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Mo, 2015-08-03 19:00
Hannover (dpa)

Continental legt Halbjahresbilanz vor

Hannover (dpa) - Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental zieht am Dienstag (08.30 Uhr) Bilanz für die ersten sechs Monate des Jahres. Der schwache Euro, niedrige Rohstoffpreise für Kautschuk und das starke Wachstum aus eigener Kraft treiben den Dax-Konzern derzeit an. Branchenanalysten rechnen daher damit, dass Conti Umsatz und Gewinn vor Zinsen und Steuern auch im zweiten Quartal steigerte. Sie sehen jedoch auch eine höhere Steuerlast, weswegen der Konzern unterm Strich beim Gewinn auf Vorjahresniveau liegen dürfte. Conti hatte zuletzt im Mai seine Jahresprognose erhöht. Der Konzern will verstärkt im Bereich Software wachsen. Dort stärkte sich Conti zuletzt auch mit einem Zukauf und übernahm für 600 Millionen Euro Elektrobit aus Erlangen.

Mo, 2015-08-03 19:32
Hannover (dpa)

Kater stirbt in Tierklinik - Besitzer will Behandlung nicht zahlen

Hannover (dpa) - Ein Zivilstreit zwischen einem Katzenbesitzer und einer Tierklinik wird am Dienstag (14.30 Uhr) im Amtsgericht in Hannover verhandelt. Weil sein Kater Gizmo in der Klinik starb, will der Besitzer die Behandlungskosten nicht zahlen. Er glaubt, dass sein Tier von den Ärzten falsch behandelt wurde und dass dies letztlich zum Tod des Katers geführt hat. Die Tierklinik aus Hannover will aber trotz des Todes des Katers die Rechnung von fast 1500 Euro bezahlt haben.

Der Tierbesitzer hatte Gizmo 2011 in die Klinik gebracht, weil er nicht mehr viel gefressen und getrunken hatte. Die Ärzte gaben dem Tier Medikamente und Bluttransfusionen. Eineinhalb Wochen später starb der Kater. Erst bei einer Obduktion stellte sich später heraus, dass das Tier eine Herzerkrankung hatte. Dies habe der Klinik auffallen müssen, argumentiert der Besitzer.

Mo, 2015-08-03 19:32
Doha (dpa)

Kerry und die arabischen Verbündeten: Iran-Atomdeal stärkt Stabilität

Die Golfstaaten befürchten, der Iran könnte nach dem Atomdeal weiteren Einfluss in der arabischen Welt gewinnen. Bei seinem Besuch in Doha konnte US-Außenminister Kerry die Verbündeten beruhigen - zumindest ein wenig.

Doha (dpa) - Die arabischen Golfstaaten haben nach anfänglicher Skepsis das Atomabkommen mit dem Iran begrüßt, aber eine vollständige Umsetzung verlangt.. Zugleich äußerten die Mitglieder des Golf-Kooperationsrates (GCC) die Sorge, dass der Iran seinen Einfluss in der Region weiter ausbauen könnte. US-Außenminister John Kerry versprach den arabischen Verbündeten am Montag in Katars Hauptstadt Doha, die militärische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit auszubauen, um einer Destabilisierung der Region vorzubeugen.

Dabei geht es nach den Worten von Kerry beispielsweise um ein gemeinsames Training von Sondereinheiten oder den Austausch von Geheimdienstinformationen. Auch den Kampf gegen Extremisten wolle man weiter gemeinsam führen. Zum Golf-Kooperationsrat gehören Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Katars Außenminister Chalid al-Attija sagte, er hoffe, dass das Atomabkommen auf die gesamte Region ausgeweitet werde - eine Anspielung auf Israel, das zwar allgemein als Atommacht gilt, dies aber nicht offiziell bestätigt hat..

Die Minister seien sich einig, dass das Atomabkommen, sobald es vollständig umgesetzt sei, auf lange Sicht zur Sicherheit in der Region beitragen werde, sagte Kerry. «Unser Ziel ist es, dieses Abkommen vollständig umzusetzen und darauf zu hoffen, dass sich das Verhalten des Irans bessert.»

Die arabischen Verbündeten der USA haben die Atomeinigung des Irans mit den UN-Vetomächten und Deutschland vor drei Wochen mit großer Skepsis verfolgt. Sie werfen dem schiitischen Iran vor, er wolle seinen Einfluss in den mehrheitlich sunnitischen arabischen Ländern Stück für Stück ausbauen. Die Atomvereinbarung soll verhindern, dass der Iran Atomwaffen baut. Im Gegenzug sollen Wirtschaftssanktionen des Westens schrittweise aufgehoben werden.

Aus Teheran kamen versöhnliche Töne: «Diplomatie ist der einzige Weg, um Missverständnisse auszuräumen», sagte Vizeaußenminister Hussein Amirabdollahian an Saudi-Arabien gewandt. Die arabische Regionalmacht sich den Iran als gefährlichen Rivalen. Teheran würde jeden konstruktiven Schritt Riads positiv erwidern, sagte er dem Nachrichtensender Al-Alam.

In Doha fand zudem später am Tag ein Treffen zwischen Kerry, dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem saudischen Chefdiplomaten Adel Al-Dschubeir statt. Thema war unter anderem der Syrien-Konflikt. Russland ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes unter Machthaber Baschar al-Assad.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Mo, 2015-08-03 18:55
Washington (dpa)

Obama verschärft Klimaziele - Widerstand und Zuspruch

Obama will mit ehrgeizigen US-Klimazielen zum Kampf gegen den Treibhauseffekt beitragen. Aber eine Umsetzung der neuen Regeln wird schwer werden. Die Kohleindustrie, Republikaner und zahlreiche Bundesstaaten laufen Sturm. Dagegen kommt Beifall aus Deutschland.

Washington (dpa) - Vier Monate vor der Internationalen Klimakonferenz in Paris hat die Regierung von US-Präsident Barack Obama verschärfte Maßnahmen zur Bekämpfung des Treibhauseffekts bekanntgegeben. Als Kernpunkt der neuen Regeln müssen Kraftwerke ihren Schadstoffausstoß bis 2030 um 32 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern, wie aus einer Mitteilung des Weißen Hauses hervorgeht. Obama wollte das Maßnahmenbündel - den sogenannten Clean Power Plan - am Montagabend (MEZ) offiziell verkünden.

In einem vorab auf Facebook veröffentlichten Video hatte er die Maßnahmen bereits am Sonntag als den bisher «größten, wichtigsten Schritt» der USA im Kampf gegen den Klimawandel bezeichnet. Allerdings zeichnet sich massiver Widerstand gegen das am Kongress vorbei angeordnete Programm ab. Zahlreiche Bundesstaaten kündigten gerichtliche Klagen an, republikanische Präsidentschaftsbewerber kritisierten den Plan als verfassungswidrig.

Auch die Kohleindustrie läuft Sturm. Der «New York Times» zufolge müssten Hunderte Kohlekraftwerke schließen, sollten die Regeln nach den erwarteten langwierigen juristischen Auseinandersetzungen umgesetzt werden. Dagegen begrüßten Umweltschützer und die Bundesregierung die Klimaziele.  

Obama sagte in dem Video, der Klimawandel sei nicht mehr zu leugnen. Es sei nicht länger ein Problem, das auf die nächste Generation verschoben werden könne. Der Kampf gegen den Treibhauseffekt gehörte von Anfang an zu Obamas wichtigsten innenpolitischen Vorhaben, aber bisher waren seine Pläne am Widerstand des Kongresses gescheitert.

Die neuen Regeln gehen zum Teil über die Vorschläge hinaus, die bereits vor einem Jahr vorgelegt und zur Diskussion gestellt worden waren. So war zunächst eine 30-prozentige Reduzierung der Emissionen angepeilt worden. Die einzelnen Bundesstaaten sollen dagegen etwas mehr Zeit als ursprünglich geplant haben, die ihnen jeweils von Washington vorgegebenen Reduzierungsziele zu erreichen. Auch können sie selber entscheiden, wie sie diese Vorgaben umsetzen. Aber weigern sie sich, wird ihnen ein Plan vorgeschrieben.

Obama zielt mit den Maßnahmen zugleich darauf ab, dass Energieunternehmen stärker und rascher auf Wind- und Sonnenenergie umstellen. Insgesamt sollen die Regeln auch eine mutige Vorgabe für den Klima-Gipfel in Paris Ende des Jahres sein, wenn die Welt nach jahrelangem Zögern entschlossene Schritte gegen Treibhausgase und Erderwärmung beschließen will.  

Der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell, lehnte Obamas Vorschläge als unrealistisch und wachstumshemmend ab. Er rief die Gouverneure aller 50 US-Staaten in einem Brief auf, den Plänen nicht zu folgen, wie der Sender CNN berichtete. Millionen Amerikaner müssten in Zukunft mit höheren Stromkosten rechnen, kritisierte der republikanische Präsidentschaftskandidat Marco Rubio. Mitbewerber Jeb Bush nannte die Regulierungen ein «Desaster».

Dagegen begrüßte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die Initiative Obamas. «Der Schritt zeigt, dass Präsident Obama das Thema Klimaschutz als eines der prioritären Themen für seine zweite Amtszeit betrachtet», erklärte die SPD-Politikerin. Dies sei auch ein wichtiges Signal für die Klimakonferenz in Paris.

Die Umweltorganisation Germanwatch sprach von einem wichtigen Schritt im weltweiten Klimaschutz. «Auch in den USA zeigt sich: Die Zeit der Kohle läuft ab», sagte Lutz Weischer, der bei Germanwatch für Internationale Klimapolitik verantwortlich ist. «Nachdem bereits die EU, China und andere Länder detaillierte Klimaschutzmaßnahmen vorgestellt haben, ist Obamas Plan eine weitere gute Nachricht.»

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sprach ebenfalls von einem wichtigen Signal Obamas. «Damit stimmt Obama auf das Ende des globalen Kohlezeitalters ein», sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die Pläne der Amerikaner zum Klimaschutz seien aber noch ausbaufähig.

Mo, 2015-08-03 19:14
Berlin (dpa) 

Bundesregierung will Hilfe für Flüchtlinge vor dem Winter klären

Viele Flüchtlinge werden derzeit in Zelten untergebracht. Sie müssen vor dem Winter ein festes Dach über dem Kopf haben. Für den Herbst geplante Bund-Länder-Beratungen kommen da zu spät. Das soll nun schneller gehen.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung stellt den Ländern wegen der Probleme bei der Unterbringung von Flüchtlingen schnellere Entscheidungen in Aussicht. Danach könnte ein für den Herbst geplantes Bund-Länder-Treffen auf September vorgezogen und dabei auch über Finanzhilfen des Bundes gesprochen werden.

Zur Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) nach einem Termin im September sagte Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) am Montag im ZDF-«Morgenmagazin»: «Dafür sind wir sehr offen.» Dazu werde es «in diesen Tagen» Gespräche geben.

Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz betonte in Berlin, über die Herausforderungen müsse vor allem vor Einbruch der kalten Jahreszeit gesprochen werden. Das Innenministerium erklärte, auch eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern, die sich mit den Fragen der Leistungen für Asylbewerber befasst, soll noch im September und nicht erst im Herbst zu Ergebnissen kommen.

Sachsen will bis zum Winter alle Flüchtlinge und Asylbewerber in regulären Unterkünften unterbringen. Die Menschen brauchten ein festes Dach über dem Kopf, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) nach einem Besuch des umstrittenen Zeltlagers in Dresden. Nordrhein-Westfalen will die Hilfesuchenden künftig auch in Großzelten für jeweils 1000 Menschen unterbringen.

Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) lehnte den Vorstoß aus Baden-Württemberg ab, mehr Flüchtlinge in Ostdeutschland unterzubringen, weil es dort leerstehende Gebäude gebe. Die Verteilung von Flüchtlingen auf die Bundesländer nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel mit der Orientierung an Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft sei eine gerechte Regelung. Sachsen-Anhalt hat derzeit einen Anteil von rund drei Prozent. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kritisierte: «Der Vorschlag wird auch durch permanente Wiederholung nicht besser.»

Der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt, hält auch nichts von der Idee. «Es löst ja das Problem der Erstaufnahme nicht», sagte Schmidt beim Besuch der überbelegten Landeserstaufnahmestelle im baden-württembergischen Ellwangen. Wenn Betten verlagert würden, müsse - um es effektiv zu machen - eigentlich auch die Verwaltung nachgezogen werden. Das halte er für unwahrscheinlich.

Angesichts vermehrter Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte forderte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Handeln auf. Sie müsse allen Bürgern klar sagen, dass Deutschland ein Land sei, «das ausländerfeindliche Anschläge und Hetze nicht duldet», sagte er der «Rheinischen Post».

Die Linke warnte davor, das Thema Asyl fast ausschließlich als Bedrohung oder Belastung für das Land zu sehen. Aussagen über vermeintlichen Asylmissbrauch seien die ideologische Unterfütterung für fremdenfeindliches und rassistisches Verhalten, sagte Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn. Notwendig seien nun vor allem zusätzliches Personal für die Bearbeitung der Asylanträge sowie eine vollständige Übernahme der Unterbringungskosten durch den Bund. Seehofer hatte am Sonntag vom Bund dauerhaft und spürbar mehr Hilfe für Länder und Kommunen verlangt. Die derzeit vorgesehene eine Milliarde Euro im Jahr müsse mindestens verdoppelt werden.

Die SPD drängte Merkel erneut, in der Union den Weg für ein Einwanderungsgesetz in dieser Wahlperiode zu ebnen.

Mo, 2015-08-03 19:00
München (dpa)

NSU-Prozess geht in die Sommerpause

München (dpa) - Im Münchner NSU-Prozess findet am Dienstag (11.00 Uhr) der letzte Sitzungstag vor der Sommerpause statt. Das Gericht pausiert danach für knapp einen Monat. Am 2. September geht das Verfahren weiter.

Einziger Zeuge ist am Dienstag ein Polizeibeamter aus der Schweiz. Er war an den Ermittlungen zur Tatwaffe vom Typ «Ceska» beteiligt, die nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft aus der Schweiz nach Deutschland zu den NSU-Tätern geschleust worden sein soll. Diese Pistole wurde bei neun der zehn NSU-Morde verwendet. Verantworten muss sich dafür als mutmaßliche Mittäterin die Hauptangeklagte Beate Zschäpe.

Mo, 2015-08-03 19:00
Celle (dpa)

Gericht in Celle will mutmaßlichen IS-Kämpfer befragen

Celle (dpa) - Vor dem Oberlandesgericht in Celle wird am Dienstag (10.00 Uhr) der Prozess gegen zwei IS-Rückkehrer aus Wolfsburg fortgesetzt. Die 26 und 27 Jahre alten Deutsch-Tunesier sollen sich 2014 in Syrien und dem Irak der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben. Der eine soll gekämpft haben, der andere stand laut Anklage kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu begehen. Zu Prozessauftakt gab der 27-Jährige einen Einblick in seinen Weg von einer Einladung zum Gebet in Wolfsburg bis auf das Schlachtfeld im Irak. Der Mann soll am Dienstag befragt werden. Den beiden jungen Leuten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Mo, 2015-08-03 17:55
Athen (dpa)

Griechenland will sich bis Mitte August mit Geldgebern einigen

Athen (dpa) - Die griechische Regierung strebt eine Einigung mit den Gläubigern des Landes bis Mitte August an. Demnach soll das Abkommen am 18. August von Parlament in Athen gebilligt werden. Dies sei das Ziel der Regierung unter Alexis Tsipras, berichteten mehrere griechische Medien am Montag. «Unternehmen 18. August» titelte die Athener Zeitung «Ta Nea».

Tsipras zähle bei dieser Abstimmung erneut auf die Stimmen der Opposition. Der linke Flügel seiner Partei hatte zuletzt zweimal gegen Reformmaßnahmen gestimmt, die Voraussetzung für weitere Verhandlungen mit den Gläubigern über ein neues Hilfspaket waren. Die Vorhaben konnten nur mit den Stimmen der Opposition gebilligt werden.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Regierung erfuhr, sind die Verhandlungen mit den Gläubigern noch in «vollem Gange». Sie hätten einen sehr «sensiblen» Punkt erreicht, sagte ein hoher Funktionär der Syriza-Regierungspartei. Die Gläubiger forderten am Montag die sofortige Begrenzung vorzeitiger Pensionierungen. Am Dienstag soll über die Privatisierungen gesprochen werden.

Mo, 2015-08-03 18:00
Berlin (dpa)

Bericht: Kosovo und Montenegro für Status sicherer Herkunftsstaaten

Berlin (dpa) - In der Debatte um wachsende Flüchtlingszahlen aus den Balkan-Staaten werben Montenegro und das Kosovo dafür, in Deutschland als sichere Herkunftsstaaten anerkannt zu werden. Dies gehe aus Briefen der Regierungschefs beider Länder an den Balkan-Beauftragten des Europäischen Parlaments, David McAllister, hervor, berichtete das «Handelsblatt» (Dienstag).

«Wir sind dafür, das Kosovo als sicheren Herkunftsstaat im deutschen Recht zu klassifizieren», schreibt der Ministerpräsident im Kosovo, Isa Mustafa. Im Kosovo gebe es weder politische Verfolgung noch Folter.

Ähnlich äußerte sich der Ministerpräsident Montenegros, Milo Dukanovic: «Ich bin überzeugt, dass Montenegro alle Kriterien erfüllt, um als sicherer Herkunftsstaat im Sinne des deutschen Rechts klassifiziert zu werden.» Es gebe aus seiner Sicht keine politischen Gründe, weshalb ein Bürger «Asyl in einem europäischen oder anderen Staat suchen muss».

«Wir sollten auch Albanien, Kosovo und Montenegro zügig zu sicheren Herkunftsstaaten erklären», sagte McAllister dem «Handelsblatt». Die Einstufung sei «ein klares Signal an die Betroffenen, und es ist ein Beitrag, die Asylverfahren in Deutschland zu beschleunigen», sagte der frühere niedersächsische Ministerpräsident und heutige CDU-Europaabgeordnete. «Die rot-grünen Länder müssen ihre Blockade im Bundesrat beenden», forderte er.

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Mo, 2015-08-03 18:41
Caracas (dpa)

Plünderungen in Venezuela nehmen zu - tausende Proteste

Caracas (dpa) - Plünderungen in Venezuela haben angesichts hoher Inflation und wirtschaftlicher Krise besorgniserregend zugenommen. Allein in diesem Jahr habe es bereits 56 Plünderungen und 2836 Protestkundgebungen gegeben - das seien 16 am Tag, oft wegen Mangels an Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln. Das berichtete am Montag das Institut zur Überwachung sozialer Konflikte (OVCS).

Zudem gab es 76 Plünderungsversuche. Die Arbeiterproteste hätten um 50 Prozent zugenommen, die Werte seien die höchsten seit Jahren. «Der Konflikt ist derzeit eine Konstante in Venezuela», urteilte das OVCS. Das Land unter Führung des sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro ist tief gespalten. Trotz der weltweit größten Ölreserven wird die Situation immer schwieriger, der Schwarzmarkt blüht. Am 6. Dezember finden Parlamentswahlen statt. Im Falle eines Sieges der Opposition droht Maduro bereits mit einer «Gegenrevolution».

Mo, 2015-08-03 16:57
Berlin (dpa)

Unionspolitiker haben die lukrativsten Nebenjobs Von Jonas Schöll, dpa

Bundestagsabgeordnete kriegen für ihren Job als Volksvertreter 9082 Euro brutto im Monat. Doch viele haben noch ganz andere Einkommensquellen - manche fast in Millionenhöhe. Nicht immer ist bekannt, wie hoch die Bezüge wirklich sind.

Berlin (dpa) - Die Bundestagsabgeordneten haben nach Angaben einer Transparenzorganisation seit Beginn der Legislaturperiode insgesamt mindestens rund 11,6 Millionen Euro mit Nebentätigkeiten verdient. Unter den elf Topverdienern sind ausschließlich Parlamentarier von CDU und CSU, wie das Politikportal abgeordnetenwatch.de am Montag mit Verweis auf die Angaben der Volksvertreter auf der Internetseite des Bundestags mitteilte. Zuerst darüber berichtet hatte das Magazin «Der Spiegel».

Die 11,6 Millionen Euro sind aber nur eine Mindestsumme - tatsächlich könnten die Abgeordneten seit Beginn dieser Legislaturperiode vor knapp zwei Jahren den Angaben zufolge sogar bis zu 21,4 Millionen Euro eingestrichen haben. Der Grund für die riesige Grauzone ist, dass Abgeordnete nicht die tatsächliche Höhe eines Nebenverdienstes veröffentlichen, sondern ihre Einkünfte jeweils einer von zehn groben Stufen zuordnen müssen.

Angaben von abgeordnetenwatch.de zufolge gaben 156 der 631 Bundestagsabgeordneten seit Beginn der Legislaturperiode Zusatzeinkommen an, also annähernd jeder Vierte. Bei der CSU ist es sogar jeder Zweite (26 von 56 Bundestagsabgeordneten).

An der Spitze der Topverdiener steht demnach der CSU-Finanzpolitiker und Landwirt Philipp Graf von und zu Lerchenfeld mit 1,1 Millionen Euro seit der vergangenen Wahl. Den zweiten Platz belegt der CDU-Abgeordnete und Landwirt Albert Stegemann mit Nebeneinkünften in Höhe von 878 500 Euro, gefolgt von seinem Parteikollegen Johannes Röring - ebenfalls Landwirt - mit 862 000 Euro. Erst auf Platz 12 taucht ein SPD-Politiker auf: der ehemalige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit 189 000 Euro, der im Bundestagswahlkampf 2013 wegen seiner Nebeneinkünfte erheblich in der Kritik stand.

«Wenn Abgeordnete mit ihren Nebentätigkeiten mehr verdienen als die Bundeskanzlerin, läuft etwas gehörig schief», erklärte Gregor Hackmack, Geschäftsführer von abgeordnetenwatch.de. «Wir müssen jetzt darüber diskutieren, ob Nebeneinkünfte nicht komplett verboten werden sollten.»

«Mehr Transparenz ist nötig und möglich: Wir fordern seit langem, dass Abgeordnete ihre Einkünfte in Euro und Cent offenlegen sollen», sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Britta Haßelmann. Bürger müssten die Möglichkeit haben, zu erfahren, welchen Nebentätigkeiten Abgeordnete nachgehen. Nur so sei nachvollziehbar, ob der Schwerpunkt ihrer Arbeit tatsächlich auf dem Mandat liege.

Abgeordnetenwatch.de kritisiert noch weitere Schlupflöcher bei den Veröffentlichungsregeln. So müssten Parlamentarier bestimmte Einkünfte überhaupt nicht melden: Im Dunkeln blieben zum Beispiel alle Nebenverdienste eines Abgeordneten, die unterhalb von 1 000 Euro monatlich beziehungsweise unterhalb von 10 000 Euro jährlich liegen.

Rechtsanwälte bräuchten ihre Honorare unter bestimmten Umständen gar nicht angeben, auch Gewinne aus der Unternehmensbeteiligung eines Abgeordneten tauchten nirgends auf.

Mo, 2015-08-03 17:31
Haag (dpa)

«Rote Glut» ängstigt Badegäste - Meeresleuchttierchen in Holland

Leuchtend rote Schwärme vor dem Badestrand. Das sieht gefährlich aus. Dann warnen die Behörden in Holland davor, ins Wasser zu gehen. Doch der Spuk ist schnell vorbei.

Den Haag (dpa) - Nach einer Invasion von Meeresleuchttierchen ist an drei Stränden der holländischen Küste das Baden zeitweise verboten gewesen. Die bedrohlich leuchtenden Schwärme von Mikroorganismen - die Medien nannten sie «Rode Gloed» (Rote Glut) - zogen sich jedoch bis Montagnachmittag wieder zurück. In Scheveningen, Wassenaar und Katwijk (Provinz Südholland) holten Rettungsschwimmer ihre roten Warnflaggen daraufhin wieder ein.

Auch viele deutsche Urlauber erlebten das Naturschauspiel an den beliebten Nordseestränden. Die wahrscheinlich Millionen von winzigen Meeresleuchttierchen (Noctiluca scintillans) waren am Sonntag vor den Küsten unweit von Den Haag aufgetaucht.   

Die rötlich leuchtenden Mikroorganismen seien zwar nicht giftig, könnten aber Irritation der Haut und der Atemwege verursachen, warnte ein Sprecher der zum Umweltministerium gehörenden Wasserbehörde Rijkswaterstaat. «Es erscheint uns darum besser, wenn Menschen nicht ins Wasser gehen.» An den Stränden fuhren Autos mit Warnschildern entlang: «Zee gevaarlijk» (Gefahr im Meer).

Die meisten Badegästen hielten sich an die Warnung, manche waren verängstigt. Allerdings gab es etliche, die trotzdem ins Wasser gingen. «Wenn ich da wirklich nicht hinein gedurft hätte, dann hätten sie mich doch bestimmt rausgeholt», sagte ein niederländischer Urlauber Reportern. «Das Schwimmen war herrlich.»  

Ein Sprecher des Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ) erklärte später, das Badeverbot sei vielleicht eine zu starke Reaktion auf das Auftauchen der Meeresleuchttierchen gewesen. Dabei handelt es sich um Einzeller, die sich vor allen von Plankton ernähren und die Fähigkeit besitzen, Licht zu erzeugen. Die Mikroorganismen treten an der niederländischen ebenso wie an der deutschen Nordseeküste in den warmen Monaten immer wieder in großen Schwärmen auf. Sie verschwinden aber meist nach kurzer Zeit.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mo, 2015-08-03 17:10
Celle (dpa)

IS-Kämpfer schildert vor Gericht Weg von Wolfsburg aufs Schlachtfeld

Von Wolfsburg aus sollen zwei Deutsch-Tunesier in den Kampf für die Terrormiliz Islamischer Staat gezogen sein. Nun stehen sie in Celle vor Gericht. Wie weit waren die beiden jungen Männern in die Gräuel in Syrien und im Irak verwickelt?

Celle (dpa) - Vor dem Oberlandesgericht Celle hat am Montag der Prozess gegen zwei junge Männer aus Wolfsburg begonnen, die sich nach einer religiösen Radikalisierung der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen haben sollen. Beim Prozessauftakt schilderte einer der Angeklagten in einer vom Verteidiger verlesenen Erklärung seinen Weg von einer ersten Einladung zum Gebet durch einen Arbeitskollegen bis hin auf das Schlachtfeld im Irak.

Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden mutmaßlichen IS-Heimkehrern Ayoub B. (27) und Ebrahim H. B. (26) die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Ayoub B. ist auch wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat angeklagt, weil er an Kampftrainings teilgenommen und laut Anklage auch zur Waffe gegriffen haben soll. Ebrahim H. B. stand nach den Ermittlungen kurz davor, einen Selbstmordanschlag in Bagdad zu begehen. Den beiden Deutsch-Tunesiern drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Der Prozess begann unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft waren die beiden Dschihadisten auch nach ihrer Rückkehr weiter Feuer und Flamme für den Islamischen Staat.

Ayoub B. stellte dies jedoch in seinen Schilderungen vor Gericht anders dar. Eigentlich sei er nur zum Studium des Islams aufgebrochen und habe sich nicht zum Kämpfen in ein Krisengebiet begeben wollen. Vor Ort sei er dann zur Ausbildung an der Waffe gezwungen worden und habe schnell Pläne zur Flucht zurück nach Deutschland geschmiedet.

In seiner verlesenen Aussage schilderte sich Ayoub B. als das schwarze Schaf unter seinen Geschwistern, dem es nach Schul- und Drogenproblemen nur mit Mühe gelungen sei, als Zeitarbeiter bei VW in Wolfsburg unterzukommen. Als er in radikale Kreise geriet, habe der neu entdeckte Islam ihm geholfen, seine Probleme zu überwinden. Dann sei er Richtung Syrien und Irak aufgebrochen, obwohl sein Vater, der im Vorstand einer tunesischen Moschee aktiv ist, bereits vorher das Landeskriminalamt eingeschaltet hatte, um dies zu verhindern.

In Syrien und im Irak traf Ayoub B. nach seinen Schilderungen nicht nur auf weitere IS-Kämpfer aus Wolfsburg, sondern wurde auch von einem deutschen Konvertiten, der aus Dinslaken oder Bonn stammen soll, verhört. Die Terrororganisation habe über detaillierte Akten über die Neuankömmlinge verfügt. Bei Gefechten sei es seine Aufgabe gewesen, Tote und Verwundete wegzuschaffen, erklärte der 27-Jährige.

Der zweite Angeklagte, Ebrahim H. B., kündigte eine Aussage für einen der kommenden Prozesstage an. Im Gerichtssaal abgespielt wurde ein Fernsehinterview mit dem 26-Jährigen während der Untersuchungshaft. Ein «falscher Prediger» habe ihn sowie andere junge Leute aus Europa, die von Religion keine Ahnung hätten, «verarscht» und unter falschen Vorwendungen für den IS angeworben, sagte Ebrahim H. B. darin.

Mo, 2015-08-03 17:04
Celle (dpa)

Unabsichtlich Terrorist? - IS-Rekrut rechtfertigt sich vor Gericht Von Valentin Frimmer, dpa

Sie waren für den Islamischen Staat im Einsatz, das steht fest. Gestritten wird darüber, welche Motive die beiden Angeklagten nach Syrien und in den Irak trieb. Ayoub B. hat seine eigene Version.

Celle (dpa) - Hinter einer Plexiglasscheibe sitzt Ayoub B.. Der junge Mann im weißen Hemd und mit schwarzen Löckchen verfolgt aufmerksam die Worte seines Anwalts, der seine Aussage vorliest. Über Dutzende Seiten zeichnet B. von sich selbst das Bild eines gutgläubigen Verlierers, der erst unwissentlich und später unter Zwang bei der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) mitmachte.

Der 27-Jährige muss sich seit Montag zusammen mit Ebrahim H. B. (26) vor dem Oberlandesgericht Celle dafür verantworten, zwischen Juni und Mitte August 2014 beim IS in Syrien und im Irak gewesen zu sein. Das geben die beiden jungen Männer aus der VW-Stadt Wolfsburg auch zu. Allerdings weist Ayoub B. von sich, aus eigenem Antrieb und Überzeugung gehandelt zu haben.

Gegenüber von Ayoub B. sitzt Claudia Gorf von der Bundesanwaltschaft. Nur vier schmale Fenster knapp unter der Decke lassen Licht in den speziell gesicherten Gerichtssaal. Vor dem Gebäude stehen Polizisten mit Maschinenpistolen. Gorf hält den beiden Deutsch-Tunesiern vor, die terroristischen Ziele des IS gefördert und im Internet für den Heiligen Krieg geworben zu haben. Sie geht sogar noch einen Schritt weiter: Die beiden Angeklagten seien im Sommer 2014 nach Deutschland zurückkehrt, «ohne ihre ideologische Übereinstimmung mit dem IS aufgegeben zu haben.» Beide Angeklagten haben sich mittlerweile öffentlich vom IS distanziert.

Ayoub B. schildert vor Gericht, er habe Probleme in der Schule gehabt, musste auf die Hauptschule wechseln. «Weil ich überfordert war.» Er habe Gras geraucht und rumgehangen. «Ich war das Sorgenkind meiner Familie.» Später arbeitete er als Zeitarbeiter bei VW, das Gehalt aber verspielte er. Er habe getrunken und Kokain konsumiert.

«Beten war mir fremd», sagt Ayoub B. «Wir hatten mit Religion nichts zu tun», sagte auch Ebrahim H. B. in einem Fernseh-Interview, das er vor einigen Wochen im Gefängnis gab. Die beiden Männer waren in Wolfsburg an radikale Islamisten geraten. Die Gruppe gibt Halt. «Wir schaukelten uns gegenseitig hoch.» Wer ist der strengste Muslim?

Im Mai 2014 brechen beide in Richtung Syrien auf. Er sei in dem Glauben dorthin gereist, an einer Islamschule Koranunterricht zu bekommen, sagt Ayoub B. «Es war keine Rede vom kämpfen.»

Er muss das Gericht überzeugen, dass er von seinem IS-Einsatz weder im Vorfeld gewusst, noch ihn befürwortet hat. Andernfalls drohen ihm bis zu 10 Jahre Haft. Laut Anklage soll er an Waffentrainings teilgenommen und sich an Kampfeinsätzen beteiligt haben.

In Syrien müssen sich die Neuankömmlinge entscheiden: Kämpfer oder Selbstmordattentäter? «Ich war total schockiert», sagt Ayoub B. Er entschied sich für Kämpfer. «Dies schien mir als das kleinste Übel und meine einzige Chance zu überleben.» Sie seien bewacht und eingeschüchtert worden: Weglaufen zwecklos, gibt Ayoub B. zu verstehen. Er habe mehrfach darum gebeten, nach Hause zu dürfen, zur Kampfausbildung sei er gezwungen worden. Als Krankenfahrer während eines Kampfes sei er nur tätig gewesen, um zu überleben. Schließlich sei ihm die Flucht gelungen.

Doch es gibt erhebliche Zweifel, ob Ayoub B. tatsächlich so harmlos und naiv ist, wie er tut. Ein Foto zeigt ihn mit Kalaschnikow und Sprengstoffgürtel und IS-Fahne. Ayoub B. erklärt: IS-Männer hätten ihn bewusst in diese Situation gebracht, um seine Familie gegen ihn aufzubringen und ihn zu isolieren.

Zwei Ausraster, die er sich zurück in Deutschland leistete, begründet er so: Er habe sich aus Trotz so gegeben, wie es von ihm erwartet worden sei - als Islamist. Im Gefängnis hatte er unter Gesängen Maschinengewehrsalven imitiert.

Zudem gibt es Mitschnitte von verräterischen Internet-Chats, in denen die beiden Angeklagten neue Mitglieder aus Deutschland werben und sich inbrünstig zum IS bekennen. Auch darauf hat Ayoub B. eine Antwort: Er habe sich nach außen verstellen müssen, damit seine IS-kritische Haltung nicht auffliegt. «Mir blieb gar nichts anderes übrig, als so zu tun, als wäre ich ein glühender Anhänger des IS.»

Mo, 2015-08-03 17:27
Berlin (dpa)

Union: Kondompflicht stärkt Prostituierten den Rücken

Berlin (dpa) - Die geplante Kondompflicht für Prostituierte und deren Freier ist aus Sicht der Union im Bundestag auch bei eingeschränkten Kontrollmöglichkeiten eine wichtige Verbesserung. «Wenn die Gesellschaft den Schutz der Prostituierten und der Freier durch die Benutzung von Kondomen möchte, muss der Staat es auch unabhängig von der Durchsetzung der Kontrollmöglichkeiten gesetzlich einfordern», sagte der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Marcus Weinberg, am Montag in Berlin. Die Vorschrift, die mit dem neuen Prostituiertenschutzgesetz kommen soll, stärke die Position der Frauen, sich gegen ungeschützten Sex zur Wehr zu setzen.

Das Gesetz, dessen Entwurf derzeit zwischen den Ministerien und mit den Ländern abgestimmt wird, soll vor allem im Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution Fortschritte bringen. Frauen, die sich freiwillig prostituieren, sollen von den neuen Pflichten aber auch nicht überfordert werden, wie die rechtspolitische Fraktionssprecherin Elisabeth Winkelmeier-Becker betonte.

Vorgesehen ist unter anderem, dass Prostituierte sich künftig offiziell anmelden und regelmäßig zur Gesundheitsberatung gehen müssen. Für sehr junge Frauen unter 21 gelten verschärfte Regeln. Wer wissentlich die Dienste einer Zwangsprostituierten nutzt, kann sich strafbar machen. Die Union will außerdem weitere Punkte durchsetzen, etwa einen besonderen Schutz für schwangere Prostituierte.

In Deutschland prostituieren sich laut Winkelmeier-Becker etwa 200 000 bis 400 000 Frauen. Bis zu eine Million Freier nutzten pro Tag ihre Dienste. Das neue Gesetz soll das liberalisierte rot-grüne Prostitutionsgesetz ablösen, das hinter den Erwartungen zurückblieb. Bei der Union geht man davon aus, dass es 2016 in Kraft treten kann.

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
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Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

Keine Anzeige!

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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