„Greenwashing ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen (...) ein umweltfreundliches und verantwortungsvolles Image zu verleihen, ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gibt“, steht bei Wikipedia. Beispiele dieser irreführenden Werbestrategie nimmt das Greenpeace Magazin in seiner Rubrik „Keine Anzeige“ regelmäßig satirisch aufs Korn, doch noch nie hat ein Unternehmen dafür eine so beispielhafte Vorlage geliefert wie nun der Düsseldorfer Reinigungsmittelhersteller Henkel, der das „Grünwaschen“ nahezu wörtlich nimmt. In einer Anzeige für den Waschmittelklassiker Persil, die zum Beispiel in der Zeitschrift „Eltern“ erschien, wird dessen knallgrüne Flüssigvariante vor einem lichtdurchfluteten Kastanienblätterhintergrund gezeigt.

„HALLO NACHBAR!“ steht aus unerfindlichem Grund über der Anzeige sowie der nichtssagende Werbeclaim „Weil es einen Unterschied macht“. Dazu gibt es ein rundes Emblem mit Erdkugel und Blättern, umrankt von den Worten „Für eine saubere Welt“. Solche Pseudosiegel, die Seriosität und Vertrauenswürdigkeit vermitteln sollen, gehören zu den beliebtesten Greenwashing-Tricks – man stellt sich selbst einen Persilschein aus. Ein echtes Umweltsiegel wie den „Blauen Engel“, der viele Produkte – auch Waschmittel – offiziell ziert, gibt es für das abgebildete Produkt dagegen nicht.

In einem aktuellen Flüssigwaschmittel-Test, erschienen im Jahrbuch 2021 der Zeitschrift Öko-Test, landet das Persil Universal Gel Vollwaschmittel denn auch auf einem der letzten Plätze, Note „ausreichend“. Die Inhaltsstoffe werden von den Verbraucherschützern gar mit „ungenügend“ bewertet, da das Produkt unnötigerweise Parfüm, optische Aufheller, Bor und „Kunststoffverbindungen“ enthält. Auch bemängelt Öko-Test „unzureichende Hinweise zu umweltfreundlichem Waschen“.

Auf der Unternehmenswebsite von Henkel kann man sich umständlich eine Liste der Inhaltsstoffe runterladen. Dort finden sich die beanstandeten Duftstoffe wie Limonene, laut Umweltbundesamt (UBA) potenzielle Allergene, optische Aufheller, die meist schwer abbaubar sind und sich in Böden anreichern können sowie Borsäure. Borverbindungen, die in großen Mengen wahrscheinlich die Fruchtbarkeit schädigen, sind zwar in Waschmitteln heute nur noch geringfügig enthalten, sollten laut UBA aber generell gemieden werden – und sind beim Blauen Engel tabu. Das Gleiche gilt für einen problematischen Inhaltsstoff namens Tetrasodium Etidronate.

Interessanterweise sind dem Persil-Gel auch synthetische Polymere (Polypropylene Terephthalate) beigemischt – petrochemische Produkte also, die man als flüssige Kunststoffe bezeichnen kann und die die Fasern schmutzabweisend machen sollen. Die Vorstellung ist unappetitlich, allerdings werden diese Polymere in der Umwelt schnell abgebaut und sind nicht mit Mikroplastik zu verwechseln.

Doch das Thema führt zu einem weiteren kritischen Punkt: Flüssigwaschmittel wie das Persil Gel sind extrem materialaufwendig verpackt, zur stabilen Plastikflasche mit praktischem Tragegriff gibt es noch eine komplizierte Ausgussvorrichtung in rot. Für das UBA ist das ein weiterer Grund, Flüssigprodukte im Waschmittel-Ranking auf den letzten Platz zu verweisen („höchste Umweltbelastung“). Aber: Über dem siegelartigen Saubere-Umwelt-Logo steht auf der Flasche noch „100% recycelbares Plastik“. Klingt doch gut!

Doch leider ist damit noch lange nicht gesagt, dass die Flasche aus Recycling-Kunststoff hergestellt wurde – und leider nicht einmal, dass sie am Ende, selbst wenn sie im Gelben Sack entsorgt wurde, auch wirklich recycelt wird (siehe auch Greenpeace Magazin 4.21 „Kreisläufe“). Die Flasche mit ihrem schönen Siegel – ist eine Mogelpackung.

Es soll hier aber nicht verschwiegen werden, dass man im Text der Originalanzeige erfährt, dass Henkel seine Waschmittelproduktion am Standort Düsseldorf seit Juli auf „klimaneutrale Energie“ umgestellt hat – ein Schritt, der zweifellos Lob verdient. Es ist absolut zu begrüßen, dass Markenunternehmen Verantwortung übernehmen und ihre Fabriken umwelt- und klimafreundlicher gestalten, und sie sollen das auch gern erwähnen – in ihren Nachhaltigkeitsberichten zum Beispiel.

Überhaupt nicht sauber aber ist die Masche, durch die Prahlerei mit solchen notwendigen Fortschritten Produkte, die weiterhin die Umwelt belasten, ein grünes Mäntelchen umzuhängen – und damit ökologischeren Konkurrenzprodukten sowie Initiativen zur Konsum- und Waschmitteleinsparung das Wasser abzugraben. Verbraucher und Verbraucherinnen, so unser Tipp, sollten Flüssigwaschmittel wie das „Kraftgel“ von Persil, die übrigens laut Verbraucherschützern nicht mal besser waschen als die weniger umweltschädlichen kompakten Pulverwaschmittel, am besten im Regal stehen lassen.

In jedem Greenpeace Magazin zeigen wir auf der letzten Seite eine Fake-Werbeanzeige. Diese hier finden Sie in der Ausgabe 6.21 „Yes She Can“. In diesem Schwerpunkt dreht sich alles um inspirierende Frauen weltweit, die sich gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen und für gerechtere Gesellschaften einsetzen. Das Greenpeace Magazin erhalten Sie als Einzelheft in unserem Warenhaus oder im Bahnhofsbuchhandel, alles über unsere vielfältigen Abonnements inklusive Prämienangeboten erfahren Sie in unserem Abo-Shop. Sie können alle Inhalte auch in digitaler Form lesen, optimiert für Tablet und Smartphone. Viel Inspiration beim Schmökern, Schauen und Teilen!

Tags

Mehr zum Thema

Jahresabo inkl. Prämie ab

35,50 €

Die Welt besser machen!

Wie, steht im Greenpeace Magazin.

Jetzt Abonnieren