Di, 2015-06-30 01:30
Berlin (dpa)

Prickelnd und gesund: Ein Plädoyer für mehr Küsse Von Christine Cornelius, dpa

Jungbrunnen, Abwehrstärke, Glücksrausch: Küssen macht nicht nur Spaß, sondern kann auch gut sein für die Gesundheit. Sogar die Wissenschaft beschäftigt sich mit dem feuchten Vergnügen.

Berlin (dpa) - Schmetterlinge im Bauch, den Geruch des Partners in der Nase und die weichen Lippen des anderen auf den eigenen: Für viele Menschen ist Küssen eine der schönsten Nebensachen der Welt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sogar einen gesundheitlichen Nutzen hat, obwohl sie diesen nicht in den Mittelpunkt ihrer Forschung stellen. Zum Internationalen Tag des Kusses am 6. Juli liefert die Deutsche Presse-Agentur gute Gründe für innige Küsse - neben dem Offensichtlichen.

GESUNDHEIT: Zwar hat nicht jeder Kuss Heilkräfte - und wer erkältet ist, sollte lieber nicht knutschen. Aber: «Der Kuss hat - alles in allem - eher gesundheitliche als krankmachende Wirkungen», sagt der Biopsychologe Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin. Hautkontakte zu pflegen, tue den Menschen gut - «und der Kuss ist nun einmal ein besonders intensiver Hautkontakt». Die Bremer Kulturanthropologin Ingelore Ebberfeld betont: «Alles, wobei wir uns wohlfühlen, hat auch einen gesundheitlichen Aspekt. Das ist ein schöner Nebeneffekt des Küssens.»

IMMUNSYSTEM: Küsse heben unsere Stimmung und vitalisieren uns dadurch laut Walschburger - so können sie die Abwehrkraft des Körpers stärken. Abgehärtet werden wir auch, weil beim Küssen unzählige Bakterien ausgetauscht werden. Aus Hygieneüberlegungen sollte also niemand auf das schöne Ritual verzichten. Denn wer aus Furcht vor den Bakterienströmen nicht mehr küsst, wird sicher nicht glücklicher.

GLÜCK: Obwohl beim Thema Küssen oft von Glückshormonen die Rede ist: «Nicht alle Ethnien küssen so gern wie wir in der westlichen Welt», sagt Kussforscherin Ebberfeld. «Deshalb kann man nicht pauschal sagen: Küssen macht glücklich.» Wer gern küsse, den mache es aber glücklich, geküsst zu werden - nur natürlich nicht von jedem. Ist es gar der oder die Richtige, kennt der Organismus kein Halten mehr. Ebberfeld: «Wenn wir verliebt sind oder jemanden außerordentlich begehren, dann ist im Gehirn Silvester. Da fliegen die Botenstoffe hin und her.»

ENTSPANNUNG: Bei aller Aufregung verspricht Küssen Entspannung. «Das Küssen kann auch Stress reduzieren, wenn es zum Beispiel einem schlechten Tag eine gute Wendung verleiht», sagt Walschburger.

VERJÜNGUNGSKUR: Küssen hält jung - ganz so vereinfacht würde es der Biopsychologe zwar nicht ausdrücken. Seine Erklärung geht aber in eine ähnliche Richtung: «Wenn man von Vielküssern annimmt, dass sie in gelingenden Sozialbeziehungen leben und damit glückliche Menschen sind, dann kann man schlussfolgern, dass sie länger leben als andere.» 

SICHERHEIT: «Wenn wir uns am Anfang kennenlernen, dann versichert der Kuss: Wir gehören zusammen und ich hab' dich immer noch genauso gern», sagt Ebberfeld. «Der Kuss gibt uns ein Sicherheitsgefühl.» Beim Küssen könne man auch schlecht lügen: «Vorzutäuschen, wollüstig zu küssen - da gehört schon einiges dazu.» Für die Frauen sei der Kuss ein Mittel, um zu überprüfen: Steht der Andere noch zu mir? Wie sind seine Gefühle? Archaisch betrachtet sei es sehr wichtig gewesen, dass der Versorger an die Familie gebunden war. Männer hingegen küssten eher zielorientiert. «Sie wollen ihre Gene weitergeben.»

Di, 2015-06-30 03:15
Warschau/Lüneburg (dpa)

Auschwitz-Komitee: Lüneburger Prozess gibt Signal an andere Täter

Warschau/Lüneburg (dpa) - Der Lüneburger Auschwitz-Prozess gegen einen ehemaligen SS-Mann könnte aus der Sicht des Internationalen Auschwitz-Komitees Signalwirkung für NS-Täter haben. «Endlich sitzt vor Gericht ein SS-Mann, der nicht im Leugnen und Lügen verharrt, sondern der mit sich selbst, seiner Familie und seiner Geschichte ins Reine kommen will», sagte Christoph Heubner, Vize-Exekutivpräsident der Organisation, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Diese Haltung sei «auch ein Signal an andere noch lebende Täter», zu ihrer Verantwortung zu stehen und ihre Schuld einzuräumen. «Auf diese Signale der Täter haben die Überlebenden ihr Leben lang vergeblich gewartet», sagte Heubner, der den Lüneburger Prozess als «weitere Reifeprüfung auf dem Weg der Demokratie» bezeichnete. Dass der Prozess 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz doch noch aufgenommen wurde, sei auch Ergebnis des Wunsches, «der deutschen Justiz ein Stück Würde» zurückzugeben.

Auschwitz-Birkenau war das größte der deutschen Vernichtungslager, in dem während des Zweiten Weltkriegs mindestens 1,1 Millionen vor allem jüdische Häftlinge getötet wurden. Das Lager wurde zum Symbol für die nationalsozialistischen Massenmorde.

Di, 2015-06-30 04:45
Warschau/Lüneburg (dpa)

«Auschwitz-Prozess neue Dimension im Deutschlandbild der Opfer» Von Eva Krafczyk, dpa

Viele Überlebende von Auschwitz und anderen deutschen Vernichtungslagern haben Jahrzehnte darauf gewartet, vor deutschen Gerichten auszusagen. Eine vielleicht letzte Chance gibt es in Lüneburg.

Warschau/Lüneburg (dpa) - Vor dem Lüneburger Landgericht geht der Prozess gegen einen ehemaligen SS-Mann wegen Beihilfe zum Mord im deutschen Vernichtungslager Auschwitz in die Schlussphase. Für die oft hochbetagten Überlebenden des größten deutschen Todeslagers war es die vielleicht letzte Chance, als Zeugen vor Gericht zu Wort zu kommen. Christoph Heubner, Vize-Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, zog im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur eine Zwischenbilanz des Prozesses aus der Sicht der Auschwitz-Überlebenden.

Frage: Wie erleben die ehemaligen Häftlinge den Prozess?

Antwort: «Der Prozess in Lüneburg konfrontiert die Überlebenden erneut mit den Auschwitz-Schmerzen, die sie ihr Leben lang begleiten. Aber er fügt ihrem Bild von Deutschland auch eine neue Dimension hinzu, die der späten Gerechtigkeit: Endlich haben sich in Lüneburg die Türen eines Gerichtssaals geöffnet, endlich sitzt vor Gericht ein SS-Mann, der nicht im Leugnen und Lügen verharrt, sondern der mit sich selbst, seiner Familie und seiner Geschichte ins Reine kommen will.

So ist dieser Prozess in der Ehrlichkeit des Angeklagten, der sich nicht in sein Alter, in attestierte Krankheit und in Verhandlungsunfähigkeit zu flüchten versucht, auch ein Signal an andere noch lebende Täter: Nehmt endliche eure Verantwortung an, sprecht von eurer Geschichte und eurer Schuld. Auf diese Signale der Täter haben die Überlebenden ihr Leben lang vergeblich gewartet. Und für die deutsche Gesellschaft ist dieser Prozess eine weitere Reifeprüfung auf dem Weg der Demokratie.»

Frage: War der Besuch des Prozesses auch ein Stück Genugtuung, nicht mehr Opfer zu sein, sondern Auge in Auge einem Menschen gegenübertreten zu können, der Teil des Auschwitz-Systems war?

Antwort: «Viele der Überlebenden, die in Lüneburg als Zeugen ausgesagt haben, haben ihren Hass auf die Deutschen längst überwunden. Sie haben über die Jahre viele Kontakte nach Deutschland aufgebaut, sie haben ihre Stimme für Toleranz und Demokratie erhoben. Sie empfinden sich nicht mehr als Opfer, sondern als Gestalter ihres Lebens und der zukünftigen Welt.»

Frage: Vor dem Prozess war davon die Rede, dass dieses Verfahren eine wichtige Geschichtslektion für junge Menschen sein könne. Haben sich diese Hoffnungen aus Sicht der ehemaligen Häftlinge erfüllt?

Antwort: «Gerade deshalb war und ist für die Überlebenden das Gespräch mit jungen Menschen das Wichtigste: Diese jungen Menschen werden ihre Erinnerungen an Auschwitz und die Namen ihrer ermordeten Familienmitglieder in die Zukunft begleiten. Zukünftig wird zu diesen Erzählungen auch das gehören, was derzeit in Lüneburg geschieht: Auch wenn es Jahrzehnte gedauert hat, haben sich gegen die demonstrative Vergesslichkeit und das Desinteresse viele Menschen gefunden, die der deutschen Justiz ein Stück Würde zurückgeben wollen.»

Zur Person: Christoph Heubner (66) ist Schriftsteller und Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees (IAK), einer Organisation von Auschwitz-Überlebenden. Der langjährige Mitarbeiter der Aktion Sühnezeichen begleitet regelmäßig Jugendliche bei Begegnungen mit ehemaligen Häftlingen und Besuchen der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz/Oswiecim und leitet das Koordinationsbüro des IAK in Berlin.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Mo, 2015-06-29 19:00
München (dpa)

Hessischer Verfassungsschützer muss erneut im NSU-Prozess aussagen

München (dpa) - Ein Beamter des hessischen Verfassungsschutzes, der während eines Mordes in Kassel am Tatort war, muss am Dienstag erneut als Zeuge im Münchner NSU-Prozess aussagen. Dabei geht es um den Mord an dem Betreiber eines Internetcafés in Kassel im April 2006.

Während das Opfer mutmaßlich von Uwe Mundlos oder Uwe Böhnhardt erschossen wurde, hatte sich der Beamte nach eigener Aussage privat in einem Hinterzimmer aufgehalten und an einem Computer gechattet. Der Verfassungsschützer hatte mehrfach beteuert, nichts von dem Mord mitbekommen zu haben.

Das Gericht will am Dienstag außerdem erneut einen Jugendfreund von Mundlos anhören. Er hatte bei seiner ersten Vernehmung ausgesagt, Mundlos habe in den 1990er Jahren seine Clique in Jena politisch radikalisiert. Zu der Clique gehörten auch Böhnhardt und Beate Zschäpe. Zschäpe ist in dem Verfahren die Hauptangeklagte. Die Bundesanwaltschaft macht sie als Mittäterin für zehn Morde des «Nationalsozialistischen Untergrunds» verantwortlich. 

Mo, 2015-06-29 19:00
Wien (dpa)

Atomgespräche mit dem Iran - Schlussrunde jenseits der Frist

Wien (dpa) - Die Atomverhandlungen mit dem Iran gehen in die Schlussphase. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wird am Dienstag in Wien zurückerwartet. Er hatte sich zuvor noch kurz mit der politischen Führung in Teheran beraten. Mit seiner Rückkehr beginnt die heiße Phase der Gespräche, die ursprünglich bereits am Dienstag um Mitternacht beendet sein sollten.

Alle beteiligten Länder gehen nun davon aus, dass die Gespräche noch mehrere Tage andauern werden. Die UN-Vetomächte und Deutschland verhandeln mit dem Iran über eine Begrenzung von dessen Atomprogramm. Damit soll sichergestellt werden, dass Teheran keine Atombombe bauen kann. Im Gegenzug sollen die Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik schrittweise aufgehoben werden.

Mo, 2015-06-29 21:39
York (dpa) 

Ban verurteilt Anschlag auf ägyptischen Generalstaatsanwalt

New York (dpa) - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den tödlichen Anschlag auf den ägyptischen Generalstaatsanwalt Hischam Barakat scharf verurteilt. Der Familie des Opfers sprach Ban am Montag sein Beileid aus. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, verlangte er. Der ägyptische Generalstaatsanwalt war am Montag nach einem Bombenanschlag auf seine Fahrzeugkolonne in Kairo seinen schweren Verletzungen erlegen.

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Mo, 2015-06-29 18:00
Delhi (dpa)

Festnahme nach tödlichem Angriff auf indische Soldaten

Neu Delhi (dpa) - Mehr als drei Wochen nach einem Rebellenangriff auf indische Truppen mit 18 toten Soldaten haben die indischen Sicherheitskräfte einen Anführer der Aufständischen festgenommen. Der Befehlshaber der Rebellentruppe NSCN, Khumlo Abi Anal, sei am Montag im Bezirk Chandel im Bundesstaat Manipur gefasst worden, teilten die Behörden mit.

Der NSCN kämpft für die Unabhängigkeit der Volksgruppe der Naga, die über mehrere indische Bundesstaaten verteilt lebt. Am 4. Juni war ein Militärkonvoi in dem Bezirk im Osten Indiens in einen Hinterhalt der Separatisten geraten. Es war für die indischen Streitkräfte einer der verlustreichsten Tage seit Jahren.

Mo, 2015-06-29 21:50
Aviv (dpa)

Gaza-Solidaritätsschiff im Hafen von Aschdod eingetroffen

Tel Aviv (dpa) - Ein Solidaritätsschiff mit pro-palästinensischen Aktivisten an Bord ist am Montagabend im israelischen Hafen Aschdod eingetroffen. Israelische Marinesoldaten hatten die «Marianne» auf dem Weg nach Gaza geentert und unter ihre Kontrolle gebracht. Die Aktivisten sollten den zuständigen Behörden übergeben und dann ausgewiesen werden, teilte das israelische Militär mit. Unter ihnen ist nach Medienberichten auch der frühere tunesische Präsident Moncef Marzouki. Ziel der Aktion war es, die seit fast einem Jahrzehnt dauernde israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Das nun gestoppte schwedische Schiff war im Mai aufgebrochen.

Mo, 2015-06-29 18:03
Kiew (dpa)

Mehrere Soldaten im ostukrainischen Konfliktgebiet verletzt

Kiew (dpa) - Im Konfliktgebiet Ostukraine sind bei neuen Gefechten mindestens fünf Soldaten verletzt worden. Stellungen der Regierungstruppen seien stärker als in den vergangenen Tagen von den von Russland unterstützten Separatisten mit Artillerie beschossen worden, sagte der Sprecher des Präsidialamtes, Andrej Lyssenko, am Montag. In dem Dorf Tschermalyk nordöstlich der Hafenstadt Mariupol wurde ein 65 Jahre alter Mann durch Granatsplitter schwer verletzt. Die Aufständischen in Luhansk sprachen von einem Verletzten. Wegen Strom- und Wasserausfällen im Kampfgebiet spitzte sich die humanitäre Krisenlage weiter zu.

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Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Mo, 2015-06-29 19:00
Wien (dpa)

Russland und Ukraine verhandeln in Wien über Gasversorgung

Wien (dpa) - Russland und die Ukraine sollen sich bei einem Treffen in Wien am Dienstag (14.00 Uhr) auf neue Lieferbedingungen für Gas verständigen. Die aktuellen Vereinbarungen laufen am Dienstagabend aus. Falls keine Einigung zustande kommt, müsste die Ukraine ab dem Mittwoch wieder zu ungünstigeren Bedingungen bei ihrem wichtigsten Gaslieferanten einkaufen.

Der für Energie zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Maros Sefcovic, soll bei den Gesprächen zwischen dem russischen Energieminister Alexander Nowak und seinem ukrainischen Kollegen Wladimir Demtschischin vermitteln. Auch Industrievertreter werden erwartet. Das angestrebte neue Abkommen soll nach EU-Angaben bis zum März 2016 laufen. Die Ukraine muss vor dem kommenden Winter ihre Gasspeicher auffüllen.

Mo, 2015-06-29 20:44
Brüssel (dpa)

China mischt sich in Griechenland-Drama ein

Selbst der EU-China-Gipfel steht unter dem Eindruck der Griechenland-Krise. Peking positioniert sich eindeutig, weicht aber Fragen zum eigenen Engagement aus. Zum Schluss gibt es eine Premiere.

Brüssel (dpa) - China mischt sich in den Streit zwischen der griechischen Regierung und ihren Geldgebern ein. Beim EU-China-Gipfel in Brüssel forderte Regierungschef Li Keqiang die EU-Spitzen am Montag unmissverständlich auf, sich für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone einzusetzen. Eigentlich geplante Topthemen wie der Klimawandel und die chinesische Beteiligung am europäischen Wachstumsplan rückten in den Hintergrund.

China dränge die Geldgeber, so schnell wie möglich eine Einigung mit der Regierung in Athen zu finden, sagte Li bei einer Pressekonferenz mit EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Die griechische Schuldenfrage sei kein rein europäisches Thema. Als Investor wolle China ein vereintes, prosperierendes Europa und einen starken Euro sehen.

Der Frage, ob eine stärkere Unterstützung Griechenlands durch China denkbar sei, wich Li aus. Er sagte lediglich, dass China der Regierung in Athen bereits mehrfach geholfen habe. Im Prinzip gehe es um eine EU-interne Angelegenheit, erklärte Li.

Tusk hatte zuvor erneut scharfe Kritik am griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras geäußert. «Jede Regierung hat das Recht, ein Referendum zu organisieren (...) Aber eine Sache sollte vollkommen klar sein: Wenn irgendjemand sagt, dass die Regierung mit einem Nein-Votum eine stärkere Verhandlungsposition habe, ist das einfach nicht wahr», sagte der Pole. Es werde damit sogar noch weniger Raum für Verhandlungen geben.

Tusk spielte damit auf die von Tsipras angekündigte Volksabstimmung über die Reformforderungen der Geldgeber an. Sie sollten nach Ansicht der Regierung nicht erfüllt werden.

Zu Chinas geplanter Unterstützung für den milliardenschweren Investitionsplan der Europäischen Union gab es keine Details. Li kündigte lediglich an, dass China sich bei größeren Projekten zur Verbesserung der EU-Infrastruktur eine Kooperation vorstellen könne. «China ist natürlich willkommen, bei uns zu investieren», kommentierte Kommissionschef Juncker. Konkrete Verhandlungen sollten Ende September bei einem Besuch von Kommissionsvizepräsident Jyrki Katainen in China geführt werden.

Mit dem Wachstumsplan will Juncker Investitionen in Höhe von 315 Milliarden Euro in der EU anschieben. Sie könnten unter anderem in Projekte in Bereichen wie Verkehr, Energie und Forschung fließen.

Wie von Nichtregierungsorganisationen gefordert sprachen Tusk und Juncker beim Gipfeltreffen auch die Menschenrechtslage in China an. «Ich habe unsere Sorgen zum Ausdruck gebracht, was die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit angeht», sagte Tusk. Auch die Lage von Minderheiten wie den Tibetern und Uiguren sei thematisiert worden.

Zumindest beim Thema Pressefreiheit gab es offensichtlich Fortschritte. Die chinesische Seite stimmte nach Angaben von Tusk am Montag erstmals in der Geschichte der EU-China-Gipfel zu, sich nach dem Treffen gemeinsam mit EU-Vertretern Fragen von Journalisten zu stellen - nach zuvor 16 Spitzentreffen ohne eine solche Veranstaltung.

Mo, 2015-06-29 18:03
Kairo (dpa)

Ägyptischer Generalstaatsanwalt stirbt bei Bombenanschlag in Kairo

Die Straße sieht aus wie ein Schlachtfeld. In einem der ausgebrannten Autos saß der ägyptische Generalstaatsanwalt. Der Zeitpunkt des tödlichen Terroranschlags ist wohl kein Zufall.

Kairo (dpa) - Der ägyptische Generalstaatsanwalt ist bei einem Anschlag in Kairo getötet worden. Wie das Staatsfernsehen am Montag berichtete, starb Hischam Barakat an inneren Blutungen, nachdem am Morgen eine Bombe in der Nähe seines Autokonvois explodiert war. Fernsehbilder zeigten mehrere ausgebrannte Fahrzeuge am Tatort im Norden Kairos. Zunächst hatte es geheißen, Barakat habe das Attentat überlebt. Nach Angaben des Senders wurden mindestens fünf Polizisten und ein Zivilist verletzt, die staatsnahe Zeitung «Al-Ahram» berichtete von neun Verletzten.

Auf Facebook bekannte sich eine Gruppe namens «Volkswiderstand» zu dem Anschlag. Es wird vermutet, dass die Gruppe eine Verbindung zur verbotenen Muslimbruderschaft des ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi hat. Sie hatte sich in der Vergangenheit zu mehreren kleinen Bombenangriffen bekannt.

Am Dienstag jährt sich die Amtsübernahme des Islamisten Mursi zum dritten Mal. Genau ein Jahr später war es in Kairo zu Massenprotesten gegen den Präsidenten gekommen, wenige Tage danach wurde Mursi von der Armee abgesetzt. Staatsanwälte hatten neben Sicherheitskräften eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung der Proteste von Anhängern der Bruderschaft gespielt. Sie eröffneten Verfahren gegen Hunderte von angeblichen Unterstützern Mursis.

Seit dem Sommer 2013 sind in Ägypten vor allem Polizisten bei Angriffen mit Bomben getötet oder erschossen worden. Im September 2013 überlebte der damalige Innenminister Mohammed Ibrahim einen Bombenangriff.

Mo, 2015-06-29 17:01
Stuttgart (dpa)

Hitzehoch «Annelie» soll Temperatur auf 38 Grad treiben Von Roland Böhm, dpa

«Annelie» kommt - und mit diesem Hoch die Hitze. Bis zu 38 Grad erwarten Wetterkundler im sonnenverwöhnten Südwesten. Doch die Gefahr von Sonnen- und Waldbränden wächst bundesweit.

Stuttgart (dpa) - Sonne, Hitze, Tropennächte: Das Hoch «Annelie» bringt Deutschland zum Monatswechsel den Hochsommer. Bis zu 38 Grad sind von Donnerstag an möglich. Gefühlt können es Richtung Wochenende - wenn die Gewitterneigung steigt - sogar noch mehr sein. Schweißtreibend soll es laut Deutschem Wetterdienst bundesweit vor allem in den Innenstädten entlang des Rheins werden.

ERWARTUNG - Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet mit Tag für Tag steigenden Temperaturen: am Mittwoch auf über 30 Grad, am Donnerstag auf bis zu 38. Jeweils am heißesten werde es dabei im Südwesten in Freiburg, Karlsruhe und Mannheim, den Stadtzentren entlang des Oberrheins. Auch in den Berglagen würden es von Donnerstag an über 30 Grad erwartet, wie DWD-Sprecher Uwe Schickedanz mitteilte. Und auch die Nächte bringen kaum Abkühlung: Die Temperatur sinkt nicht unter 20 Grad, womit sie dann als Tropennächte gelten.

REKORDE - Für den traditionell heißen Breisgau steht der historische Höchstwert einer letzten Juni-Dekade (zehn Tage) bei 36,5 Grad. Zum Start des Hitzesommers 2003 wurde dieser Wert in Freiburg am 22. Juni notiert. Die heißeste erste Juli-Dekade in Freiburg ist schon länger her. Am 4. Juli 1957 wurden 37,9 Grad gemessen. Zum Vergleich: Der heißeste Tag im Südwesten überhaupt war der 13. August 2003: In Freiburg und Karlsruhe erreichte das Quecksilber da 40,2 Grad.

WÄLDER - Mit der Hitze und der Trockenheit steigt die Gefahr für Brände im Wald: Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes auf der Internetseite www.dwd.de/waldbrand besteht für weite Teile des Südwestens und der Nordorstens von Donnerstag an «hohe Gefahr» (Stufe 4). Die höchste Gefahrenstufe 5 wird unter anderem bei Freiburg und im Vierländereck von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erreicht.

TIERE - Im Zoo haben die Tiere mit der Hitze in den nächsten Tagen weniger Probleme als die schuftenden Pfleger, wie ein Sprecher der Stuttgarter Wilhelma sagte. Eisbären, Pinguine, Seelöwen, Alpakas, Elefanten und auch viele Vögel in dem Zoo können baden gehen. Die Seelöwen etwa planschen dort stets in gleichbleibend 15 Grad kühlem Wasser. Eisbären könnten auch baden, hätten aber mit viel Sonneneinstrahlung ohnehin keine Probleme.

STRASSEN - Die Hitze beschädigt auch Straßen: Betonfahrbahnen könnten plötzlich aufbrechen, teilte das baden-württembergische Verkehrsministerium mit. Die Platten dehnten sich in der Hitze so weit aus, dass die Fugen die Bewegungen nicht mehr aufnehmen könnten. Asphaltfahrbahnen verformten sich langsam, akute Gefahr bestehe in der Regel nicht. «Wenn entsprechende Wetterlagen auftauchen, werden die Autobahnen verstärkt kontrolliert», sagte ein Sprecher.

Mo, 2015-06-29 17:01
(dpa)

Meißen, Freital und Pegida - Vergiftetes Klima in Sachsen Von Birgit Zimmermann und Christiane Raatz, dpa

Pegida und seine Ableger machen seit Monaten Anti-Asyl-Stimmung. Jetzt brennt ein geplantes Flüchtlingswohnhaus in Meißen. Was ist los in Sachsen?

Meißen (dpa) - In Meißen brennt ein künftiges Flüchtlingswohnhaus - und die Politiker sind schnell zur Stelle. Nur wenige Stunden nach der Brandstiftung am Wochenende verurteilte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) den «feigen Brandanschlag». Auch der CDU-Landrat Arndt Steinbach zeigte sich betroffen. Von einer kippenden Stimmung im Freistaat oder rechten Umtrieben wollen sie allerdings nichts wissen.

Das sehen Oppositionspolitiker und Beobachter der rechten Szene anders. Grünen-Landeschef Jürgen Kasek spricht von einem extrem vergifteten Klima in Sachsen. Die Pegida-Bewegung habe für diese Radikalisierung den Boden mitbereitet.

«Seit mittlerweile zwei Jahren hat die Anzahl der Proteste gegen Asylunterkünfte in Sachsen stark zugenommen, und ein Ende ist nicht abzusehen», sagt Michael Nattke, Fachreferent beim Kulturbüro Sachsen. «Das ist - so traurig das auch ist - die größte Demonstrationswelle seit 1989 und den Hartz IV-Protesten im Jahre 2001.» Die Proteste würden von gut organisierten Neonazis organisiert oder zu mindest mit befeuert.

Verschiedene Studien zeigten seit Jahren, dass bundesweit bis zu ein Viertel der Bevölkerung rassistisch eingestellt sei. Neu sei jedoch, dass die Rassisten ihre Meinung auch öffentlich kundtäten und auch vor Gewalt nicht zurückschreckten.

In Meißen schließt die Polizei ein fremdenfeindliches Motiv für die Brandstiftung nicht aus. Im nahen Freital demonstrieren seit Tagen Asylgegner vor einer Flüchtlingsunterkunft. Pegida geht noch immer in Dresden auf die Straße und hat Ableger in kleineren sächsischen Städten gefunden.

Grünen-Landeschef Kasek hält die Pegida-Bewegung für mitschuldig an der aufheizten Stimmung. «Dadurch sind bestimmte Vorurteile, die früher eher im neonazistischen Bereich zu finden waren, in der Mitte der Gesellschaft angekommen.» Vor allem die Landesregierung sei den Vorurteilen zu lange mit Verständnis begegnet und habe es versäumt, eine klare Grenze zum Rassismus zu ziehen. So sei nach und nach der Eindruck entstanden, dass die Flüchtlinge das Problem seien. «Aufgrund dieser Radikalisierung haben wir ein extrem vergiftetes Klima in Sachsen», sagt Kasek.

Ministerpräsident Tillich sieht die Stimmung im Land aber nicht kippen: Es gebe Tausende von Bürgern im Freistaat, die sich jeden Tag für Flüchtlinge engagierten. «Aber wir haben leider Gottes auch Situationen, wie wir sie hier vorfinden.»

Dabei ist Meißen - auch bundesweit - kein Einzelfall: In Tröglitz in Sachsen-Anhalt zerstörte ein Feuer eine Unterkunft, bevor die Bewohner dort einziehen konnten. Zuvor hatte es dort massive Proteste gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben. Auch im bayerischen Vorra und rheinland-pfälzischen Limburgerhof wurden Feuer gelegt. Am Montagmorgen brannte in Lübeck der Rohbau eines Asylbewerberheims.

«Wir haben bundesweit eine sehr hohe Bereitschaft, Migranten zu diskriminieren, wenn sie entweder als Muslime wahrgenommen werden oder wenn sie als Flüchtlinge, auf Solidarität hoffende, hierherkommen. Es tritt aber im Osten offener in Erscheinung», sagt Oliver Decker vom Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig. In den Orten im Osten fehlten Strukturen, um eine Willkommenskultur zu pflegen, weil es dort überhaupt keine Erfahrungen damit gebe. «Da muss man die Politik etwas mehr in die Pflicht nehmen.»

Michael Nattke vom Kulturbüro sieht als Lösung eine verbesserte politische Bildung in Sachsen. Man müsse tatsächlich die Bevölkerung erreichen, und nicht nur einen kleinen Kreis politisch Interessierter. «Die Dialoge erst dann zu führen, wenn eine Pegida-Demonstration auf der Straße steht - das halten wir für falsch», sagt Nattke. «Denn dann spricht man genau mit diesen Rassisten, die sich jetzt zeigen.»

Mo, 2015-06-29 17:48
Munster/Hannover (dpa)

Fachleute versehen Wölfin mit Sender

Munster/Hannover (dpa) - Fachleute haben einer jungen Wölfin aus einem auffälligen Rudel in Niedersachsen einen Überwachungssender verpasst. Vom Umweltministerium in Hannover beauftragte Experten legten dem Tier am Sonntag ein Halsband mit Sender um, wie ein Sprecher des Ministeriums am Montag mitteilte. Die junge Wölfin habe sich gesundheitlich in einem guten Zustand befunden.

Immer wieder hatten Bewohner rund um den Truppenübungsplatz Munster von Annäherungen der Tiere bis auf wenige Meter berichtet. So soll laut Radio ffn am 13. Juni ein Wolf bei Breloh zwei Jungen im Alter von 6 und 13 Jahren über einen Kilometer weit gefolgt sein. Ein Wolfsberater habe einen entsprechenden Bericht der beiden Jungs aufgenommen, sagte Britta Habbe von der für das Wolfsmonitoring zuständigen Landesjägerschaft in Hannover dazu.

Anfang Mai hatte das Umweltministerium angekündigt, die Überwachung des Rudels zu verstärken. All zu zudringliche Tiere sollen künftig notfalls mit Gummigeschossen vergrämt werden. Am Montag vergangener Woche hatte der erste Wolf in Munster ein Sendehalsband bekommen.

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

Keine Anzeige!

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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