Aktuell

umweltschutz / 12.Feb 2016

Fasten für eine bessere Welt

Das vorösterliche Fasten ist ein wenig aus der Mode gekommen. Doch nun erfinden viele Menschen es neu: Warum nicht die vierzig Tage dazu nutzen, einen umweltfreundlicheren Lebensstil auszuprobieren? Wir haben vier Anregungen zusammengestellt.​

Nachrichten-
archiv

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Sa, 2016-02-13 13:43
München (dpa)

Lawrow zweifelt an Erfolg der Münchner Syrien-Vereinbarung

München (dpa) - Nach US-Außenminister John Kerry hat auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow vor einem Scheitern der Münchner Vereinbarung für eine Waffenruhe in Syrien gewarnt. Er habe langsam Zweifel und sei sich nicht mehr ganz sicher, ob das Münchner Treffen der sogenannten Syrien-Unterstützergruppe so erfolgreich gewesen sei, sagte Lawrow am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Er stellte infrage, ob die Amerikaner wirklich zu weiteren Schritten bereit seien. «Offensichtlich geht es vor allem darum, die Angriffe der russischen Luftwaffe zu beenden.» Nötig sei aber eine enge militärische Kooperation zwischen USA und Russland.

Konferenzchef Wolfgang Ischinger fragte Lawrow und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, wie hoch sie auf einer Skala von 1 bis 100 die Chance einschätzten, dass es wirklich zu einer Feuerpause komme. Steinmeier sagte «51», Lawrow antwortete nach seiner ausführlicheren Argumentation mit «49». Darauf entgegnete der britische Außenminister Philip Hammond, der ebenfalls neben Lawrow auf dem Podium saß, für ihn hätten sich Lawrows Worte angehört wie «irgendwo nahe null».

Sa, 2016-02-13 13:14
München (dpa)

Steinmeier: Medwedews Äußerung zu Kaltem Krieg wird missverstanden

München (dpa) - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hält die Auseinandersetzungen des Westens mit Russland nicht für einen neuen Kalten Krieg. Manche Medien hätten die Aussage des russischen Ministerpräsident Dmitri Medwedew über einen «neuen kalten Krieg» missverstanden. «Ich habe ihn so verstanden: Wir müssen eine Situation vermeiden, die in einen Kalten Krieg führt», sagte Steinmeier am Samstag bei der Sicherheitskonferenz in München. Der russische Ministerpräsident hatte jedoch zu Beginn seiner Rede gesagt: «Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht.» Später warb er aber für eine Wiederannäherung zwischen Russland und dem Westen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte kurze Zeit später allerdings auch, in einigen Regionen sei die Zusammenarbeit mit dem Westen noch so wie zu Zeiten des Kalten Krieges. «Die alten Instinkte scheinen also immer noch da zu sein.»

Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite kommentierte die Diskussion wie folgt: «Wahrscheinlich stehen wir sogar vor einem heißen Krieg.» Mit Blick auf die militärischen Aktionen Russlands in der Ukraine und Syrien fügte sie hinzu: «Das ist alles andere als kalt - das ist jetzt schon heiß.»

Sa, 2016-02-13 13:55
dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Burundi organisiert Protestmarsch gegen Nachbar Ruanda

Bujumbura (dpa)- Die Spannungen zwischen den ostafrikanischen Nachbarstaaten Burundi und Ruanda haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Tausende folgten am Samstag in Burundis Hauptstadt Bujumbura dem Aufruf der Regierung, gegen die «destabilisierende Einmischung» Ruandas zu demonstrieren, wie Augenzeugen berichteten. Die Regierung von Präsident Pierre Nkurunziza wirft dem ruandischen Präsidenten Paul Kagame vor, Rebellen zu unterstützen, die Burundis Regierung stürzen wollen. 

Erst am Freitag hatte Ruanda angekündigt, die mehr als 70 000 burundischen Flüchtlinge im Land in andere Staaten abschieben zu wollen. Burundi vermutet, dass Flüchtlinge in Ruanda militärisches Training erhalten. Ruanda bestreitet dies. 

Die Krise in Burundi wurde vergangenen April von Präsident Pierre Nkurunzizas Ankündigung ausgelöst, für eine dritte Amtsperiode zu kandidieren. Fast eine Viertelmillion Menschen sind seither aus Burundi geflohen, die meisten nach Tansania. Ein Bürgerkrieg mit rund 300 000 Toten war in Burundi erst 2005 zu Ende gegangen. 

Sa, 2016-02-13 13:48
Neu-Anspach (dpa)

Politiker unterstützen freien Eintritt für Flüchtlinge im Hessenpark

Neu-Anspach (dpa) - Trotz massiver Anfeindungen unterstützen alle Fraktionen im hessischen Landtag die Entscheidung des Freilichtmuseums Hessenpark, Flüchtlingen freien Eintritt zu gewähren. «Es ist ein Beitrag zur Integration», sagte Aufsichtsratschefin und Finanzstaatssekretärin Bernadette Weyland (CDU) am Samstag in dem Museum in Neu-Anspach im Hochtaunuskreis. Auch Vertreter von SPD, Grünen, FDP und Linken waren gekommen, um Flagge gegen die Anfeindungen zu zeigen, mit denen die Mitarbeiter des Hessenparks seit vergangenem Sonntag zu kämpfen haben. Die Regelung, begleiteten Flüchtlingsgruppen kostenfreien Eintritt zu gewähren, gibt es allerdings schon seit fünf Monaten.

Im Internet wurde unter anderem mit dem Kommentar «Diskriminierung gegen uns Deutsche» ein Foto der Preisliste des Hessenparks veröffentlicht und zu Kommentaren aufgefordert. «Wir haben auch sehr heftige Mails und Beschimpfungen am Telefon erhalten», sagte eine Mitarbeiterin des Freilichtmuseums. Die schlimmsten Kommentare seien an die Polizei weitergeleitet worden. Diese ermittle wegen Beleidigung und Volksverhetzung. Doch es habe auch viele positive Zuschriften gegeben.

Sa, 2016-02-13 13:24
Berlin (dpa)

Umweltbundesamt: Voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts angeben

Berlin (dpa) - Elektrogeräte sollten nach Ansicht des Umweltbundesamts mit ihrer erwartbaren Funktionsdauer gekennzeichnet werden. «Konzerne sollten, soweit möglich, die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts angeben», sagte Behördenchefin Maria Krautzberger «Spiegel-Online». «Und zwar am besten in Nutzungsstunden, nicht in Jahren.»

Das Portal berichtete zudem über eine Studie des Ökoinstituts und der Universität Bonn im Auftrag des Umweltbundesamts zu dem Thema: Die Forscher empfehlen darin politische Vorgaben, wie lange Produkte mindestens fehlerfrei funktionieren müssen. Nötig seien zudem Mindestanforderungen, um Qualität und Haltbarkeit von kritischen Bauteilen und Komponenten zu messen.

Auch müssten die Hersteller für eine leichtere Reparierbarkeit sorgen. Akkus von Smartphones oder Notebooks sollten leicht durch den Nutzer selbst oder kostengünstig über einen Fachbetrieb ausgewechselt oder repariert werden können. «Nichts spricht für fest verbaute Akkus», wird Siddharth Prakash, einer der Studienautoren zitiert.

Nach Angaben des Ökoinstituts wurden in Deutschland 2014 mehr als 24 Millionen Smartphones, sieben Millionen Tablets und acht Millionen Fernseher verkauft.

Im Dezember hatte eine Untersuchung des Umweltbundesamtes ergeben, dass Haushaltsgeräte schneller kaputtgehen. Zum anderen tendieren demnach aber auch immer mehr Menschen dazu, ein noch funktionstüchtiges Gerät wegzuwerfen, um sich ein moderneres Modell zuzulegen.

Sa, 2016-02-13 12:10
Münster (dpa)

Anklage gegen Brüterei in Münster: massenhaftes Töten von Küken

Münster (dpa) - Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen eine Brüterei im münsterländischen Senden wegen der massenhaften Vernichtung männlicher Eintagsküken erhoben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Münster bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des «Spiegel». Laut dem Nachrichtenmagazin ist es das erste Mal, dass in einem solchen Fall Anklage erhoben wird. Bundesweit würden jährlich 50 Millionen männliche Küken «bei lebendigem Leib vergast oder geschreddert», schreibt die Tierschutzorganisation Peta.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte auf Anfrage, man habe Anklage beim Landgericht erhoben und strebe gegebenenfalls eine höchstrichterliche Rechtsprechung an. Denn es handele sich um ein bundesweites Problem. Nach Angaben des «Spiegel» hatte die Organisation Peta 2013 Strafanzeige gegen die Brüterei erstattet. Das Unternehmen habe sich nicht äußern wollen. Das massenhafte Küken-Töten sei «der überwiegenden Auffassung zufolge nach dem Tierschutzgesetz verboten». Die Praxis werde aber von Behörden und Landwirtschaftsministerium bisher geduldet.

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Sa, 2016-02-13 12:07
Berlin (dpa)

Schröder bleibt dabei: Sanktionen gegen Russland abbauen

Berlin (dpa) - Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat ungeachtet der Kritik des Westens an Moskau erneut einen schrittweisen Abbau der Wirtschaftsstrafen gegen Russland gefordert. «Die Sanktionen schaden beiden Seiten», sagte Schröder den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Die Strafen seien ein Hindernis bei der Konfliktlösung. Das umstrittene Vorgehen der Russen in Syrien sei für ihn kein Grund, von seiner Forderung abzugehen. Die Frage der wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen dürfe nicht mit der russischen Politik in Syrien verquickt werden.

Auch der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew hatte am Rande der Sicherheitskonferenz in München die Sanktionen kritisiert. Seit Beginn der Ukraine-Krise ist der deutsch-russische Handel um ein Drittel eingebrochen.

Schröder wies zudem die Kritik am Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) Anfang Februar bei Russlands Präsident Wladimir Putin zurück. «Gerade in Krisensituationen muss man miteinander reden.» Seehofers Reise sei im deutschen Interesse gewesen. Seehofer hatte anlässlich seines Gesprächs mit Putin für ein Ende der Sanktionen «in überschaubarer Zeit» geworben.

Sa, 2016-02-13 12:40
Berlin (dpa)

Bis Altschulden-Lösung keine Exportkredit-Garantien für Iran

Berlin (dpa) - Exportgeschäfte deutscher Firmen mit Iran können vorerst nicht mit staatlichen Hermes-Deckungen abgesichert werden. Grund dafür sind Altschulden iranischer Firmen, bestätigte das Bundeswirtschaftsministerium am Samstag einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Derzeit verhandelten Berlin und Teheran darüber, wie die Rückzahlung dieser Verbindlichkeiten geregelt werden kann. «Wir sind zuversichtlich, dass die Gespräche in Kürze abgeschlossen werden können», sagte eine Sprecherin.

«Sobald der Iran seine Altschulden beglichen hat, können Geschäfte, für die zuverlässige Zahlungswege zur Verfügung stehen, grundsätzlich wieder mit Hermesdeckungen abgesichert werden», hieß es. Exporteure könnten bereits jetzt Anträge auf Kreditgarantien stellen: «Wir sind zuversichtlich, dass die noch ungeklärten Fragen innerhalb des regulären Prüfzeitraums geklärt werden können, so dass für Unternehmen keine Verzögerung entstehen dürfte.»

Nach Informationen des «Spiegel» stehen iranische Firmen mit rund einer halben Milliarde Euro beim deutschen Staat in der Kreide. Nach der weitgehenden Aufhebung der Sanktionen hoffen deutsche Firmen auf Großaufträge aus Iran. Nachdem die Internationale Atomenergiebehörde Mitte Januar festgestellt hatte, dass der Iran die Auflagen des Atomabkommens erfüllt hat, setzte die EU die verhängten Wirtschafts- und Finanzsanktionen außer Kraft.

Damit ist auch das EU-Verbot staatlicher Exportkreditdeckungen entfallen. Ob Deckungen für Iran-Geschäfte übernommen werden können, hängt laut Wirtschaftsministerium aber auch von anderen Faktoren wie einer Verständigung über die iranischen Altschulden ab.

Sa, 2016-02-13 12:21
Magdeburg (dpa)

Merkel wirbt für Asylpolitik bei Wahlkampf-Auftakt in Magdeburg

Magdeburg (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Flüchtlingspolitik beim Wahlkampfauftakt der CDU in Sachsen-Anhalt auch gegen Kritik in den eigenen Reihen verteidigt. «Schritt für Schritt kommen wir voran», sagte die CDU-Parteivorsitzende am Samstag in Magdeburg zum Kampf gegen Schleuserbanden in der Ägäis. Wenn illegale Migration gestoppt werde, sei Deutschland weiterhin bereit, Kontingente von Flüchtlingen aufzunehmen.

Die Kanzlerin betonte, dass die meisten Flüchtlinge nicht aus wirtschaftlichen Gründen kämen. Wer keinen Schutz benötige, müsse das Land aber wieder verlassen.

Mit rund 1000 Anhängern hatte die CDU in einem Magdeburger Hotel ihren Wahlkampf offiziell eingeläutet. In Sachsen-Anhalt wird am 13. März gewählt. Derzeit regiert eine Koalition aus CDU und SPD unter Führung von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Geht doch!

Richter als Klimaschützer

Ein Gericht in Den Haag hat die Regierung zu mehr Klimaschutz verdonnert.

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Dass die Niederlande ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 – statt wie geplant um 17 – Prozent drosseln müssen, hat nicht die Regierung angeordnet, sondern das Verwaltungsgericht in Den Haag. Dieses Urteil feierten Umweltschützer im vergangenen Sommer – in der Hoffnung, „dass es weltweit Nachahmer findet“, so Wendel Trio vom „Climate Action Network“. Laut der Hamburger Umweltanwältin Roda Verheyen verklagen bereits Bürger in zehn Ländern ihre Regierungen auf besseren Schutz vor den Folgen des Klimawandels. Solche Prozesse laufen etwa in Belgien, Norwegen, Tschechien, Schweden und in einigen US-Bundesstaaten. Auf den Philippinen sitzen klimaschädigende Konzerne auf der Anklagebank. Ebenso in Deutschland: Ein peruanischer Kleinbauer macht den Essener Energiekonzern RWE für die Gletscherschmelze verantwortlich. Überlaufende Seen könnten sein Dorf verwüsten. Auch die deutsche Regierung könnte die richterliche Gewalt bald zu spüren bekommen: „Sobald absehbar ist, dass die Einhaltung des im Abkommen von Paris vereinbarten Temperaturziels von weniger als zwei Grad Erwärmung gefährdet ist, wird es auch vor deutschen Gerichten Klimaschutzklagen geben“, ist sich Roda Verheyen sicher.

Baden-Württemberg: Axt und Säge sind tabu
Zehn Prozent des staatlichen Waldes sollen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 sich selbst überlassen bleiben. Auf 33.000 Hektar Fläche – doppelt so viel wie bisher – sind Eingriffe untersagt. Damit steht der Südwesten bundesweit an der Spitze: Das selbstgesetzte Minimalziel der Bundesregierung, bis 2020 fünf Prozent der deutschen Wälder natürlich zu belassen, ist nicht einmal zur Hälfte erreicht. Ziel sei es, so der Freiburger Forstpräsident Meinrad Joos, die seit Jahren abnehmende Vielfalt von Pflanzen und Tieren wieder zu steigern.

Italien: Bonus fürs Straßenfegen
Gelungener Tauschhandel in Krisenzeiten: Die kleine toskanische Gemeinde
Massarosa erlässt Bewohnern einen Teil der Müllsteuer, wenn sie Straßen fegen, Klassenzimmer streichen oder Parks säubern. Jeder, der mitmacht, bekommt einen Vertrag und wird versichert. Das Dorf spart Geld, die Helfer freuen sich über den Steuererlass, das Projekt fördert die Gemeinschaft und der Ort gewinnt an Lebensqualität. Bleibt zu hoffen, dass die Idee lokale Handwerksbetriebe nicht gefährdet.

Brüssel: Bodenlos bezahlbar
Die Brüsseler „Community Land Trust BXL“, eine Art Fonds für Gemeinschaftsland, kauft Grundstücke und baut darauf Häuser, die sich auch Menschen mit niedrigen Einkommen leisten können. Der Trick dabei: Erworben werden die Häuser, aber nicht der Boden, der bleibt im Besitz des gemeinnützigen Vereins. Außerdem unterbindet dieses Modellprojekt Spekulationen: Im Fall eines Weiterverkaufs geht der Gewinn an den Fonds.

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Geht doch!

Krisensichere Insel


Die isländische Regierung will Banken in Zukunft verbieten, mit Krediten Geld aus dem Nichts zu schaffen

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Nach dem Finanzcrash 2008 wagt die isländische Regierung, was sich noch kein Land traute: Geschäftsbanken sollen künftig kein Geld mehr schöpfen dürfen. Bislang können Banken sozusagen aus dem Nichts die Geldmenge erhöhen, indem sie Kredite vergeben, die nicht durch reale Spareinlagen gedeckt sind. Damit soll Schluss sein. Der Reformvorschlag sieht vor, allein die Zentralbank mit der Aufgabe zu betrauen, die Geldmenge zu erhöhen. Auf diese Weise wollen die Isländer Spekulationen, Überschuldung, Blasen und Zusammenbrüchen vorbeugen. „Die Krise war ein Weckruf. Ich will die Probleme im Bankensystem an der Wurzel packen“, sagt Frosti Sugurjonsson, Vorsitzender des isländischen Parlamentsausschusses für Finanzen und Wirtschaft. Während sämtliche Banken gegen diesen Plan Sturm laufen, weil sie an den Kreditzinsen verdienen, kommt die Idee bei Geldreform-Befürwortern gut an. Im Finanzparadies Schweiz läuft derzeit eine Volksinitiative, die ein sogenanntes Vollgeldsystem nach isländischem Vorbild einführen will. Bis Anfang Dezember werden 105.000 Unterschriften benötigt, die Chancen stehen gut. Danach steht das Modell zur Abstimmung.
Vollgeld-initiative.ch

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Großbritannien: Schlafende Konten
Mehr als eine halbe Milliarde Euro liegen in Großbritannien auf verwaisten Konten von mutmaßlich verstorbenen Besitzern. Nach und nach kommt dieses Geld sozialen Projekten zugute. Dieser „Bankraub“ ist ganz legal: Ein Gesetz aus dem Jahr 2008 erlaubt es, Vermögen von Konten, die seit 15 Jahren unberührt geblieben sind, für wohltätige Zwecke einzusetzen. Wie viel Geld auf deutschen Konten ruht, ist nicht bekannt.

Kalifornien: Solaranlage
Bis Ende 2016 will der US-Bundesstaat Kalifornien 1600 Haushalte, die sich diese Investition sonst nicht leisten könnten, mit kostenlosen Solaranlagen ausstatten. Das Programm soll 14,7 Millionen Dollar kosten, das Geld stammt aus den staatlichen Einnahmen des Emissionshandels. Damit will der dürregeplagte Bundesstaat einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und die Energiekosten für arme Familien reduzieren.

USA: Wer verdient wie viel?
Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen in den USA die Gehaltskluft zwischen Vorstandschefs und Angestellten veröffentlichen. Eine Studie der Harvard Business School belegt, dass ein hohes Einkommensgefälle dem Unternehmen schadet: Erfahren Kunden von einem eklatanten Missverhältnis, bevorzugen sie sogar teurere Konkurrenzprodukte. Ein Konzernchef solle höchstens 6,3-mal so viel wie ein Mitarbeiter erhalten, wünschen sich die Deutschen. Laut OECD liegt der Faktor hierzulande derzeit im Schnitt bei 147.

Geht doch!

Es muss nicht immer das Auto sein


Ein innovatives Mobilitätskonzept für Helsinki soll Mensch und Umwelt zugute kommen.

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Finnlands Hauptstadt will die Blechlawinen eindämmen. Aber nicht mit Verboten, sondern mit einer attraktiven Mobilitäts-App: Mit einem Klick verrät diese das optimale Verkehrsmittel für die jeweilige Route. Die Kunden können flexibel Carsharing, Leihräder, Busse, Bahnen oder auch Kleinbusse nutzen. Diese holen Passagiere nach Bedarf ab und bieten Gratis-Wi-Fi. Bezahlt werden muss nicht jeder Fahrschein einzeln, das System rechnet die Fahrten zentral ab. Bis 2025 will die Stadtverwaltung Helsinkis das innovative Konzept einführen und dadurch den öffentlichen Nahverkehr so einfach und günstig machen, dass private Autos überflüssig werden. Stadtentwickler und Verkehrsplaner schwärmen schon heute von den neuen Perspektiven für die Bewohner: Aus Parkplätzen werden Radwege, Alleen oder Fußgängerzonen und aus Parkhäusern Wohnraum. Die kommunale Verkehrsexpertin Sonja Heikkilä ist überzeugt, dass sich diese Vision realisieren lässt, zumal die junge Generation Autos nicht mehr als Statussymbol betrachte. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: An Konzernen wie Google führt bei dieser Mobilitätsnutzung kein Weg vorbei. Der Fahrgast wird gläsern.
hsl.fi/en/strategy

 

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Hamburg/Dortmund: Draht nach Hause
Angeblich um eine illegale Nutzung zu verhindern, stellen die Behörden in Flüchtlingsheimen oft keinen Internetzugang bereit. Private Initiativen wie die Freifunker wollen das ändern: Sie stellen WLAN-Router zur Verfügung und ermöglichen Hunderten von Flüchtlingen, mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben, online Deutsch zu lernen oder sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.
freifunk.net

USA: Ölfressende Pflanzen
Biologisch abbaubare Substanzen sollen in Zukunft Ölteppiche beseitigen. Aus Pflanzen entwickelten US-Wissenschaftler einen als Phytol bezeichneten Alkohol, der den Ölfilm zusammendrängt. Die organischen Moleküle werden im Wasser gespalten und abgebaut. Aufgelegt wurde das Forschungsprogramm nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Finanziert hat es ausgerechnet der Mineralölkonzern BP.

Kopenhagen: Reste à la carte
Im dänischen Restaurant „Rub & Stub“ kommt seit Herbst 2014 auf den Tisch, was sonst im Müll gelandet wäre. Das nachhaltige Konzept kommt gut an – die Gäste stehen Schlange und sind gespannt darauf, welches Menü die Küchencrew aus den gelieferten Zutaten zaubert. In Amsterdam und Berlin macht das Experiment Schule. „Restlos glücklich“ heißt der deutsche Ableger. Das deutsche Start-up rief Mitte August eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben. Die Macher wollen nicht nur Lebensmittel retten, sondern auch ihre Gäste zum Nachdenken über ihren Umgang mit Nahrungsmitteln anregen.

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Sa, 2016-02-13 12:26
München (dpa)

US-Außenminister warnt vor Scheitern der Syrien-Vereinbarung

München (dpa) - US-Außenminister John Kerry hat vor einem Scheitern der Münchner Vereinbarung für eine Waffenruhe in Syrien gewarnt. «Die Entscheidungen, die in den kommenden Tagen, Wochen und wenigen Monaten getroffen werden, könnten den Krieg in Syrien beenden», sagte er am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. «Oder sie können dazu führen, dass wir in Zukunft mit anderen sehr schwierigen Optionen konfrontiert werden.» Ob er damit die mögliche Einrichtung von Flugverbotszonen oder den Einsatz von Bodentruppen in Syrien meint, sagte er nicht. «Wir sind an einem Scheidepunkt», unterstrich Kerry lediglich.

Der US-Außenminister forderte Russland auf, die Luftangriffe in Syrien auf Terrorgruppen zu beschränken. Die große Mehrheit der russischen Angriffe habe bislang auf legitime Oppositionsgruppen abgezielt, sagte er. Russland unterstützt Syriens Machthaber Baschar al-Assad.

Sa, 2016-02-13 12:18
München (dpa)

Kerry lobt Merkels Mut in der Flüchtlingskrise

München (dpa) - US-Außenminister John Kerry hat die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel gelobt. «Kanzlerin Merkel und andere Führungspersönlichkeiten haben bemerkenswerten Mut bewiesen», sagte er am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Die Folgen des Bürgerkriegs in Syrien bezeichnete er als schlimmste humanitäre Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit der Flucht hundertausender Menschen habe die Krise weit über den Nahen und Mittleren Osten hinaus Auswirkungen.

Sa, 2016-02-13 11:11
Washington (dpa)

US-Virologe: Test von Zika-Impfstoff wird schon 2016 starten

Washington (dpa) - Wissenschaftler werden nach Einschätzung eines US-Experten noch in diesem Jahr einen Impfstoff gegen das Zika-Virus testen. «Wir werden zum Ende des Sommers einen Impfstoff-Kandidaten haben und der wird noch in diesem Jahr bereit für erste Tests sein», sagte der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID), Anthony Fauci, am Freitag (Ortszeit) bei der Wissenschaftskonferenz AAAS in Washington. «Aber wann und ob dieser Impfstoff dann als sicher erklärt werden kann, das können wir natürlich nicht sagen.» 

In der Pharmaindustrie gebe es außergewöhnlich großes Interesse, sagte Fauci. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuvor Hoffnungen auf eine rasche Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen das Zika-Virus gedämpft. Experten hätten das Virus im Vorfeld unterschätzt, gestand WHO-Strategiechef Christopher Dye ein. «Wir hatten eine Liste mit acht potenziellen Virus-Gefahren, und Zika stand nicht darauf.»

Zika ist bereits in über 30 Ländern aufgetaucht, am stärksten ist Brasilien betroffen. Das Virus steht im Verdacht, bei Schwangeren im Falle einer Infektion Schädelfehlbildungen ihrer Babys zu bewirken. Einen Beweis dafür gibt es aber bislang nicht.

À la Saison

Geselliger Grünkohl

(Brassica oleracea var. sabellica)

„Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, sagen die Oldenburger. Mag sein. Fakt ist: Wer Hipster werden will, muss Grünkohl sogar lieben. Ode an das gesündeste Gemüse der Welt.

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„Ich werd’s ja essen“, mäkelte Theodor Heuss anno 1952 erstaunlich undiplomatisch. „Aber sagt mir um Gottes willen, wie seid ihr Bremer darauf gekommen!“ Der Bundespräsident, im grünkohlfreien Süddeutschland aufgewachsen, starrte glasig auf die wurstbedeckten Gipfel des Matschgebirges, das ihm zur „Schaffermahlzeit“ im Bremer Rathaus serviert worden war. Doch der Verzehr des schwer verdaulichen Traditionsgerichts war keine Frage des Appetits, sondern der Staatsräson. Schließlich steckten die Hungerwinter der jungen Bundesrepublik noch in den Knochen und Heuss wollte der  Präsident aller Deutschen sein.

Ausgerechnet er verhalf dem Grünkohl aus Versehen zum nationalen Durchbruch: Als der Oldenburger Oberstadtdirektor den Präsidenten 1956 zum „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ einlud, antwortete Heuss: „Lassen Sie sich etwas echt Oldenburgisches einfallen und kommen Sie damit nach Bonn. Dann mache ich auch mit.“ Leider nahmen die Oldenburger das wörtlich. Bis heute karren sie jeden Winter 150 Kilogramm vorgekochten Grünkohl in die Hauptstadt, die inzwischen Berlin heißt. Längst ist das Gröönkohl-Äten ein Fixstern am Politfirmament. „Wer Bundespräsident werden will, muss Grünkohl mögen“, behaupten die Niedersachsen. Aber wie um Gottes Willen sind die Fischköpp darauf gekommen?

Man weiß es nicht. Was die Herkunft des Kreuzblütlers betrifft, weist allerdings der Kosename Palme des Nordens, der auf seine Wuchsform (Ein Kohl ohne Kopf!) anspielt, die richtige Himmelsrichtung. Stammt doch der grüne – wie alle Kohlarten – vom Meerkohl ab, der zuerst im Mittelmeerraum kultiviert wurde. Etwa 400 Jahre vor Christus wurde ein krauser Blattkohl beschrieben, den die Römer später Sabellinischen Kohl nannten. Er könnte der Vorläufer des heutigen Grünkohls sein. Seine Wohlfühltemperatur hat er zweifellos nördlich der Alpen gefunden. Denn um sein erdig-süßes Aroma zu entfalten, braucht er es fußkalt. Der erste Bodenfrost der Novembernächte verwandelt die bitterstoffhaltige Stärke der Grünkohlblätter in herbe Süße und erhöht ihren Zuckergehalt um fast das Doppelte.

Für viele norddeutsche Menschen ist es dann an der Zeit, sich auf „Kohlfahrt“ zu begeben. Mit Bollerwagen ziehen sie über Land, während sie „Boßeln“ oder „Kloatscheeten“ spielen – was Ortsfremde am ehesten an Boccia erinnern dürfte. Kohldampf und Nieselregen treiben die Gesellschaft schließlich in einen Gasthof, wo sie nach Speis und Trank ihren Kohlkönig kürt. Grünkohl ist hier viel mehr als ein Gemüse, er gehört zur Identität ganzer Landstriche. Vielleicht ist es Dankbarkeit. War die winterhärteste Kohlart doch in den Jahrhunderten ohne Südfrüchte der wichtigste Lieferant von Kalzium, Eisen, Folsäure, Magnesium und fast sämtlicher Vitamine. Grünkohl hilft, den Körper zu entgiften, stärkt Lungen, Kreislauf und Immunabwehr – selbst wenn Hafergrützwurst („Pinkel“) und Speck die Bilanz verfetten.

Als gesündestes Gemüse der Welt wird er neuerdings in den USA gefeiert. New Yorker trinken ihren kale zum Smoothie zermalmt oder löffeln ihn aus Gläschen. Auch Salate und Chips zaubern sie aus frischem Grünkohl. Stars wie Gwyneth Paltrow schwören natürlich drauf. Und schon schwappt der Trend zurück, steht auch in Hamburger Supermärkten hochpreisiger Grünkohl-Schnickschnack. Vielleicht wird das Ex-Landei ja im flüssigen Aggregatzustand Süddeutschland erobern? In der Schweiz jedenfalls ist es unter dem malerischen Namen „Federkohl“ bereits schick. Weitere Karriereaussichten beschrieb Helmut Schmidt 1974 anlässlich seiner Wahl zum Oldenburger Grünkohlkönig wie folgt: „Mit Grünkohl ist es wie mit manchem Jungpolitiker in Parlamenten. Sobald er drin ist, bläht er sich auf.“ Ausprobieren? Noch ist „Gröönkohltiet“. Sie endet am Gründonnerstag.

Frisch vom Feld gibt's Grünkohl ab Dezember.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Keltischer Kürbis

(Cucurbita)
Pink ist zwar nicht das neue Schwarz, aber der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Das und warum es sachlich unrichtig ist, den Dicken als „Halloween-Gemüse“ zu bezeichnen, erfahren Sie hier

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Der Kürbis ist die neue Rübe. Im Ernst. Anders als „Pink ist das neue Schwarz“, „Analog ist das neue Bio“ und „Schwul ist das neue Hetero“ enthält dieser Satz Sinn. Jahrhunderte bevor am Abend vor Allerheiligen (All Hallows’ Eve, kurz: Halloween) falsche Sensenmännlein und Frankensteinchen umherspukten, geisterte der Sage nach ein Untoter namens Jack Oldfield durch Irland. Er fand keine Ruhe, weil er zu Lebzeiten selbst dem Teufel zu arg mitge-spielt hatte. Am Höllentor abgewiesen, wusste Jack nicht, wohin. Da schenkte Satan ihm etwas Glut aus dem Fegefeuer. Jack steckte sie in eine Rübe, die er als Wegzehrung bei sich trug, und fertig war die Halloweenlaterne. Fortan stand sie im Ruf, den Teufel fernzuhalten.

Wie dieser keltisch-katholische Brauch auf den Kürbis gekommen ist? Nun, richtig praktisch waren die Rüben vermutlich nie. Man bedenke die filigrane Schnitzerei, die selbst bei kapitalem Wurzelgemüse für die Fratzen vonnöten gewesen sein muss. Jedenfalls griffen die irischen Einwanderer, Mitte des 19. Jahrhunderts dem Hunger daheim entflohen, nach ihrer Ankunft in Amerika auf die reichlich vorhandenen, leicht auszuhöhlenden und größeren Kürbisse zurück.

Ja, im Gegensatz zu Halloween ist der Kürbis ein Amerikaner und gilt überdies als älteste Kulturpflanze der Menschheit. Die sogenannten Indianer Mittel- und Südamerikas bauten ihn seit zehntausend Jahren an, als Kolumbus ihn um 1500 „entdeckte“. Seinen internationalen Durchbruch feierte er aber erst, nachdem – laut US-Gründungsmythos – die Ureinwohner Neuenglands einen Teil der hungernden Mayflower-Besatzung unter anderem damit durch den Winter 1621 gefüttert hatten. Zu Thanksgiving erinnert traditionell ein „Pumpkin Pie“ daran. Und drei Wochen vor den Kürbisdank setzten die Iren also den Kürbisgrusel.

Tatsächlich sind das Gruseligste an Halloween nicht die Augapfel-Lollis und Monstergummibären, auch nicht die Horden von Dreikäsehochs, die reklamegesteuert „Süßes oder Saures“ krähen. Das Gruseligste ist, dass der Kürbis als „Halloween-Gemüse“ vermarktet wird. Deshalb steht hier schwarz auf weiß: Die Rübe war ein Halloween-Gemüse. Der Kürbis aber ist botanisch gesehen ein Obst, genauer: die größte Beere der Welt. Der 2014 aufgestellte Rekord liegt bei 1054 Kilogramm, genug für 1400 Liter Suppe. Theoretisch. Praktisch wäre das Exemplar der Riesenkürbissorte „Atlantic Giant“ kein Erlebnis gewesen: Es enthielt mehr Wasser als Geschmack und endete wohl untot auf dem Kompost – zum Glück ein Einzelfall.

Der Hokkaido, ein Bonsai-Cousin des Riesenkürbis’, hat mit kräftigem Herbstorange ein Revival befeuert. Seitdem wird das Kürbisregal selbst im Supermarkt jedes Jahr bunter. Die wichtigsten Sorten hierzulande sind neben dem Japaner aber wohl die zart schmelzende Butternuss, die glücklicherweise exakt schmeckt wie sie heißt, und der Muskatkürbis, der bronzen oder – siehe Foto – jung grasgrün schimmert, innen aber immer golden strahlt.

Ob Suppe, Curry, Auflauf, Püree, Ravioli oder Kuchen – der Kürbis ist ein Universaltalent. Doch perfekt mundet er erst, wenn seine erdige Obstsüße einen Konterpart wie Chili, Zimt, Tomate, kross gebratenen Speck oder Beifuß hat. Zugleich ist er kalorienarm und stärkt das Immunsystem. Es ist ein Vergnügen, mit Kürbis gegen die Lichtarmut anzuschlemmen. Apropos. In manchen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gehen die Kinder von alters her „Rübengeistern“. Wie Jack. Es ist aber ein Brauch, der sich mehr und mehr mit Halloween vermischt. Schade, denn Süßes oder Saures ist eine wirklich seltsame Frage. Am besten ist Süßes natürlich mit Saurem zusammen.

Frisch vom Feld gibt's Kürbisse ab September.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Royale Reneklode

(Prunus domestica subsp. italica)
Sie ist die wenig bekannte Königin der Hauspflaumen – oder zumindest eine ziemliche Prinzessin auf der Erbse. Und sie hat ihren hässlichen Namen auf keinen Fall verdient. Warum, erfahren Sie hier

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Das Deutsche verdankt dem Französischen wohlklingende Worte wie Aubergine, Bonbon und Croûton. Auch Éclair und Filet sind Einwanderer, die nicht zur Überintegration gezwungen wurden, ganz anders als die Kuvertüre und die Reneklode. Ein Wort, das sich im Mund nicht wie Steinobst, sondern wie ein Stein anfühlt und nur entfernt an seine Herkunft erinnert. Können Sie das Original aus dem Ärmel schütteln, aus der Lamäng (la main), wie der Deutsche sagt? Reine-Claude, Königin Claudia, nennen unsere Nachbarn die rare Süße. Ränklod müssten wir schreiben, wenn wir – wie im Fall der Kuvertüre – wenigstens den Klang des Wortes nachahmen wollten. Aber das wäre noch hässlicher.

Claudia von Frankreich war eine Renaissance-Dame, die Franz dem Ersten zwischen 1515 und 1524 acht Kinder gebar, jung starb und wenn vielleicht nicht den König, so doch Renekloden über alles geliebt haben soll. Es ist nicht klar, ob die Früchte möglicherweise auch nach dem Obstkundler René Claude heißen könnten. Auf jeden Fall dürften sie zu Reine Claudes Zeit der Dernier Cri (letzte Schrei) gewesen sein. Kam das aus Armenien stammende Rosengewächs – anders als das Gros der Pflaumenarten – doch nicht schon in der Antike, sondern erst im Spätmittelalter nach Europa.

Zart (délicate) wie ihre Namenspatronin und damit im Wortsinn eine Delikatesse ist die Reneklode. In der weitverzweigten Pflaumenfamilie ist sie die Prinzessin auf der Erbse: Sie ist schwer zu finden, und man erkennt sie an ihrer empfindlichen Haut. Weil sie behandelt werden will wie ein rohes Ei und schnell verdirbt, drückt sich der Handel vor ihr. Liebhaber pflanzen sie am besten im eigenen Obstgarten oder finden sie mit Glück auf dem Wochenmarkt – und auch dort nur selten. Von allen Vertreterinnen ihres Klans hat sie die kürzeste Ernteperiode. Renekloden reifen nur im Juli und August.

Doch der Beschaffungsaufwand lohnt sich. Das aprikosengroße, runde Obst, das je nach Sorte grasgrün, gelblich grün oder rötlich violett leuchtet, ist nicht nur erfrischender und saftiger als Hauspflaumen, Mirabellen und Zwetschgen, es hat dank seines würzigen Spiels von Süße und Säure auch ein intensiveres Aroma als die bürgerliche Verwandtschaft. Frisch vom Baum schmecken die im süddeutschen Raum auch Reinklaue, Ringlo oder Renglotta genannten Früchte am besten. Ihr üppiges grünweißes Fruchtfleisch ist meist fest mit dem Kern verwachsen, sodass die Verarbeitung – außer im Rezept rechts – mühsam ist. Für unverdrossene Fruchtpuler eignen sich Konfitüre (confiture) und Mus hervorragend zum Transport eines Stückchens Sommer in die kalte Jahreszeit. Renekloden passen aber auch zu Deftigem wie Wild und dunklen Soßen. Und falls es danach ein Digestif (Verdauungsschnaps) sein darf: Reneklodenbrände sind rar, aber umwerfend.

Gesund ist Ihre Majestät sowieso. Sie enthält mehr Eisen als andere Arten und viel weniger Zucker als ihr Geschmack vermuten lässt. Außerdem ist sie reich an Kalium, Vitamin A und hilft gegen Vitamin-B-Mangelsymptome wie eingerissene Mundwinkel. Und eben diese sollten wir nicht hängen lassen. Es muss doch möglich sein, eine Frucht von solcher Qualität formschön ins Deutsche zu übertragen. Die Schweizer nennen sie Edel-, die Österreicher Zuckerpflaume. Die Norweger und Italiener übersetzen unfrei: Reine-Claude und regina claudia. Und wir? Finden im Duden doch noch die alternative Schreibweise Reineclaude. Es ist nicht die empfohlene, aber bitte greifen Sie zu! Und genießen Sie den Augenschmaus. Wir schreiben doch hier auch nicht Allasäsong drüber.

Frisch vom Baum gibt's die Reneklode ab August.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen
 

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Sa, 2016-02-13 11:51
Münster (dpa)

Anklage gegen Brüterei in Münster: massenhaftes Töten von Küken

Münster (dpa) - Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen eine Brüterei im münsterländischen Senden wegen der massenhaften Vernichtung männlicher Eintagsküken erhoben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Münster bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des «Spiegel». Laut dem Nachrichtenmagazin ist es das erste Mal, dass in einem solchen Fall Anklage erhoben wird. Bundesweit würden rund 50 Millionen männliche Nachkommen von Legehuhnrassen «geschreddert oder vergast», weil die Agrarindustrie keine Verwendung für sie habe.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte auf Anfrage, man habe Anklage beim Landgericht erhoben und strebe gegebenenfalls eine höchstrichterliche Rechtsprechung an. Denn es handele sich um ein bundesweites Problem. Nach Angaben des «Spiegel» hatte die Tierschutzorganisation Peta 2013 Strafanzeige gegen die Brüterei erstattet. Das Unternehmen habe sich nicht äußern wollen. Das massenhafte Küken-Töten sei «der überwiegenden Auffassung zufolge nach dem Tierschutzgesetz verboten». Die Praxis werde aber von Behörden und Landwirtschaftsministerium bisher geduldet.

Sa, 2016-02-13 11:20
Berlin (dpa)

Hendricks bringt Strafabgabe für Kauf von Spritfressern ins Gespräch

Berlin (dpa) - In der Debatte um Kaufanreize für Elektroautos bringt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) eine Strafabgabe für den Kauf spritfressender Fahrzeuge ins Gespräch. Bei einem CO2-Ausstoß von 95 Gramm pro Kilometer wäre demnach ein einmaliger «Umweltbeitrag» von 50 Euro zu zahlen, bei über 200 Gramm «könnten 1000 Euro fällig werden», sagte Hendricks dem Nachrichten-Magazin «Spiegel». Die Einnahmen sollen zur Finanzierung von Kaufprämien für Elektroautos dienen. Als Alternative schlug sie eine Anhebung der Dieselsteuer vor. «Derzeit zahlen Dieselfahrer insgesamt deutlich weniger Steuern als Benzinfahrer, auch wenn man die höhere Kfz-Steuer einrechnet», sagte Hendricks. Da sei noch «genügend Spielraum» für eine Gegenfinanzierung der Elektroauto-Kaufprämie.

Sa, 2016-02-13 11:15
München (dpa)

Steinmeier: Für Umsetzung der Minsker Vereinbarung «nicht ewig Zeit»

München (dpa) - Ein Jahr nach der Minsker Einigung auf einen Friedensplan für die Ostukraine hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier eine ernüchternde Bilanz gezogen. «Manches hat sich seither beruhigt, die Intensität der Kampfhandlungen ist zurückgegangen. Aber wir sind noch immer ein ganzes Stück von der Umsetzung von Minsk entfernt», sagte er am Samstag nach einem Treffen mit den Außenministern aus Russland, der Ukraine und Frankreich (Normandie-Format) am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. «Die offenen Punkte lassen sich leicht benennen, aber bleiben schwer zu lösen.»

Die Minsker Vereinbarung vom 12. Februar 2015 sieht unter anderem eine Waffenruhe und den Abzug schwerer Waffen aus den ostukrainischen Kampfgebieten vor. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten halten aber bis heute an.

Steinmeier ist nach Angaben aus seinem Umfeld für ein weiteres Außenministertreffen im Normandie-Format spätestens Anfang März. Bis dann sollen konkrete Vorschläge zur besseren Einhaltung des Waffenstillstands, zur Vorbereitung der Lokalwahlen in der Ostukraine und zur Sicherung dieser Wahlen vorgelegt werden. «Ich setze darauf, dass in Kiew und Moskau allen Verantwortlichen klar ist, dass wir nicht mehr ewig Zeit haben für die Umsetzung des in Minsk Vereinbarten», sagte Steinmeier.

Sa, 2016-02-13 11:37
Potsdam (dpa)

«Spiegel»: Spürhunde der Polizei können Sprengstoff nicht erkennen

Potsdam (dpa) - Die Spürhunde der Bundespolizei können nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel» einen gefährlichen Sprengstoff derzeit nicht erkennen. Die Hunde würden seit 2013 nicht mehr auf das hochexplosive Acetonperoxid abgerichtet, das von Terroristen zuletzt bei den Anschlägen von Paris im vergangenen November verwendet worden sei. Ein Sprecher der Bundespolizei wollte den Bericht am Samstag nicht kommentieren. Gegenüber dem «Spiegel» hatte das Bundespolizeipräsidium aber darauf hingewiesen, dass bei «hochbrisanten, nicht handhabungssicheren Stoffen» eine Gefährdung von Beamten und ihren Spürhunden «möglichst zu vermeiden» sei.

Sa, 2016-02-13 11:45
Istanbul (dpa)

Saudi-Arabien will Kampfflugzeuge in die Türkei verlegen

Istanbul (dpa) - Saudi-Arabien will im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) laut der Regierung in Ankara Militärjets in die Türkei verlegen. Das genaue Ausmaß eines solchen potenziellen Einsatzes auf dem Nato-Stützpunkt Incirlik müsse noch bestimmt werden, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu laut Medienberichten vom Samstag. Die Türkei hatte im vergangenen Jahr nach langem Zögern die Nutzung der Luftwaffenbasis Incirlik für Luftschläge - auch der USA - gegen den IS erlaubt.

Cavusoglu schloss zudem einen möglichen Bodeneinsatz der Türkei und Saudi-Arabiens gegen den IS in Syrien nicht aus. «Die Türkei und Saudi-Arabien könnten eine Bodenoperation starten», sagte er der Zeitung «Yeni Safak». Sie müsste allerdings Teil einer breiteren Anti-IS-Strategie sein.

Saudi-Arabien hatte Anfang des Monats seine Bereitschaft für einen Bodeneinsatz in dem Bürgerkriegland im Rahmen der internationalen Koalition erklärt. Die USA und andere westliche Staaten lehnen aber den Einsatz eigener Bodentrupen in Syrien ab.

Sa, 2016-02-13 11:03
München/Aleppo (dpa)

Medwedew beklagt «neuen Kalten Krieg»

Moskau sieht sich zu Unrecht am Pranger: Der Westen stelle Russland als finstere Macht dar, beklagt Putin-Vertreter Medwedew in München. Dabei wolle man Frieden - doch in Syrien sieht die Realität weiter anders aus.

München/Aleppo (dpa) - Russland hat dem Westen einen Rückfall ins Zeitalter des Eisernen Vorhangs vorgehalten. «Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht», sagte der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Angesichts der Konflikte in der Ukraine und in Syrien müsse jetzt wieder Vertrauen aufgebaut werden. Dies sei zwar ein schwieriger Prozess. «Aber wir müssen diesen Prozess anfangen. Und da darf es keine Vorbedingungen geben.»

Medwedew beschrieb den Zustand der Beziehungen zum Westen mit drastischen Worten und sprach von einem verdorbenen Verhältnis zur Europäischen Union. Dann fragte er: «Kann es wirklich sein, dass wir noch eine dritte weltweite Erschütterung brauchen, um zu verstehen, wie nötig jetzt die Zusammenarbeit ist und nicht die Konfrontation?» Die Situation sei aber nicht so verfahren wie vor 40 Jahren im Kalten Krieg. «Ich bin zuversichtlich, dass wir heute weiser, erfahrener und verantwortungsbewusster sind.»

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg versicherte in München, dass das westliche Militärbündnis keine Konfrontation suche. «Wir wollen keinen neuen Kalten Krieg.» Die Nato-Verteidigungsmminister hatten Mitte der Woche eine Verstärkung der Truppen in den östlichen Mitgliedstaaten in die Wege geleitet. Länder wie Litauen, Estland, Lettland und Polen fühlen sich von Russland bedroht.

Medwedew versprach, Russland wolle im Syrien-Konflikt eine konstruktive Rolle spielen. «Wir werden weiterhin an der Umsetzung der gemeinsamen Friedensinitiativen arbeiten. Sie laufen schwierig. Aber es ist gibt keine Alternative zum Dialog zwischen den Nationalitäten und Konfessionen», sagte er.

Die Genfer Friedensgespräche zwischen dem Regime von Machthaber Baschar al-Assad und der Opposition waren Anfang Februar nach nur wenigen Tagen unterbrochen worden. Am Donnerstag hatte aber eine Syrien-Unterstützergruppe unter Beteiligung Russlands und der USA den Weg zu einer Wiederaufnahme mit einer Erklärung geebnet, an deren Umsetzbarkeit es aber große Zweifel gibt.

Die Vereinbarung sieht die Vorbereitung einer Feuerpause innerhalb einer Woche vor. Die russische Luftwaffe fliegt aber weiter Angriffe. Moskau steht in dem Konflikt an der Seite Assads. Dem fünfjährigen Bürgerkrieg sind Hunderttausende Menschen zum Opfer gefallen, Millionen sind auf der Flucht.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls forderte Russland auf, die angestrebte Feuerpause in Syrien ernstzunehmen. «Um zum Frieden zu gelangen, muss das Bombardieren der syrischen Bevölkerung durch Russland eingestellt werden», sagte Valls in München.

Medwedew wies Vorwürfe zurück, dass Russland Zivilisten in Syrien bombardiere. Die Opposition in Syrien forderte er zu Gesprächen mit Assad auf. «Wir brauchen Verhandlungen zwischen der syrischen Regierung und der syrischen Opposition.»

Nach Darstellung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bombardieren die Russen aber weiter Regimegegner. Russische Jets hätten in der Nacht auf Samstag im Norden des Landes mindestens zwölf Angriffe geflogen, Getroffen worden seien Gebiete nahe der Stadt Asas sowie weitere Orte unweit der Grenze zur Türkei.

Die bombardierte Region steht den Menschenrechtlern zufolge unter Kontrolle der Al-Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, islamistischer Gruppen sowie gemäßigter Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA). In Asas halten sich nach verschiedenen Angaben Tausende Menschen auf, die vor der eskalierenden Gewalt und Luftangriffen in der Region geflohen sind.

Sa, 2016-02-13 10:57
München (dpa)

Medwedew: Neuer Kalter Krieg zwischen dem Westen und Russland

München (dpa) - Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew sieht Russland und den Westen in einem neuen Kalten Krieg. «Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht», sagte er am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. «Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland sind verdorben.»

Sa, 2016-02-13 10:33
Janeiro (dpa)

«Zero Zika»: 220 000 Soldaten im «Virus-Kampf» in Brasilien Von Georg Ismar, dpa

Im August sind die Olympischen Spiele in Rio, die Welt schaut auf Brasilien. Die Zika-Epidemie kommt zur Unzeit. Und Bürger fordern Klarheit, ob sich Fehlbildungen wegen Zika häufen. Nun hilft das Militär, um die Moskitos zu bekämpfen, die das Virus übertragen.

Rio de Janeiro (dpa) - Zur Bekämpfung der Moskitoart Aedes aegypti, die das mysteriöse Zika-Virus überträgt, setzt Brasilien den ganzen Samstag über landesweit 220 000 Soldaten ein. Die Soldaten und Tausende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen mit Flugblättern informieren und bis zu drei Millionen Häuser besuchen.

Sie sollen den Bürgern erklären, dass selbst kleine Pfützen und Wasserrückstände vermieden werden müssen, da Gelbfiebermücken hier ihre Eier ablegen und sich so vermehren. Gerade in den Favelas gibt es mangels moderner Kanal- und Abwassersysteme viele Brutstellen. Allerdings sollen die Soldaten nicht in Favelas gehen, wo das Risiko gewaltsamer Zusammenstöße mit Drogenhändlern besteht.

Nach der Informationskampagne und der Identifizierung von Brutstellen sollen in einer zweiten Etappe in den nächsten Tagen und Wochen 50 000 Militärs in besonders betroffenen Gegenden gezielt mit Insektiziden Moskitos und Eiablageplätze dauerhaft eliminieren.

Das Motto der Regierung lautet: «Zero Zika» («Null Zika»). Aber bis dahin wird es noch ein sehr weiter Weg sein - die Moskitoart hat sich dramatisch vermehrt und soll auf rund 80 Prozent der Landesfläche aktiv sein. Sie überträgt auch das Dengue- und das Chikungunya-Virus. «Der Kampf gegen die Moskitos ist derzeit das einzige Mittel, um diese drei Virus-Arten zu bekämpfen», betonte der nationale Sekretär für Schutz und Zivilverteidigung, Adriano Pereira Júnior.

Da bisher eindeutige Schnelltests fehlen, gehen Schätzungen der Zika-Infektionen in dem am stärksten betroffenen Land sehr weit auseinander - von 500 000 bis 1,5 Millionen sprechen die Behörden. Das Zika-Virus steht im Verdacht, bei Infektionen von Schwangeren Schädelfehlbildungen bei ihren Babys zu verursachen.

Die Zahl der bestätigten Fälle von Schädelfehlbildungen bei Babys, deren Mütter sich während der Schwangerschaft mit Zika infiziert haben, hat sich mehr als verdoppelt. Es gebe nun 41 solche Fälle, teilte das Gesundheitsministerium mit. In der Vorwoche waren 17 Fälle bekannt.

Insgesamt gibt es in Brasilien laut Behörden derzeit 462 bestätigte Fälle der sogenannten Mikrozephalie und 3852 Verdachtsfälle. Die steigenden Zahlen hängen nach Angaben von Ärzten aber auch damit zusammen, dass es seit Oktober, nach Entdecken eines möglichen Zusammenhangs zwischen Zika und Mikrozephalie, eine Meldepflicht gibt. Der Verdacht auf Mikrozephalie besteht, wenn ein Baby mit einem Kopfumfang von 32 Zentimetern oder weniger zur Welt kommt.

Am stärksten betroffen ist der arme Nordosten des Landes mit der Stadt Recife. Bei dem Anti-Zika-Aktionstag sollen allein im Bundesstaat Rio de Janeiro 71 000 Soldaten zum Einsatz kommen - dies gilt auch als Signal nach außen: Mit aller Macht soll versucht werden, ein Risiko für die Olympischen Spiele abzuwenden, die im August stattfinden.

Nach neuen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Zika mittlerweile in 39 Ländern aufgetaucht. In vielen Ländern wie etwa Deutschland, wo mehr als ein Dutzend Fälle bekanntwurden, wurden die Infektionen jedoch von Reiserückkehrern eingeschleppt. Präsidentin Dilma Rousseff vergleicht den Kampf gegen die Mücken mit einem «Krieg».

Mit US-Präsident Barack Obama hat sie die gemeinsame Entwicklung eines Impfstoffes durch Forscher beider Länder vereinbart, dieser wird aber wohl vermutlich erst frühestens in zwei Jahren zur Verfügung stehen. Die Regierung steht unter großem Druck, weil Zika Touristen und Sportler davon abhalten könnte, zu Olympia nach Rio zu reisen - wenngleich die Moskitoart im August kaum aktiv ist. Am Zika-Virus sollen in Brasilien - unabhängig von toten Babys durch mögliche Mikrozephalie - drei Menschen gestorben sein. Meist führt das Virus nur zu Symptomen wie Fieber, Hautrötungen oder Kopfschmerzen.

Kolumbien meldete drei Tote, die am Lähmungssyndrom Guillain-Barré starben, das womöglich von Zika ausgelöst worden ist; auch Venezuela meldet drei Zika-Tote. Aber oft ist unklar, ob nicht auch andere Erkrankungen eine Ursache sein könnten. Das zuvor kaum vorgekommene, ursprünglich im Zika-Wald von Uganda entdeckte Virus ist kaum erforscht - daher werden weltweit die Mittel erhöht, um Klarheit über die Folgen zu bekommen. Wegen der Zika-Ausbreitung hatte die WHO Anfang Februar den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Sa, 2016-02-13 10:22
München (dpa)

Medwedew spricht von Kaltem Krieg und wirbt für Annäherung

Putin-Vertreter Medwedew beschreibt den Zustand der Beziehungen zum Westen auf der Münchner Sicherheitskonferenz mit drastischen Worten. Zugleich reicht er die Hand, um Vertrauen wieder aufzubauen. Doch der Westen bleibt skeptisch.

München (dpa) - Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew hat angesichts der zerrütteten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen für einen neuen Annäherungsprozess geworben. «Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht», sagte er am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Jetzt müsse Vertrauen wieder aufgebaut werden. Dies sei zwar ein schwieriger Prozess. «Aber wir müssen diesen Prozess anfangen. Und da darf es keine Vorbedingungen geben.»

Medwedew beschrieb den Zustand der Beziehungen zum Westen mit drastischen Worten und sprach von einem verdorbenen Verhältnis zur Europäischen Union. Dann fragte er: «Kann es wirklich sein, dass wir noch eine dritte weltweite Erschütterung brauchen, um zu verstehen, wie nötig jetzt die Zusammenarbeit ist und nicht die Konfrontation?» Der russische Ministerpräsident betonte, dass die Situation nicht so verfahren wie vor 40 Jahren im Kalten Krieg sei. «Ich bin zuversichtlich, dass wir heute weiser, erfahrener und verantwortungsbewusster sind.»

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg versicherte in seiner Rede in München, dass das westliche Militärbündnis keine Konfrontation suche. «Wir wollen keinen neuen Kalten Krieg», sagte er. Die Nato-Verteidigungsmminister hatten Mitte der Woche eine Verstärkung der Truppen in den östlichen Mitgliedstaaten in die Wege geleitet. Länder wie Litauen, Estland, Lettland und Polen fühlen sich von Russland bedroht.

Mit Blick auf den Syrien-Konflikt versprach Medwedew eine konstruktive Rolle seines Landes. «Wir werden weiterhin an der Umsetzung der gemeinsamen Friedensinitiativen arbeiten. Sie laufen schwierig. Aber es ist gibt keine Alternative zum Dialog zwischen den Nationalitäten und Konfessionen», sagte er.

Die Genfer Friedensgespräche zwischen dem Regime von Baschar al-Assad und der Opposition waren Anfang Februar nach nur wenigen Tagen unterbrochen worden. Am Donnerstag hatte aber eine Syrien-Unterstützergruppe unter Beteiligung Russlands und der USA den Weg zu einer Wiederaufnahme mit einer Erklärung geebnet, an deren Umsetzbarkeit es aber große Zweifel gibt.

Die Vereinbarung sieht die Vorbereitung einer Feuerpause innerhalb einer Woche vor. Die russische Luftwaffe fliegt aber weiter Angriffe. Moskau steht in dem Konflikt an der Seite Assads.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls forderte Russland auf, die angestrebte Feuerpause in Syrien ernstzunehmen. «Um zum Frieden zu gelangen, muss das Bombardieren der syrischen Bevölkerung durch Russland eingestellt werden», sagte Valls in München.

Medwedew wies Vorwürfe zurück, dass Russland Zivilisten in Syrien bombardiere. Die Opposition in Syrien forderte er zu Gesprächen mit Assad auf. «Wir brauchen Verhandlungen zwischen der syrischen Regierung und der syrischen Opposition.»

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Das Greenpeace Magazin ist werbefrei – mit Ausnahme der Rückseite jeder Ausgabe. Allerdings stellen wir mit leichten textlichen Eingriffen Dinge richtig, die im Original verschleiert, beschönigt oder weggelassen wurden. (Achtung: Wollen Sie die Anzeigen teilen, per Mail verschicken oder ausdrucken, müssen sie mit dem Hinweis „Keine Anzeige“ versehen sein.)

Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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Immer noch – umweltschädlicher Becher
Becher wird künftig vielleicht recycelt.
ActiIrreführus – bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

 

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Tödlich. 

Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord.

Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate „ausgesetzt“. Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit „ausgesetzter“ Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

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