Liebe Leserinnen und Leser,

wenn wir hierzulande von „Hunger“ sprechen, meinen wir eher so etwas wie Appetit. Zwar leben auch in unserem eigentlich so reichen Land immer mehr Menschen unterhalb der Armutsgrenze, sie erleben drastische Einschnitte und Angst um ihre Zukunft, aber nichts ist vergleichbar mit einem Kind, aus dessen unterernährtem Körper das Leben weicht. Amy Neumann-Volmer, die Vorsitzende von Ärzte ohne Grenzen, hat bei ihren weltweiten Hilfseinsätzen Kinder und Erwachsene an Hunger sterben sehen und beschreibt in unserer kommenden Ausgabe eindringlich, was Hungerkrisen auch in jenen anrichten, die sie überleben: „Uns begegnen Menschen, die aus Verzweiflung Blätter oder auch Wasser mit Sand essen. So eine Erfahrung brennt sich in die Seele ein. Wer das überlebt, fürchtet den Hunger sein Leben lang.“

Der „Hunger als Waffe“, von dem derzeit viel die Rede ist, jene verbrecherische Getreideblockade, mit der das russische Regime nach Schätzungen der UN in diesem Jahr möglicherweise über vierzig Millionen Menschen mehr in die akute Nahrungsmittelkrise treibt und dabei den Tod von Hunderttausenden Kindern billigend in Kauf nimmt, hat uns dazu veranlasst, das Titelthema unseres Magazins kurzfristig zu ändern. Als zweimonatlich erscheinendes Heft, bei dem zwischen Redaktionsschluss und Erscheinen einige Tage vergehen, können wir zwar nicht direkt auf tagesaktuelle Wendungen und Zuspitzungen wie etwa beim Krieg in der Ukraine eingehen. Aber gerade dieser Krieg wirkt wie ein Brennglas, unter dem die großen Probleme noch einmal besonders sichtbar werden.

In unserem Titelschwerpunkt beleuchten wir daher, wie Hunger und Flucht, Klima- und Umweltkrisen, gewaltsame Konflikte und ein Weltwirtschaftssystem, das besinnungslos Profite über Nachhaltigkeit stellt, miteinander verwoben sind. Unser plakatives Covermotiv – ein Panzer aus Brot – symbolisiert die traurige Prioritätensetzung unserer Zeit. In schlaglichtartigen Geschichten, ein wenig abseits der Hauptnachrichten, aus dem Südsudan, aus Venezuela und seinen Nachbarstaaten sowie aus dem Libanon erzählen wir, wie die Menschen dort versuchen, unter teils widrigsten Umständen zu überleben, wie sie gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen, aber auch, mit welcher Energie sie für ein besseres Leben kämpfen. Katja Morgenthaler und Thomas Merten haben zu all diesen Themen ein kluges und anregendes Gespräch mit Julia Steets vom Global Public Policy Institute (GPPI) und Stig Tanzmann von Brot für die Welt geführt, das persönliche Erfahrungen mit einem fachkundigen Blick auf die ganz großen Zusammenhänge und mögliche Lösungswege verbindet.

Angesichts der vielen Krisen tut es gut, sich von der Natur auch mal auf ganz andere Gedanken bringen zu lassen. In diesem Sinne möchte ich Ihnen die erhellenden Antworten ans Herz legen, die Wolfgang Hassenstein in der kommenden Ausgabe auf die Frage gibt, wie sich Vögel eigentlich orientieren. Gerade mir, der ich mich auch auf bekannten Wegen regelmäßig verlaufe und das planlose Herumirren in fremden Städten kultiviere, weil ich sowieso selten das finde, was ich suche, ist es ein Rätsel, wie Vögel eigentlich exakt an die Orte gelangen, zu denen sie wollen. Wolfgang ist in unser Redaktion der absolute Experte für Gefieder sämtlicher Art. Die Recherche zu den faszinierenden, immer noch nicht vollends entschlüsselten Navigationstechniken der Tiere, die ihre Routen über Tausende Kilometer hinweg finden, hat ihn in seiner Vorliebe noch einmal bestärkt und ich verspreche Ihnen, dass sein Text Sie ebenfalls anstecken wird.

Eine weitere Geschichte in dieser Ausgabe wirft einen Blick in eine Branche, die bei uns im Greenpeace Magazin sonst eher selten stattfindet. Aber unser Kollege Marc Winkelmann zeigt auf, wie sich ein immer größerer Teil der boomenden Film- und Fernsehbranche bemüht, bei ihren Produktionen nachhaltiger und umweltfreundlicher zu arbeiten. Angetrieben von klimabewegten Schauspielerinnen und Schauspielern wie Luise Befort, Lars Eidinger, Martina Gedeck, Bjarne Mädel, Katja Riemann und Branchengrößen wie Oliver Berben oder Philip Gassmann entsteht da gerade ein neues Bewusstsein für die Möglichkeiten, auch beim Filmemachen einen umwelt- und klimafreundlicheren Weg einzuschlagen. Und weil ein wenig Glamour nun mal zum Geschäft gehört, wird am 20. Juni im Umweltministerum in Berlin erstmals der Eisvogel für besonders nachhaltige Produktionen verliehen, der erste grüne Oscar, wenn Sie so wollen.

Ob als Abonnentin oder Abonnent, ob oder als Erstkäuferin oder -käufer – die kommende Ausgabe bietet sehr viel und wie immer freuen wir uns über Kritik, Anregungen und natürlich auch über Lob, das wir an dieser Stelle schon mal prophylaktisch zurückgeben, weil letztlich Sie es sind, die uns als unabhängiges und werbefreies Magazin unsere Arbeit überhaupt erst möglich machen.

Dafür, außer der Reihe, unseren herzlichsten Dank!

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Unterschrift

Fred Grimm
Redakteur

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