (Polen, Slowakei und Ungarn) wolle er in Brüssel auf ein «geografisches Gleichgewicht» bei der Verteilung der Mittel dringen. Prag werde bis zum Sommer einen weiteren Konvoi mit Hilfsgütern in das Bürgerkriegsland schicken.

Mo, 2015-04-27 14:43
Berlin (dpa)

Bericht: Bundesregierung wusste von Abschuss-Gefahr in der Ostukraine

Was wusste die Bundesregierung vor dem Abschuss des malaysischen Flugzeuges über mögliche Gefahren im ukrainischen Luftraum? Ein Bericht sieht Defizite beim Auswärtigen Amt.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hatte nach Medienberichten vor dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine im Juli 2014 klare Gefahrenhinweise für Linienflüge über der umkämpften Ostukraine. Das berichten WDR, NDR und «Süddeutsche Zeitung» unter Verweis auf vertrauliche Berichte des Auswärtigen Amtes. Diese Erkenntnisse habe die Bundesregierung aber nicht als Warnung an deutsche Fluggesellschaften für Überflüge weitergegeben.

Die Bundesregierung erklärte, sie habe deutschen Fluggesellschaften keine Gefahrenhinweise vorenthalten. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, sagte am Montag in Berlin, es habe nach dem Abschuss eines ukrainischen Militärflugzeuges zwar Beratungen und Gespräche darüber gegeben, «wie man diesem Wahnsinn in der Ostukraine Einhalt gebieten könnte».

Aus damaliger Sicht habe es aber keinen Anlass gegeben, die Entscheidung der ukrainischen Behörden anzuzweifeln, den Luftraum in dem Gebiet als Reaktion auf den Abschuss bis zu einer Höhe von 9753 Metern für zivile Überflüge zu sperren. «Das Auswärtige Amt ist auch keine Luftsicherheitsbehörde», fügte er hinzu.

Die malaysische Passagiermaschine war in einer Höhe von rund 10 000 Metern vermutlich von einer Rakete getroffen worden. Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben.

In den Medienberichten hieß es, in sogenannten Drahtberichten vom 15. Juli 2014, zwei Tage vor der Katastrophe von Flug MH17, habe das Auswärtige Amt über eine sehr besorgniserregende Lage in der Ostukraine berichtet. Als Grund sei in den als «VS - nur für den Dienstgebrauch» eingestuften Unterlagen der Abschuss eines ukrainisches Militärflugzeugs vom Typ Antonow An-26 in einer Flughöhe von mehr als 6000 Metern am Vortag genannt worden.

Der Abschuss eines Flugzeuges in dieser Höhe sei für Militärexperten ein klares Zeichen, dass auch Ziele in sehr viel größeren Höhen getroffen werden können, was auch eine Gefahr für zivile Passagiermaschinen darstellt. Auch der Bundesnachrichtendienst habe der Bundesregierung mehrfach in seinen täglichen Berichten mitgeteilt, dass die Luftsicherheit über dem Konfliktgebiet in der Ostukraine nicht gegeben sei.

Das Bundesverkehrsministerium habe auf Anfrage geantwortet, dass die Bundesregierung vor dem MH17-Absturz keine Informationen über eine etwaige Verschärfung der Sicherheitslage für zivile Überflüge gehabt habe.

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mo, 2015-04-27 14:05
London (dpa)

Spitfire-Jagdflugzeug wird in London versteigert

London (dpa) - Ein britisches Jagdflugzeug vom Typ Spitfire soll bei Christie's in London versteigert werden. Das teilte das Auktionshaus am Montag mit. Es schätzt den Wert des Flugzeugs, das im Zweiten Weltkrieg im Einsatz war, auf 1,5 bis 2,5 Millionen Pfund (rund 2,1 bis 3,5 Millionen Euro). Der Erlös der Auktion am 9. Juli kommt unter anderem einer Organisation für Wildtierschutz zugute.

Die Spitfire Mk.1A - P9374/G-MK1A war am 24. Mai 1940 im Luftgefecht nahe der nordfranzösischen Stadt Dunkerque von einem Geschoss getroffen worden. Nach der Bruchlandung auf dem Strand von Calais versank die Maschine im Sand und tauchte 1980 wieder auf. Zwölf Spezialisten restaurierten sie drei Jahre lang.

Bei einer Flugshow zur Jubiläumsfeier des Kriegsendes im Mai in Duxford wird sie noch einmal fliegen. Der jetzige Besitzer, der US-Kunstsammler Thomas Kaplan, wird eine weitere flugfähige Spitfire des Typs Mk.1 an das Imperial War Museum in Duxford geben.

Mo, 2015-04-27 14:33
Brüssel (dpa)

Mindestens die Hälfte der EU-Staaten will in Erdbebengebiet helfen

Brüssel (dpa) - Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal hat mindestens die Hälfte aller EU-Länder Hilfe zugesagt. «Wir haben bereits 14 Mitgliedsstaaten, die angeboten haben, Erste-Hilfe-Teams und Ausrüstung in das Land zu schicken», sagte eine Sprecherin der Europäischen Kommission am Montag in Brüssel. Die Zahl der hilfsbereiten EU-Staaten könnte aber noch höher liegen.

Neben der Unterstützung, die von der Europäischen Union (EU) koordiniert wird, kann es auch Absprachen direkt zwischen weiteren EU-Ländern und der Krisenregion geben.

Bei dem Erdbeben im Himalaya waren am Wochenende in mehreren Ländern mindestens 3900 Menschen ums Leben gekommen. Die Rettungsarbeiten kommen nur schwer voran, nach Angaben von Hilfsorganisationen versperren zum Beispiel Erdrutsche den Weg in entlegene Gebiete.

«Wir wissen von den Schwierigkeiten», sagte die Sprecherin der EU-Kommission. Die Helfer würden versuchen, die Menschen in Not so schnell wie möglich zu erreichen. Die EU-Behörde schickt Experten ins Katastrophengebiet. Zudem stellt die Kommission drei Millionen Euro Soforthilfe bereit, zusätzlich zu den Mitteln einzelner Staaten. Das Geld soll etwa für Medikamente, Notunterkünfte und die Bereitstellung von sauberem Wasser verwendet werden.

Mo, 2015-04-27 13:59
Berlin (dpa)

Mieterbund und Umwelthilfe: Energieausweis selten vorgelegt

Berlin (dpa) - Ein Jahr nach der Einführung des Energieausweises kritisieren die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Deutsche Mieterbund (DMB) die Umsetzung. Zahlreiche Immobilienanbieter missachteten die Informationspflichten. Gleichzeitig fänden kaum behördliche Kontrollen statt, teilten DUH und DMB am Montag mit. Seit Mai vergangenen Jahres müssen Interessenten vom Vermieter oder Verkäufer über den energetischen Zustand des Gebäudes aufgeklärt werden.

Der Mieterbund hatte 40 Wohnungen in Berlin, München, Hannover und Stuttgart besichtigt. Die Hälfte der Vermieter und Makler legten weder unaufgefordert noch auf Nachfrage den gesetzlich vorgeschrieben Ausweis vor. Bereits die Immobilienanzeigen informierten nicht ausreichend. Die Umwelthilfe fragte zusätzlich die zuständigen Landesbehörden nach ihrem Kontrollverhalten. Das Ergebnis: Kein Bundesland prüft von sich aus die Vorlage des Energieausweises. Lediglich Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen erklärten, dass sie bei konkreten Bürgerbeschwerden tätig würden.

Die mangelhafte Umsetzung spiegele das «Desinteresse dieser Bundesregierung an einem wirksamen Klimaschutz wider», erklärte der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Mierbund-Geschäftsführer Ulrich Ropertz kritisierte: «Der Energieausweis bleibt auch weiterhin ein Papiertiger.» Die Vorlagepflicht würde nicht ernst genommen.

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Mo, 2015-04-27 14:54
Dachau (dpa)

NS-Experte Benz: «Gedenken braucht seine Zeit» Von Sabine Dobel, dpa

Dachau: ein hübscher Ort vor den Toren Münchens. Und ein Ort, an dem das Grauen der NS-Zeit gegenwärtig bleibt wie an nur wenigen anderen Plätzen. Vor 70 Jahren befreiten US-Soldaten das Konzentrationslager. Der Historiker Wolfgang Benz über die Zeit danach und das Erinnern.

Dachau (dpa) - Dachau, Bergen-Belsen, Flossenbürg - die Orte stehen für den Terror der Nazis. Wahrscheinlich starben allein im Konzentrationslager Dachau in Bayern mehr als 40 000 Menschen. Genaue Zahlen der Opfer gibt es bis heute nicht. Für den Historiker Wolfgang Benz reicht das oft zitierte und stereotype «nie wieder» nicht aus im Kampf gegen ein Wiederaufleben braunen Gedankenguts. Nötig sei eine «verstetigte» Erinnerungskultur - ein dauerhaftes Wachhalten des Gedenkens, sagt er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Die Deutschen wurden nach 1945 von den Alliierten knallhart mit den Gräueltaten konfrontiert. Dennoch verdrängten sie - warum?

Antwort: Wenn ein Konzentrationslager befreit wurde wie Dachau, war die Reaktion moralische Empörung, Abscheu. Der US-Standortoffizier befiehlt: Jetzt müssen alle Dachauer kommen, müssen sich das anschauen, Gräber schaufeln, für ein würdiges Begräbnis dieser Toten sorgen. Das passiert an allen möglichen Orten in ganz Deutschland. Es ist für viele die erste Konfrontation damit, was die Nazis unschuldigen Menschen angetan haben. Die Alliierten wollten, dass die Deutschen angerührt sind - und haben das so erzwungen. Das war kontraproduktiv: Wenn ein Bürger, der kein Nazi war, jetzt wie ein Nazi behandelt wird, dann läutert ihn das nicht, sondern es ärgert ihn, es verhärtet ihn - und er will nichts weiter davon wissen.

Frage: Warum wurden so spät Gedenkstätten eingerichtet, warum war Angela Merkel die erste Kanzlerin, die Dachau in diesem Amt besucht hat?

Antwort: Die Frage gehört zu dem Standardrepertoire der Journalisten. Gedenken braucht seine Zeit. Zum Gedenken gehört auch das Vergessen. Es ist von der Bewusstseinslage her ein ganz schwieriger und lange dauernder Prozess, bis man vom akuten Erleben und Augenschein dazu kommt, dass man diesen Augenschein jetzt auch verstetigen muss.

Frage: Warum hat man erst nach Jahrzehnten überhaupt daran gedacht, die Erinnerung aktiv zu erhalten?

Antwort: Die erste Reaktion ist: Gottseidank, der Schrecken hat ein Ende. Die unglücklichen Häftlinge sind befreit. Dass man die jetzt aus den Augen verlieren will, ist vollkommen natürlich. Man will nicht dauernd klapprige misshandelte Gestalten sehen müssen. Nach 1945 kam weder in Dachau noch in Neuengamme oder sonst irgendwo jemand auf die Idee, dass man eine Gedenkstätte errichten müsste. Es herrscht alltägliche Not. Die Anlagen in Dachau brauchte man als Quarantänestation für überlebende Häftlinge. Anschließend nutzt man die Anlagen für entlassene Kriegsgefangene. Dann für Heimatvertriebene. Das KZ Dachau wandelt sich, ohne dass jemand Böses dabei denkt, in eine Behelfssiedlung für Flüchtlinge. Erst dann entsteht die Idee: Wie schaffen wir hier etwas für dauernde Erinnerung?

Frage: Man kennt Dachau, Neuengamme, Flossenbürg - aber es gab viele andere Konzentrationslager. Dürfen wir die einfach vergessen?

Antwort: Dachau war eines der ungefähr hundert frühen, improvisierten Konzentrationslager, die es ab März 1933 gab. Von deren Existenz weiß man heute kaum noch etwas. Es ist zum großen Teil gar nicht mehr möglich, eine Gedenkstätte zu errichten: Oft ist nicht einmal festzustellen, wo die Gefangenen untergebracht waren. Man darf auch nicht Deutschland in eine Erinnerungslandschaft verwandeln, wo nur noch auf die Zeit des Nationalsozialismus zurückgeblickt wird. An den wichtigen Orten wird gedacht und erinnert. Wenn jemand an seinem Wohnort neugierig ist und wissen will, ob es ein KZ gab, kann er das über die Archive und Gemeinde herausfinden.

Zur Person: Wolfgang Benz (73) lehrte bis 2011 an der Technischen Universität Berlin und leitete das zugehörige Zentrum für Antisemitismusforschung. Er gründete die «Dachauer Hefte» und veröffentlichte Bücher («Geschichte des Dritten Reichs», «Der Holocaust») und andere Arbeiten zum Nationalsozialismus.

Mo, 2015-04-27 14:16
Aden (dpa)

Saudische Kampfjets bombardieren Huthi-Rebellen im Südjemen

Aden (dpa) - Saudische Kampfflugzeuge haben Stellungen der schiitischen Huthi-Rebellen in den südjemenitischen Provinzen Schabwa und Dhale bombardiert. Auch Truppen des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Salih, die an der Seite der Huthis kämpfen, wurden am Montag aus der Luft angegriffen, berichteten Augenzeugen aus den beiden Provinzen.

Die Aufständischen marschierten den Berichten zufolge auf die Provinzhauptstadt Dhale vor. Der Ort 120 Kilometer nördlich von Aden wird von Anhängern des ins Ausland geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi gehalten.

Saudi-Arabien bombardiert seit einem Monat Stellungen und Waffenlager der Huthis und ihrer Verbündeten im Jemen. Die Rebellen bedrängen auch die südliche Hafen-Metropole Aden. Im Südjemen besteht das Pro-Hadi-Lager hauptsächlich aus Milizen, die die südjemenitische Separatisten-Bewegung unterstützen.  

Vor knapp einer Woche hatte Riad ein Ende der Luftangriffe in der bisherigen Form angekündigt. Doch bislang wurde nicht klar, wie Saudi-Arabien sein Kriegsziel - die Wiedereinsetzung Hadis - zu erreichen gedenkt.

Mo, 2015-04-27 15:00
Berlin (DUH)

Deutsche Umwelthilfe fordert eine 22-Cent Abgabe auf Einwegplastiktüten

Neue Verbraucherumfrage: 76 Prozent der Bundesbürger fordern eine Lenkungsabgabe auf Plastiktüten – EU-Parlament entscheidet über die Verringerung der Plastiktütenflut in Europa – Bundesumweltministerium muss endlich seine Verweigerungshaltung aufgeben und mit einer Lenkungsabgabe der Plastiktütenflut entgegentreten – Irland konnte Einwegtaschen durch eine Abgabe um mehr als 90 Prozent zurückdrängen

Am morgigen Dienstag (28.4.2015) stimmt das EU-Parlament über die novellierte Richtlinie zu Verpackungen und Verpackungsabfälle (94/62/EG) ab. Anlässlich der bevorstehenden Entscheidung in Straßburg fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Bundesumweltministerin Barbara Hendricks auf, noch in diesem Jahr eine Abgabe in Höhe von 22 Cent pro Plastiktüte einzuführen, um den Verbrauch des Einwegprodukts zu reduzieren.

Sollte sich das EU-Parlament auf die Richtlinie verständigen, müssen alle Mitgliedsstaaten ab Oktober 2016 konkrete Maßnahmen ergreifen, um den Plastiktütenverbrauch zu senken. Zur Auswahl stehen preisliche Maßnahmen wie ein Zusatzbeitrag oder verbindliche Reduktionsziele. Auch eine Kombination aus beidem ist möglich. Durchschnittlich verbraucht jeder Deutsche zurzeit pro Jahr 76 Plastiktüten. Doch anstatt sich an dem Erfolg in Irland zu orientieren, das seinen Plastiktütenverbrauch eindrucksvoll auf ein Fünftel der in Deutschland abgegebenen Plastiktüten mindern konnte, versteckt sich hierzulande das Bundesumweltministerium hinter dem Argument, bereits heute die für 2019 geplante EU-Durchschnittsmenge zu unterschreiten.

„Über Jahrzehnte vertrat Deutschland eine fortschrittliche Umweltpolitik und hatte den Ehrgeiz, an der Spitze der europäischen Mitgliedsstaaten Umweltbelastungen einzudämmen. Umweltministerin Hendricks zeigt mit ihrer angekündigten Untätigkeit einmal mehr ein großes Herz für die chemische Industrie, die mit den vielen zehn Milliarden Plastiktüten pro Jahr hohe Profite einfährt“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Den Verweis des BMUB auf eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels zur Reduktion der Plastiktüten bezeichnete er als „Kniefall der Ministerin vor den großen Handelsunternehmen und der Kunststoffindustrie“.

„Immer mehr Staaten, Regionen und Städte verbieten Plastiktüten oder drängen sie mit hohen Abgaben zurück. Zuletzt hatte die nepalesische Regierung in Kathmandu Plastiktüten verboten. Auch das afrikanische Ruanda geht mit einem landesweiten Verbot konsequenter gegen die Plastifizierung unserer Umwelt vor als Deutschland.“ Eine Abgabe in Höhe von 22 Cent, wie Irland sie eingeführt hat, wäre nach Ansicht der DUH auch hierzulande ein wirksames Instrument, um Verbraucher und Handel gleichermaßen zum Umdenken zu bewegen und die Plastiktütenflut einzudämmen. „Wenn Deutschland seiner Vorbildfunktion im Umweltschutz gerecht werden will, dann muss die Umweltministerin endlich handeln“, so Resch weiter.

Irland hat bewiesen, dass sinnvoll eingesetzte Maßnahmen die Plastiktütenflut tatsächlich eindämmen können. Auf der „Grünen Insel“ hat die 22-Cent Abgabe auf Kunststofftüten seit ihrer Einführung im Jahr 2002 zu einer über 90-prozentigen Reduktion von 328 auf derzeit jährlich 16 Tüten pro Einwohner geführt. „Die Menschen haben die Einwegplastiktüte satt. Sie verschmutzt unsere Umwelt und verschwendet unnötig Ressourcen. Das zeigen allein die über 120.000 Unterstützer unserer Petition gegen Plastiktüten, die wir im Februar an das BMUB übergeben haben“, sagt Julia Barthel, Projektmanagerin im Bereich Kreislaufwirtschaft der DUH. Sie verweist außerdem auf eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Unternehmens myMarktforschung, nach der mehr als drei Viertel aller Deutschen eine 22 Cent-Umweltabgabe auf Einwegplastiktüten befürworten.

Die Diskussion um die Zukunft der Plastiktüten in Europa hatte der damalige EU-Umweltkommissar Janez Potočnik im November 2013 mit einem Entwurf für eine neue Richtlinie eröffnet. Die aktuelle Fassung bezieht sich auf Plastiktüten mit einer geringeren Wandstärke als 50 µm (0,05 mm) und soll am 28.4.2015 vom EU-Parlament verabschiedet werden. Bei einer Einigung verpflichtet die neue Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle (94/62/EG) die Mitgliedstaaten, innerhalb der nächsten 18 Monate konkrete Maßnahmen zu präsentieren, mit denen der Plastiktütenverbrauch zu senken ist.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mo, 2015-04-27 13:21
Bujumbura (dpa)

Nach Unruhen in Burundi: Organisator der Proteste inhaftiert

Bujumbura (dpa) - Nach den blutigen Protesten in Burundi gegen eine dritte Amtszeit von Präsident Pierre Nkurunziza haben Sicherheitskräfte einen der Organisatoren der Demonstration festgenommen. Pierre Claver Mbonimpa, der Vorsitzende einer Menschenrechtsorganisation, wurde Beobachtern zufolge am Montag inhaftiert, als er gerade ein Radio-Interview gab.

Bei den Protesten waren am Sonntag nach Angaben des Bürgermeisters der Hauptstadt Bujumbura mindestens zwei Menschen getötet worden, rund 20 weitere wurden verletzt, darunter auch mehrere Polizisten. Mehr als 200 Demonstranten sollen ins Gefängnis gebracht worden sein.

Präsident Nkurunziza war am Samstag von der Regierungspartei zum Kandidaten für die Wahl am 26. Juni in dem armen ostafrikanischen Land bestimmt worden. Die Opposition sieht eine weitere Amtszeit als verfassungswidrig und als Verstoß gegen das Friedensabkommen von Arusha an. Mit dem Abkommen wurde 2005 der Bürgerkrieg zwischen den Volksgruppen Hutus und Tutsis beendet, in dem Schätzungen zufolge 300 000 Menschen getötet worden waren.

Die Bundesregierung beobachtet die Eskalation der Situation mit großer Sorge. Die Aussichten für eine weitere demokratische Entwicklung hätten sich durch die jüngsten Ereignisse verschlechtert, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin. Er forderte die Regierung auf, die Meinungsfreiheit zu garantieren. Dies gelte auch für Äußerungen der Opposition.

Mo, 2015-04-27 13:01
Kathmandu (dpa) 

Himalaya-Beben mit Tausenden Toten: Hilfe kommt nur schwer durch

Der Flughafen von Nepal ist überlastet, viele Straßen versperrt: Die Hilfe aus aller Welt kommt nur schwer ins Erdbebengebiet in Nepal. Auch die Verteilung der Hilfsgüter ist schwierig.

Kathmandu (dpa) - In den entlegenen Erdbebengebieten des Himalaya kommen die Retter nach der Katastrophe mit mindestens 3400 Toten nur schwer voran. Hilfsorganisationen berichten, dass Erdrutsche und armbreite Risse viele Straßen des bergigen Landes unpassierbar machen. Einzelne Flugzeuge mit Hilfsgütern mussten umkehren, weil der einzige internationale Flughafen Nepals überlastet war. Selbst in der Hauptstadt Kathmandu gab es kaum Strom und Benzin.

Das nepalesische Innenministerium erhöhte die Zahl der Toten am Montag auf mindestens 3432 allein im eigenen Land. Nach Regierungsangaben sollten auch am Montag massenhaft Leichen verbrannt werden, um Seuchen zu verhindern. In Indien starben 62 Menschen, in China mindestens 20 Menschen. Das Erdbeben der Stärke 7,8 am Samstag war das stärkste in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Das Epizentrum lag etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu.

Der frühere nepalesische Premierminister Baburam Bhattarai flog zum Epizentrum des Bebens in seine Heimatregion Gorkha. Zu einem Bild, das ein komplett zerstörtes Dorf an einem Hang zeigt, schrieb er auf Twitter: «Noch keine Rettungs- und Hilfsaktionen in entlegenen Bergdörfern! Sendet sofort kleine Helikopter mit Hilfsgütern.» Nepal ist ein armes Land, das nur über wenige Hubschrauber verfügt. Indien schickte sechs Helikopter ins Nachbarland.

Bergsteiger Reinhold Messner kritisierte, es gebe eine «Zwei-Klassen-Rettung». «Es ist zynisch, dass man um die Bergsteiger am Mount Everest, die sich für 80 000 bis 100 000 Dollar diese Besteigung kaufen können, einen solchen Hype macht», sagte er im Radiosender hr-Info. In erster Linie müsse man den Menschen in Kathmandu helfen und nicht den Bergsteigern.

«In dem bergigen Land ist der Transport von Gütern immer eine Herausforderung - auch wenn es kein Erdbeben gibt», sagte Unni Krishnan, Katastrophenteam-Chef der Hilfsorganisation Plan. Klar sei bislang nur, dass Tausende Häuser zerstört seien, aber nicht, wo genau wie viele. «Deswegen ist es nicht möglich, Hilfspakete aus der Luft abzuwerfen», sagte er. Das wichtigste sei es nun, die Menschen mit Zelten und Licht wie etwa Solarlampen zu versorgen. Denn es regnet immer wieder, und die Meteorologen sagen mehr Regen voraus.

Unterdessen erschütterten weitere Nachbeben die Erde im Katastrophengebiet. Die Menschen trauen sich aus Angst vor weiteren Einstürzen nicht in ihre Häuser zurück. Zahlreiche Parks und öffentliche Plätze in Kathmandu glichen Zeltstädten - Hunderttausende schlafen im Freien. Der Premierminister Sushil Koirala appellierte an seine Landsleute, alle Läden und Apotheken offen zu halten, um die Versorgung sicherzustellen.

Zahlreiche Staaten und Organisationen entsandten Helfer. Indien war besonders aktiv: 400 Tonnen Material seien eingetroffen, teilte die indische Botschaft in Nepal mit. Eine Maschine der Luftwaffe habe aber wegen «Überlastung» des Flughafens umdrehen müssen, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Neu Delhi. Deswegen würden nun alle Maschinen neu getimt. Auch Deutschland schickte Experten. Am Mittag sollte ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) in Kathmandu eintreffen.

Nepals Regierung spricht von mehr als 6500 Verletzten durch das Beben. Krankenhäuser sind heillos überfüllt, Ärzte arbeiten rund um die Uhr. Viele Verletzte müssen auf der Straße versorgt werden. Die Regierung rief die Bürger am Montag zu Blutspenden auf.

Das Tourismusministerium versicherte, ein Fokus der Hilfskräfte sei es auch, die festsitzenden Urlauber in Sicherheit zu bringen. Allein aus dem Basislager am Mount Everest seien 82 Menschen ausgeflogen worden, sagte Suresh Man Shrestha vom Ministerium. Dort waren mindestens 19 Bergsteiger und Helfer in einer Lawine gestorben. Dutzende saßen zunächst noch am höchsten Berg der Welt fest.

Die Europäische Kommission versprach Nepal drei Millionen Euro Soforthilfe. Am dringendsten würden medizinische Helferteams und Nothilfe-Lieferungen benötigt, erklärte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides. Die Asiatische Entwicklungsbank versprach drei Millionen US-Dollar für Zelte, Medikamente und Trinkwasser.

In dem betroffenen Gebiet - das am dichtesten besiedelte Nepals - leben nach UN-Angaben 6,6 Millionen Menschen. «Wir versuchen Telefonleitungen zu reparieren und Strom wiederherzustellen», sagte Nepals Kommunikationsminister Minendra Rizal.

Vom Flughafen Berlin-Schönefeld sollte am Montag ein Flug mit 60 Tonnen Hilfsgütern nach Nepal starten, wie das Deutsche Rote Kreuz mitteilte. Ein Hilfsflug von I.S.A.R. Germany mit 52 Experten war schon am Sonntag gestartet. Unter ihnen seien auch Rettungshundeführer. Das größte Hilfskontingent kommt aber aus dem Nachbarland Indien. Neu Delhi schickte allein 16 Helikopter. «Das Erdbeben in Nepal, das so viele Tote verursacht hat, ist eine schlimme Katastrophe. Die internationale Gemeinschaft muss die Region jetzt unterstützen», erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Im Internet riefen Prominente zur Unterstützung auf: «Mein Herz bricht mit der steigenden Zahl der Todesopfer», schrieb Sängerin Katy Perry (30) am Montag bei Twitter. «Bitte helft Unicef dabei, betroffene Kinder und Familien zu unterstützen.» Schauspielerin Alyssa Milano (42) schrieb: «Mein Herz ist in Nepal.» Auch der Tennisspieler Rafael Nadal (28), die Sängerin Shakira (38) und Kim Kardashian (34) äußerten ihr Mitgefühl.

Mo, 2015-04-27 13:38
Aviv (dpa)

Israelische Armee tötet mutmaßliche Terroristen an syrischer Grenze

Erstmals seit Wochen kommt es an der israelisch-syrischen Grenze wieder zu einem tödlichen Zwischenfall. Vier Syrer näherten sich dem Grenzzaun. Nach israelischen Militärangaben war die Armee vorgewarnt.

Tel Aviv (dpa) - Israels Armee hat an der Grenze zu Syrien eine Gruppe von vier mutmaßlichen Terroristen getötet. Die Männer hätten sich auf den Golanhöhen der Grenzlinie mit einem Sprengsatz genähert, mit dem israelische Grenzpatrouillen angegriffen werden sollten, berichtete eine Armeesprecherin am Montag. Ein Kampfflugzeug habe die Angreifer bei dem Vorfall am Sonntagabend getötet.

Armeesprecher Peter Lerner sagte, es habe sich um Männer gehandelt, die ihre Bombe östlich des Grenzzauns verstecken wollten, der aber bereits auf israelisch kotrolliertem Gebiet liegt. Der ehemalige israelische Marine-Kommandeur Elieser Marom sagte dem israelischen Fernsehen, der Armee hätten Geheimdienst-Warnungen vorgelegen.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dankte laut einem Bericht der «Times of Israel» den Soldaten für ihr «schnelles und präzises» Eingreifen. Jeder Versuch, das Militär oder israelische Zivilisten anzugreifen, werde entschlossen beantwortet. Am Grenzzaun auf den Golanhöhen hat es bereits wiederholt Angriffe von Syrien aus auf israelische Soldaten gegeben.

Israel befürchtet einen neuen großen Schlagabtausch mit der libanesischen Hisbollah-Miliz, die über ein großes Raketenarsenal verfügt. Im Januar waren bei einem Hisbollah-Angriff an der Grenze zwei israelische Soldaten getötet worden. Bei einem Gegenangriff Israels starb auf der libanesischen Seite ein spanischer Blauhelm-Soldat.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte handelt es sich bei den auf den Golanhöhen Getöteten um vier Syrer. Sie hätten für eine Miliz gekämpft, die von der Hisbollah trainiert worden sei. Die Hisbollah kämpft im syrischen Bürgerkrieg an der Seite des syrischen Regimes.

Der Nachrichtenkanal Al-Dschasira berichtete zugleich, israelische Flugzeuge hätten am Sonntag in der Nähe der Grenze zum Libanon Raketenstellungen der syrischen Armee und der Hisbollah angegriffen. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben, hieß es weiter. Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben gab es zunächst nicht. Israelische Militärkreise dementierten den Bericht am Montag. Es handele sich vielmehr um interne Kämpfe im Rahmen des syrischen Bürgerkriegs, sagte ein israelischer Repräsentant der Nachrichtenseite «ynet».

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

Keine Anzeige!

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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