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Beutel-Set

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Der Kleinste hat es in sich: Öffnet man ihn, kommen noch zwei größere Beutel zum Vorschein. Alle drei bestehen aus T-Shirts, die wegen kleiner Produktions- fehler ausgemustert wurden. Sie haben einen praktischen Tunnelzug und sind vielseitig verwendbar, zum Beispiel auf Reisen für Schuhe oder Schmutz- wäsche, fürs Turn- oder Badezeug und manches andere. Genäht werden die Beutel in den Elbe-Werkstätten von Menschen mit Behinderung.

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Fr, 2015-07-31 04:00
Berlin (dpa)

Experte zu Islamisten-Prozessen: Das sind Fußsoldaten des Terrors

Berlin (dpa) - Die Prozesse gegen mutmaßliche Islamisten in Deutschland geben aus Expertensicht einigen Aufschluss über die Terrorszene und ihre Strukturen. «Man erfährt viel Handwerkliches über den Modus Operandi, wenn die Angeklagten gesprächig sind», sagte der Terrorexperte Rolf Tophoven der Deutschen Presse-Agentur. Die Prozesse lieferten Informationen zu Rekrutierung, Strategien und Propaganda der Terrorgruppen. Allerdings stünden in Deutschland keine wesentlichen Akteure der Szene vor Gericht. «Das sind die Fußsoldaten. Das sind nicht die Masterminds des Terrors.»

In Deutschland gibt es derzeit mehrere Prozesse gegen mutmaßliche Islamisten. Und in den nächsten Monaten werden wohl noch einige dazukommen. Bei der Bundesanwaltschaft laufen Dutzende Ermittlungsverfahren gegen Beschuldigte aus der Szene, auch gegen Rückkehrer aus Syrien oder dem Irak. Mitte Juli hatte das Oberlandesgericht München erstmals einen Syrien-Rückkehrer wegen Mordes und Beteiligung am Terror verurteilt.

Tophoven mahnte, die deutsche Justiz müsse vernünftige Vorkehrungen treffen, wenn nach den laufenden Prozessen zunehmend Islamisten in Haft kämen. Denn grundsätzlich sei das Gefängnis ein Ort möglicher weiterer Radikalisierung.

Fr, 2015-07-31 04:14
Ankara (dpa) 

Demirtas bestreitet PKK-Kontakte: «Schmutzige Propaganda» Erdogans

Nach der Aufkündigung des Friedensprozesses mit der kurdischen PKK durch Präsident Erdogan geht die türkische Justiz verstärkt gegen die kurdische Opposition vor. Gegen HDP-Chef Demirtas wird ermittelt.

Ankara (dpa) - Der Vorsitzende der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, bestreitet den Vorwurf, er unterhalte Kontakte zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekomme Anweisungen von ihr. «Wir haben zur PKK überhaupt keine Beziehungen», sagte er am Donnerstag im ZDF-«heute journal». Dies sei «schmutzige Propaganda» des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die HDP bekomme «von niemandem Anweisungen, [...] auch nicht von der PKK».

Die türkische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Demirtas eingeleitet. Ihm wird vorgeworfen, Bevölkerungsteile zur Bewaffnung provoziert und gegeneinander aufgewiegelt zu haben. Sollte es zur Anklage kommen, drohten Demirtas 24 Jahre Haft. Die HDP hatte bei der Parlamentswahl im Juni die Zehn-Prozent-Hürde klar übersprungen. Erdogans islamisch-konservative Regierungspartei AKP wiederum verlor ihre absolute Mehrheit und sucht noch nach einem Koalitionspartner.

Erdogan hatte den Friedensprozess mit den Kurden am Dienstag für beendet erklärt. Nach mehreren Anschlägen mit Dutzenden Toten fliegt die türkische Luftwaffe seit voriger Woche Luftangriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien sowie der PKK im Nordirak.

Diese Strategie Erdogans ist nach Einschätzung des CDU-Europaabgeordneten Elmar Brok «kontraproduktiv». Sie verhelfe dem IS zu neuer Stärke, während die Bemühungen um einen dauerhaften Frieden im syrisch-türkisch-irakischen Grenzgebiet litten, schrieb der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament in einem Gastbeitrag für die «Fuldaer Zeitung» (Freitag). «Erdogan handelt verantwortungslos, wenn er die aktuelle Lage zusätzlich nutzt, um sich Rückhalt für die nächsten Wahlen zu besorgen und ein Präsidialsystem durchzusetzen», betonte Brok weiter.

Auch HDP-Chef Demirtas sagte, bei dem Krieg, den Erdogan angezettelt habe, gehe es nicht um die Verteidigung des Landes. «Es geht um die Verteidigung der Macht des Staatspräsidenten.» Nach Ansicht von Demirtas wäre es das Beste, «dass man sofort Frieden mit der PKK schließt». Die internationale Gemeinschaft müsse darauf dringen, dass «sich die Türkei mit der PKK wieder an den Verhandlungstisch setzt».

Die HDP wolle die Möglichkeit behalten, mit der PKK wie mit der Regierung sprechen zu können. «Diese Kanäle dürfen nicht geschlossen werden», sagte Demirtas. «Solange die HDP diese Mission erfüllen kann, die zum Frieden beitragen kann , [...] wollen wir den Dialog.»

Fr, 2015-07-31 04:30
Mallorca (dpa)

Plastikschwemme vor Mallorca empört Badegäste und Umweltschützer Von Stephanie Schuster, dpa

In den Traumbuchten und auf feinsandigen Stränden der Balearen erleben Urlauber und Einheimische seit Wochen böse Überraschungen. Unmengen von Plastikmüll und anderer Unrat vermiesen den Badespaß.

Palma de Mallorca (dpa) - In nur wenigen Tagen habe sich der Strand von einem Paradies in eine Mülldeponie verwandelt, sagt Alberto Espejo, der den erschreckenden Anblick an der Bucht Cala Vella nahe der Siedlung Maioris an der Südküste Mallorcas gleich mit der Videokamera festhält. «Das wird jedes Jahr schlimmer», klagt der Mallorquiner. Er fordert ein sofortiges Eingreifen der Behörden. 

Wenige Tage danach kommt ein gutes Dutzend Freiwilliger zusammen und sammelt säckeweise Müll auf. Doch das gleicht einer Sisyphusarbeit. Da hat die Plastikschwemme bereits einige Kilometer weiter den nächsten Strand im Örtchen S'Estanyol erreicht. Und auch an zig anderen Buchten der Insel, vor allem im Süden und Südwesten, klagen Anwohner und Urlauber über erschreckend viel Unrat im Meer.

Bereits zuvor hatte Mallorcas Umweltverband GOB Alarm geschlagen und Fotos aus dem Cabrera-Nationalpark, dem zwölf Kilometer vor Mallorca gelegenen Archipel, verbreitet: Sie zeigen unter anderem eine eklige, ans Ufer schwappende Dreckbrühe. Dazu eine Schildkröte, die sich in einem Plastikband verheddert hat. Und zahlreiche, aus einer algerischen Fabrik stammenden Milchtüten. Auch vor der Küste von Ibiza ist viel Müll aufgetaucht.

GOB-Sprecher Toni Mun?oz wundert sich kein bisschen über die Plastikschwemme. Dass die Länder im Norden Afrikas, allen voran Algerien, ein enormes Entsorgungsproblem hätten, sei seit langem bekannt. Weite Teile der Küste sind mit Abfällen übersät, die früher oder später von der Brandung davongetragen werden, bestätigen auch algerische Umweltaktivisten. Die Elite des Landes verbrächte den Sommer nicht umsonst in Tunesien, wo die Strände sauberer seien.

Dass derzeit besonders viel Müll die mehr als 250 Kilometer zwischen der algerischen Küste und den Balearen zurücklegt, liegt Mun?oz zufolge am anhaltenden Südwind. Neu sei dieses Phänomen aber nicht, sagt Josep Maria Aguiló vom balearischen Amt für Wasser und Umwelt (Abaqua), der den Einsatz der sogenannten Müllboote rund um die Balearen-Inseln koordiniert.

«Diese Milchtüten haben wir schon 2004 gefunden, als das Umwelt-Ministerium den Service der Küstenreinigung eingeführt hat», sagt Aguiló. Dass in den Schlagzeilen nun von einer nie dagewesenen Verschmutzung die Rede ist, macht ihn wütend. Das sei vollkommen übertrieben - und schlecht für Mallorcas Image als Urlaubsinsel.

Allerdings sei es durchaus erklärbar, dass dieses Jahr besonders viel Müll an die Strände gelange: Man habe seit Wochen thermischen Wind, der vom Meer landwärts wehe. Drei, vier Tage Nordwind - und das Treibgut sei wieder weit draußen im Meer, wo es eben niemand sehe.

In Aguilós Augen ist die aktuelle Situation deshalb sogar positiv. «Unsere Boote sammeln viel mehr Unrat auf als im Vorjahr». Zumal die insgesamt 33 Müllschiffe - 15 vor Mallorca, je 8 vor Menorca und Ibiza und 2 vor Formentera - aufgrund der optimalen Wetterbedingungen derzeit jeden Tag rausfahren könnten. Außerdem seien sie in diesem Jahr sogar einen Monat länger als üblich unterwegs, nämlich von Anfang Mai bis Ende September, was sich die Balearenregierung immerhin 1,1 Millionen Euro kosten lasse.

Dennoch ist das Ausmaß der Müll-Schwemme damit kaum in den Griff zu bekommen, wie die Wissenschaftlerin Marina Sanz-Martín befürchtet. Sie ist Biologin am auf Mallorca ansässigen Meeresforschungsinstitut Imedea und hat an der ersten groß angelegten Studie mitgearbeitet, die die Plastikverschmutzung des Mittelmeers unter die Lupe nahm.

Vor zwei Jahren wurden hierfür an 28 Stellen mit kleinmaschigen Netzen Wasserproben entnommen. Die Ergebnisse für die Balearen sind besorgniserregend: Südlich von Formentera ist der Grad der Verschmutzung mit bis zu 2500 Gramm Plastik pro Quadratkilometer besonders hoch. Allerdings dürfe man sich darunter keinen «Plastikteppich aus algerischen Milchtüten und Cola-Dosen vorstellen», sagt die Wissenschaftlerin.

Auf der Suche nach Erklärungen für die derzeitige Plastikschwemme hatte der vermeintliche Müllteppich in Medien Mallorcas immer wieder als Sündenbock herhalten müssen. «Das ist vollkommen absurd», sagt Sanz-Martín. Bei dem entdeckten Plastik handele es sich um winzige Partikel, zu 83 Prozent kleiner als fünf Millimeter. Gerade sie aber sind es, die dem Ökosystem den größten Schaden zufügen. Zum einen verenden Meerestiere daran, zum anderen landet das Plastik über die Nahrungskette längst auch auf unseren Tellern.

Die Vorstellung von an der Meeresoberfläche treibenden Müllbergen ist Sanz-Martín zufolge also nicht richtig, auch nicht für die fünf nachgewiesenen riesigen Plastikstrudel im Pazifik, im Atlantik und im Indischen Ozean: Diese bestünden ebenfalls aus Mikroplastik.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Fr, 2015-07-31 04:15
Berlin (dpa)

Forscher: Fehler im Asylsystem sind Grund für riesigen Antragsstau

Berlin (dpa) - Ineffiziente Strukturen im deutschen Asylsystem sind nach Experteneinschätzung Grund für den enormen Stau bei der Bearbeitung von Asylanträgen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schiebe eine immense Bugwelle an unerledigten Anträgen vor sich her, sagte der Migrationsforscher Dietrich Thränhardt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Im europäischen Vergleich liege Deutschland hier einsam an der Spitze, und eine Besserung sei nicht in Sicht. Neben einem Mangel an «Entscheidern» in der Behörde sieht Thränhardt vor allem den großen Verwaltungsaufwand für sogenannte Widerrufsprüfungen und «Dublin»-Fälle als Ursache. In einem Gutachten für die Informationsplattform Mediendienst Integration fordert er eine Reform des Asylverfahrens.

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit vielen Monaten rapide. Im ersten Halbjahr stellten fast 180 000 Menschen einen Asylantrag. Bis zum Jahresende werden mindestens 450 000 Anträge erwartet. Das Bundesamt, das alle Asylgesuche bearbeitet, wird damit kaum noch fertig. Bis Ende Juni hat sich dort ein Berg von fast 240 000 unbearbeiteten Anträgen angestaut. Das sind doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

Fr, 2015-07-31 04:30
Berlin (dpa)

Mit und ohne Ohrpuscheln: Droht unseren Eichhörnchen Gefahr? Von Andrea Barthélémy, dpa

«Soooo süß»: Kaum ein Eichhörnchen-Foto bleibt ohne diesen Kommentar. Die Begeisterung für die Nager mit dem buschigen Schwanz ist hierzulande groß. Jetzt fürchten manche um den Bestand der heimischen Tiere - derzeit aber zu Unrecht.

Berlin (dpa) - Die Ohrpuscheln machen den Unterschied. Sie nämlich unterscheiden das heimische Eichhörnchen von seinem Ohrpuschel-freien Verwandten aus Nordamerika, dem Grauhörnchen. Und das sorgt auf den britischen Inseln seit längerem für Probleme: Etwas größer, robuster und von wenig Fressfeinden bedroht, verdrängt es dort das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Und indirekt rückt es ihm nun sogar in Deutschland auf den Pelz: Denn manche Eichhörnchenfreunde oder Gartenbesitzer verjagen und bekämpfen heimische Hörnchen grauer oder dunklerer Färbung - weil sie sie mit den forschen Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) verwechseln.

«Dabei können beide Arten in einem funktionierenden, ausreichend großen Biotop durchaus nebeneinander existieren», sagt Anja Sorges vom Nabu Berlin. Ganz anders als in England und Norditalien sind Grauhörnchen in Deutschland bisher offiziell nicht nachgewiesen worden. Die hiesigen Wälder sind also reine Eichhörnchen-Zonen und auch in den Städten haben sie sich längst eingerichtet. Akute Gefahr für die kleinen Nagetiere besteht somit nicht, auch weil sie geschützt sind und in Kontinentaleuropa eine stabile Population haben.

In den nächsten Jahrzehnten könnte sich dies aber ändern. «Es ist zu erwarten, dass Grauhörnchen, die in Norditalien ausgesetzt wurden, mittelfristig die Alpengrenze überschreiten», sagt Eichhörnchenexperte und Sachbuchautor Stefan Bosch. Er schätzt, dass Grauhörnchen wegen ihrer größeren Robustheit und etwas anderer Lebensweise die Eichhörnchen dann in die Nadelwälder verdrängen. «Es könnte sein, dass wir dann irgendwann in den Bayrischen Wald oder den Schwarzwald fahren müssen, um Eichhörnchen zu sehen», sagt Bosch.

Auf der Skala der beliebten Tiere stehen sie zumindest ganz weit vorn. Kein Wunder: Sie sehen putzig aus, verfügen über beeindruckende Kletterkünste, machen Männchen und bedienen auch als ausgewachsene Tiere das Kindchenschema.

«Doch was viele Menschen vergessen: Sie sind Wildtiere», betont Anja Sorges. Weil vor allem Städter die Tierchen gerne «vermenschlichten», könne es auch zu skurrilen Szenen kommen. So wie vor wenigen Tagen: Eine Frau ruft die Polizei, weil sie von einem Eichhörnchen verfolgt wird, das ihr partout nicht mehr von der Seite weicht. «Es ist gut möglich, dass dieses Eichhörnchen von einem Menschen aufgezogen wurde», schätzt Sorges.

Auch das Foto eines Eichhörnchens, das in einem Gullydeckel feststeckte und von der Feuerwehr aus der misslichen Lage befreit wurde, rührte Zeitungsleser und Netzgemeinde. Getoppt noch von der Nachfolgestory, dass das Tierchen die mittels Olivenöl durchgeführte Rettungsaktion nur wenige Stunden überlebte. Grund: Stressschock.

In vielen Bundesländern und Großstädten gibt es Eichhörnchen-Notrufe und -Hilfsvereine. Dort kann man anrufen, wenn man ein verletztes oder aus dem Kobel gefallenes Jungtier findet und nicht weiter weiß. In Eckernförde etwa, wo ein Eichhörnchen das Stadtwappen ziert, werden im Eichhörnchen-Zentrum verletzte, verwaiste und kranke Tiere in einem Großgehege aufgepäppelt und dann wieder freigelassen.

In Berlin steht die Aktion Tier-Eichhörnchenhilfe mit Infos zur Ersthilfe bereit - und initiierte unter anderem auch den Bau einer Eichhörnchen-Seilbrücke in neun Metern Höhe über eine vielbefahrene Straße. «Das hat sich bewährt», sagt Tanya Lenn, die in den vergangenen 17 Jahren mehr als 1200 Eichhörnchen versorgte. «Es ist ein Riesenbedarf da.» Aber auch sie räumt ein, dass es manchen Findern schwer fällt, die Hörnchen wieder in Freiheit zu entlassen. «Grundsätzlich ist das aber gut möglich.»

Experte Bosch sieht solche Aktionen mit gemischten Gefühlen. «Hilfestellungen wie Eichhörnchen-Brücken über befahrene Straßen mögen durchaus Sinn machen. Verletzte Jungtiere aufzupäppeln, hilft den Eichhörnchen aber weniger - vor allem, weil sie doch oft schwer wieder auszuwildern sind und ihnen für das Überleben in der freien Wildbahn wertvolle Fähigkeiten fehlen.» Ein Wildtier ist eben kein Stofftier, auch wenn es so aussieht.

Fr, 2015-07-31 04:30
Berlin (dpa)

Forscher: Fehler im Asylsystem sind Grund für riesigen Antragsstau

Der Berg an unerledigten Asylanträgen in Deutschland wird immer größer: Fast 240 000 haben sich angestaut - so viel wie in allen anderen EU-Staaten zusammen. Und das hat nicht allein mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen zu tun, meint Migrationsforscher Thränhardt.

Berlin (dpa) - Ineffiziente Strukturen im deutschen Asylsystem sind nach Experteneinschätzung Grund für den enormen Stau bei der Bearbeitung von Asylanträgen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schiebe eine immense Bugwelle unerledigter Anträge vor sich her, sagte der Migrationsforscher Dietrich Thränhardt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Im europäischen Vergleich liege Deutschland hier weit an der Spitze, und eine Besserung sei nicht in Sicht. Neben einem Mangel an «Entscheidern» in der Behörde sieht Thränhardt vor allem den großen Verwaltungsaufwand für sogenannte Widerrufsprüfungen und «Dublin»-Fälle als Ursache. In einem Gutachten fordert er eine Reform des Asylverfahrens.

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit vielen Monaten rapide. Im ersten Halbjahr stellten fast 180 000 Menschen einen Asylantrag. Bis zum Jahresende werden mindestens 450 000 Anträge erwartet. Das Bundesamt, das alle Asylgesuche bearbeitet, wird damit kaum noch fertig. Bis Ende Juni hat sich dort ein Berg von fast 240 000 unbearbeiteten Anträgen angestaut. Das sind doppelt so viele wie ein Jahr zuvor.

«In der Bundesrepublik gibt es so viele unerledigte Anträge wie in allen anderen EU-Ländern zusammen», sagte Thränhardt. Der Berg wachse seit 2008 ununterbrochen an. Dies Problem habe seinen Ursprung also vor dem rasanten Anstieg der Flüchtlingszahlen.

In einem Gutachten für die Informationsplattform Mediendienst Integration, das am Freitag veröffentlicht werden sollte und der dpa vorab vorlag, nennt der Wissenschaftler mehrere Gründe für die Entwicklung. Sehr viel Aufwand für das Bundesamt verursachen demnach die Widerrufs-Prüfverfahren: Hat ein Asylantrag Erfolg, bekommen die Betroffenen eine Aufenthaltserlaubnis für bis zu drei Jahre. Danach muss das Bundesamt überprüfen und entscheiden, ob der Asylstatus erhalten bleibt - oder eben widerrufen wird.

Dies Vorgehen gebe es nur in Deutschland, erklärte Thränhardt. Der Nutzen sei jedoch fraglich, weil es nur in den wenigsten Fällen zum Widerruf des Flüchtlingsstatus komme. Im vergangenen Jahr habe die Behörde rund 16 000 solche Verfahren eingeleitet, von denen weniger als fünf Prozent zum Widerruf geführt hätten.

Eine weitere Belastung für die Behörde seien die sogenannten Dublin-Fälle. Viele Menschen, die in Deutschland einen Asylantrag stellen, sind über einen anderen EU-Staat nach Europa eingereist und müssen laut Dublin-Verordnung eigentlich dorthin zurück. Im vergangenen Jahr traf das auf etwa jeden fünften Asyl-Erstantrag zu. Nur in 14 Prozent der Fälle wurden Asylbewerber aber tatsächlich in ein anderes Land überstellt. Zum Teil gehen andere Staaten schlicht nicht auf solche «Übernahmeersuchen» ein.

Auch hier stelle sich die Frage, ob die Ergebnisse den Aufwand rechtfertigten, sagte Thränhardt. 45 der 560 «Entscheider» beim Bundesamt seien ausschließlich mit Dublin-Fällen beschäftigt.

Der Migrationsforscher plädierte dafür, die Widerrufs-Prüfverfahren komplett abzuschaffen und die Dublin-Fälle nicht mehr vorrangig als solche zu behandeln. Außerdem brauche die Behörde dringend mehr Personal. Thränhardt hält dort etwa 2000 «Entscheider» für nötig. Derzeit hat das Amt gut 2800 Mitarbeiter, davon aber nur 560, die am Ende über Asylanträge entscheiden. Die Bundesregierung hat der Behörde bis zu 2000 Stellen zusätzlich versprochen. Die Einstellung und Ausbildung von «Entscheidern» braucht aber Zeit.

Fr, 2015-07-31 03:30
Osnabrück (dpa)

Grünen-Politiker: Recht auf anonyme Äußerungen im Netz muss bleiben

Osnabrück (dpa) - Trotz der Zunahme ausländerfeindlicher Äußerungen im Internet muss nach Worten des Grünen-Politikers Konstantin von Notz das Recht auf anonyme Äußerungen gewahrt bleiben. «Die zunehmende Hetze und der ungehemmte Ausländerhass sind besorgniserregend. Ob auf der Straße, am Stammtisch oder im Netz, «hate speech» ist überall unerträglich», sagte der Vize-Fraktionsvorsitzende und Sprecher für Netzpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitag). Die Antwort darauf dürfe jedoch nicht zu einer Beschränkung von Grundrechten führen. «Strafrechtrelevante Diskriminierungen müssen verfolgt werden. Das Recht auf anonyme und pseudonyme Äußerungen im Netz muss dabei aber unangetastetes Grundrecht bleiben», sagte er.

Fr, 2015-07-31 02:30
Ludwigshafen (dpa)

«Bitte nicht in der Nähe» - An Tierkrematorien entzündet sich Streit Von Jasper Rothfels, dpa

Immer öfter lassen Besitzer von Haustieren ihre Lieblinge nach deren Tod einäschern. Dafür gibt es bundesweit etwa 25 Tierkrematorien. Neubaupläne sorgen allerdings für Diskussionen oder gar Streit.

Ludwigshafen (dpa) - Als der Labrador der alten Dame stirbt, entscheidet sie sich dafür, ihn einäschern zu lassen. Damit liegt sie im Trend. Immer mehr Tierbesitzer lassen ihre Lieblinge nach deren Tod verbrennen. Tierkrematorien stoßen bei vielen Menschen jedoch auf Vorbehalte, zum Beispiel aus Gründen des Umweltschutzes.

Rund 500 Unterschriften und Einwendungen gab es zum Beispiel gegen eine Einrichtung, die eine Investorengruppe demnächst in Ludwigshafen eröffnen will. Die Stadt gab dennoch grünes Licht: «Man muss letztlich eine Entscheidung nach fachlichen Richtlinien treffen», sagt der Bereichsleiter Umwelt bei der Stadt, Rainer Ritthaler.

Weshalb lassen Menschen ihre toten Tiere einäschern? «Das Verhältnis zu Heimtieren hat sich grundlegend gewandelt», sagt Gert Buttgereit vom Bundesverband der Tierbestatter. Tiere, ob Hund oder Katze, seien immer mehr zum Sozialpartner geworden - auch angesichts der mancherorts wachsenden Single-Gesellschaft. Das zeige sich eben auch bei der Tierbestattung. Außerdem dürfe man die Asche von Tieren - im Gegensatz zu der Asche von Menschen - zu Hause aufbewahren.

Die Volkswirtin Renate Ohr geht davon aus, dass pro Jahr in Deutschland um die 1,4 Millionen Hunde und Katzen sterben. Das schreibt sie in ihrer Heimtierstudie «Wirtschaftsfaktor Heimtierhaltung» aus dem vergangenen Jahr. Wie viele davon eingeäschert oder auf dem Tierfriedhof beerdigt werden, könne nur geschätzt werden, «die Tendenz ist aber stark steigend».

Nach ihrer Schätzung gibt es pro Jahr 130 000 Einäscherungen, mit denen 30 Millionen Euro umgesetzt werden. Mindestens 80 Prozent der Tierbesitzer, die einen professionellen Tierbestatter aufsuchten, entschieden sich dafür.

Neue Tierkrematorien stoßen jedoch auf Widerstände. «Ich kenne in letzter Zeit kein Krematorium, wo es nicht eine Bürgerinitiative gab», sagt Buttgereit. «Jeder möchte alles haben, aber bitte nicht in seiner Nähe, und das gilt gerade für Tierkrematorien.» Dabei gälten für solche Einrichtungen dieselben Vorschriften wie für jene, in denen Menschen eingeäschert werden. Der Funktionär macht für den Protest eher psychologische Gründe verantwortlich. So hätten viele Menschen noch das Wort «Abdeckerei» im Hinterkopf.

Das Ludwigshafener Tierkrematorium soll am Stadtrand in einem Gewerbegebiet entstehen, in einem hellen Gebäude mit rückwärtiger Halle. Fast 500 000 Euro wollen der Tierbestatter Harald Spannagel und Kollegen aus Hessen, Bayern und dem Saarland hier investieren. Zu dem Projekt gehören ein Ofen, der bis zu 50 Kilogramm pro Stunde verbrennen kann, zwei Kühlcontainer und zwei sogenannte Abschiedsräume mit Monitoren. Der Tierbesitzer soll den Beginn der Einäscherung verfolgen können, wenn ihm danach ist.

Geplant sei zum einen, dass Bestatter hier Tiere verbrennen lassen können, sagt Reiner Wolf, Investor aus Saarbrücken. Zum anderen sei das Krematorium ein Angebot an Menschen in der Region, deren Tier stirbt. «Die haben dann direkt vor Ort die Möglichkeit, ihr Tier kremieren zu lassen und die Asche gleich wieder mitzunehmen.» Fast 5000 Kadaver sollen künftig pro Jahr verbrannt werden. «Hunde, Katzen, Meerschwein, Hasen - das sind so die Haupttiere», sagt Roland Merker von Anubis-Tierbestattungen, der schon ein Krematorium in Franken betreibt.

Protest kommt unter anderem von Eltern, deren Kinder eine etwa 300 Meter entfernte Kita besuchen. In Ludwigshafen gebe es genug Flächen. Die Frage sei, warum die Anlage gerade dort entstehen müsse, sagt Ralf Widmaier vom Stadtelternausschuss. Kritisiert wird zudem, dass die Betreiber keinen Filter einbauen lassen. In der Gegend gebe es bereits Firmen, die «luftreinhaltemäßig nicht unbedenklich sind», sagt Widmaier. «Es stellt sich die Frage, ob es unbedingt sein muss, dass man dort ein Krematorium hat, das keine Abgasanlage hat.» Die Mehrkosten lägen bei 20 000 bis 50 000 Euro.

Aus Sicht der Betreiber ist ein solcher Filter jedoch nicht notwendig - und deshalb ökonomisch nicht sinnvoll. «Das ist ja keine große Anlage», sagt Merker. Sie halte die gesetzlichen Grenzwerte - etwa für Staub, Dioxin und Kohlenmonoxid - bei weitem ein. Dort werde auch, anders als in Krematorien für Menschen, kein Amalgam aus Zähnen verbrannt. Ein Filter koste sogar 200 000 bis 250 000 Euro. Im Verhältnis zur Gesamtinvestition gesehen sei das «Wahnsinn», sagt Wolf.

«Die Emissionen bei uns entstehen im Wesentlichen durch Kraftfahrzeuge, Hausbrand und die Industrie - nicht durch solche Kleinanlagen», meint Stadt-Mitarbeiter Ritthaler. «Die Werte, die die Anlage erfüllen muss, sind besser als die, die ein normaler Holzofen erfüllen muss.» Was aus dem Schornstein komme, könne man schon ein paar Meter weiter nicht mehr feststellen. Und das Krematorium werde kontrolliert. «Wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden, gibt es Auflagen - bis zur Abstellung der Anlage.»

Fr, 2015-07-31 01:00
Berlin (dpa)

Grüne fordern Maßnahmen gegen zu niedrige Angaben zum Spritverbrauch

Berlin (dpa) - Die Grünen haben der Bundesregierung Untätigkeit bei der Bekämpfung zu niedriger Angaben der Auto-Hersteller zum Spritverbrauch und CO2-Ausstoß vorgeworfen. «Millionen Menschen werden beim Autokauf betrogen, die Bundesregierung weiß das, tut aber nichts dagegen», sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer der «Welt» (Freitag). Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nehme «achselzuckend zur Kenntnis», dass die «Verbräuche oft mehrere Liter über den Angaben der Hersteller liegen». Dabei würden «nicht nur die Verbraucher übers Ohr gehauen», auch die Klimaschutzziele blieben «auf der Strecke». Denn der CO2-Ausstoß sinke nicht in dem Maße, wie es bisher aus Herstellerangaben geschlossen werde.

Anlass von Krischers Kritik sei die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen, die Auskunft zu Gegenmaßnahmen der Regierung verlangt hätten. In der Regierungsantwort, aus der die «Welt» zitiert, gibt das Bundesverkehrsministerium zu, dass die gegenwärtigen Messmethoden unzureichend seien. «Mit Nachdruck» setze sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene für eine Verbesserung der Messprozedur ein. Für 2017 sei die Einführung einer neuen Messmethode geplant. Zu weiteren Anstrengungen sehe das Ministerium keinen Anlass: «Die Zahl der Verbraucherbeschwerden über einen zu hohen Real-Kraftstoffverbrauch ist über alle zurückliegenden Jahre nicht signifikant», heiße es in der Antwort.

Einer im vergangenen September veröffentlichten Studie der Forschungsorganisation ICCT zufolge lag der tatsächliche Spritverbrauch vieler Autos im Schnitt um ein Drittel höher als von den Herstellern angegeben.

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Fr, 2015-07-31 01:00
Köln (dpa)

Gewaltforscher warnt vor neuem Terror von rechts

Köln (dpa) - Angesichts zahlreicher Übergriffe auf Flüchtlingsheime hat der Gewaltforscher Andreas Zick vor einem neuen Rechtsterrorismus gewarnt. «Es gibt viele Faktoren, die die Bildung von terroristischen Zellen begünstigen», sagte der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitag). «Wir sollten aus dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gelernt haben.»

Es habe auch in den 90er-Jahren eine Protestbewegung gegen Asylbewerber gegeben. «Aus dieser Protestbewegung heraus entstanden Angriffe. Aus den Angriffen heraus bildeten sich Zellen. Es gibt viele Hinweise darauf, dass das wieder passieren kann. Und es liegt nahe, dass diejenigen, die mit dem System nichts mehr am Hut haben, sagen: Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter.» Zick fügte hinzu: «Als Konflikt- und Gewaltforscher finde ich das alles besorgniserregender als in den 90er-Jahren.»

Das Institut untersucht seit Jahren gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Fr, 2015-07-31 01:52
Berlin (dpa)

SPD-Vize ruft zum Aufstand gegen Fremdenhass und Rassismus auf

Berlin (dpa) - SPD-Vize Ralf Stegner hat Prominente aus Gesellschaft und Kultur zum Aufstand gegen jede Art von Fremdenhass und Rassismus aufgerufen. «Gegen Intoleranz, Rassismus, verbale Hetze gegen Schwächere und Angriffe auf Flüchtlinge muss sich die Zivilgesellschaft zur Wehr setzen», sagte er dem «Handelsblatt» (Freitag). «Wenn das gerade auch die Frauen und Männer tun, die im Sport, in der Musik oder in anderen Bereichen als Idole eine Vorbildfunktion erfüllen können, dann ist das sehr zu begrüßen», fügte Stegner hinzu.

Stegner nahm dabei Bezug auf den Sänger der Band «Die Ärzte», Farin Urlaub, der sich in einem Interview deutlich zu den Themen Pegida, Fremdenhass und Rassismus geäußert hatte. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende sagte: «Wir brauchen einen Aufstand der Anständigen gegen den Ungeist der Menschenfeindlichkeit und Gewalt. Das Land, aus dem einst Menschen vor der Nazidiktatur fliehen mussten und anderswo Aufnahme fanden, muss heute den Artikel 1 des Grundgesetzes - Die Würde des Menschen ist unantastbar - mit Leben erfüllen.»

Fr, 2015-07-31 01:00
Berlin (dpa)

Unionspolitiker gegen Bundeswehrabzug aus der Türkei

Berlin (dpa) - Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Henning Otte, ist gegen einen Abzug der in der Türkei stationierten Bundeswehrsoldaten. «Das ist auch ein Zeichen für die Verlässlichkeit der Nato», sagte er der «Berliner Zeitung» (Freitag). Es gebe auch keine Anzeichen, dass die in der Türkei stationierten Soldaten der Bundeswehr einer verstärkten Gefährdung ausgesetzt seien. Gerade im Vorgehen gegen die IS-Terroristen sei die Türkei ein wichtiger Verbündeter. «Gleichwohl ist sie aufgefordert, den Frieden mit der kurdischen Bevölkerung nicht zu gefährden und den Friedensprozess wieder aufzunehmen.»

Die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen, Agniezska Brugger, sagte, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gefährde nicht nur den Friedens- und Aussöhnungsprozess mit den Kurden, sondern heize die Lage in einer ohnehin von Krieg und Leid gezeichneten Region weiter an. «Bündnissolidarität ist keine Einbahnstraße und die Stationierung der Patriots keine reine Formsache auf unbestimmte Zeit», sagte sie der Zeitung.

Politiker der Linken und auch der CSU hatten gefordert, die in der Türkei an der syrischen Grenze mit einer Luftabwehreinheit stationierten Bundeswehrsoldaten abzuziehen. Auch der Bundeswehrverband verlangte, diese Möglichkeit ins Auge zu fassen.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

Außerdem Interessant

Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Fr, 2015-07-31 01:30
(dpa)

Lendenschurz oder Handy? Ureinwohner zwischen Tradition und Moderne Von Christiane Oelrich, dpa

Tag der indigenen Völker: Die Vereinten Nationen wollen damit die vielen verschiedenen Ethnien der Welt feiern. Und deren Leistungen, etwa zum Umweltschutz. Das Leben abseits der Moderne, gewollt oder ungewollt, ist für viele aber eine frustrierende Gratwanderung.

San José (dpa) - Klar kennt er das Großstadtleben, sagt der 15-jährige Sigonda Seth. Damit meint er das Nest Sablayan mit ein paar tausend Einwohnern, eine Autostunde von der Straße entfernt, die von seinem Dorf aus nur nach einstündigem Fußmarsch über einen Trampelpfad über den Berg zu erreichen ist. Da sei es schon schön, so sauber, weil die Straßen Asphalt hätten, und es sei viel los, Geschäfte und so. Leben will er da aber nicht, sagt er bestimmt. Sigonda gehört zum Volk der Mangyan. Er lebt mit seiner Familie in einer Bambushütte in Mayba, auf der philippinischen Insel Mindoro.

Mit dem Internationalen Tag der indigenen Völker (9. August) feiern die Vereinten Nationen die bunte Vielfalt der Menschheit und mahnen Regierungen, die Rechte aller Ureinwohner zu respektieren. Oft prallen aber traditionelle Werte und modernes Leben aufeinander. Wie in Mindoro auf den Philippinen. Dort ist es ein Nickel-Bergwerk, das die Mangyan zu schwierigen Entscheidungen zwingt.

Die Mangyan, einige zehntausend Menschen, leben in den Bergen. Viele sind Nomaden und ziehen je nach Jahreszeit und Pflanzzyklus um. Manche Clans lehnen Kontakt zur Außenwelt ab. Einige bauen Maniok, Süßkartoffeln und Bananen an und strecken die Fühler aus. Ein Handy, sagt Lonito Dassa, einer der Stammesälteren aus der Gegend bei einer Dorfversammlung in Mayba, das würde auch er schon mal gerne ausprobieren. Er hat die jungen Leute gesehen, die darauf Spiele machen, und Fotos. Empfang gibt es in Mayba nicht.

Eine Straße, sagt ein anderer, Simon Rubin, das wäre auch nicht schlecht. «Dann müssen die Kinder die Bananenstauden nicht ewig bis zur Straße schleppen. Sie machen sich dabei ja den Rücken kaputt.» Aber dann sind sich alle einig hier: «Wir sind bescheiden und zufrieden, eigentlich wollen wir so leben wie bisher.» Einer der Stammesältesten ist im Lendenschurz gekommen.

Sie haben alle von dem Nickel-Projekt gehört. Intex, eine norwegische Firma, will das Bergwerk bauen. Die Mangyan haben Angst. Bergwerke, da wird der Berg abgetragen, die Flüsse werden verseucht und am Ende ist das Land unbrauchbar, so haben sie es gehört. «Dieser Wald, das ist unser Leben», sagt Dassa und die anderen nicken. «Es ist die Schule für unsere Kinder, es ist unsere Apotheke. Wir müssen ihn für unsere Kinder und deren Kinder erhalten.»

Intex gibt sich als engagierter Partner. «Wir bieten umsonst Gesundheitsversorgung, wir haben Wasserleitungen installiert, 2900 Familien bekommen jetzt sauberes Trinkwasser. Wir haben zwei Schulen gebaut, mit Inventar, wir haben Material gestiftet», sagt Joselito Bacani, Präsident der Intex-Niederlassung auf den Philippinen.

Rund 1000 Mangyan hätten an Ausbildungskursen teilgenommen, Anbaumethoden, Umweltschutz, Buchhaltung etwa, Fischverarbeitung, Kompostieren, Pflanzenmedizin herstellen. Das Nickel-Projekt schaffe 8000 Arbeitsplätze. «Aber haben wir da irgendeine Chance?» sagt Rubin. «Die meisten von uns können ja noch nicht einmal Auto fahren.»

Nach UN-Angaben sind etwa fünf Prozent der Weltbevölkerung Angehörige indigener Völker, 370 Millionen Menschen in 90 Ländern, die 4000 Sprachen sprechen. 70 Prozent leben in Asien. Als indigene Völker gelten Gruppen, die meist als Minderheit unter anderen Völkern in einer Region leben und eine eigene Sprache und Tradition haben.

Ein UN-Forum indigener Völker kümmert sich. Es verlangt etwa Maßnahmen zum Erhalt aussterbender Sprachen. Es ruft auf, Artefakte zurückzugeben, die Weltentdecker im 18. und 19. Jahrhundert als Kuriositäten für Museen in ihrer Heimat mitnahmen. Es bekräftigt, dass Projekte wie das Intex-Bergwerk nur mit der vorherigen Zustimmung der betroffenen indigenen Bevölkerung genehmigt werden.

Der Rat der Mangyan-Stämme (Paksakami) hat sich geschlossen gegen das Bergwerk ausgesprochen, wie der Vorsitzende Nestor Liboro sagt. «Dieses Land gehört Gott, wir sind nur die Statthalter, und wir müssen es der nächste Generation intakt übergeben.» «Wir verstehen nicht viel von Bergwerken, wir verlassen uns auf das, was Paksakami sagt», sagt ein Dorfvorsteher in der Ortschaft Banban, Artemio Enano.

Aber sein Kollege, Mario Daguhoy, sagt: «Ich war schon einmal auf einer Insel, da ist ein Bergwerk. Den Leuten geht es viel besser, die haben jetzt eine richtige Stadt, die Schule hat sogar zwei Etagen.» Bewunderung schwingt irgendwie mit. Aber trotzdem: Lieber nicht, finden die meisten auch hier bei einer Dorfversammlung.

«Unser Leben ist doch gut hier», sagt Lani Nala (31). Die Mutter von drei Kindern hat ihre Jüngste dabei, Joyjoy (3). «Ich hoffe meine Kinder bleiben hier im Dorf.» Dodoy Sabong (34) hat acht Kinder. Nach der Versammlung, als alle anderen weg sind, sagt er: «Wenn mein Ältester in einem Bergwerk arbeiten will - ich hätte nichts dagegen. Hier im Dorf - da kommt niemand auf einen grünen Zweig.»

Nestor räumt ein, dass es Spannungen gibt: «Manchmal prallen die Generationen aufeinander. Oft sind die Jüngeren eher für solche Projekte», sagt er. «Heutzutage sind junge Leute individualistischer. Sie geben den Älteren sogar Widerworte, sie kommen mit neuen Ideen und fragen: wenn hier alles so bleibt, wie es ist, wo bekommen wir dann Handys her?» Einfache Antworten auf die Fragen gibt es nicht.

Die philippinische Regierung stärkt die Rechte der indigenen Völker. Sie bekommen inzwischen Landtitel für die Regionen, auf denen ihre Vorfahren seit Jahrtausenden leben. Der Prozess ist schwierig, die Grenzen sind unklar, um Regionen mit Bodenschätzen wird gestritten. Mehrere Mangyan-Stämme haben inzwischen Landtitel. Sie können jetzt offiziell mitbestimmen, was mit ihrem Land passiert.

Organisationen wie das Kinderhilfswerk Plan International arbeiten mit indigenen Völkern. So idyllisch, wie die Leute von Mayba sagen, sei die Situation nicht überall: «Es gibt wenig Bewusstsein für Kinderrechte», heißt es in einer Broschüre. Kinder würden zu Hause und in Schulen manchmal geschlagen. Schulen seien oft so weit weg, das Kinder nicht hinkämen. Eltern, die selbst ohne Bildung aufgewachsen seien, seien auf Feldern beschäftigt und hätten kaum Zeit, ihre Kinder zu fördern. Viele Kinder seien unterernährt.

Plan schickt Lehrer von Dorf zu Dorf, die an den Bedürfnissen der Kinder orientiert unterrichten. Es fördert Kinderbeiräte in den Dörfern, die zeigen sollen: Kinder brauchen Respekt. Sigonda ist in Mayba der Beiratssprecher.

Die großen Fragen, ob Dörfer Strom brauchen oder nicht, wie dafür bezahlt werden soll, ob junge Leute mehr Ausbildung brauchen, um in der Stadt Geld verdienen zu können, ob ein Nickel-Bergwerk gut oder schlecht ist - diese müssen die Mangyan selbst beantworten.

Marlon Cabre (18) spielt in Mayba leidenschaftlich Basketball mit seinen Freunden. Er träumt vom College, sagt er, aber was er damit dann machen könnte, da bleibt er ratlos. Ihn reizt die Stadt nicht. «Hier bin ich geboren, hier gehöre ich hin.»

«Reichtum, was ist das schon?» sagt der Stammesälteste Dassa. «Kein Land der Welt kann je so reich sein wie das Gebiet, auf dem unsere Vorfahren seit Jahrtausenden gelebt haben.»

Do, 2015-07-30 23:22
München (dpa)

Flüchtlingseinrichtung voll - In München werden Zelte aufgeschlagen

München (dpa) - Wegen Überfüllung eines zentralen Ankunftszentrums für Flüchtlinge in München hat Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Donnerstagabend Alarm geschlagen. Die Regierung von Oberbayern hatte ihn darum gebeten. Daraufhin konnten Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und verschiedene Hilfsorganisationen in Marsch gesetzt werden, um für die Nacht Zelte aufzustellen. Rund 100 Helfer seien im Einsatz, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Sie begannen am späten Abend damit, Zelte für rund 300 Flüchtlinge aufzuschlagen und die Verpflegung der Menschen sicherzustellen.

Eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern sagte, von Mittwoch bis Donnerstag seien mehr als 750 Flüchtlinge binnen 24 Stunden angekommen. Im Durchschnitt der vergangenen Tage seien es 600 gewesen. Ausgelegt sei die Einrichtung aber nur für durchschnittlich 350 Flüchtlinge binnen 24 Stunden, im Einzelfall für bis zu 600.

Do, 2015-07-30 23:37
Athen (dpa)

Tsipras verteidigt Sparprogramm im Syriza-Richtungsstreit

Griechenlands Regierungschef Tsipras muss sich mit der eigenen Partei wegen des neuen Sparkurses auseinandersetzen. Und sein einstiger Finanzminister Varoufakis, der die «produktive Ungenauigkeit» propagiert hatte, muss jetzt genaue Ermittlungen der Justiz fürchten.

Athen (dpa) - Der Richtungsstreit innerhalb der griechischen Regierungspartei Syriza soll bei einem Sonderparteitag im September gelöst werden. Dies habe das Zentralkomitee der Partei am späten Donnerstagabend beschlossen, berichtete das staatliche Fernsehen (ERT). Nach Einschätzung von Analysten dürfte die Regierungspartei aber auch dann große Schwierigkeiten haben, eine Spaltung abzuwenden. Ministerpräsident Alexis Tsipras stünde mit dem Parteitag und dem Streit über die neuen Sparprogramme eine Kraftprobe bevor.

Die Sitzung dauerte mehrere Stunden und war dramatisch: In einer vom Fernsehen übertragenen Rede verteidigte Tsipras vor dem Syriza-Zentralkomitee seine Kehrtwende hin zu Kreditverhandlungen und einem von den internationalen Gläubigern eingeforderten Sparprogramm.

Er habe «keine andere Wahl» gehabt, als den neuen Verhandlungen zuzustimmen, sagte Tsipras. Zugleich plädierte er für eine Beendigung des darüber entflammten Streits mit dem linken Syriza-Flügel.

Die Spaltung wurde sichtbar, als der als Anführer des Linksflügels geltende ehemalige Umwelt- und Energieminister Panagiotis Lafazanis sprach:  «Wir erleben einen eigenartigen Absolutismus. Wir haben die Diktatur des Euro», sagte er, wie Reporter im Fernsehen berichteten.

Der linke Flügel hatte im Juli bei den Abstimmungen über neue Sparprogramme im Parlament mit Nein gestimmt und damit den Verlust der Regierungsmehrheit verursacht. Allerdings sorgte die Opposition mit ihren Stimmen für die Annahme des Sparpakets.

Wer glaube, eine bessere Lösung zu haben, «der soll es sagen, auch wenn dies die Rückkehr zur (alten Währung) Drachme bedeuten würde», meinte Tsipras. «Zauberlösungen» gebe es nicht, erklärte Tsipras. Er hatte in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, seine erste Priorität sei es, das dritte Hilfsprogramm mit den Gläubigern unter Dach und Fach zu bringen. Danach wolle er in seiner Partei reinen Tisch machen.

Unterdessen stieg der Druck auf den früheren Finanzminister Gianis Varoufakis. Ihm drohe eine Anklage wegen Hochverrats wegen eines angeblichen Geheimplans zum Austritt Griechenlands aus dem Euro, berichteten die griechischen Medien am Donnerstag. Die Justiz habe das gesamte Material dazu dem Parlament übergeben. Die Anklage könne auch auf Bildung einer kriminellen Vereinigung lauten, spekulierten die Medien. Ob und wann es dazu komme, sei unklar.

Zunächst müsse ein Vor-Untersuchungsausschuss entscheiden, ob es zur Bildung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses kommt. Falls dieser sich für das juristische Verfahren entscheidet, müsste das Parlament über die Aufhebung der Immunität von Varoufakis abstimmen. «Das Verfahren - wenn es überhaupt dazu kommt - könnte mehr als ein Jahr dauern», sagte Giorgos Stamatopoulos, ein mit diesem Verfahren vertrauter Rechtsanwalt, der Deutschen Presse-Agentur.

Varoufakis soll nach Angaben der Zeitung «Kathimerini» den Ausbau eines parallelen Zahlungssystems für Griechenland geplant haben. Dieses hätte beim Austritt aus der Eurozone in Kraft treten und die Grundlage für die Wiedereinführung der Drachme werden sollen.

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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