Di, 2015-04-28 15:18
(dpa)

EU-Kommission schlägt Anti-Terrorzentrum vor

Straßburg (dpa) - Wegen der gestiegenen Bedrohung schlägt die EU-Kommission ein Zentrum zur Terrorismusbekämpfung unter dem Dach der europäischen Polizeibehörde Europol vor. Dort sollen Informationen über terroristische Netzwerke zusammenfließen. Eine entsprechende Sicherheitsagenda stellte die EU-Behörde am Dienstag in Straßburg vor.

Das Zentrum soll nationale Fahnder dabei unterstützen, ausländische Kämpfer, verdächtige Finanzströme und extremistische Online-Inhalte aufzuspüren. Auch der Kampf gegen Waffenhandel soll dazu gehören. Es handelt sich zunächst nur um ein Strategiepapier, konkrete Gesetzesvorschläge sollen später folgen.

Di, 2015-04-28 15:40
Dakar (dpa)

40 Soldaten aus dem Niger bei Kämpfen mit Boko Haram getötet

Dakar (dpa) - Bei Kämpfen mit der islamistischen Terrororganisation Boko Haram sind nach Angaben aus Militärkreisen mindestens 40 Soldaten aus dem Niger getötet worden. 35 weitere gelten noch als vermisst, wie ein ranghoher Militärangehöriger des westafrikanischen Landes am Dienstag sagte.

Kämpfer der sunnitischen Extremistengruppe hatten am Samstag eine strategisch bedeutende Insel im Tschadsee nahe der nigerianischen Grenze erobert. Örtlichen Medienberichten zufolge kamen Hunderte Boko-Haram-Kämpfer mit Kanus über den See und stürmten die Insel. Inzwischen haben die Streitkräfte des Niger die Kontrolle über die Insel Karamga nach eigenen Angaben wieder zurückgewonnen.

Di, 2015-04-28 15:43
Riad (dpa)

Saudi-Arabien gibt Verhaftung von 93 Terrorverdächtigen bekannt

Riad (dpa) - Saudi-Arabien hat die Verhaftung von insgesamt 93 Terrorverdächtigen bekanntgegeben. Der Großteil von ihnen soll der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehören, erklärte der Sprecher des Innenministeriums, Mansur al-Turki, am Dienstag vor der Presse in Riad. Sie hätten Anschläge auf öffentliche Bauten, Wohnanlagen und Personen aus dem Sicherheitsapparat geplant, fügte er hinzu.

Zwei weitere Terror-Verdächtige wollten demnach einen Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Riad verüben. Die Verhaftungen erfolgten nach den Angaben des Sprechers in der Zeit zwischen Dezember 2014 und März dieses Jahres.

Anfang des Monats waren bei einem Anschlag in Riad zwei Polizisten getötet worden. Es war der erste Terrorakt, den die saudischen Behörden dem IS zuschrieben. Die Terrormiliz kontrolliert weite Gebiete in Syrien und im Irak, der an Saudi-Arabien grenzt. 

Frühere Anschläge in Saudi-Arabien, darunter auf ein Wohnheim für Ausländer in der Ölstadt Chobar im Jahr 2004 mit 22 Toten, gingen auf das Konto von Osama bin Ladens Terrornetz Al-Kaida. Nach vielen Verhaftungen in Saudi-Arabien und der Tötung Bin Ladens, des Sohns eines saudischen Milliardärs, durch ein US-Kommando in Pakistan 2011 war Al-Kaida im islamischen Königreich praktisch nicht mehr präsent.

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Di, 2015-04-28 15:36
Lüneburg (dpa)

Auschwitz-Überlebende Eva Pusztai-Fahidi: «Hassen verwüstet» Von Peer Körner, dpa

Wegen des Auschwitz-Prozesses gegen Oskar Gröning ist sie in Lüneburg. Eva Pusztai-Fahidi ist Nebenklägerin, die 89-jährige Ungarin hat den Völkermord überlebt. Jahrzehntelang schweigt sie voll Hass, ausgerechnet eine Einladung nach Deutschland wirkt heilend.

Lüneburg (dpa) - In Auschwitz hat eine einzige Handbewegung von Lagerarzt Josef Mengele für ihre Schwester und die Mutter den Tod bedeutet, gleich nach der Ankunft. Auch den Vater hat sie nie wieder gesehen, die Cousine nicht mit dem kleinen Kind - 49 Familienangehörige hat sie im Holocaust verloren. Eva Pusztai-Fahidi strahlt Haltung und Würde aus, die groß gewachsene 89-Jährige mit dem schlohweißen Haar geht kerzengerade.

«Ich war ein Nichts - eine Frau, splitternackt und kahlgeschoren», beschreibt sie ihre Lage nach der Ankunft in Auschwitz als 18-Jährige. «Man wollte mir auch die Seele nehmen, das habe ich nicht zugelassen», sagt sie stolz. Nur deshalb habe sie überleben können.

Die Situation im Gerichtssaal mehr als 70 Jahre danach sei für sie «wunderbar», sagt sie zum Prozess gegen Oskar Gröning - auch wenn seine Terminologie - «als wäre das Dritte Reich im Gerichtssaal» - nur schwer zu ertragen sei. Der 93-jährige SS-Mann muss sich wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Es geht um die sogenannte «Ungarn-Aktion» im Sommer 1944. Pusztai-Fahidi hat den Völkermord überlebt, ist Nebenklägerin, und hat am Dienstag als Zeugin ausgesagt.

«Wir Überlebenden sitzen in einem Gericht und er muss sich verteidigen», meint sie zufrieden. «Ich muss mich ab und zu zwicken, ob das die Wirklichkeit ist. Ich empfinde den Prozess als ganz wichtige Genugtuung.» Im Zeugenstand erklärt sie: «Es geht mir nicht um die Strafe, es geht mir um das Urteil, die Stellungnahme der Gesellschaft.» Sie habe nie geglaubt, einmal vor einem deutschen Gericht aussagen zu können.

«Ich kann nicht im Namen der Toten verzeihen - ich allein habe 49 Angehörige verloren», betont sie. Ihre ermordete Schwester wäre heute 82 - so aber bliebe sie elf, für immer. «Ich habe die ganze Welt gehasst, eine lange Zeit lang, vor allem die Täter.» Doch das habe sich über die Jahre geändert. «Zu hassen ist ein Zustand, der die Seele verwüstet - man spürt ihn auf der Haut», sagt sie. «Wenn man weiter hasst, dann bleibt man ein Opfer», meint sie, deren gerader Blick viel Herzenswärme verrät. «Ich will einfach deshalb nicht hassen, weil ich meine Seele schonen will. Ich will ein besserer Mensch sein.»

Nach der Befreiung habe sie nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden setzen wollen, nie wieder ein deutsches Wort sprechen. Fast 60 Jahre hat sie geschwiegen, hat zweimal geheiratet, hat im Außenhandel gearbeitet. Dann kommt 1989 eine Einladung aus Deutschland. Daheim in Budapest liest Pusztai-Fahidi in der Zeitung, dass die hessische Ortschaft Stadtallendorf ehemalige Häftlinge von Münchmühle sucht, einem Außenlager Buchenwalds. Dort hat sie das Kriegsende erlebt, als Zwangsarbeiterin, auf einem Todesmarsch ist sie entkommen. Sie nimmt die Einladung an. «Das hat heilend gewirkt», sagt Pusztai-Fahidi heute. «Man hat sich geschämt und man hat um Verzeihung gebeten.»

«Jetzt fällt es mir nicht mehr schwer, nach Deutschland zu kommen», betont die dreisprachig aufgewachsene, die auch die Sprache der Täter schon immer beherrschte. Nach der Befreiung habe sie als erste Bücher die Texte von Wagner-Opern gekauft, berichtet sie. Vor einigen Jahren hat sie ein Buch über den Untergang ihrer Familie geschrieben, «Die Seele der Dinge» heißt es. «Ich wollte meiner Familie ein Denkmal setzen, haltbarer als Erz», sagt die am 22. Oktober 1925 in Debrecen geborene. «Ich habe meiner Familie für achtzehneinhalb wunderbare Jahre danken wollen.»

Sogar Oskar Gröning könne sie vielleicht verzeihen, wenn sie menschliche Züge an ihm entdecken würde, sagt Pusztai-Fahidi, wenn er aufstehe und die ganze Wahrheit sagt. «Er weiß ja ganz genau, was die Wahrheit war. Er hat ja dort gestanden, an der Rampe.» Was möchte sie den jungen Deutschen und kommenden Generationen mit auf den Weg geben, nach ihren Erfahrungen mit Hass und Antisemitismus? Gerade Schüler wollten ihren Rat sicher nicht gern hören, antwortet die 89-Jährige verschmitzt. Er sei ganz einfach: «Ihr müsst lernen. Nur blöden Menschen kann man alles einreden.»

Di, 2015-04-28 15:00
München (dpa)

Rechtsextremist muss Nazi-Tattoo am Kopf mit Pflaster abkleben

München (dpa) - Kleiner Zwischenfall im Münchner NSU-Prozess: Ein Rechtsextremist musste ein tätowiertes Nazi-Motto auf seinem Kopf mit zwei großen Pflastern abkleben. Die Bundesanwaltschaft warf dem Zeugen am Dienstag die Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen vor, weil auf dessen kahlem Schädel der verbotene Slogan «Blut und Ehre» zu lesen war. Der 37-Jährige verteidigte sich zunächst mit dem Argument, dass Mützen im Gerichtssaal verboten seien.

Nach der Mittagspause erschien er dann aber mit zwei großen Pflastern über dem Ohr, die den Slogan verdeckten. Die Polizei habe den Sachverhalt aufgenommen und dokumentiert, hieß es. Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte in dem Prozess. Sie muss sich für die Serie von zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschläge verantworten.

Di, 2015-04-28 15:04
Kathmandu (dpa)

Erdbeben mit Hunderttausenden Flüchtlingen überfordert Nepal

Sie sitzen dicht gedrängt auf Bussen, in Lastwagen und auf Motorrädern: Hunderttausende Menschen verlassen nach dem Erdbeben Nepals Hauptstadt. Dort gibt es nur wenig Wasser und Essen. Doch Helfer sagen: Auf dem Land ist es nicht besser.

Kathmandu (dpa) - Nach dem schweren Erdbeben haben Hunderttausende Menschen Nepals Hauptstadt Kathmandu verlassen. Eine Viertelmillion habe sich in den vergangenen Tagen auf den Weg gemacht, sagte ein Sprecher des Transportministeriums. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind etwa acht Millionen Menschen von den Folgen der Katastrophe betroffen, davon bräuchten 1,4 Millionen Menschen Nahrungsmittel. Die Zahl der Erdbeben-Toten in der Himalaya-Region stieg auf mehr als 4700. Unter den Todesopfern ist auch ein Professor der Göttinger Georg-August-Universität, wie ein Sprecher der Hochschule mitteilte. Nepals Regierung räumte erstmals öffentlich ein, trotz zahlreicher Warnungen vor einem bevorstehenden großen Beben nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein.

«Wir haben nicht genügend Mittel, und wir brauchen mehr Zeit, um alle zu erreichen», erklärte Innenminister Bam Dev Gautam im staatlichen Fernsehen. Die Behörden hätten Schwierigkeiten, die Krise zu meistern. «Wir waren auf ein Desaster dieses Ausmaßes nicht vorbereitet.» Nepal ordnete drei Tage Staatstrauer an.

Die Flüchtlinge fühlten sich wegen der Nachbeben in der Stadt unsicher, sagte Roland Steurer, Nepal-Landesbüroleiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) am Dienstag. Die Menschen wollten bei Verwandten in Landesteilen unterkommen, die von der Katastrophe verschont blieben, oder wissen, wie es ihren Angehörigen und den Häusern auf dem Land gehe.

Sie waren in überfüllten Bussen, auf Lastwagen oder Motorrädern unterwegs. Oft zahlten sie den vierfachen Preis, oder kämpften mit Händen und Füßen um einen Platz - so wie Sita Bisural. «Mein Mann ist verletzt und unser Haus auf dem Land ist teilweise zerstört», sagte die 40-Jährige. Auch halte sie nichts in der Stadt: Ihr Geschäft ist in sich zusammengefallen.

Hilfsorganisationen gehen aber davon aus, dass die Lage in den entlegenen Gebieten Nepals noch viel schlimmer ist als in der Hauptstadt. Laxman Shrestha aus Sindhupalchok, einem der am schlimmsten getroffenen Gebiete, sprach von großer Zerstörung. «Ganze Dörfer in unserer Region wurden ausgelöscht. Sie sind weg, und keiner weiß, wie viele Menschen begraben wurden.»

Die Wut in der Bevölkerung auf die Regierung wächst. Denn viele Menschen - sogar in Kathmandu - beklagen, dass sie noch gar keine oder kaum Unterstützung erhalten haben. «Wir leben hier auf der Straße, ohne Essen und Wasser, und wir haben in den vergangenen drei Tagen (seit dem Beben) keinen einzigen Beamten gesehen», sagte ein Mann, der mit seiner Familie im Freien campierte. Die meisten leben unter Planen in Parks, öffentlichen Plätzen oder auf den Straßen.

Zusätzlich leiden die Einwohner weiter unter Nachbeben. Die Stromversorgung ist zusammengebrochen, so dass weder Wasserversorgung noch Telekommunikation gut funktionieren. «In unserer Gegend gehen die Lebensmittel aus. Die Läden sind so gut wie nicht geöffnet. Und wenn sie doch aufmachen, gibt es einen Ansturm, und alles ist binnen Minuten weg», beklagte ein Überlebender. Die Menschen kritisieren auch, ihnen mangele es an Gas zum Kochen. Vor Tankstellen bildeten sich lange Schlangen.

So dringend internationale Hilfe benötigt wird - sie kommt kaum durch. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) konnte seinen bereits für den Montagabend geplanten Hilfsflug nach Nepal auch am Dienstagvormittag nicht starten. Der Luftraum sei zu voll. An Bord der Maschine sind 60 Tonnen Hilfsgüter im Wert von 670 000 Euro, darunter Zelte, Decken und Hygienepakete. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, der Flughafen Kathmandu sei noch immer völlig verstopft. Der einzige internationale Airport Nepals hat nur sechs Parkpositionen. Maschinen mit Hilfsgütern und Helfern müssen deswegen immer wieder umkehren. Viele Touristen können nicht ausfliegen.

Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen schicken auch Teams über den beschwerlichen Landweg in die betroffenen Gebiete. Von Indiens Hauptstadt Neu Delhi dauert es drei bis fünf Tage.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 hatte am Samstag große Teile Nepals sowie die angrenzenden Länder Indien und das chinesische Tibet getroffen. In Nepal stieg die Zahl der Toten auf rund 4700. Auf chinesischer Seite starben 25 Menschen, in Indien 72 Menschen. Es wird befürchtet, dass dort noch mehr Menschen ums Leben gekommen sind. Viele Straßen sind noch blockiert und Telekommunikationsverbindungen unterbrochen.

Der ums Leben gekommene deutsche Professor befand sich nach Angaben der Universität Göttingen mit 15 Studenten und einem weiteren Wissenschaftler auf einer Exkursion nordwestlich von Kathmandu, als die Gruppe vom Erdbeben überrascht wurde. Der 67-jährige Matthias Kuhle sei in einer engen Schlucht von herabstürzenden Felsmassen getroffen und tödlich verletzt worden, erklärte seine Familie. Einige der Studierenden wurden leicht verletzt. Zu etwa 100 Deutschen in Nepal besteht derzeit kein Kontakt. Ein Krisenstab kümmere sich, versicherte das Auswärtige Amt.

Am Mount Everest konnten inzwischen fast alle Bergsteiger gerettet werden. Dort hatte eine Lawine Teile des Basislagers zerstört. Viele Bergsteiger saßen außerdem in Höhencamps fest, weil die Abstiegsroute zerstört war. Die Polizei sprach von 17 Menschen, die am höchsten Berg der Welt gestorben seien. Ein Sprecher der Tourismusbehörde gab die Zahl mit mindestens 20 an. Das indische Militär, das bei der Rettungsaktion mithalf, sprach von 22 Toten. In jedem Fall ist es das schlimmste Unglück in der Geschichte des Everest-Bergsteigens.

Bekannte Bergsteiger hatten kritisiert, dass zunächst den Ausländern am Mount Everest geholfen werde. Der Politikwissenschaftler Malte Schönefeld von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald erklärte, da spielten auch immer Machtfragen eine Rolle. «Nach einem solchen Erdbeben ist die Situation vollkommen chaotisch. In der Frage der Priorisierung von Hilfsmaßnahmen spielt auch eine Rolle, wer - im übertragenen Sinne - noch am lautesten schreien kann», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Das sind aber nicht die wirklich Hilfsbedürftigen.»

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PRODUKT
der Woche
Di, 2015-04-28 15:10
Erbil (dpa)

40 Jesiden gelingt im Nordirak Flucht aus Gewalt des IS

Erbil (dpa) - Rund 40 Jesiden ist im Norden des Iraks die Flucht aus der Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gelungen. Die Anhänger der religiösen Minderheit hätten am frühen Dienstagmorgen ein Gebiet unter Kontrolle kurdischer Peschmerga-Kämpfer erreicht, erklärte ein jesidischer Sicherheitsoffizieller. Über Einzelheiten der Flucht machte er keine Angaben. Unter den Geflohenen seien 24 Kinder und zehn Frauen, hieß es weiter.

Die IS-Terrormiliz hatte im vergangenen August das vor allem von Jesiden bewohnte Sindschar-Gebirge im Nordirak überrannt und Tausende Menschen in ihre Gewalt gebracht. Nach Angaben jesidische Offizieller werden noch rund 3000 jesidische Frauen festgehalten. Geflohene Frauen berichteten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von systematischen Vergewaltigungen, Misshandlungen, Zwangsehen und Zwangsübertritten zum Islam.

Di, 2015-04-28 15:56
York (dpa)

Nach Unruhen: UN-Chef Ban schickt Sondergesandten nach Burundi

New York (dpa) - Als Reaktion auf die blutigen Unruhen in Burundi schickt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon einen Sondergesandten in das ostafrikanische Land. Der Algerier Said Djinnit, der sich seit 2014 im Auftrag der UN um die Region kümmert, solle vor Ort unter anderem mit Präsident Pierre Nkurunziza und anderen Offiziellen sprechen, teilte Ban am Dienstag laut einer Meldung der Vereinten Nationen in New York mit.

Ban verurteilte die gewaltsamen Unruhen, die sich aus Protesten gegen eine Kandidatur Nkurunzizas für eine von der Verfassung nicht erlaubte dritte Amtszeit entwickelt hatten. Der UN-Chef rief die Behörden Burundis auf, die Todesfälle bei den Unruhen aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Alle Beteiligten sollten die Gewalt einstellen und zum Dialog zurückkehren.

Di, 2015-04-28 15:25
Frankfurt/Main (dpa)

Explosion im Küchenmixer: Haftstrafe für islamistischen Bombenbastler

Frankfurt/Main (dpa) - Weil er mit einem Küchenmixer eine Bombe bauen und damit einen islamistischen Anschlag begehen wollte, ist ein Student in Frankfurt zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht ging am Dienstag vom Tatbestand der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat aus und verurteilte den 28-Jährigen zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Der Mann muss sich auch wegen fahrlässiger Verursachung einer Sprengstoffexplosion verantworten. Noch bevor die Bombe fertiggestellt war, ging das Gemisch in dem Mixer in die Luft. Der Mann wurde dabei verletzt.

Wie schon das Landgericht Frankfurt im Februar 2013 gingen die Richter auch im jetzigen zweiten Urteil von einem islamistischen Hintergrund aus. «Der Angeklagte hatte zumindest damals die feste Absicht, die Bombe bei einem Anschlag auch zu zünden», sagte der Vorsitzende Richter.

Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil von drei Jahren mit Blick auf den nicht abschließend geklärten staatsfeindlichen Charakter der Tat aufgehoben und nach Frankfurt zurückgewiesen. Der 28-Jährige wird aber nicht mehr lange ins Gefängnis müssen: Nach der Tat im Februar 2011 saß er bereits fast 20 Monate in Untersuchungshaft, die auf die Haftstrafe angerechnet werden.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Di, 2015-04-28 14:20
Aviv (dpa)

Syrische Geschosse auf Israels Seite der Golanhöhen eingeschlagen

Tel Aviv (dpa) - Mehrere aus Syrien abgefeuerte Mörsergranaten sind am Dienstag auf der israelischen Seite der Golanhöhen eingeschlagen. Es gab mehrere Explosionen im Bereich der grenznahen Ortschaft Ein Sivan. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, es handele sich offenbar um fehlgeleitete Geschosse. Von Opfern wurde nichts bekannt.

Am Sonntag hatte Israels Armee an der Grenzlinie zu Syrien eine Gruppe von vier mutmaßlichen Terroristen getötet. Die Männer hätten versucht, am Zaun einen Sprengsatz zu legen, teilte das Militär mit. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor mehr als vier Jahren ist es auf den 1967 von Israel besetzten Golanhöhen immer wieder zu solchen Vorfällen gekommen.

Di, 2015-04-28 14:45
Hamburg (dpa)

Greenpeace: Ölförderer verdrecken Nordsee mit Öl und Chemie

Vor 20 Jahren verhinderten Greenpeace und öffentlicher Druck die Versenkung der Ölplattform «Brent Spar». Inzwischen würden zwar Plattformen an Land entsorgt. Dennoch werde die Nordsee jedes Jahr mit Tausenden Tonnen Öl und Chemie verdreckt, mahnt Greenpeace.

Hamburg (dpa) - Die Umweltorganisation Greenpeace hat härtere Strafen für Ölunternehmen bei Verschmutzungen der Nordsee gefordert. Jährlich gelangten fast 8300 Tonnen Öl durch die Ölförderung in die Nordsee, teilte Greenpeace am Dienstag mit. Dazu gebe es jedes Jahr auf Plattformen Hunderte Unfälle mit Öl und Chemikalien. Zugleich würden die zahlreichen Anlagen auf See kaum kontrolliert. Stattdessen seien die Betreiber angehalten, Unfälle selbst zu melden. Von mehreren hundert offiziellen Unfällen pro Jahr würden nur wenige Dutzend bestraft, und das mit geringen Summen bis 30 000 Euro, hieß es.

Die Meeresbiologen und Greenpeace-Experten Christian Bussau und Jörg Feddern forderten strengere Strafen und mehr Kontrollen der rund 750 Anlagen der Energieversorger in der Nordsee. Die erlaubten Schadstoffeinleitungen müssten schrittweise auf Null gesenkt werden.

Die 8300 Tonne Öl stammen aus dem sogenannten Produktionswasser der Ölbohrungen. Dieses ölhaltige Wasser entsteht bei der alltäglichen Förderung. Dazu komme Ballastwasser, erklärte Feddern: Meerwasser werde in die Ballasttanks der Plattformen gepumpt, wenn das Öl dort abtransportiert wird. Wird neues Öl gefördert, gelangt das ölhaltige Ballastwasser ins Meer.

Dazu kämen die Unfälle, 2012 waren dies dem Bericht zufolge 425 im Bereich des sogenannten OSPAR-Abkommens (Oslo-Paris-Übereinkunft) von 16 Staaten einschließlich der EU. Dabei flossen 121 Tonnen Öl ins Meer. «Das hört sich erstmal nicht viel an», sagte Bussau. Er erinnerte aber an die Havarie des Schiffes «Pallas» 1998 vor Amrum. 100 Tonnen Öl flossen ins Meer. «Dabei starben aber 16 000 Seevögel.»

Zudem würden die Ölförderanlagen erhebliche Mengen Abgase produzieren, heißt es in dem Bericht. Das seien 2012 rund 29,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid gewesen, sagte Feddern. «Das entspricht den Abgasen von zehn Millionen Autos.

Inzwischen seien viele Ölfelder in der Nordsee ausgebeutet, die Produktion werde aufwendiger. «Die Ölindustrie zieht Richtung Norden, Richtung Arktis», warnte Feddern. Dort sei das Ökosystem noch empfindlicher.

20 Jahre nach der «Brent Spar»-Kampagne zog Bussau eine positive Bilanz. «Die «Brent Spar» wäre die erste Plattform gewesen, die im Meer versenkt worden wäre. Diesen Präzedenzfall wollten wir verhindern.» Am 30. April 1995 besetzten Greenpeace-Aktivisten die Plattform. «Die Bilder gingen damals um die Welt.» Greenpeace habe damals gar nicht zum Boykott von Shell aufgerufen. «Das haben die Menschen selbst entschieden. Dieser Erfolg hat erstmals gezeigt, welche Macht der Verbraucher hat.»

Drei Jahre danach beschlossen die OSPAR-Vertragsstaaten ein generelles Versenkungsverbot für Ölplattformen im Nordatlantik. Seitdem seien 56 ausgediente Plattformen umweltgerecht an Land entsorgt worden, sagte Bussau. 32 weitere Plattformen würden in den kommenden zehn Jahren abgewrackt.

Di, 2015-04-28 14:40
(dpa)

Kampf der Plastiktüte - EU setzt Grenzen

Straßburg (dpa) - Zum Schutz der Umwelt sollen Verbraucher beim Einkaufen bald weniger Plastiktüten benutzen. Um Müll zu vermeiden, wird der Gebrauch dünner Kunststoffbeutel in der Europäischen Union deutlich beschränkt. Dies hat das EU-Parlament in Straßburg am Dienstag endgültig beschlossen. «Milliarden Plastiktüten landen direkt als unbehandelter Müll in der Natur», teilte die dänische Abgeordnete Margrete Auken (Grüne) mit, die die Gesetzgebung im Parlament betreut hatte.

Künftig sollen sich die EU-Staaten nationale Ziele zur Verminderung setzen. Demnach dürften bis Ende 2019 nur noch halb so viele leichte Plastiktüten verwendet werden wie 2010. Damals nutzte jeder EU-Bürger im Schnitt knapp 180 Einwegtüten, in Deutschland waren es 64. Bis zum Jahr 2025 soll der Wert weiter sinken auf höchstens 40 pro Jahr.

Solche Ziele sind aber nicht zwingend. Alternativ könnten die Staaten beschließen, dass Verbraucher für leichte Plastiktüten bezahlen oder sie überlegen sich ähnlich wirksame Anreize.

Nicht betroffen von den EU-Vorgaben sind robuste Mehrfachtüten oder extrem dünne Tüten, wie sie für Obst, Gemüse oder Fleisch gebraucht werden. Mit der Abstimmung des Parlaments ist die Regelung endgültig beschlossen, die Staaten hatten bereits zugestimmt.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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