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Mi, 2016-05-25 12:00
Kopenhagen (dpa)

Sauberer Badespaß: Hohe Wasserqualität an deutschen Badestellen

Kopenhagen (dpa) - Das Baden ist in fast allen Flüssen, Seen und an den Küsten in Deutschland ein sauberes Vergnügen. Nach einem neuen EU-Bericht zur Qualität der Badegewässer erfüllen 97,9 Prozent der 2292 untersuchten deutschen Badestellen die EU-Mindeststandards.

An den allermeisten Badestellen bescheinigt der am Mittwoch in Kopenhagen vorgestellte Bericht dem Wasser sogar eine gute bis ausgezeichnete Qualität. Nur fünf Stellen in Deutschland fielen durch: Den Stempel «mangelhaft» bekamen drei Badeplätze in Baden-Württemberg - am Strandbad Eriskirch, dem Finsterroter See in Wüstenrot und der Kocherbadebucht in Künzelsau. Im Saarland fiel eine Badestelle an der Nied in Rehlingen-Siersburg durch, in Mecklenburg-Vorpommern war es die Glöwitzer Bucht bei Barth.

Die Daten zu den europäischen Badegewässern stammen aus der Saison 2015. Insgesamt nimmt der Bericht mehr als 21 000 Badestellen in den EU-Ländern sowie Albanien und der Schweiz unter die Lupe. 96 Prozent davon erfüllten die Mindeststandards.

Mi, 2016-05-25 11:45
Berlin (dpa)

Gesundheitsminister Gröhe hält sich aus Glyphosat-Debatte heraus

Ob Bauern in der EU weiter mit Glyphosat gegen Unkraut vorgehen dürfen, ist derzeit völlig offen. Die SPD-Minister bleiben beim Nein, der CSU-Agrarminister ist sauer. Und was sagt der für Gesundheit zuständige Minister?

Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mischt sich vorerst nicht in den Streit um das Unkrautgift Glyphosat und seine Zulassung in der EU ein. «Im letzten Sommer gab es eine gemeinsame Risikobewertung der zuständigen Geschäftsbereiche des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums, die einem Einsatz nicht entgegensteht», teilte das Gesundheitsministerium auf Anfrage in Berlin mit. «Da sich an den Fakten seitdem nichts geändert hat, sehen wir keine neue Sachlage, die dieser Bewertung entgegenstehen sollte.»

Die EU-Zulassung für Glyphosat läuft Ende Juni aus. Die SPD-Minister wollen sie weder verlängern noch erneuern. Die weit verbreitete Chemikalie steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Deutschen Experten zufolge besteht bei sachgerechter Anwendung aber keine Gefahr für Verbraucher. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) verweist wie das Gesundheitsministerium auf diese Risikobewertung.

Die SPD begründet ihr Nein mit dem Vorsorgeprinzip: Solange der Verdacht im Raum stehe, dass Glyphosat gesundheitsschädlich sei, dürfe es nicht zum Einsatz kommen. Zudem hat das Umweltressort Bedenken wegen der Auswirkung auf die biologische Vielfalt.

Die Opposition im Bundestag warf dem Gesundheitsminister vor, sich um seine Verantwortung zu drücken. «Die Gesundheit der Bürger ist eindeutig sein Aufgabenbereich», sagte Grünen-Agrarexperte Harald Ebner der Deutschen Presse-Agentur. Dass Gröhe auf andere Ministerien verweisen lasse, sei inakzeptabel. Er müsse Farbe bekennen und den Widerspruch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Landwirtschaftsminister Schmidt wagen.

Auch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte angemerkt, der Gesundheitsminister sei «seltsam ruhig» geblieben. Wenn die Regierung sich nicht einigt, muss sich Deutschland bei einer Abstimmung in Brüssel enthalten. Vergangene Woche war eine Abstimmung bereits ausgefallen, weil die notwendige Mehrheit der 28 EU-Mitgliedstaaten nicht zustande gekommen war.

Mi, 2016-05-25 11:11
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Zitat: Merkel und das Arbeitspensum der Koalition

«Ich kann Ihnen nur sagen: Wir sind noch gut beschäftigt bis zum Ende der Legislaturperiode.»

(Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, am Mittwoch nach der Kabinettsklausur in Meseberg auf die Frage, ob die große Koalition bis zur Bundestagswahl 2017 noch Projekte habe)

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Mi, 2016-05-25 11:32
Kabul/Islamabad (dpa)

Gelehrter, Richter, Hardliner - Talibanchef Haibatullah Achundsada

Kabul/Islamabad (dpa) - Er ist ein religiöser Führer, Gelehrter und hoher Richter - der neue Talibanchef Mullah Haibatullah Achundsada gehört den Taliban schon seit langer Zeit an. Wie lange genau bleibt bisher, wie vieles andere, unklar.

Selbst wie der Mullah aussieht, ist ein viel diskutiertes Rätsel. Ein offenbar talibannahes Twitterkonto veröffentlichte am Mittwochmittag das passbildartige Foto eines hageren Mannes mit langem schwarzgrauem Bart und weißem Turban. Der Onlinenachrichtendienst Afghan Islamic Press hatte am Morgen dasselbe Bild gezeigt.

«Ja, das ist er», bestätigte Talibansprecher Sabiullah Mudschahid der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. Angesichts der Eilfertigkeit, mit der er damit auch den Gegnern der Taliban öffentlich einen Weg aufzeigt, den neuen Anführer zu identifizieren und möglicherweise zu töten, könnte das ein Täuschungsmanöver sein.

Ursprünglich hatte Mudschahi der BBC in Afghanistan gesagt, dass es von Mullah Achundsada kein bekanntes Foto gebe und dass er sich auch nicht fotografieren lassen wolle.

Achundsada wird auf um die 50 geschätzt und stammt aus dem Kernland der Talibanelite, Kandahar. Nach unterschiedlichen Quellen werde er als ehemaliger Oberster Richter der Taliban oder als dessen Stellvertreter beschrieben, heißt es in einer Studie des Rechercheinstituts Afghanistan Analysts Network.

Er sei außerdem einer der wenigen Männer gewesen, die das Vertrauen des langjährigen, verehrten Talibanchefs Mullah Omar genossen. Das, seine Wurzeln in Kandahar und seine Stellung als Religionsgelehrter sollte Achundsada für viele Talibankämpfer zum akzeptablen Anführer machen. Das könnte die unter Mullah Mansur begonnene Zersplitterung der Bewegung aufhalten.

Laut anderen Quellen haben viele seiner religiös begründeten Entscheidungen (Fatwas) Einsätze der Taliban beeinflusst - vor ihrem Fall in 2001, aber auch seit ihrem erneuten Aufstieg etwa von 2006 an. Eine Quelle aus den Reihen der Taliban beschreibt ihn als Hardliner. Ein Beispiel sei die Zerstörung der berühmten, riesigen Buddha-Statuen von Bamian im Jahr 2001. Während es unter den Taliban auch Stimmen gegen ihre Zerstörung gegeben habe, habe Mullah Achundsada entschieden dafür gestimmt.

Seine Familie lebt laut pakistanischen Sicherheitskreisen in der südwestpakistanischen Stadt Quetta. In Kandahar soll Achundsada eine oder mehrere Religionsschulen betreiben.

Mi, 2016-05-25 11:09
Louis (dpa)

Bayer/Monsanto: Positives Echo an der Börse zu Gesprächsbereitschaft

Leverkusen/St. Louis (dpa) - Signale aus dem Monsanto-Konzern zu weiteren Verhandlungen über das milliardenschwere Kaufangebot von Bayer haben an der Börse ein positives Echo hervorgerufen. Der Kurs der Bayer-Aktie, der in den vergangenen Tagen noch stark an Wert verloren hatte, zog am Mittwoch zum Handelsauftakt wieder leicht an.

Am Vortag hatte der Pflanzenschutz- und -Saatgutkonzern aus St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) die Offerte von Bayer zwar als zu niedrig abgelehnt - aber zugleich seine Bereitschaft signalisiert, über die Übernahmepläne zu sprechen.

«Der Vorstoß von Bayer ist nicht unwillkommen oder feindlich», sagte Peter Spengler von der DZ Bank. In einer ersten Reaktion auf die Monsanto-Ablehnung hatte sich Bayer-Chef Werner Baumann zuversichtlich gezeigt, die geplante Transaktion gemeinsam mit Monsanto zum Abschluss zu bringen. Der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern bietet mehr als 55 Milliarden Euro.

Mi, 2016-05-25 11:57
Nairobi (dpa)

Kenianisches Militär: 21 Al-Shabaab-Terroristen in Somalia getötet

Nairobi (dpa) - Kenias Militär hat nach eigenen Angaben 21 Mitglieder der islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab im Nachbarland Somalia getötet. Die Terroristen sollen bei einer Schießerei mit den kenianischen Streitkräften am Dienstag ums Leben gekommen sein, wie Militärsprecher David Obonyo am Mittwoch mitteilte. Unter den getöteten Terroristen soll auch der mutmaßliche Anführer dieser Gruppe, Salad Bart, sein.

Die Terrormiliz Al-Shabaab verbreitet in Somalia Angst und Schrecken und verübt auch in Nachbarländern Anschläge. Die Miliz hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und kooperiert mit der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria. Kenias Streitkräfte unterstützen Somalia im Kampf gegen die sunnitischen Fundamentalisten.

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Mi, 2016-05-25 11:40
Teheran (dpa)

Bericht: Netzwerk der iranischen Statistikbehörde von IS gehackt

Teheran (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat Medienberichten zufolge das Netzwerk der iranischen Statistikbehörde gehackt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr am Mittwoch, sei der Zugang zu der Behörde seit Dienstagabend nicht mehr möglich. Beim Anklicken erscheine in arabischer Sprache die Botschaft «Von Daesh gehackt». Daesh ist eine Bezeichnung für den IS. Auch der schiitische Iran gehört zu den Erzfeinden der sunnitischen IS-Terrorgruppe.

Mi, 2016-05-25 11:21
Manila (dpa)

Vier Kinder bei Feuer auf den Philippinen getötet

Manila (dpa) - Bei einem Feuer in einem Haus auf den Philippinen sind vier Kinder ums Leben gekommen. Die Geschwister im Alter von 4 bis 16 Jahren hätten im oberen Teil ihres Zuhauses am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) geschlafen, als ein Feuer in der Imbissstube der Familie im Erdgeschoss ausbrach, teilte die Feuerwehr in Tacloban City mit. Die Eltern seien zu der Zeit auf dem Markt gewesen und hätten das Haus abgeschlossen. Laut den Behörden versuchte der Vater bei seiner Rückkehr, seine Kinder zu retten und wurde verletzt - da habe das Haus aber bereits komplett in Flammen gestanden. Ersten Ermittlungen zufolge könnte eine fehlerhafte Verkabelung den Brand verursacht haben. Tacloban in der östlichen Provinz Leyte gehört zu den Gebieten, die 2013 am stärksten vom Taifun «Haiyan» verwüstet wurden.

Mi, 2016-05-25 12:00
Wolfsburg (dpa)

Kreise: VW plant derzeit keine weiteren Rückstellungen für Abgaskrise

Wolfsburg (dpa) - Volkswagen plant Insidern zufolge in seiner kommenden Quartalsbilanz vorerst keine weiteren Rückstellungen für die Folgen des Abgas-Skandals ein. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX gibt es derzeit keine entsprechenden Überlegungen im Konzern. Zuvor hatten auch andere Medien darüber berichtet. Ein VW-Sprecher wollte die Informationen am Mittwoch nicht kommentieren.

Volkswagen hatte in seiner Jahresbilanz für 2015, die das Unternehmen vor rund einem Monat vorstellte, bereits Rücklagen über 16,2 Milliarden Euro für Konsequenzen aus den Manipulationen an weltweit elf Millionen Dieselautos gebildet. Derzeit verhandelt der Konzern mit dem US-amerikanischen Staat und anderen Klägern über einen Vergleich. Die finanziellen Folgen einer Lösung der Probleme in den USA dürften der größte Kostenfaktor für VW im Abgas-Skandal werden.

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

 

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Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

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Mi, 2016-05-25 11:48
Ise-Shima (dpa)

G7-Staaten wollen Reaktion der Welt auf Pandemien verbessern

Ise-Shima (dpa) - Die sieben reichen Industrienationen (G7) wollen die internationale Reaktion auf den Ausbruch von Pandemien verbessern und beschleunigen. Auf ihrem Gipfel im japanischen Ise-Shima wollen die G7-Führer ausdrücklich die Reformen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützen, die eine «zentrale Rolle» bei einer koordinierten Antwort auf solche gesundheitliche Notfälle spielen soll. Das geht aus dem diskutierten Entwurf des Abschlusskommuniqués hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die G7 ruft darin zur Finanzierung des geplanten Nothilfefonds (CFE) auf und begrüßen auch den Pandemiefonds (PEF), den die Weltbank mit privaten Versicherern aufsetzen will. Es geht bei der «Stärkung der globalen Gesundheitsarchitektur» darum, welche Lehren aus dem Ebola-Ausbruch in Afrika gezogen werden müssen. Experten glauben, dass viele Leben gerettet und Kosten gespart worden wären, wenn die Epidemie früher eingedämmt worden wäre. Die Kosten hätten dann nur ein Zehntel der mehr als zwei Milliarden US-Dollar ausgemacht.

Die Bundesregierung hält den Pandemiefonds für eine «sehr gute Idee», um für grenzüberschreitende Epidemien finanziell gerüstet zu sein, wie aus Regierungskreisen verlautete. Der Fonds soll über Prämien finanziert werden, damit im Fall, dass so etwas passiert, Geld als Versicherungsleistung zur Verfügung gestellt werden kann. Experten fordern von der G7 gleichwohl klare Finanzierungszusagen, da noch unklar sei, wie die Fonds gefüllt werden.

In dem Kommuniqué fordern G7-Staaten laut Entwurf ein einheitliches Vorgehen beim Ausbruch von Epidemien durch die WHO, eine «klare Kommandokette» und unabhängige Mechanismen zur Einschätzung der Risiken gesundheitlicher Notfälle und der Arbeit der WHO.

Mi, 2016-05-25 10:53
Aviv (dpa)

Netanjahu unterzeichnet Bündnis mit Liebermans ultrarechter Partei

Tel Aviv (dpa) - Die ultrarechte Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) hat sich der rechts-religiösen Regierung Benjamin Netanjahus angeschlossen. Der Ministerpräsident und der ultrarechte Parteivorsitzende von Israel Beitenu, Avigdor Lieberman, unterzeichneten am Mittwoch ein entsprechendes Koalitionsabkommen. Lieberman soll Israels neuer Verteidigungsminister werden. Israels Regierungsbündnis rückt damit weiter nach rechts.

Netanjahu sagte nach der Unterzeichnung: «Israel braucht eine stabile Regierung, damit wir uns den bevorstehenden Herausforderungen stellen und künftige Chancen ergreifen können.» Er werde «weiterhin alles unternehmen, um ein Friedensabkommen mit den Palästinensern zu erzielen», betonte er. Lieberman sagte, er werde als Verteidigungsminister eine «vernünftige Politik verfolgen, die Stabilität in der Region und in unserem Land gewährleistet».

Mi, 2016-05-25 10:55
Aviv (dpa)

Rechtsaußen Lieberman - Vom Türsteher zum Verteidigungsminister Von Sara Lemel, dpa

Avigdor Lieberman gilt als gewiefter Taktiker, Freund Putins und gefährlicher Rivale Netanjahus im rechten Lager. Er wettert gerne gegen Palästinenser. Feinde Israels will er hinrichten lassen.

Tel Aviv (dpa) - Der ultrarechte israelische Politiker Avigdor Lieberman ist als verbales Raubein bekannt und sein Spitzname spricht Bände: «Der Bulldozer». Immer wieder hat der 57-Jährige, der jetzt Verteidigungsminister werden soll, mit umstrittenen Äußerungen anti-arabische Ressentiments geschürt und damit für Verärgerung gesorgt.

Eine friedliche Regelung mit den Palästinensern hält der ehemalige Außenminister, der selbst in der Siedlung Nokdim im Westjordanland lebt, für unmöglich - zumindest auf absehbare Zeit. Es ist nun das erste Mal, dass ein Siedler das mächtige Amt des Verteidigungsministers, das de facto die Verantwortung für Millionen von Palästinensern in den besetzten Gebieten beinhaltet, übernehmen soll.

Mit seinen martialischen Sprüchen überholt Lieberman den konservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahus (Likud) immer wieder von rechts. Lieberman kämpft etwa für die Einführung der Todesstrafe für verurteilte Terroristen. Loyale israelische Araber sollten «alles bekommen», sagte er im vergangenen Jahr. «Aber wer gegen uns ist, dem muss der Kopf mit einer Axt abgehackt werden.» Von israelischen Arabern forderte er einen Treueschwur auf Israel als jüdischen zionistischen Staat, wenn sie im Land bleiben wollen. «Ohne Loyalität gibt es keine Staatsbürgerschaft», so sein Motto.

Den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas hat Lieberman als «diplomatischen Terroristen» bezeichnet - als Reaktion auf dessen Antrag auf Anerkennung der Palästinenser als UN-Beobachterstaat. Nicht die Siedlungen, sondern Abbas sei das «größte Hindernis auf dem Weg zum Frieden». In der Vergangenheit hatte Lieberman sich allerdings selbst für eine Zwei-Staaten-Lösung mit Gebietsaustausch ausgesprochen.

Der 1978 aus Moldawien einwanderte Politiker, der früher als Türsteher gearbeitet hat, gilt als gewiefter Taktiker. Ihm werden auch Ambitionen auf das Amt des Ministerpräsidenten nachgesagt. Die Wähler seiner Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) stammen vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion. Mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kann Lieberman ohne Dolmetscher sprechen - das Verhältnis gilt als sehr gut.

Die Übernahme des einflussreichen Verteidigungsministeriums bedeute für ihn, «dass ich die Glasdecke durchbrochen habe, die uns Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion immer wieder gebremst hat», sagte Lieberman nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite «ynet».

Gebremst auf dem Weg nach oben haben Lieberman auch hartnäckige Betrugsvorwürfe, von denen er aber 2013 freigesprochen wurde. Sie hatten ihn während seiner Zeit als Außenminister verfolgt und dann zum Rücktritt gezwungen. Nach dem Freispruch konnte er ins Amt zurückkehren, wollte aber bei Neuwahlen im vergangenen Jahr kein Parteienbündnis mehr mit Netanjahus Likud eingehen. Nach Netanjahus Wahlsieg entschied Lieberman sich zunächst für den Gang in die Opposition, weil ihm die Linie des Regierungschefs zu «lasch» war.

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mi, 2016-05-25 10:40
Warschau (dpa)

Kaczynski: Europäischen Eliten passt Wahl der Polen nicht

Warschau (dpa) - Der nationalkonservative polnische Parteichef Jaroslaw Kaczynski setzt im Streit mit der EU um umstrittene Reformen in Polen auf nationale Eigenständigkeit. «Wir weichen keinen Schritt», betonte er in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der regierungsnahen Zeitung «Gazeta Polska». Am Vortag war nach einem Treffen von Regierungschefin Beata Szydlo und dem EU-Vizekommissionschef Frans Timmermans noch von Annäherung und Dialog zur Beilegung des Konflikts um die Reform des polnischen Verfassungsgerichts die Rede gewesen. Nach Ansicht von Kritikern lähmt das Gesetz die Arbeit des Gerichts.

Kaczynski hat kein Regierungsamt, gilt als Vorsitzender der mit absoluter Mehrheit regierenden Partei «Recht und Gerechtigkeit» (PiS) aber als der eigentliche starke Mann in Polen. «Die europäischen Eliten können sich nicht mit der demokratischen Wahl der Polen abfinden», sagte er. «Diese Wahl passt ihnen nicht, da sie nicht im Einklang mit ihren Interessen ist.»

Die EU-Kommission hat im Januar ein Verfahren zum Schutz der Rechtsstaatlichkeit in Polen eingeleitet. Seit Regierungsantritt im November verabschiedete die PiS eine Reihe von Gesetzen zu Justiz, Medien und innerer Sicherheit, die in der EU auf Bedenken stießen.

Mi, 2016-05-25 10:50
Hamburg (dpa)

Fischereiindustrie verzichtet auf Kabeljau aus norwegischer Arktis

Hamburg (dpa) - Unternehmen der Fischereiindustrie gehen laut einer Selbstverpflichtung in der norwegischen Arktis nicht mehr auf Kabeljau-Fang. Eine entsprechende Erklärung hätten Fischanbieter, Handelsketten, Verarbeiter sowie Fischereiunternehmen unterzeichnet, teilte die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Mittwoch in Hamburg mit. Das betroffene Gebiet in der nördlichen Barentssee sei in etwa doppelt so groß wie Frankreich. Etwa 70 Prozent des weltweit verkauften Atlantischen Kabeljaus stammen demnach aus der Barentssee.

Mit dem Abschmelzen des Eises dringen laut den Umweltschützern industrielle Fischereiflotten immer weiter in abgelegene Gebiete vor und zerstören mit Grundschleppnetzen den Meeresboden. «Das hat gravierende Folgen für das dortige Ökosystem», erklärte Larissa Beumer von Greenpeace. Es gebe dort unter anderem Kaltwasserkorallen, Eisbären und diverse Walarten. Derzeit seien Meeresgebiete, die bisher von Eis bedeckt waren, nicht gesetzlich geschützt.

Überwacht wird die Selbstverpflichtung von Greenpeace selbst. Verstöße sollen öffentlich gemacht werden.

Mi, 2016-05-25 10:19
Wellington (dpa)

Neuseeland bläst zur Mäusejagd in Subantarktis

Wellington (dpa) - Im Kampf gegen eine Mäuseplage in der Subantarktis rückt Neuseeland nun mit einem Expertenteam, zwei Schiffen, drei Hubschraubern und 65 500 Kilogramm Mäusegift aus. Die 200 000 Nagetiere zerstören auf der Hauptinsel der abgelegenen Antipoden-Gruppe den Lebensraum von Vögeln und anderen Tieren, wie die Umweltministerin Maggy Barry am Mittwoch berichtete.

Es sei die schwierigste Ausrottungsaktion, die ihre Regierung je unternommen habe: «Die Insel liegt in rauer See und wird von antarktischen Stürmen gepeitscht, es ist wirklich am Ende der Welt und die Expedition war eine enorme logistische Herausforderung.» Die Aktion auf der Hauptinsel (Antipodes Island) kostet 3,9 Millionen neuseeländische Dollar, umgerechnet rund 2,4 Millionen Euro.

Die Mäuse wurden wahrscheinlich im 19. Jahrhundert von Robbenjägern eingeschleppt. Auf der unwirtlichen Insel leben unter anderem Albatrosse. Und es gibt dort eine Papageienart, die sonst nirgendwo vorkommt: den Einfarblaufsittich (Cyanoramphus unicolor).

Die Antipoden-Gruppe liegt etwa 760 Kilometer südöstlich der Südinsel Neuseelands. Die Hauptinsel ist etwa so groß wie Hiddensee in der Ostsee.

Mi, 2016-05-25 11:01
Köln (dpa)

Telekom-Chef teilt im Streit um Vectoring gegen Konkurrenz aus

Köln (dpa) - Telekom-Chef Tim Höttges geht im Streit um die umstrittene geplante Vectoring-Technik hart mit den Rivalen im Festnetz ins Gericht. «Unsere Wettbewerber kritisieren und jammern in einer Tour», sagte er am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns in Köln. Er verwies auf die eigenen Investitionen in die Netze und warf den Konkurrenten im Breitbandfestnetz vor, zu wenig Geld in den Netzausbau zu stecken.

Vectoring ist ein technisches Verfahren, mit dem in herkömmlichen Kupferleitungen Download-Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erreicht werden können. Wettbewerber monieren insbesondere, dass die Telekom in einem bestimmten Netzbereich das DSL-Vectoring exklusiv betreiben will. Die Bonner führen dafür technische Gründe an. Die Bundesnetzagentur hatte dem Vorhaben zugestimmt, die EU-Kommission nimmt die Entscheidung derzeit jedoch unter die Lupe.

Mal kritisierten die Rivalen die Telekom für die falsche Technik, mal für den schleppenden Ausbau, sagte Höttges. Sobald die Telekom aber ausgebaut habe, böten genau diese Kritiker dann ihre Leistungen unter eigenem Namen auf dem Telekom-Netz an. Die Telekom investierte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 10,8 Milliarden Euro, knapp 14 Prozent mehr als 2014.

Mi, 2016-05-25 10:10
Kabul/Islamabad (dpa)

Gelehrter, Richter, Hardliner - Talibanchef Haibatullah Achundsada

Kabul/Islamabad (dpa) - Er ist ein religiöser Führer, Gelehrter und hoher Richter - der neue Talibanchef Mullah Haibatullah Achundsada gehört den Taliban schon seit langer Zeit an. Wie lange genau bleibt bisher, wie vieles andere, unklar. Selbst wie der Mullah aussieht, ist ein Rätsel. Der Onlinenachrichtendienst Afghan Islamic Press zeigte am Mittwoch das Bild eines hageren Mannes mit langem schwarzgrauem Bart und weißem Turban. Aber ein Sprecher der Taliban sagte der BBC in Afghanistan, dass es von ihm kein bekanntes Foto gebe und dass er sich auch nicht fotografieren lassen wolle.

Achundsada wird auf um die 50 geschätzt und stammt aus dem Kernland der Talibanelite, Kandahar. Nach unterschiedlichen Quellen werde er als ehemaliger Oberster Richter der Taliban, als dessen Stellvertreter oder als ehemaliger Leiter der Talibangerichtshöfe beschrieben, heißt es in einer im Februar veröffentlichten Studie des Rechercheinstituts Afghanistan Analysts Network.

Er sei außerdem einer der wenigen Männer gewesen, die das Vertrauen des langjährigen, verehrten Talibanchefs Mullah Omar genossen. Das, seine Wurzeln in Kandahar und seine Stellung als Religionsgelehrter sollte Achundsada für viele Talibankämpfer zum akzeptablen Anführer machen. Das könnte die unter Mullah Mansur begonnene Zersplitterung der Bewegung aufhalten.

Laut anderen Quellen haben viele seiner religiös begründeten Entscheidungen (Fatwas) Einsätze der Taliban beeinflusst - vor ihrem Fall in 2001, aber auch seit ihrem erneuten Aufstieg etwa von 2006 an. Eine Quelle aus den Reihen der Taliban beschreibt ihn als Hardliner. Ein Beispiel sei die Zerstörung der berühmten, riesigen Buddha-Statuen von Bamian im Jahr 2001. Während es unter den Taliban auch Stimmen gegen ihre Zerstörung gegeben habe, habe Mullah Achundsada entschieden dafür gestimmt.

Seine Familie lebt laut pakistanischen Sicherheitskreisen in der südwestpakistanischen Stadt Quetta. In Kandahar soll Achundsada eine oder mehrere Religionsschulen betreiben.

Mi, 2016-05-25 11:00
Bonn (Germanwatch)

Humanitäre Krisen sind auch Arbeitsauftrag für G7

Zum ersten Mal seit der Pariser Klimakonferenz kommen morgen die Staats- und Regierungschefs der G7 zum Gipfel zusammen. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch erwartet von dem Treffen klare Vereinbarungen zur Implementierung der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs), der Umsetzung der Pariser Beschlüsse in nationale Klimapolitik und ein Bekenntnis zu einer raschen Ratifizierung des Klimaabkommens. "Der Weltgipfel für humanitäre Hilfe hat gestern noch einmal unterstrichen, wie wichtig das Zusammenspiel von Krisenmanagement und -vorsorge ist. Zur Vorsorge gehört zuerst die Eindämmung der Krisenursachen. Eine zentrale Ursache für sich verstärkende Krisen wie Dürren, Stürme und Flutkatastrophen ist der Klimawandel", sagt Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch. "Deswegen brauchen wir mehr Klimaschutz. Die G7-Staaten müssen sich verpflichten, bis spätestens nächstes Jahr konkrete Pläne zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bis 2050 vorzulegen."

Schon heute sind wetterbedingte Naturkatastrophen die größte Fluchtursache weltweit. In Afrika entsteht gerade eine beispiellose Dürrekrise als Folge des El Niño. Milke: "Es sind die Ärmsten in den besonders verletzlichen Regionen weltweit, die am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Und es ist die Verpflichtung der reichsten Staaten mit hohen Emissionen - also vor allem der G7 - mit ambitioniertem Klimaschutz gegenzusteuern und den Ärmsten bei der Bewältigung der Klimawandelfolgen zu helfen."

Beim G7-Gipfel müssen die Staats- und Regierungschefs erklären, wie sie die Verpflichtungen aus dem Pariser Klimavertrag und ihr Versprechen zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bis Mitte des Jahrhunderts, das sie beim jüngsten Gipfel von Elmau gegeben haben, umsetzen wollen. Zudem komme es darauf an, dass die Ankündigungen vom gestern beendeten Weltgipfel für humanitäre Hilfe, aber auch die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) mit der Agenda 2030 auf Ebene von G7, G20 und UN weiterentwickelt werden. "Der Weltgipfel für humanitäre Hilfe darf dafür nur der Anfang sein", betont Milke. "Das Ausmaß der humanitären Krisen weltweit zeigt deutlich, dass das humanitäre System insgesamt auf festeren Boden gestellt werden muss. Dies ist auch ein Arbeitsauftrag für folgende G7-Gipfel."

Mi, 2016-05-25 10:45
Berlin (Amnesty International)

EU-Staaten ignorieren Lieferstopp für Waffen und Munition nach Ägypten

Allein 2014 erteilten EU-Mitgliedsstaaten 290 Genehmigungen für Rüstungsexporte nach Ägypten im Gesamtwert von mehr als sechs Milliarden Euro. Dazu gehörten Kleinwaffen und leichte Waffen sowie Munition, gepanzerte Fahrzeuge, Militärhubschrauber und Überwachungstechnologie. Bulgarien, Tschechien, Frankreich und Italien gehören zu den Hauptlieferanten von solchen Waffen, die auch zur Unterdrückung der ägyptischen Bevölkerung genutzt werden können.

Die Europäische Union hatte einen grundsätzlichen Lieferstopp für Waffen und Munition nach Ägypten beschlossen, nachdem ägyptische Sicherheitskräfte im August 2013 Hunderte Demonstranten getötet hatten. 12 EU-Staaten ignorieren diesen Lieferstopp allerdings weiterhin.

Deutschland genehmigte 2014 Rüstungsexporte im Umfang von 22,7 Millionen Euro,  darunter vor allem U-Boot-Technologie. In den Vorjahren wurden immer wieder Zulieferungen für gepanzerte Fahrzeuge genehmigt, die auch gegen Demonstranten eingesetzt wurden. Nach Aussagen von Transparency International wurde die FinFisher–Überwachungssoftware an den ägyptischen Staat geliefert, die möglicherweise genutzt wurde, um friedliche Oppositionelle auszuspionieren. Im Jahr 2015 gab die Bundesregierung laut vorläufigen Zahlen grünes Licht für Rüstungsexporte im Umfang von rund 19 Millionen Euro. Dazu sagt Mathias John, Rüstungsexperte von Amnesty International in Deutschland: „Angesichts der andauernden Menschenrechtsverletzungen des ägyptischen Militärs und der Sicherheitskräfte sind weitere Rüstungsexporte aus Deutschland das falsche Signal. Die Bundesregierung ist stattdessen gefordert, deutlich für ein Ende der Menschenrechtsverletzungen einzutreten.“

„Die Ausfuhr von Rüstungsgütern nach Ägypten, mit denen die Bevölkerung weiter unterdrückt werden kann, missachtet nicht nur den gemeinsamen Standpunkt der EU zu Rüstungsexporten, sondern verstößt auch gegen den internationalen Waffenhandelsvertrag, dem die meisten EU-Mitgliedsstaaten beigetreten sind“, so John.

„Die EU und ihre Mitgliedsstaaten müssen unverzüglich und verbindlich Rüstungsexporte nach Ägypten stoppen, die für schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen verwendet werden können. Aufgrund nicht geahndeter massiver Übergriffe auf die Bevölkerung sollte die EU bei allen geplanten Rüstungslieferungen für die ägyptischen Streitkräfte - insbesondere die Luftwaffe - zunächst einen Ablehnungsvorbehalt verhängen“, sagt John. Eine solche Regelung muss solange gelten, bis die ägyptische Regierung in der Lage ist, weitere schwerwiegende Verletzungen durch Sicherheitskräfte zu verhindern.

Mi, 2016-05-25 10:45
Amsterdam/Hamburg (Greenpeace)

Keine Ausdehnung der Fischerei in sensible arktische Gewässer

Arktisschutz: Greenpeace erreicht Selbstverpflichtung von Iglo, McDonald’s und Fischereiunternehmen

Auf den Fang und Verkauf von Kabeljau aus bisher eisbedeckten Gewässern der norwegischen Arktis verzichten ab heute Anbieter wie Iglo und McDonald’s sowie einige der weltgrößten Fischereiunternehmen. Sie haben eine von Greenpeace geforderte Selbstverpflichtung unterschrieben. Diese gilt für ein Gebiet in der nördlichen Barentssee, das in etwa doppelt so groß ist wie Frankreich. „Das ist ein beispielloser Schritt und außergewöhnlicher Erfolg, um ein großes Meeresgebiet in der Arktis zu schützen“, sagt Larissa Beumer, Arktis-Expertin von Greenpeace. „Die norwegische Regierung hat bislang beim Schutz dieser Gewässer versagt. Sie muss jetzt zur Industrie aufschließen und das Gebiet permanent unter rechtlichen Schutz stellen.“ Zur Vereinbarung: http://bit.ly/25kWx34

Derzeit sind Meeresgebiete, die bisher durch Meereis bedeckt waren, nicht gesetzlich geschützt. Eine im März vorgestellte Greenpeace-Untersuchung zeigt, dass industrielle Fischereiflotten mit Grundschleppnetzen immer weiter in abgelegene Gebiete der nördlichen Barentssee vordringen, je weiter das Meereis abschmilzt. Die Gewässer rund um die Inselgruppe Spitzbergen beheimaten Kaltwasserkorallen, Walarten wie Belugas, Finn- und Grönlandwale, Eisbären, Walrösser und einige der weltweit größten Kolonien von Seevögeln wie etwa Papageitaucher und Lummen. Durch den Kabeljau-Fang mit schweren Grundschleppnetzen wird der Meeresboden stark geschädigt – mit gravierenden Konsequenzen für das ganze Ökosystem.

Vom Fang bis auf den Teller: keine Arktis-Zerstörung durch Kabeljau-Fischerei

Erstmals schränkt die Fischereiindustrie mit dieser Verpflichtung freiwillig ihre Aktivitäten in der Arktis ein. Unterzeichnet haben sowohl Fiskebåt, die Vereinigung der gesamten norwegischen Hochsee-Fischereiflotte, wie auch die Karat Group, einer der größten Fischereikonzerne Russlands. Fangflotten, die dennoch ihre Kabeljau-Fischerei in diese Gebiete ausdehnen, werden in Zukunft den Fang nicht mehr an die großen Fischverarbeiter und Endabnehmer verkaufen können. Dafür sorgt die Zusage großer Verarbeiter wie Iglo, Bird’s Eye, Findus, Young’s Seafood, Icelandic Seachill und Espersen – dem größten Verwerter von gefrorenem Fisch in Europa. Auch die weltweit drittgrößte Handelskette Tesco und die Fast-Food-Kette McDonald‘s schließen sich neben anderen der Verpflichtung an.

Etwa 70 Prozent des weltweit verkauften Atlantischen Kabeljaus stammt aus der Barentssee. Die Industrie muss die Vereinbarung nun implementieren. „Greenpeace wird selbstverständlich die Umsetzung in Verhandlungen begleiten und überwachen“, so Beumer.

 

Mi, 2016-05-25 09:09
Berlin (dpa)

Entwicklungshilfeminister Müller: Mehr Flüchtlingshilfe für Afrika

Berlin (dpa) - Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert angesichts steigender Flüchtlingszahlen eine gezielte Afrika-Hilfe, um einen Zustrom nach Europa zu verhindern. «Wir sehen es dieser Tage, Tausende kommen über das Mittelmeer. Die UN müssen befähigt werden, schneller und effektiver als bisher eingreifen zu können», sagte Müller am Mittwoch dem Bayerischen Rundfunk.

Die Vereinten Nationen bräuchten eine neue Struktur, um Krisen bereits im Vorfeld zu verhindern. «Wir müssen vorausschauen und mit einer Afrika-Initiative in den Ländern, in denen Hunderttausende auf Hilfe warten, jetzt reagieren, bevor sie sich auf den Weg machen nach Europa», sagte Müller. Er denke an die heraufziehende Hunger- und Dürre-Katastrophe im Zuge des globalen Klimaphänomens El Niño. «Zehn Millionen Menschen sind in Afrika davon bedroht und Afrika muss jetzt in den Fokus rücken.»

Konkret sprach sich Müller für mehr humanitäre Hilfe für Libyen sowie einen Ausbau des Küstenschutzes aus. In dem Bürgerkriegsland halten sich nach jüngsten Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) derzeit mindestens 700 000 und möglicherweise sogar bis zu einer Million Flüchtlinge und Migranten auf. Allein am Montag und Dienstag hatten internationale Sicherheitskräfte insgesamt 5600 Flüchtlinge im Mittelmeer vor der nordafrikanischen Küste gerettet.

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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