Aktuell

Klimawandel / 01.Sep 2015

USA: Umweltschutz predigen, Öl fördern

Barack Obama reist zurzeit durch Alaska und propagiert dabei den Klimaschutz. Gleichzeitig hat er Shell vor zwei Wochen die Erlaubnis erteilt, in der arktischen See nach Öl zu bohren. Ein Widerspruch, den der US-Präsident nicht ausräumen kann.

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Mi, 2015-09-02 05:04
München/Budapest (dpa)

Steigende Flüchtlingszahlen heizen Diskussion um Lastenverteilung an

Die rasant steigenden Flüchtlingszahlen verschärfen die Diskussion um eine gerechte Verteilung der Kosten. Nicht nur zwischen den EU-Staaten, sondern auch innerhalb Deutschlands. Die Bundesländer wollen den Bund stärker in die Pflicht nehmen.

München/Budapest (dpa) - Angesichts von immer mehr Flüchtlingen dringen die Länder auf eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes. Die Kommunen sollten künftig vom Bund die Kosten für die Aufnahme der Menschen weitgehend erstattet bekommen, forderte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD). «In der Erstaufnahme haben wir in Brandenburg monatlich circa 1200 Euro Kosten pro Flüchtling», sagte er der «Rheinischen Post» (Mittwoch). «Das sollte auch die Grundlage für die Berechnung sein, was der Bund künftig pauschal pro Flüchtling den Kommunen überweisen sollte.»

Der Innenausschuss des Bundestages berät am Mittwoch in einer Sondersitzung über den Umgang mit der rasant wachsenden Zahl an Flüchtlingen in Deutschland. Der Bund rechnet 2015 mit rund 800 000 Asylbewerbern. Das wären viermal so viele wie im vergangenen Jahr.

SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte die Zurückhaltung vieler EU-Länder bei der Aufnahme von Flüchtlingen. «Es kann nicht sein, dass Deutschland, Österreich und Schweden einen Großteil dieser Menschen aufnehmen», sagte er der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (Mittwoch). Gerade die Osteuropäer profitierten besonders von offenen Grenzen. Die Gefahr für die EU sei größer als die während der Griechenland-Krise. «Die Aufgabe offener Grenzen wäre ein gigantischer Rückschritt in der europäischen Geschichte. Bei Griechenland besteht die Gefahr, Geld zu verlieren. Europa ist aber nun in der Gefahr, seinen Anstand zu verlieren», sagte Gabriel.

Das Flüchtlingsdrama am Budapester Ostbahnhof ging unterdessen weiter. Neben dem Bahnhof und in der angrenzenden Unterführung kampierten am Dienstagabend laut Augenzeugen mehrere tausend Flüchtlinge, die offensichtlich hauptsächlich aus dem arabischen Raum kamen. Polizisten hatten den Bahnhof am Vormittag für Flüchtlinge abgesperrt. Damit sollte verhindert werden, dass sie wie am Vortag Züge Richtung Westeuropa besteigen. Hunderte protestierten lautstark dagegen. Am Vortag hatten Ungarns Behörden die Flüchtlinge ungehindert per Bahn nach Deutschland reisen lassen.

In Bayern kamen am Dienstag 2500 Migranten an. Seit Wochenbeginn waren es fast 4300 Menschen. Zigtausende weitere warten in Ungarn und auf dem Balkan auf eine Möglichkeit zur Weiterreise in den Westen. Dramatisch bleibt die Lage in Griechenland, wo immer neue Migranten mit Booten aus der Türkei eintreffen.

In der österreichischen Hauptstadt Wien befreite die Polizei 24 junge Afghanen aus einem Klein-Lkw, dessen Fenster und Türen zugeschweißt oder versperrt waren. Die Nachrichtenagentur APA meldete unter die Berufung auf die Polizei, den Flüchtlingen gehe es gut. Das Fahrzeug kam demnach vermutlich aus Ungarn. Vor knapp einer Woche waren in einem Kühllastwagen in Österreich 71 erstickte Flüchtlinge entdeckt worden.

Nach Ansicht von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist der deutsche Abschiebestopp für Syrien-Flüchtlinge in EU-Ersteinreiseländer als «Freifahrtschein» verstanden worden. Die Ankündigung, dass Flüchtlinge aus Syrien nicht mehr nach der Dublin-Verordnung zurückgeführt werden, sei zwar gut gemeint gewesen, sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch). «Sie hat aber dazu geführt, dass eine große Zahl von Flüchtlingen aus Ungarn sie als Freifahrtschein verstanden hat», betonte Herrmann.

Mit der zunehmenden Zahl an Flüchtlingen in Deutschland erhöhen sich auch die staatlichen Ausgaben. Für Lebensunterhalt, Spracherwerb und Qualifizierung von Flüchtlingen hält Bundessozialministerin Andrea Nahles im kommenden Jahr 1,8 bis 3,3 Milliarden Euro zusätzlich für nötig. Diese Kosten würden auf rund 7 Milliarden Euro im Jahr 2019 steigen, sagte die SPD-Politikerin in Berlin.

Nach Informationen der Zeitung «Die Welt» sollen im Kampf gegen Schleuser im Mittelmeer sieben Kriegsschiffe, aber auch U-Boote, Drohnen und Flugzeuge außerhalb der libyschen Küstengewässer eingesetzt werden. Die Deutsche Presse-Agentur hatte am Freitag unter Berufung auf EU-Kreise berichtet, dass Soldaten bereits im Oktober damit beginnen könnten, außerhalb der libyschen Küstengewässer fahrende Schiffe von Menschenschmugglerbanden zu stoppen und zu zerstören. Nach dpa-Informationen ist die Bundesregierung bereit, sich an der geplanten Ausweitung des Einsatzes zu beteiligen. Sie will dafür allerdings ein Mandat des Bundestages beantragen.

Mi, 2015-09-02 05:30
Stuttgart (dpa)

Schokofabrikanten klagen über hohe Rohstoff-Kosten Von Wolf von Dewitz, dpa

Ob Vollmilch oder Zartbitter - Schokolade ist immer auch ein globales Produkt, die Bestandteile kommen aus Anbaugebieten aus der ganzen Welt. Doch der Rohstoff-Preis etwa für Kakao ist gestiegen. Wird Schokolade also teurer?

Stuttgart (dpa) - Für Schokoladenfabrikanten sind Zickzack-Kurse an den Rohstoffmärkten wie ranzige Milch: Sie verderben ihnen den Appetit. So gesehen durchlebt die Branche schwierige Zeiten. Denn die Preise für Kakao, Haselnüsse und Mandeln sind einem ständigen Auf und Ab unterworfen, was die Planbarkeit von Geschäften erschwert. Derzeit zeigt die Tendenz nach oben: Der Kakaopreis kletterte im Juli auf ein Vier-Jahres-Hoch, im August sank er nur leicht. Ein «massiver Preisanstieg» sei das gewesen, die Kurse blieben zudem sehr volatil, moniert beispielsweise die Schokoladenfirma Lindt Sprüngli.

Die Schweizer haben bereits hinter sich, was andere Wettbewerber wohl noch vor sich haben: Preisanhebungen beim Endprodukt. Man habe 2015 «punktuelle Preisanpassungen auf selektierte Produkte» vorgenommen, sagt eine Lindt-Sprecherin. Mit effizienteren Arbeitsabläufen und einer erhöhten Produktion gelinge es aber immerhin «teilweise, die Preiserhöhungen an den Rohstoffmärkten zu verkraften».

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) verpackt das sensible Thema teurerer Schokolade diplomatisch: «Die stark gestiegenen Rohstoffpreise, Energie- und Logistikkosten sowie Löhne können zu Preissteigerungen führen, die tendenziell an den Verbraucher weitergegeben werden müssen.» Aber darüber entscheide nun mal der Wettbewerb, sagt BDSI-Geschäftsführer Torben Erbrath. Milka-Inhaber Mondelez sowie Wettbewerber Nestlé wollen sich auf die Frage nicht äußern, ob der Verbraucher alsbald mit höheren Supermarktpreisen für Schokoriegel rechnen müssen.

Unlängst hatte Ritter-Sport-Chef Andreas Ronken der «Stuttgarter Zeitung» sein Leid geklagt. Gefragt, ob die Kunden etwa angesichts niedriger Milch- und Zuckerpreise auf eine Preissenkung hoffen dürfen, antwortete der Manager: «Davon kann leider keine Rede sein.» Milch und Zucker spielten nur eine untergeordnete Rolle, wichtiger seien Kakao und Haselnüsse. Der Preis für die Nüsse sei zuletzt «explodiert» und habe zu Mehrkosten von bis zu 30 Millionen Euro geführt. Auch wenn es Ronken nicht explizit sagte, sondern nur andeutete: Der Preis im Supermarktregal dürfte auf lange Sicht eher nach oben gehen.

Agrar-Rohstoffe sind an den Weltmärkten schon seit jeher großen Schwankungen unterworfen. Das Angebot hängt von der Ernte ab, die Erträge sind wegen Dürren oder Unwetter schlecht planbar - und der Klimawandel wird solche Schwankungen wohl noch verstärken. Die Firmen können sich zwar mit Zertifikaten auf einen gewissen Preis absichern, solche Absicherungen wiederum sind aber relativ teuer. Kurzum: Der schwankende Preis an den Rohstoffbörsen hat rasch Auswirkungen auf die Konten der Schokofirmen. Dies ist für die Unternehmen insofern misslich, da ihre Verträge mit dem Einzelhandel eher langfristig gelten. Soll heißen: Höhere Einkaufspreise für Kakao können die Firmen nicht direkt an den Endkunden weiterreichen.

Um die Abhängigkeit vom Börsenpreis zu reduzieren, setzt Ritter Sport nun auf den Bau einer eigenen Kakaoplantage in Nicaragua. Mit 1500 Hektar ist die Anlage geradezu riesig - im Gegensatz zu den meisten anderen Kakaoplantagen. 2017 soll erstmals geerntet werden. Vom kommenden Jahrzehnt an sollen die Erträge so hoch sein, dass etwa ein Drittel des Firmenbedarfs an Kakao gedeckt werden kann. Der Schritt von Ritter Sport ist ungewöhnlich, haben doch viele Wettbewerber eine ganz andere Auffassung. Branchenriese Nestlé etwa sagt, man betreibe «grundsätzlich keine kommerziellen Plantagen».

Nach Auffassung der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) macht die Investition im fernen Zentralamerika allerdings Sinn, auch andere Mittelständler hätten sich ähnlich entschieden. «Trotz hoher Kosten können sich die Firmen dadurch unabhängiger vom volatilen Weltmarkt machen», sagt BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff.

Andere Firmen wie Lindt setzen zwar nicht auf eigenen Anbau, verstärkten in den vergangenen Jahren aber ihre Ausgaben in den Produktionsländern - Bauern in Ghana werden beispielsweise beraten, wie sie den Ertrag steigern und Pilzbefall verhindern können. Die Branche müsse schließlich gewährleisten, dass die steigende Nachfrage nach Kakao gedeckt werden könne, sagt die Lindt-Sprecherin.

Mi, 2015-09-02 05:00
Glottertal (dpa)

Heilung statt Quote - Echtes Leben in der «Schwarzwaldklinik» Von Jürgen Ruf, dpa

Als «Schwarzwaldklinik» ist das Sanatorium bei Freiburg weltberühmt geworden. Fans kommen noch heute. Doch hinter den Gardinen der TV-Kulisse liegen echte Patienten.

Glottertal (dpa) - Professor Brinkmann und Oberschwester Hildegard sind auf den Krankenhausfluren nicht anzutreffen. Doch sie sind hier Teil der Geschichte. In dem markanten Klinikgebäude in Glottertal bei Freiburg arbeiten echte Ärzte und Schwestern, sie betreuen reale Patienten. Draußen vor der Tür schauen Touristen vorbei auf der Suche nach der «Schwarzwaldklinik». Denn das Gebäude, in dem die Thure-von- Uexküll-Klinik ihre neue Heimat gefunden hat, diente der weltweit bekannten Fernsehserie aus dem Schwarzwald als Kulisse. Heute, 30 Jahre nach dem Start der Serie, stoßen hier Welten aufeinander.

«Es ist ein Glücksfall, ein derart prominentes und geschichtsträchtiges Gebäude nutzen zu dürfen», sagt Klinikchef Franz-Josef Luxem. Das vor genau 101 Jahren erbaute Sanatorium, in dem schon Kanzler Ludwig Erhard (1897-1977) kurte, gehört zu den bekanntesten Fernsehkulissen Deutschlands. In den 1980er Jahren gab das Carlsbau genannte Haus mitten im Schwarzwald der ZDF-Serie «Schwarzwaldklinik» das Gesicht und wurde so weltweit bekannt.

Fast zehn Jahre, bis zum Herbst 2014, stand das im Jugendstil erbaute Krankenhaus leer. Dann zog die aus Freiburg stammende Uexküll-Klinik ein. Sie residiert nun dort, wo vor 30 Jahren Fernsehgeschichte geschrieben wurde. Psychosomatische Medizin steht im Vordergrund. Betreut werden Menschen mit Depressionen, Essstörungen und anderen Leiden, die psychisch bedingt sind.

Die «Schwarzwaldklinik» ist nach Angaben des ZDF die bis heute populärste und erfolgreichste deutsche Fernsehunterhaltungsserie. Bis zu 28 Millionen Zuschauer saßen in Deutschland pro Folge vor den Bildschirmen. Es wurden insgesamt 75 Folgen gesendet, die erste im Oktober 1985. Auch international war die Serie um Professor Brinkmann ein Renner: Sie wurde in 43 Ländern ausgestrahlt.

An den Drehorten im Schwarzwald löste sie einen Touristenboom aus. So extrem wie damals ist es nicht mehr. Doch noch immer ist die Klinik im Glottertal, wie auch andere Drehorte im Schwarzwald, ein Anziehungspunkt, vor allem in der Sommersaison. «Menschen, die vor der Klinik stehen und fotografieren sowie in Erinnerungen schwelgen, gehören für uns zum täglichen Bild», sagt Luxem.

Das auffällige Schild «Schwarzwaldklinik» über der Eingangstür, das von den Dreharbeiten stammt, hängt heute noch da. «Wir haben es bewusst dran gelassen», sagt Melcher Franck, Geschäftsführer der Kur und Reha Klinik GmbH, dem Träger der Klinik. Die Serie gehöre zur Historie des Hauses, deshalb dürften auch Besucher bis vors Gebäude.

Doch am Eingang zum Parkplatz ist Schluss. Weil die nach dem Freiburger Mediziner Thure von Uexküll (1908-2004) benannte Klinik Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen behandelt, ist für mehr Rummel kein Platz. Rein in die Klinik oder in den Garten dürfen «Schwarzwaldklinik»-Fans nicht.

«Es ist ambivalent», sagt Franck. Die idyllische Lage des Hauses mitten im Schwarzwald garantiere Ruhe und Abgeschiedenheit. Das sei für Patienten wichtig, deshalb ist die Klinik hierher gezogen. Dies mit der «Schwarzwaldklinik» unter einen Hut zu bringen, sei nicht immer einfach: «Es gab auch schon Touristen, die in die Küche gegangen sind und gefragt haben, was es heute zu Essen gibt», erzählt Luxem. Das gehe natürlich nicht. Und auch die Beschäftigten sind betroffen. Dort, wo in der Serie die Notaufnahme war, ist heute die Mitarbeiterkantine. Blicke von Schaulustigen durchs Fenster auf den Teller der Mediziner und Pfleger kommen immer mal wieder vor.

«Wir versuchen, den Spagat hinzubekommen, bislang ist uns das ganz gut gelungen», sagt Franck. Die meisten Besucher verhielten sich korrekt und zurückhaltend. Für die Patienten selbst sei die Krankenhausserie nicht so wichtig, sagt Luxem. «Das ist am Anfang bei manchen ein Aha-Effekt. Aber unsere Patienten sind froh, dass sie einen Klinikplatz gefunden haben und dass ihnen geholfen wird, dass ihre Nöte ernst genommen und ihre Leiden behandelt werden.» Professor Brinkmann und seine TV-Ärzte spielten dabei keine Rolle.

Die Thure-von-Uexküll-Klinik behandelt Akut- und Reha-Patienten, das Haus hat nach eigenen Angaben mehr als 60 Behandlungsplätze und beschäftigt über 70 Mitarbeiter. Auf Entdeckungssuche im der Klinik müssen Serien-Fans nicht gehen, sagt Luxem: Die Innenaufnahmen wurden damals alle in Fernsehstudios in Hamburg gedreht.

Glottertal mit seinen 3100 Einwohnern ist froh über die Mediziner - über die im Krankenhaus und jene im Fernsehen. «Unsere Gemeinde ist ein überregional bekannter Gesundheitsstandort», sagt Bürgermeister Karl Josef Herbstritt (CDU). Patienten kämen aus ganz Deutschland. Die «Schwarzwaldklinik» habe die Gemeinde berühmt gemacht und sei bis heute Symbol. «Aber auf dem TV-Ruhm ruhen wir uns nicht aus.»

Das gilt auch für das frühere Ärztehaus direkt neben der Klinik. Dort wurde jahrelang die ARD-Kinderserie «Tiere bis unters Dach» gedreht. Weil diese zu Ende ist, soll auch hier wieder reales Leben einziehen.

Geht doch!

Hoffnung für Hähnchen

Biobrütereien in der Alpenrepublik beenden ab 2017 das massenhafte Kükentöten
 

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Da männliche Küken später keine Eier legen, werden sie direkt nach dem Schlupf getötet. Damit wollen österreichische Biobrütereien spätestens ab 2017 Schluss machen: Im Nachbarland einigten sie sich mit dem Biodachverband und dem Lebensmitteleinzelhandel darauf, in Zukunft Bioeier nur noch dann als „bio“ zu kennzeichnen, wenn Henne und Hahn aufgezogen werden. Gelingen soll das mit einer robusten Legerasse, deren Brudertiere bei der Mast Fleisch ansetzen, wenn auch langsamer und weniger als sonst üblich. Die Branche rechnet mit Mehrkosten von zwei bis drei Cent pro Ei. Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat die landesweite Lösung mit auf den Weg gebracht und hofft nun, dass diese wegweisend für ganz Europa sein wird. In Deutschland gibt es bislang nur kleine Projekte wie etwa die „Bruderhahn-Initiative“ oder „Ei-Care“. Doch auch hierzulande bewegt sich etwas: Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will das Kükensterben mithilfe der Geschlechtsbestimmung im Ei beenden. Noch ist diese Technik nicht marktreif – und laut Deutschem Tierschutzbund auch nicht ausreichend: „Wir müssen das System ändern, dafür brauchen wir andere Zuchtlinien und andere Haltungssysteme.“
 

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New York: Essen als Chance
Frisch aus dem Knast entlassenen Jugendlichen gibt das Sozialprojekt „Drive Change“ in New York City eine Perspektive: Im Team des mobilen „Snowday Food Truck“ schnippeln sie Gemüse, braten Hühnchen und bieten verschiedene Mittagessen an. Die jungen Menschen verdienen ihr eigenes Geld – für manche ist es der erste legale Job. Vor allem soll ihnen die Arbeit bei der Integration helfen, denn bisher werden zwei von drei jugendlichen Straftätern innerhalb von drei Jahren rückfällig.
snowdayfoodtruck.com

Italien: Soli-Kaffee
Von Neapel aus geht eine solidarische Idee um die Welt: Gäste können einen Kaffee bestellen – und zwei zahlen. Den Gratiskaffee bekommt irgendwann ein Obdachloser, der sich ein Heißgetränk nicht leisten kann. In Neapel wird diese Tradition schon seit mehr als hundert Jahren in der Weihnachtszeit gepflegt. Inzwischen gibt es die Geste der Nächstenliebe in fast 20 Ländern. Auch in Deutschland besteht in einigen Lokalen die Möglichkeit, einen Kaffee zu spenden.
coffeesharing.com

San Francisco: Warnung vor Limo
Werbeanzeigen für Softdrinks müssen laut Beschluss des Stadtrats von San Fransisco künftig mit Warnhinweisen versehen werden. So soll der Verbraucher erfahren, dass der zugesetzte Zucker Fettleibigkeit, Diabetes und Karies verursachen kann. Ein solches Warnlabel könnte es auch landesweit geben, die Demokraten haben einen entsprechenden Gesetzentwurf für den US-Staat Kalifornien eingereicht. Schon im vergangenen Jahr hatte Berkeley dem hohen Zuckerkonsum den Kampf angesagt. Als erste US-Stadt besteuerte die Nachbarin San Franciscos im November 2014 zuckerhaltige Getränke.
 

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich: Wegwerfverbot für Essbares
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster: Pestizidfreie Kommune
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin: „Berliner Pflanze“
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

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Mi, 2015-09-02 04:13
Aviv (dpa)

UN-Handelsexperten: Gazastreifen droht Unbewohnbarkeit

Genf/Tel Aviv (dpa) - UN-Experten haben ein düsteres Zukunftsszenario für den Gazastreifen gezeichnet. Sollte sich an den gegenwärtigen ökonomischen Entwicklungen nichts ändern, könnte das Küstengebiet bis 2020 unbewohnbar werden, teilte die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in einem am Dienstagabend in Genf veröffentlichten Bericht mit. Neben einer achtjährigen Wirtschaftsblockade habe es in den vergangenen sechs Jahren drei Militäreinsätze im dicht besiedelten Gazastreifen gegeben. Diese hätten der ohnehin maroden Infrastruktur weiteren Schaden zugefügt sowie Wiederaufbau und wirtschaftliche Erholung behindert.

Allein im vergangenen Jahr waren in dem 50-tägigen Krieg zwischen Israel und der radikalen Palästinenserorganisation Hamas mehr als 2200 Palästinenser und mehr als 70 Israelis getötet worden. Ende August 2014 verkündeten Israel und die Palästinenser eine Waffenruhe.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bot Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nun sofortige und direkte Friedensgespräche an. Dafür sei er bereit, an jeden Ort zu fahren, ohne Vorbedingungen, hieß es auf der Internetseite des Regierungschefs.

Mi, 2015-09-02 04:30
Mallorca (dpa)

Rekordandrang im Sommer: Nun will Mallorca mehr Winterurlauber Von Stephanie Schuster, dpa

Im Sommer zu voll, im Winter zu leer: Mallorcas neue Regierung sucht nach Wegen, um die Touristenmassen besser über das Jahr zu verteilen. Bisher waren die Versuche, mehr Urlauber im Herbst oder Winter auf die Insel zu locken, jedoch wenig erfolgreich.

Palma de Mallorca (dpa) - Es wird immer voller - an den Stränden, in den Hotels, in den Jachthäfen und Ankerbuchten. Knapp 1,7 Millionen Touristen wurden im Juli auf Mallorca gezählt, gut 300 000 mehr als noch vor fünf Jahren. Nach dem Spitzenjahr 2014 zeichnet sich gerade ein neuer Rekord ab. Die neue Linksregierung auf der spanischen Inselgruppe der Balearen will gegen den extremen Andrang zur Hauptsaison ankämpfen und die Insel verstärkt als Winterreiseziel bewerben.

So mancher Urlauber, der das Gedränge allmählich satthat, würde es den Politikern danken. Doch die Hoteliers prophezeien schon jetzt: Das wird nicht klappen. Die Leute kämen schließlich nach Mallorca, um im Sommer in der Sonne am Strand zu liegen und im Meer zu baden.

Mallorca-Urlauber Bernd Grundmann aus Hamburg erzählt, er und seine Familie hielten sich im Urlaubsort Cala Ratjada, wo ihr Hotel steht, meist nur abends und zum Schlafen auf. «An den beiden kleinen Stränden ist es uns zu voll», sagt er. Seine Frau Sylvia pflichtet ihm bei: Sie habe das kleine Fischerdorf vor über 25 Jahren als verschlafenes Nest mit gerade mal einer Diskothek kennengelernt und sei nun regelrecht schockiert über die Auswüchse des Massentourismus. «Man hätte schon längst etwas tun müssen, um das zu verhindern», meint sie.

Die neue Balearen-Regierung will es nun versuchen. «Die Touristenzahlen in den Sommermonaten sind extrem, inzwischen haben die Urlauber selbst das Gefühl, dass sich zu viele Menschen auf der Insel drängen», sagte Tourismusminister Biel Barceló von der Linkspartei Més der Deutschen Presse-Agentur. Im August 2014 verzeichnete Mallorca über 1,7 Millionen Urlauber, im Dezember kamen dagegen gerade mal 122 000 Besucher. Dieses Ungleichgewicht zwischen Haupt- und Nebensaison gelte es zu entschärfen.

Die Frage ist nur wie. Man müsse die Insel verstärkt als Reiseziel zum Wandern, Radfahren und für andere Sportaktivitäten anpreisen, schlägt Barceló vor - wohlwissend, dass diese Idee nicht ganz neu ist. Auch Mallorcas Gastronomie, die Märkte und Dorffeste lohnten ganzjährig einen Besuch. «Wir müssen den Leuten klarmachen, dass die Insel auch im Winter viel zu bieten hat», sagte der Minister.

Doch die Sache hat einen Haken - an dem schon so mancher Tourismusminister gescheitert ist: So lange es im Winter keine besseren Flugverbindungen und billigere Tickets gibt, werden die Besucherzahlen kaum steigen. «Diese Barriere müssen wir als erste überwinden», betonte Barceló. Man wolle mit den Fluggesellschaften verhandeln. Ein britischer Billigflieger kündigte immerhin an, die Insel künftig schon im Februar statt erst im März anzusteuern.

Dass die Airlines den Mallorca-Flugplan im Winter deutlich eindampfen, liegt auch daran, dass in der Nebensaison kaum Hotels geöffnet sind - ein Missstand, den die Balearen-Regierung zu beseitigen versucht. Allerdings scheinen die Hoteliers, die sich über die ab Herbst 2016 geplante Touristensteuer ärgern, wenig kooperativ.

«Die Leute wollen Sonne und Strand», sagte Inmaculada Benito, die Geschäftsführerin des inselweiten Hotelverbands. Eine Umverteilung der Touristenscharen von der Haupt- auf die Nebensaison werde daher nicht gelingen. Für 2016 rechnet Benito erneut mit Spitzenwerten. «Die Aussichten sind gut, wir hoffen, dass die Urlauberzahlen nicht zurückgehen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Dagegen fordert Miquel Ángel March, der Bürgermeister von Pollença, mit den immer neuen Besucherrekorden müsse Schluss sein. «Wir müssen uns von der Fixierung auf die Urlauberzahlen verabschieden», sagte der Ex-Chef des Umweltverbandes Gob der «Mallorca Zeitung». Das touristische Angebot und die Übernachtungsplätze in Hotels und Appartements dürften nicht weiter zunehmen. «Jeder schreit nach Qualitätstourismus, aber wenn am Ende nicht elf, sondern nur noch zehn Millionen Urlauber kommen, sind alle entsetzt.»

Eine Maßnahme, die ein weiteres Ansteigen der Touristenzahlen verhindern könnte, bestünde im rigorosen Verbot der Ferienvermietung von Privatappartements. Solche Vermietungen finden bisher in einer gesetzlichen Grauzone statt und treiben immer wildere Blüten. Ein Verbot hält March allerdings für kaum durchsetzbar. «Das würde die Leute nicht davon abhalten, es trotzdem zu tun.» Barceló beteuert, man wolle das Vermieten von Privatwohnungen regeln und beispielsweise Mindeststandards festlegen.

Es ist kein leichtes Unterfangen also, die Jahr für Jahr wachsenden Touristenzahlen in den Griff zu bekommen. Das ist auch Urlauber Bernd Grundmann klar. «Ein bisschen weniger wäre wirklich schön, aber wie will man selektieren?», fragt sich der Hamburger. Für ihn steht schon jetzt fest: «Wenn es hier noch voller wird, werde ich mir wohl ein anderes Reiseziel suchen.»

Mi, 2015-09-02 04:15
Berlin (dpa)

Demolierte Flüchtlingsheime: Was passierte nach den Brandanschlägen?

Attacken und Brandsätze auf geplante Flüchtlingsheime sollten Migranten vor einem Einzug abhalten. Nach Umbau und Reparaturen öffenen die Gemeinden trotzdem die Türen für die Flüchtlinge - wenn auch mit kleineren Planänderungen.

Berlin (dpa) - Mit Brandanschlägen, Schmierereien und anderen Straftaten wollten Rechtsradikale verhindern, dass in leerstehenden Gebäuden Flüchtlinge einziehen. In den meisten Fällen jedoch ohne Erfolg: Die Unterkünfte wurden wieder aufgebaut, die Asylsuchenden fanden ein neues Zuhause. Vor etwaigen Brandstiftern wollen die Gemeinden nicht in die Knie gehen, zeigte eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Ländern.

Die Gemeinde WEISSACH IM TAL in Baden-Württemberg will mit dem Bau eines neuen Flüchtlingsheimes an der Stelle der abgebrannten Unterkunft ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Vermutlich würden die Grundmauern des am frühen Montagmorgen abgebrannten Gebäudes stehen bleiben, darauf könne die Unterkunft mit 20 Plätzen wieder errichtet werden. Der Bau könnte aber noch bis zum kommenden Sommer andauern. Bislang leben 35 Flüchtlinge in der Kommune, in Kürze sollen mindestens 80 hinzukommen.

Eine ehemalige Druckerei in Weissach muss hingegen mit immensen Planänderungen rechnen: Anstelle der geplanten 160 Flüchtlinge sollen nur noch die Hälfte einziehen. Weitere Asylbewerber werden dezentral in kleineren Unterkünften untergebracht. Auch über den ursprünglich geplanten Einzugstermin im November wird noch zwischen Gemeinde und Landkreis diskutiert.

Das vor wenigen Wochen in REMCHINGEN niedergebrannte geplante Flüchtlingsheim soll in den kommenden Monaten wieder aufgebaut werden. Das Gebäude sei von der Polizei inzwischen freigegeben, sagte der Ortsbaumeister der Gemeinde. Ob die Ruine abgerissen und ein komplett neues Gebäude hochgezogen werde, sei noch ungewiss. «Wir müssen uns das Haus jetzt genau ansehen und dann überlegen, wie wir vorgehen», sagte Schneider weiter. Einstweilen würden Flüchtlinge in der Kommune zum Beispiel in leeren Wohnungen untergebracht.

Mitte September sollen in eine Asylunterkunft in MEIßEN zwei Flüchtlingsfamilien einziehen. Bis dahin sollen die umfangreichen Reparaturen abgeschlossen sein, die durch einen Brandanschlag Ende Juni im noch leeren Haus entstanden waren. Dann soll auch das Haus bezogen werden. Auch im pfälzischen LIMBURGERHOF sind die ersten Flüchtlinge nach einem Brandanschlag im Mai eingezogen. Ebenso wohnen in ESCHEBURG bei Hamburg zwei Flüchtlingsfamilien mit insgesamt acht Kindern in einer Doppelhaushälfte, nachdem Anfang Februar ein Finanzbeamter einen Brandanschlag verübte.

Die Flüchtlingsunterkunft in LÜBECK, in der Unbekannte Ende Juni Feuer gelegt hatten, ist jedoch noch im Bau. Die Arbeiten sollen nach Angaben der Grundstücks-Gesellschaft erst Ende September abgeschlossen sein. Dann sollen in den aus acht Doppelhäusern bestehenden Komplex wie geplant Flüchtlinge einziehen.

In TRÖGLITZ in Sachsen-Anhalt sind bislang neun Flüchtlinge in Familien untergekommen, nachdem die geplante Unterkunft im April angezündet worden war. Mittelfristig sollen in der Gemeinde wie ursprünglich geplant 40 Flüchtlinge eine Unterkunft finden. «Da machen wir keinen Rückzieher», sagte die Sprecherin des zuständigen Burgenlandkreises. Termine und Orte stehen aber nicht fest. Was mit dem abgebrannten Gebäude passiert, ist ebenfalls unklar.

Im hessischen MENGERSKIRCHEN hatten Unbekannte Anfang Juli einen Anschlag vor dem Hauseingang einer geplanten Flüchtlingsunterkunft zwei Schweineköpfe abgelegt, rundherum Schweineschwänze und Innereien verteilt. Auf der Fassade und einem Fenster wurden drei Schriftzüge in roter Farbe entdeckt - unter anderem mit den Worten «Go home». Die Flüchtlinge kommen trotzdem: In dem Haus sollen künftig 15 Menschen eine Bleibe finden.

In LEIPZIG hatte erst in der vorigen Woche ein unbekannter Täter einen Brandsatz in ein geplantes Flüchtlingswohnhaus geworfen. Unmittelbar nach dem Anschlag hatte Leipzigs Oberbürgermeister erklärt, das Haus werde nach Ende der Reparaturen auf jeden Fall als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Im oberbayerischen REICHERTSHOFEN legen im Juli Unbekannte Feuer in den Nebengebäuden einer geplanten Asylbewerberunterkunft. Eigentlich war der 1. September der Einzugstermin geplant. Dieser Termin muss jedoch verschoben werden, ein Baustopp verzögerte die notwendigen Umbauarbeiten. Sobald diese abgeschlossen sind, sollen die Flüchtlinge in den ehemaligen Gasthof einziehen - möglicherweise schon im Laufe des Septembers.

Mi, 2015-09-02 02:00
Berlin (dpa)

Herrmann: Abschiebestopp wurde als «Freifahrtschein verstanden»

Berlin (dpa) - Der deutsche Abschiebestopp für Syrien-Flüchtlinge in EU-Ersteinreiseländer ist nach Ansicht von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) als «Freifahrtschein» verstanden worden. Die Ankündigung, dass Flüchtlinge aus Syrien nicht mehr nach der Dublin-Verordnung zurückgeführt werden, sei zwar gut gemeint gewesen, sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch). «Sie hat aber dazu geführt, dass eine große Zahl von Flüchtlingen aus Ungarn sie als Freifahrtschein verstanden hat», betonte Herrmann. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hatte vergangenen Woche bestätigt, dass Deutschland nicht mehr die Möglichkeit nutze, syrische Asylbewerber in das EU-Land zurückzuschicken, in das sie auf ihrer Flucht als erstes eingereist waren.

Ungarn, das am Montag Flüchtlinge zeitweise unkontrolliert Richtung Österreich und Deutschland hatte weiterreisen lassen, müsse geholfen werden, forderte Herrmann. Es müsse verhindert werden, dass die Ausreisewelle aus Ungarn nach Deutschland weitergehe. «Wir brauchen europäische Lösungen mit zentralen Aufnahmeeinrichtungen in Südeuropa und eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge in Europa», forderte der Politiker. Um die extrem belastete Polizei im Freistaat zu unterstützen, habe ihm Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zugesagt, «dass die Bundespolizei am Münchner Hauptbahnhof kurzfristig verstärkt wird.»

Mi, 2015-09-02 01:00
Berlin (dpa)

Länder: Bund soll Kommunen Kosten für Flüchtlinge erstatten

Berlin (dpa) - Die Länder wollen den Bund angesichts der schnell steigenden Flüchtlingszahlen stärker in die Pflicht nehmen. Die Kommunen sollten künftig vom Bund die Kosten für die Aufnahme von Flüchtlingen weitgehend erstattet bekommen, sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD), der «Rheinischen Post» (Mittwoch). «In der Erstaufnahme haben wir in Brandenburg monatlich circa 1200 Euro Kosten pro Flüchtling», sagte er. «Das sollte auch die Grundlage für die Berechnung sein, was der Bund künftig pauschal pro Flüchtling den Kommunen überweisen sollte.»

Auch die Präsidentin des Deutschen Städtetages, die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU), forderte mehr Geld vom Bund für die Unterbringung der Flüchtlinge. «Die Kommunen dürfen nicht überfordert werden. Dafür ist schnelleres Handeln von Bund und Ländern nötig», sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Wir brauchen möglichst schnell eine deutlich höhere Kostenbeteiligung des Bundes - und zwar mit zusätzlichen Mitteln in Milliardenhöhe.»

Der Innenausschuss des Bundestages berät am Mittwoch in einer Sondersitzung über den Umgang mit der rasant wachsenden Zahl an Flüchtlingen in Deutschland. Der Bund rechnet in diesem Jahr mit insgesamt rund 800 000 Asylbewerbern in Deutschland. Das wären viermal so viele wie im vergangenen Jahr.

Mi, 2015-09-02 01:45
Berlin (dpa)

SPD drückt bei Einwanderungsgesetz aufs Tempo

Berlin (dpa) - SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat eine Entscheidung über ein Einwanderungsgesetz noch in diesem Jahr gefordert. «Ich werde beim Einwanderungsgesetz nicht locker lassen», sagte er «Spiegel Online» (Mittwoch). «Wenn die Kanzlerin das nun auf die lange Bank schiebt, macht sie einen schweren Fehler.» Bis zum Jahresende solle eine Grundsatzentscheidung dazu in der Koalition erreicht werden, sagte der SPD-Politiker.

Zuvor hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel die Forderung nach einem Einwanderungsgesetz wiederholt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte jedoch, für sie sei das Einwanderungsgesetz wegen der enormen Flüchtlingszahlen derzeit keine vordringliche Aufgabe.

Oppermann sieht in einer gesetzlichen Grundlage für Einwanderung jedoch auch eine Chance, die Asylverfahren zu entlasten. «Es gibt viele politisch Verfolgte und Kriegsflüchtlinge, die nach Deutschland kommen - aber auch viele, die einfach ein besseres Leben oder Arbeit suchen.» Für diese Gruppe brauche es «ein Einwanderungsgesetz mit klaren Regeln». Oppermann sagte: «Das hätte den großen Vorteil, dass damit die Asylverfahren nicht mehr belastet würden.»

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À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Di, 2015-09-01 23:14
Basel (dpa)

Novartis und Amgen kooperieren im Bereich Neurowissenschaften

Basel (dpa) - Der schweizerische Pharmakonzern Novartis hat eine Kooperation mit dem US-Wettbewerber Amgen im Bereich der Neurowissenschaften angekündigt. Dabei geht es unter anderem um die Weiterentwicklung eines Novartis-Programms zur Behandlung von Alzheimer. Amgen leiste eine Vorauszahlung sowie weitere Zahlungen beim Erreichen bestimmter Meilensteine in einem festgelegten Zeitraum. Danach teile man sich Entwicklungskosten und Gewinne je zur Hälfte, hieß es in einer Mitteilung vom Dienstagabend.

Di, 2015-09-01 21:11
Budapest (dpa)

Tausende aufgebrachte Flüchtlinge am Budapester Ostbahnhof

Budapest (dpa) - Das Flüchtlingsdrama am Budapester Ostbahnhof geht weiter. Neben dem Bahnhof und in der angrenzenden Unterführung kampierten am Dienstagabend laut Augenzeugen mehrere tausend Flüchtlinge, die offensichtlich hauptsächlich aus dem arabischen Raum kamen. Polizisten hatten den Bahnhof am Vormittag für Flüchtlinge abgesperrt. Damit sollte verhindert werden, dass sie Züge Richtung Westeuropa besteigen. Hunderte protestierten lautstark dagegen. Am Vortag hatten Ungarns Behörden die Flüchtlinge ungehindert per Bahn nach Deutschland reisen lassen.

Polizisten ließen am Dienstag an den drei Eingängen Reisende nur gegen Vorlage eines Personalausweises passieren. Die Hilfsorganisation Migration Aid rief die Ungarn auf, vor allem Lebensmittel, Matratzen und Decken für die Menschen zu spenden, die wohl die Nacht auf dem blanken Boden verbringen müssen. Unbestätigten Medienberichten zufolge planten die ungarischen Behörden, die Flüchtlinge mit Bussen vom Bahnhof wegzubringen.

Di, 2015-09-01 21:31
München/Budapest (dpa)

Neue Flüchtlingszüge nach Bayern - Dramatische Lage bei Griechen

Zu Tausenden strömen Flüchtlinge nach Deutschland - trotz neuer Erschwernisse für sie in Ungarn. Und in Griechenland treffen immer neue Migranten ein, die über die Balkanroute in den Westen wollen.

München/Budapest (dpa) - Trotz vorübergehender Totalsperrung des größten Bahnhofs in Budapest hat sich in Deutschland die Lage im Flüchtlingsdrama nur leicht entspannt. In Bayern kamen am Dienstag weitere 2500 Migranten an. Insgesamt waren es seit Wochenbeginn fast 4300 Menschen. Zigtausende weitere Flüchtlinge warten in Ungarn und auf dem Balkan auf eine Möglichkeit zur Weiterreise in den Westen. Dramatisch bleibt die Lage in Griechenland, wo immer neue Migranten mit Booten aus der Türkei eintreffen.

In Budapest wurde der Ostbahnhof am Vormittag für zwei Stunden total gesperrt. Die Behörden forderten Reisende und Flüchtlinge auf, das Gelände zu verlassen. Damit sollte verhindert werden, dass Migranten Züge Richtung Österreich und Deutschland besteigen. Hunderte protestierten lautstark dagegen. Später ließen Polizisten an den drei Eingängen Reisende nur gegen Vorlage eines Personalausweises passieren. Neben dem Bahnhof und in der angrenzenden Unterführung kampierten am Abend mehrere tausend Flüchtlinge.

Die Hilfsorganisation Migration Aid rief die Ungarn auf, vor allem Lebensmittel, Matratzen und Decken für die Menschen zu spenden. Unbestätigten Medienberichten zufolge sollten die Flüchtlinge mit Bussen vom Bahnhof weggebracht werden. Am Vortag hatten die Behörden die Flüchtlinge ungehindert per Bahn nach Deutschland reisen lassen. Allein von Salzburg aus fuhren am Morgen noch bis zu 2000 Migranten in Zügen weiter nach Deutschland.

Dramatisch ist die Lage auch in Griechenland: Nach vorläufigen Daten der EU-Grenzschutzagentur Frontex trafen dort allein vergangene Woche mehr als 23 000 Bootsflüchtlinge ein. Auf der Ostägäisinsel Lesbos harren seit Tagen mehr als 15 000 Flüchtlinge aus - und jeden Tag kommen Hunderte hinzu. An der ungarisch-serbischen Grenze wiederum kamen laut Frontex in der Vorwoche rund 9400 Flüchtlinge an.

Der ungarische Botschafter in Deutschland, Jozsef Czukor, wies die Kritik am Grenzzaun zwischen Serbien und Ungarn zurück. «Mit der Grenzbarriere hält sich Ungarn an EU-Regeln zum Umgang mit Asylbewerbern und Flüchtlingen», sagte er hr-Info. «Der Zaun ist errichtet worden, damit wir einen geregelten Grenzverkehr organisieren können.» Vor 26 Jahren noch war Ungarns damaliger Außenminister Gyula Horn gefeiert worden, als er symbolisch den Grenzzaun zwischen dem Ostblock und dem Westen zerschnitt. Erst vor wenigen Tagen hat Ungarn einen mit Nato-Stacheldraht verstärkten Grenzzaun zu Serbien errichtet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte die EU-Kommission zum Handeln auf: Europa brauche eine gemeinsame Asylpolitik - mit Registrierungszentren für Flüchtlinge in Griechenland und Italien, einer einheitlichen Einstufung sicherer Herkunftsländer und fairen Verteilung von Asylbewerbern auf alle 28 EU-Mitgliedstaaten. Nach der Dublin-Verordnung ist eigentlich derjenige Mitgliedstaat für das Verfahren eines Asylbewerbers zuständig, in dem dieser erstmals europäischen Boden betreten hat.

Die EU-Kommission drohte unterdessen Mitgliedstaaten neue Strafverfahren wegen Verstößen gegen gemeinsame Asylregeln an. Nach Angaben einer Sprecherin wies EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker seine Behörde an, entsprechende Briefe zu verschicken. Es gehe unter anderem um die Einhaltung der Richtlinien zu Aufnahmebedingungen.

Der Innenausschuss des Bundestages berät am Mittwoch in einer Sondersitzung über den Umgang mit der rasant wachsenden Zahl an Flüchtlingen in Deutschland. Der Bund rechnet in diesem Jahr mit insgesamt rund 800 000 Asylbewerbern in Deutschland.

Ein Großteil der Migranten kommt aus den Kriegsgebieten Syriens und des Nordiraks sowie aus Diktaturen wie Eritrea. Rund 40 Prozent stammen aber vom Balkan und haben wenig Chancen auf ein Bleiberecht in der EU. Speziell für sie eröffnete Bayern am Dienstag das bundesweit erste Aufnahmezentrum für Balkan-Flüchtlinge in einer ehemaligen Kaserne am Rande von Manching bei Ingolstadt.

Mit der zunehmenden Zahl an Flüchtlingen in Deutschland erhöhen sich auch die staatlichen Ausgaben. Für Lebensunterhalt, Spracherwerb und Qualifizierung von Flüchtlingen hält Bundessozialministerin Andrea Nahles im kommenden Jahr 1,8 bis 3,3 Milliarden Euro zusätzlich für nötig. Diese Kosten würden auf rund 7 Milliarden Euro im Jahr 2019 steigen, sagte die SPD-Politikerin in Berlin.

In Dänemark bekommen Flüchtlinge seit Dienstag deutlich weniger Geld zum Leben. Alleinstehenden anerkannten Flüchtlingen steht danach beispielsweise mit rund 6000 Kronen (etwa 800 Euro) im Monat nur noch knapp die Hälfte dessen zu, was sie bislang erhalten haben. Dänemark will durch die Maßnahmen weniger attraktiv für Asylbewerber werden.

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

Keine Anzeige!

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU. 
Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen. 

ERPRESSO
Die Leere des Portemonnaies
 

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Schaurige Leistung.
Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten.

Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich.

VW. Das Böse.
 

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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