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Beutel-Set

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Der Kleinste hat es in sich: Öffnet man ihn, kommen noch zwei größere Beutel zum Vorschein. Alle drei bestehen aus T-Shirts, die wegen kleiner Produktions- fehler ausgemustert wurden. Sie haben einen praktischen Tunnelzug und sind vielseitig verwendbar, zum Beispiel auf Reisen für Schuhe oder Schmutz- wäsche, fürs Turn- oder Badezeug und manches andere. Genäht werden die Beutel in den Elbe-Werkstätten von Menschen mit Behinderung.

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Fr, 2015-07-31 12:00
Nablus (dpa)

Doppeltes Spiel: Israels national-religiöse Regierung und die Siedler Von Alexandra Rojkov, dpa

Nach dem Anschlag auf zwei palästinensische Wohnhäuser verurteilen israelische Politiker aller Fraktionen den Anschlag. Doch die aktuelle Regierung hat das Selbstbewusstsein der Siedler genährt.

Nablus (dpa) - Sie hatten eine Botschaft hinterlassen: «Rache» stand in großen hebräischen Lettern auf der Hauswand. Die Nachricht prangte an der Mauer eines Hauses, das in den Morgenstunden in Brand gesetzt wurde. In den Flammen starb ein 18 Monate altes Kind einer palästinensischen Familie. Mutter, Vater und Bruder wurden schwer verletzt.

Angezündet wurde das Haus in Duma wahrscheinlich von jüdischen Extremisten, die im Westjordanland leben. Nach ersten Untersuchungen schlugen die Vermummten zuerst die Fenster zweier Häuser ein, warfen dann Brandflaschen hinein. Anschließend flüchteten sie.

Kaum war der Anschlag bekannt geworden, verurteilten israelische Politiker aller Coleur die Tat. In aller Deutlichkeit nannten sie die Täter «Terroristen» und «Mörder». Sie alle forderten, dass der Anschlag schnellstmöglich aufgeklärt und die Täter vor Gericht gestellt würden. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon ging in seinen Äußerungen noch weiter: Man werde nicht erlauben, dass jüdische Terroristen Palästinensern Schaden zufügen. «Wir werden sie (die Terroristen) auf jede möglich Weise bekämpfen.»

Doch auch wenn der Anschlag in seiner Brutalität herausragt: Angriffe von extremistischen Siedlern auf Palästinenser sind keine Seltenheit. Israelische Menschenrechtsorganisationen haben zahlreiche Übergriffe dokumentiert, von der Beschädigung von Olivenbäumen, von denen viele Palästinenser leben, bis hin zu Körperverletzung. Für diese Taten gibt es sogar einen eigenen Begriff: Im Englischen spricht man von «price tag», zu deutsch Preisschild. Mit diesen Angriffen rächen sich radikale Siedler für Angriffe von Palästinensern, aber auch für restriktive Maßnahmen der israelischen Behörden.

Die Menschenrechtsorganisation Betselem mahnt seit Jahren, Israel tue nicht genug, um derartige Übergriffe zu verhindern. Und in einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Organisation «Jesch Din» heißt es, israelische Soldaten wüssten oft nicht, wie sie Attacken von Siedlern begegnen sollten - und handelten deshalb zögerlich bis gar nicht. Nach Darstellung von Armesprecher Arya Shalicar liege dies vor allem am dem Grad der Angriffe: Vandalismus sei schlicht weniger gefährlich als beispielsweise eine Messerattacke. Dass Siedler tatsächlich palästinensisches Leben gefährdeten, käme seltener vor als der umgekehrte Fall.

Im Fall des toten Kleinkindes verdammte die israelische Regierung die radikalen Siedler zwar. Doch an anderer Stelle spielt sie ihnen offen in die Hände. Als das Oberste Gericht diese Woche beispielsweise entschied, zwei illegale Siedlerhäuser abreißen zu lassen, erlaubte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Gegenzug den Bau von 300 neuen Wohnungen. Linksgerichtete Kommentatoren sind nicht nur von Netanjahus Entscheidung beunruhigt. Sie lesen an dem Vorfall auch eine Radikalisierung ab. Die beiden abgerissenen Gebäude hätten keine strategische oder religiöse Bedeutung gehabt, schreibt die Zeitung «Haaretz». «Und dennoch waren die Rechten bereit, ihretwegen in den Krieg zu ziehen.»

Auch auf Israelis werden im Westjordanland immer wieder Anschläge von Palästinensern verübt: Erst Mitte Juni war ein Israeli bei einem Ausflug ins Westjordanland erschossen worden. Und mitnichten sind alle Siedler politisch radikal oder gar gewalttätig; viele leben schlicht im Westjordanland, weil die Mieten dort günstig sind.

Doch einige Extremisten auf beiden Seiten führen einen Kampf um Land - auch mit Gewalt.

Fr, 2015-07-31 12:23
München (dpa)

Verfassungsschutz fürchtet Anschläge auf bewohnte Flüchtlingsheime

München (dpa) - Der Verfassungsschutz warnt angesichts der massiven Stimmungsmache gegen Flüchtlinge vor rechtsextremistischen Anschlägen. «Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt», sagte Maaßen dem Nachrichtenmagazin «Focus». «Wir schließen nicht mehr aus, dass Rechtsextremisten gezielt Anschläge auf bewohnte Flüchtlingsunterkünfte verüben, bei denen es auch zu Opfern kommen könnte.»

Die mehr als 200 Straftaten gegen Flüchtlingsheime allein im ersten Halbjahr zeigten, wie sehr sich die fremdenfeindliche Stimmung in Teilen der Bevölkerung aufgeheizt habe. Im Internet, aber auch bei öffentlichen Anlässen würden Rechtsextremisten unverhohlen mit Übergriffen auf Asylsuchende drohen. «Der Schritt vom Maulheldentum zu realen Gewaltaktionen ist klein», sagte der Chef des Verfassungsschutzes. Die Sicherheitsbehörden würden alles tun, um Anschläge wie vor Jahren in Hoyerswerda, Mölln oder Rostock-Lichtenhagen zu verhindern. Lösen müssten das Problem jedoch in erster Linie die Gesellschaft und die Politik.

Auch der Gewaltforscher Andreas Zick warnte vor der Entstehung eines neuen Rechtsterrorismus. Es habe auch in den 90er-Jahren eine Protestbewegung gegen Asylbewerber gegeben, sagte der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitag). «Aus dieser Protestbewegung heraus entstanden Angriffe. Aus den Angriffen heraus bildeten sich Zellen», sagte er. Es gebe viele Hinweise darauf, dass das wieder passieren könne.

Fr, 2015-07-31 11:59
Luxemburg (dpa)

Anstieg der Verbraucherpreise in den Euro-Ländern bleibt niedrig

Luxemburg (dpa) - Der Anstieg der Verbraucherpreise in den 19 Euro-Ländern bleibt auf niedrigem Niveau. Nach einer ersten Schätzung der europäischen Statistikbehörde Eurostat lag die jährliche Inflationsrate im Juli bei durchschnittlich 0,2 Prozent. Im Vormonat hatte sie ebenfalls 0,2 Prozent betragen. In Deutschland liegt die Teuerung nach neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes in etwa auf dem durchschnittlichen Niveau der Eurozone.

Für den leichten Auftrieb sorgten vor allem die Preise für Dienstleistungen sowie für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak. Sie lagen im Juli nach Angaben vom Freitag um 1,2 beziehungsweise 0,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bremsend wirkten hingegen weiter die Energiepreise, die um 5,6 Prozent sanken.

Währungshütern macht das niedrige Preisniveau Sorgen. Mit 0,2 Prozent liegt die Inflation im gemeinsamen Währungsraum weiter deutlich unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Preisstabilität. Die Notenbank strebt mittelfristig knapp zwei Prozent an. Die EZB hat deshalb ihre Geldpolitik extrem gelockert. Sie erwartet allerdings, dass die Inflation im Euroraum erst zum Jahresende hin allmählich anziehen wird.

À la Saison

Königliche Karotte

(Daucus carota subsp. sativus)
Viele Kinder glauben ja, dass Kühe lila sind und Möhren orange. Stimmt aber nicht. Wie ein ehedem unscheinbares Wurzelgemüse zu seinem knalligen Äußeren kam, erzählen wir hier.


 

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Früher war mehr Natur! Alles wuchs wild und frei, wie der Genpool es vorgesehen hatte. Es gab keine Bayers, Syngentas und Monsantos, die Ferkel oder Brokkoli patentieren ließen. Und Kinder glaubten noch nicht, dass Kühe lila sind. So weit, so wahr. Allerdings dachten Kinder auch zu Großmutters Zeiten schon, Möhren seien orange. Ein Irrtum! Karotten gibt es auch in den Farben weiß, gelb, rot und violett,
wie wir vom Wochenmarkt wissen, seit alte Sorten wieder modern sind.

Wilde Vorfahren der Gartenmöhre wurden möglicherweise schon vor 5000 Jahren in Asien kultiviert. Manche Forscher vermuten den Ursprung in Afghanistan, dem Iran, Irak oder Anatolien. Über Spanien und Italien soll die Doldenblütlerin nach Mittel- und Westeuropa gelangt sein. Eine Möhre in Orange wird erstmals 1721 schriftlich erwähnt – und zwar von niederländischen Gartenbauern, die große Karottenzüchter waren. In den Sandböden ihrer Heimat liegen die Wurzeln der orangen Rübe, die von gelben Sorten abstammen soll. Der Legende nach experimentierten königstreue Gärtner aus politischen Gründen mit der Farbskala: Sie wollten Wilhelm von Oranien (französisch: orange, niederländisch: oranje) für den Unabhängigkeitskampf gegen Spanien danken.

Bewiesen ist das ebenso wenig wie die Geschichte, dass Niederländer im Zweiten Weltkrieg zum Ehrentag der Königin mit royalen Rüben um die Häuser zogen. Vermutlich wäre es keinem Besatzer aufgefallen. Schließlich hatten die niederländischen Sorten „Horn“ und „Long Orange“ schon Jahrhunderte zuvor die Rübenzucht der Deutschen unterwandert. Der Name der Möhre geht auf althochdeutsche und slawische Ausdrücke für Wurzel zurück. Mit mehr als 600.000 Tonnen Erntemenge im Jahr ist sie in Deutschland Volksgemüse. Gut so. Denn sie ist die wichtigste heimische Karotinquelle. Der Farbstoff sorgt für einen gesunden Hautton, der Sonnencremes jedoch keineswegs überflüssig macht. Aus Beta-Karotin stellt der Körper Vitamin A her, das für das Sehvermögen wichtig ist. Außerdem enthalten Mohrrüben viele B-Vitamine, Vitamin C, Kalium, Kalzium und Eisen. Sie sind gut für das Immunsystem, wirken harntreibend und blutreinigend. Ihren milden Geschmack verdanken sie ihrem für ein Gemüse recht hohen Zuckergehalt, ätherischen Ölen und Fruchtsäuren.

Die zarten Möhrchen, die jetzt vom Feld kommen, haben eine so dünne Haut, dass man sie nicht schälen muss und roh knabbern kann. Der Körper kann Karotinoide allerdings besser verwerten, wenn Mohrrüben mit etwas Fett gegart werden. Sie sind eine der süßen, erdigen Grundlagen feiner Schmorküche und helfen, schwere Rotweinsoßen zu verfeinern. Die meisten Kinder lieben Möhrengemüse. Erwachsenen ist die Zuckerwurzel solo oft zu monoton.

„Karotten schätzen es, wenn man sie mit Familienmitgliedern zusammenbringt“, empfiehlt der britische Koch Nigel Slater – also mit anderen Doldenblütlern wie Kerbel, Koriander, Kreuzkümmel, Petersilie und Dill. Konsequent als Süßspeise behandeln die Schweizer Rübchen, wenn sie daraus schwere Torten (Rüeblichueche) zaubern – in der Tradition der Römer, die eine carota ebenfalls gerne mal als Dessert verzehrten.

Carota heißt „die Gebrannte“ und deutet auf ein ursprünglich feuerrotes Äußeres hin. Allerdings waren einige der in Asien kultivierten Karotten auch schon blau-blütig, bevor sie auf Holländer trafen, genauer gesagt – lila. Liebe Kinder, die Schokoladenonkels haben sich in der Spezies geirrt. Nicht die Kühe sind lila: It’s the carrot, stupid!

Neu frisch vom Feld gibt's die Karotte ab Juni, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

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Fr, 2015-07-31 12:18
Moskau (dpa) 

Kreml einigt sich mit Paris im Streit um «Mistral»-Kriegsschiffe

Moskau (dpa) - Russland hat den Streit mit Frankreich um die Lieferung zweier Hubschrauberträger der «Mistral»-Klasse beigelegt. Die Auflösung des Vertrages könne in Kürze unterschrieben werden; die von Frankreich zu zahlende Summe und der Zahlungszeitraum seien festgelegt, sagte der Kreml-Berater Wladimir Koschin der Zeitung «Kommersant» zufolge.

Präsident Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte am Freitag, er habe dem nichts hinzuzufügen. Details nannten die beiden nicht.

Das Rüstungsgeschäft im Wert von 1,2 Milliarden Euro war 2011 vereinbart worden. Wegen der Spannungen zwischen Russland und dem Westen in der Ukrainekrise hatte Frankreich die Lieferung des bereits fertiggebauten ersten Schiffes im vergangenen Jahr aber ausgesetzt. Die Kriegsschiffe der «Mistral»-Klasse eignen sich als schwimmende Kommandozentrale und zum Transport von Truppen und Ausrüstung bei Landeoperationen. Sie können neben Landungsbooten auch schweres Gerät wie Panzer sowie Dutzende Hubschrauber tragen.

Fr, 2015-07-31 12:33
Aleppo (dpa)

Erste Kämpfe zwischen Al-Kaida und US-Verbündeten in Syrien

Die USA wollen jährlich 5000 Syrer für den Kampf gegen IS-Terrormiliz ausbilden. Doch das US-Militär findet kaum passende Kämpfer. Die Kämpfe bedeuten für Washingtons Pläne einen Rückschlag.

Aleppo (dpa) - Im Norden Syriens sind erstmals Kämpfe zwischen Al- Kaida-Anhängern und von den USA ausgebildeten Rebellen ausgebrochen. Bei den Gefechten nahe der Stadt Asas seien elf Kämpfer ums Leben gekommen, meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Sechs Opfer gehörten demnach zu einer Rebellenbrigade, die in der Türkei von US-Soldaten ausgebildet worden war. Kampfjets, die der internationalen Koalition zuzurechnen seien, hätten zugleich ein Al-Kaida-Hauptquartier bombardiert, so die Menschenrechtler.

Die Kämpfe sind ein Rückschlag für Washingtons Pläne, syrische Rebellen auszubilden, die in Syrien am Boden gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgehen sollen. Bereits am Donnerstag hatte die Al-Nusra-Front, syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, nach Angaben der Menschenrechtler acht Kämpfer der Rebellenbrigade an einem Kontrollpunkt nahe Asas verschleppt. US-Jets hatten in den vergangenen Monaten mehrfach Nusra-Stellungen in Syrien bombardiert. 

Die USA wollen nach eigenen Angaben im Kampf gegen den IS jährlich rund 5000 syrische Rebellen ausbilden. Weil das US-Militär jedoch Probleme hat, vertrauenswürdige Kämpfer zu finden, sind bislang nach Medienberichten nur 54 Mann trainiert worden. Zudem gibt es einen Konflikt mit anderen Aufständischen in Syrien: Während die von den USA trainierten Rebellen nicht gegen Syriens Armee kämpfen sollen, wollen die anderen Oppositionsgruppen das Regime in Damaskus stürzen.

Fr, 2015-07-31 12:45
Park (dpa) 

Facebook stellt riesige Internet-Drohne «Aquila» vor

Facebook ist bei seinen Plänen, Milliarden neue Nutzer ins Internet zu holen, mit der Technik einen Schritt weiter gekommen. Die erste Drohne mit den Netz-Antennen ist bereit für Tests. Der politische Widerstand gegen Facebooks Welt-Vernetzung bleibt aber bestehen.

Menlo Park (dpa) - Facebook hat seine erste Drohne präsentiert, die Internet in entlegene Gebiete bringen soll. Das unbemannte Fluggerät mit dem Namen «Aquila» habe die Spannweite einer Boeing 737, erklärte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am späten Donnerstag. Die solarbetriebene Drohne wiege weniger als ein Auto und könne bis zu drei Monate in der Luft bleiben.

Außerdem entwickelte Facebook einen Laser, der Daten mit einer Geschwindigkeit von 10 Gigabit pro Sekunde übertragen könne. Das System sei so präzise, dass es die Verbindung zu einem Ziel in der Größe einer 10-Cent-Münze auf eine Entfernung von mehr als zehn Meilen (gut 16 Kilometer) halten könne.

Das weltgrößte Online-Netzwerk mit rund 1,5 Milliarden Mitgliedern verfolgt schon lange das Projekt, Internet aus der Luft in Gebiete mit schwacher Infrastruktur zu bringen. Dafür kaufte Facebook im vergangenen Jahr den britischen Drohnen-Entwickler Ascenta. Google setzt in einem ähnlichen Projekt ebenfalls auf Drohnen - aber auch auf riesige Ballons mit Antennen. Hunderte Millionen neue Internet-Nutzer dürften auch den Online-Riesen mehr Geschäft bringen.

Google kaufte für sein Drohnen-Programm den Hersteller Titan Aerospace, an dem laut Medienberichten auch Facebook interessiert gewesen sein soll. Der Internet-Konzern testet seine Fluggeräte bereits. Anfang Mai stürzte ein Modell seiner Drohne «Solara 50» kurz nach dem Start im Bundesstaat New Mexico ab. Googles Loon-Ballons schaut sich gerade Sri Lanka als mögliches System für die Internet-Versorgung an.

Facebooks «Aquila»-Drohne, die an einen gigantischen schmalen Boomerang erinnert, soll in Höhen zwischen etwa 18 000 und 28 000 Metern fliegen - also weit über den Verkehrsflugzeugen. In die Luft werde sie von einem Helium-Ballon gebracht, von dem sie sich dann abkoppele, berichtete das Technologie-Blog «Mashable» aus einer Präsentation bei Facebook.

Zugleich trifft die von Zuckerberg ins Leben gerufene Initiative Internet.org, die neue Nutzer ins Netz holen soll, auf politischen Widerstand. So wurde unter anderem im potenziell wichtigen Markt Indien scharf kritisiert, dass dabei einzelne Online-Dienste - wie unter anderem Facebook - durch einen kostenlosen oder günstigen Zugang bevorteilt würden. Facebook kündigte daraufhin an, dass die Plattform für alle Web-Dienste offenstehen solle.

Fr, 2015-07-31 12:16
View (dpa)

Zeitung: Google testet bereits neue Datenbrille

Mountain View (dpa) - Die Datenbrille Google Glass wird nach einem Bericht des «Wall Street Journal» zunächst in einer Variante für Unternehmen neu aufgelegt. Die neue Version, die sich bereits im Test befinde, sei auf den beruflichen Einsatz in Bereichen wie Gesundheitswesen, Produktion oder Energiewirtschaft ausgerichtet, hieß es am Freitag unter Berufung auf informierte Personen. Eine neue Verbraucher-Version sei noch mindestens ein Jahr entfernt.

Google hatte Glas mit viel Aufwand im Juni 2012 vorgestellt. Das Projekt litt jedoch unter technischen Problemen wie der kurzen Batterielaufzeit, dem relativ hohen Preis von 1500 Dollar sowie Datenschutz-Bedenken bei Verbrauchern und Regulierern. Die eingeschränkt vertriebene erste Version wurde schließlich vom Markt genommen.

Das neue Modell kommt laut «Wall Street Journal» ohne einen eigenen Rahmen aus und lässt sich stattdessen an andere Brillen anklemmen. Zunächst hätten Software-Entwickler die neue Version bekommen, zum Herbst solle sie die Firmen erreichen. Das Gerät habe eine längere Batterielaufzeit und leistungsstärkere Chips, wie schon das Blog «9to5Google» vor einigen Monaten geschrieben hatte.

Fr, 2015-07-31 12:01
Kathmandu (dpa)

Tieropfer bei Fest Gadhimai in Nepal noch nicht vorbei

Kathmandu (dpa) - Entgegen anderslautenden Berichten ist das Opfern von Zehntausenden Tieren beim hinduistischen Fest Gadhimai in Nepal bislang nicht untersagt worden. «Es gab bisher noch keine derartige Entscheidung des Gadhimai-Komitees», sagte der Vorsitzende der Gadhimai-Stiftung, Ram Chandra Shah, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem alle fünf Jahre organisierten Opferfest werden zu Ehren der Göttin Gadhimai Wasserbüffel, Ziegen, Hühner, Enten und Tauben getötet. Beim jüngsten Festival im Herbst vergangenen Jahres verbluteten so schätzungsweise 200 000 Tiere.

Shah sagte weiter, dass das Komitee die Forderung von Tierschützern nach einem Ende des Schlachtens unterstütze. Bislang seien Tieropfer aber nur an den beiden Festtagen Holi und Maghe Sankranti untersagt worden. «Das nächste Gadhimai-Festival ist noch fast fünf Jahre entfernt, und es ist zu früh, um etwas darüber zu sagen», fuhr Shah fort. Eigentlich müssten die Gläubigen selbst entscheiden, ob sie noch Tiere zum Gadhimai-Tempel in Bara bringen wollten.

Die meisten der Gadhimai-Besucher reisen aus dem Norden Indiens an. Sie erhoffen sich durch die Tieropfer Wohlstand und die Erfüllung anderer Wünsche. Im vergangenen Jahr hatte Indiens höchstes Gericht es verboten, Tiere über die Grenze nach Nepal zu bringen. Dadurch verringerte sich die Zahl der Opfer drastisch.

Fr, 2015-07-31 10:56
Riga (dpa)

Lettland wird US-Luftabwehrraketen kaufen

Riga (dpa) - Lettland wird nach Angaben des Armeechefs Raimonds Graube Luftabwehrraketen des Typs Stinger von den USA kaufen. Es gebe aber noch keine Einigung über die Anzahl Waffensysteme und die Kosten, sagte er am Freitag im lettischen Fernsehen. Die tragbaren Raketen würden voraussichtlich auf der lettischen Militärbasis in Adazi stationiert. 

Graube sagte, er habe während eines USA-Besuchs auch über die angekündigte Verlegung von Militärgerät nach Mittel- und Osteuropa gesprochen. Sie solle im Herbst mit der Stationierung schwerer Waffen in Lettland beginnen.

Lettland und andere östliche Nato-Staaten sind wegen der Haltung Russlands im Ukrainekonflikt um die eigene Sicherheit besorgt. Die USA wollen deshalb vorübergehend Militärausrüstung für Ausbildungs- und Übungszwecke in sieben Ländern der Region stationieren - darunter auch Panzer und Infanteriefahrzeuge.

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Fr, 2015-07-31 11:02
München/Berlin (dpa)

Islamistischer Terror beschäftigt immer mehr deutsche Gerichte Von Christoph Trost, dpa

Eigentlich ist der Krieg in Syrien weit weg. Aufgearbeitet werden die Gräueltaten der Terrormiliz Islamischer Staat und anderer Gruppen aber auch vor deutschen Gerichten. Und die Zahl der Verfahren steigt. Zwei Islamisten aus Wolfsburg wird von Montag an der Prozess gemacht.

München/Berlin (dpa) - 72 Jungfrauen im Paradies, die waren sein Ziel. Deshalb reiste ein junger Deutsch-Türke in ein Terrorcamp nach Syrien: Der heute 21-Jährige wollte als Märtyrer sterben - auch wegen der 72 Jungfrauen, die ihm versprochen worden seien. Doch aus den Jungfrauen wurde nichts. Stattdessen verurteilte das Münchner Oberlandesgericht ihn vor kurzem zu dreieinhalb Jahren Jugendhaft - wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Es gibt vor deutschen Gerichten inzwischen eine ganze Reihe solcher Verfahren gegen sogenannte Syrien-Rückkehrer, aber auch gegen mutmaßliche Mitglieder etwa einer somalischen Terrormiliz: Junge Männer und Frauen, die ein Ticket in den Dschihad lösen - und dann doch irgendwann wieder zurückkommen. Ihnen winkt die Festnahme noch am Flughafen - und eine Anklage durch die Bundesanwaltschaft oder die Staatsanwaltschaften. Manche Verfahren sind auch schon abgeschlossen.

Beispiel Kreshnik B.: Der Prozess gegen den jungen Frankfurter war der erste in Deutschland gegen einen Syrien-Rückkehrer überhaupt. Der junge Mann wurde vom Frankfurter Oberlandesgericht im Dezember 2014 nach Jugendstrafrecht zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt - und zwar wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und seiner Beteiligung an Kampfeinsätzen. Noch im Prozess selbst hatte Kreshnik B. immer wieder mit radikalen Bemerkungen irritiert - vor allem mit der Aussage, dass es beim Kopfabschlagen darauf ankomme, welche Sünde damit bestraft werden solle.

Beispiel Harun P.: Der junge Münchner war der erste, der sich wegen versuchten Mordes vor einem deutschen Gericht verantworten musste. Mitte Juli verurteilte ihn das Münchner Oberlandesgericht zu elf Jahren Haft. Der Sohn afghanischer Einwanderer hatte gestanden, in einem islamistischen Terrorcamp ausgebildet worden zu sein und beim Sturm von Terroristen auf das Zentralgefängnis von Aleppo eine Mörsergranate abgefeuert zu haben - laut Bundesanwaltschaft kamen fünf Gefangene und zwei Aufseher ums Leben. Das Urteil lautete am Ende nur deshalb nicht lebenslang, weil sich Harun P. umfangreich zu den Vorwürfen geäußert und auch in anderen Prozessen gegen mutmaßliche Terroristen in Berlin und Düsseldorf ausgesagt hatte.

Es gibt auch Fälle, die nicht die Bundesanwaltschaft an sich gezogen hat, sondern die von Staatsanwaltschaften geführt werden. So musste sich eine junge Mutter aus dem Allgäu vor dem Münchner Landgericht verantworten, die mit ihren beiden Kindern ins türkisch-syrische Grenzgebiet gereist war. Sie kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Wie viele Ermittlungsverfahren gegen wie viele Beschuldigte aktuell laufen, will die Bundesanwaltschaft nicht sagen. Die Behörde verweist auf Zahlen aus dem März: Da hatte Generalbundesanwalt Harald Range von 68 Ermittlungs- und Strafverfahren gegen insgesamt 106 Beschuldigte gesprochen. Eine Sprecherin sagt lediglich, die Tendenz sei steigend. Mehr als ein Dutzend Anklagen wurden bereits erhoben.

So beginnt an diesem Montag vor dem Oberlandesgericht Celle auch der Prozess gegen zwei junge Wolfsburger. Sie sollen sich dem IS als Kämpfer zur Verfügung gestellt haben und an der Rekrutierung neuer Mitglieder beteiligt gewesen sein. Ihnen drohen lange Haftstrafen.

Doch so grausam sich die Anklagen oftmals lesen, so grauenvoll auch die Schilderungen der Angeklagten selbst manchmal sind: Nach Einschätzung des Terrorexperten Rolf Tophoven stehen in Deutschland keine ganz wesentlichen Akteure vor Gericht: «Das sind die Fußsoldaten. Das sind nicht die Masterminds des Terrors.»

Fr, 2015-07-31 11:20
Arheim/Bayreuth (dpa)

Tennet baut Netze aus - mehr Strom aus Offshore-Wind

Arheim/Bayreuth (dpa) - Der rasante Anstieg erneuerbarer Energien treibt den deutsch-niederländischen Stromnetzbetreiber Tennet zum weiteren Ausbau seiner Übertragungsnetze an. Um die Energiewende in Deutschland umzusetzen, führe daran kein Weg vorbei, teilte das Unternehmen am Freitag in Arnheim mit. So kletterten die Investitionen des Unternehmens im ersten Halbjahr 2015 um 70 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Davon entfielen mehr als 900 Millionen Euro auf Deutschland. Dabei sei ein großer Anteil der Mittel in den Ausbau des Offshore-Netzes in der deutschen Nordsee geflossen.

Dort wurden vier Netzanschlüsse mit einer Gesamtkapazität von über 2900 Megawatt in Betrieb genommen. Damit lag die gesamte installierte Kapazität von Offshore-Windenergie Ende Juni bei 3500 Megawatt. Tennet sei auf gutem Wege, die von der Bundesregierung gesteckten Ziele für Windanlagen auf hoher See frühzeitig zu erfüllen, hieß es. Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 22 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 33 Prozent auf 490 Millionen Euro.

Fr, 2015-07-31 11:13
Berlin (dpa)

Mindestlohn für Friseure und EU-Erbrecht - Neues im August

Berlin (dpa) - Trennungskinder bekommen mehr Geld, für Friseure gilt der Mindestlohn und in der katholischen Kirche tritt ein liberaleres Arbeitsrecht in Kraft - im August treten wieder eine Reihe neuer Gesetze, Regelungen und Verordnungen in Kraft. Eine Auswahl gesetzlicher Änderungen:

UNTERHALT: Trennungskinder bekommen zum 1. August höheren Unterhalt. In der neuen «Düsseldorfer Tabelle» des Düsseldorfer Oberlandesgerichts werden die Bedarfssätze von Millionen unterhaltsberechtigten Kindern zum ersten Mal seit 2010 wieder erhöht. Zuvor waren zweimal die Selbstbehalte der Unterhaltszahler, das sind in der Regel die Väter, erhöht worden. Im Durchschnitt gibt es etwa 3,3 Prozent mehr Geld.

KIRCHLICHES ARBEITSRECHT: In der katholischen Kirche tritt im August ein liberaleres Arbeitsrecht in Kraft. Scheidung und erneute standesamtliche Heirat sind nun für Mitarbeiter etwa in katholischen Krankenhäusern, Kindergärten oder Schulen nur noch in Ausnahmefällen Kündigungsgrund. Auch eine eingetragene Lebenspartnerschaft ist nicht mehr automatisch ein Hindernis für einen Job in einer Einrichtung unter kirchlicher Trägerschaft. Allerdings gelten die Regelungen, die die Bischöfe im Frühjahr mehrheitlich beschlossen hatten, nicht bundesweit. Zunächst machen nur 23 der 27 Diözesen mit.

KfW-PROGRAMM: Die Förderbank KfW ändert zum 1. August die Konditionen für das Programm «Energieeffizient Sanieren» (151/152). Unterstützt werden nach Angaben der staatlichen Förderbank ab dem Stichtag energieeffiziente Maßnahmen an Wohngebäuden, für die der Bauantrag beziehungsweise die Bauanzeige vor dem 1. Februar 2002 gestellt wurde. Bisher gilt hier noch der 1. Januar 1995 als Grenze. Außerdem wird der Förderhöchstbetrag pro Wohneinheit bei einer Sanierung zum KfW-Effizienzhaus erhöht: Er steigt von 75 000 Euro auf 100 000 Euro.

EU-ERBRECHT: Ab dem 17. August gilt in Deutschland das neue EU-Erbrecht. Es regelt, welches nationale Recht angewendet wird, wenn Vermögen im EU-Ausland vererbt wird. Mit dem neuen Erbrecht wird auch ein neues Dokument eingeführt: das europäische Nachlasszeugnis. «Das Nachlasszeugnis ist vergleichbar mit dem in Deutschland bekannten Erbschein», erklärt Rechtsanwalt Hubertus Rohlfing aus Hamm. Es soll helfen, grenzüberschreitende Erbfälle leichter anzuerkennen.

MINDESTLOHN: Ab dem 1. August wird es für Arbeitgeber beim Mindestlohn leichter. So brauchen sie keine Arbeitszeitaufzeichnungen mehr zu machen, wenn der regelmäßige Lohn des Arbeitnehmers mehr als 2000 Euro brutto beträgt und das Nettogehalt für die jeweils letzten zwölf Monate ausgezahlt wurde. Seit 1. Januar 2015 entfallen die Aufzeichnungen bei einem Monatslohn von 2958 Euro brutto.

FRISEUR-MINDESTLOHN: Am 1. Januar 2015 wurde in Deutschland der Mindestlohn eingeführt - doch es gab Ausnahmen wie zum Beispiel im Friseurhandwerk (ab Jahresbeginn 7,50 Euro im Osten und 8 Euro im Westen). Ab 1. August steigt der hier schon 2013 vereinbarte Mindestlohn auf 8,50 Euro. Auch bei Geld- und Wertdiensten gelten für Arbeitnehmer ab 1. August 2015 erstmals bundesweit Mindestlöhne.

BAFÖG-FÖRDERUNG: Studenten können ab August bereits dann Bafög bekommen, wenn sie nur eine vorläufige Zulassung zum Masterstudium haben - bisher ging das nicht. Voraussetzung ist allerdings, dass sie dann innerhalb eines Jahres eine endgültige Zulassung erhalten. Ist das nicht der Fall, müssen sie das Geld zurückzahlen. Bisher hatten Studierende nach dem Bachelorabschluss und vor der Aufnahme des Masterstudiums häufig mit einer Finanzierungslücke zu kämpfen.

RECHTSEXTREMISMUS: Als eine Konsequenz aus der NSU-Mordserie sollen Gerichte künftig fremdenfeindliche Motive stärker berücksichtigen. Der Generalbundesanwalt wird den Angaben der Bundesregierung zufolge frühzeitig in Ermittlungen eingebunden. Das Gesetz zur Umsetzung von Empfehlungen des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages tritt am 1. August 2015 in Kraft.

MIETPREISBREMSE: Nach Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen gilt vom 1. August an auch in 144 bayerischen Städten und Gemeinden die Mietpreisbremse. Bei Neuvermietungen darf damit die Miete höchstens noch zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.

NEUE BAHNCARDS: Mit neuen Varianten ihrer Bahncard will die Deutsche Bahn mehr Kunden an sich binden. Ab 1. August gibt es die Rabattkarten auch mit einer kürzeren Gültigkeitsdauer von drei Monaten. Für Jugendliche und Erwachsene bis zum Alter von 26 Jahren wird außerdem die My BahnCard 50 eingeführt. Sie kostet 69 Euro in der 2. Klasse und gilt ein Jahr.

BLEIBERECHT: Ausländer, die bislang in Deutschland nur geduldet sind, dürfen in Zukunft längerfristig im Land bleiben, wenn sie schon seit einigen Jahren hier leben, die Sprache gut beherrschen und ihren Lebensunterhalt selbst sichern können. Menschen, die keinerlei Aussicht auf ein Aufenthaltsrecht haben, sollen dagegen schneller als bisher in ihre Heimat zurückgeschickt werden.

Geht doch!

Drohnen als Förster

Unbemannte Flugkörper sollen pro Jahr weltweit eine Milliarde Bäume pflanzen

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Jährlich werden auf der Erde rund 26 Milliarden Bäume gefällt. Der ehemalige Nasa-Ingenieur Lauren Fletcher nimmt den Kampf gegen die globale Entwaldung auf. Um den Schwund wettzumachen, entwickelte seine in Oxford ansässige, gemeinnützige Firma Bio Carbon Engineering eine innovative Drohne. Diese scannt auch unzugängliche Gegenden, kartografiert baumlose Regionen und bestimmt die Bodenart. Zusammen mit Ökologen entscheidet das Unternehmen, welche Bäume wo gepflanzt werden. Dann wird der Flugkörper ein zweites Mal losgeschickt. Per Druckluft schießt er kleine Saatgut-Kapseln in den Boden. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und schützen das keimende Saatgut in der ersten Zeit. „Der industriellen Waldvernichtung können wir nur mit industrieller Aufforstung begegnen“, ist Fletcher überzeugt. Das Projekt befindet sich in der Entwicklungsphase, erste Tests sind im Laufe des Jahres geplant. Obwohl dem britischen Start-up noch Investoren fehlen, hofft Fletcher, dass die Firma schon bald Regierungen für Aufforstungsprojekte begeistern und jedes Jahr eine Milliarde Bäume pflanzen kann.
biocarbonengineering.com

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Frankreich
Mit einem Ende Mai verabschiedeten Gesetz will die französische Nationalversammlung die Verschwendung von Lebensmitteln eindämmen: Große Supermärkte werden verpflichtet, überschüssige Produkte künftig an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden. Für Menschen ungeeignete Reste können laut Beschluss des Parlaments auch kompostiert oder als Tierfutter verwendet werden. Dabei wandern in Frankreich pro Person und Jahr „nur“
bis zu 30 Kilogramm ungenutzt in den Müll. Hierzulande fallen pro Kopf und Jahr rund 82 Kilo Essensabfälle an.
 

Münster
Seit 1989 dürfen in Münster auf kommunalen Flächen der westfälischen Stadt keine Pestizide mehr eingesetzt werden. Sprießendes Unkraut wird mit Heißluftwalzen oder Wildkrautbürsten entfernt. Diese Verfahren sind zwar aufwendiger und teurer, aber giftfrei. Dank einer Beratung durch den BUND verzichten inzwischen etliche Kommunen auf Pestizide. Dem Vorreiter Münster folgten zum Beispiel Saarbrücken, Tübingen und Bielefeld.
bund.net/pestizidfrei

Berlin
Heimischen Dünger stellen die Berliner Wasserwerke her, indem sie Phosphat aus Klärschlamm zurückgewinnen. Der Wasserversorger verkauft das recycelte Düngemittel unter dem Namen „Berliner Pflanze“ an Landwirte. Das Verfahren haben sich die Ingenieure patentieren lassen. Es dürfte weltweit auf Nachfrage stoßen, denn die globalen Phosphatvorräte gehen zur Neige.
bwb.de/berlinerpflanze
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

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Fr, 2015-07-31 11:26
Nablus (dpa)

Kind bei Terroranschlag getötet - Suche nach Tätern

Vermutlich jüdische Extremisten haben im Westjordanland zwei Häuser von Palästinensern angezündet. Eine Familie konnte sich nicht schnell genug retten: Der 18 Monate alte Sohn starb, die anderen Mitglieder wurden schwer verletzt. Israels Armee jagt die Täter.

Nablus (dpa) - Vermutlich radikale Siedler haben im Westjordanland einen Brandanschlag verübt, bei dem ein Kleinkind einer palästinensischen Familie ums Leben gekommen ist. Nach Angaben der israelischen Armee kamen mindestens zwei Vermummte am frühen Morgen in das Dorf Duma zwischen Nablus und Ramallah. Dort besprühten sie zwei Häuser mit hebräischen Graffiti, bevor sie die Fenster einschlugen und Brandbomben in die Gebäude warfen. Dabei erlitt ein 18 Monate altes Kind so schwere Brandverletzungen, dass es starb.

Mindestens drei weitere Familienmitglieder wurden nach israelischen und palästinensischen Angaben schwer verletzt. Sie werden in israelischen Krankenhäusern behandelt. Vater und Mutter des getöteten Kindes schweben nach einem Bericht von «ynet» in Lebensgefahr.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb in einer Mitteilung, er sei schockiert über die «entsetzliche Tat». Die israelische Regierung verurteile den terroristischen Akt. Er habe die Sicherheitskräfte angewiesen, alles zu unternehmen, um die Täter zu fassen und vor Gericht zu stellen.

Nach Angaben der israelischen Armee wurde intensiv nach den Tätern gesucht. Armeesprecher Arye Shalicar sagte der Deutschen Presse-Agentur, mehrere Infanterie-Einheiten seien an der Suche beteiligt. Der Anschlag sei «die höchste Form von Extremismus», sagte Shalicar. «Wir dürfen so etwas absolut nicht tolerieren.»

Die radikal-islamische Hamas rief am Freitag zu einem «Tag der Wut» auf. Bach Angaben einer Polizeisprecherin wurden deshalb die Sicherheitsvorkehrungen in Jerusalem verstärkt. «Ynet» berichtete, Männern unter 50 Jahren würde der Zutritt zum Tempelberg untersagt.

Der Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte die israelische Regierung für das Verbrechen verantwortlich. Das Ganze wäre nicht geschehen, würde Israel seine Siedlungen nicht immer weiter ausbauen.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Betselem leben im Westjordanland rund 350 000 israelische Siedler. Immer wieder gibt es im Westjordanland Ausschreitungen und Anschläge von beiden radikalen Extremisten beider Seiten.

Fr, 2015-07-31 11:28
Berlin (dpa)

Bundesbeauftragte: Schicksal der Sinti und Roma soll in Lehrpläne

Berlin (dpa) - Vor dem internationalen Gedenktag der Sinti und Roma hat die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes dazu aufgerufen, das Schicksal dieser Minderheit als Thema in alle Lehrpläne an Schulen aufzunehmen. «Der Völkermord an Sinti und Roma ist ein unsagbar schändlicher und beschämender Teil der deutschen Geschichte, der jahrzehntelang verharmlost und verschwiegen wurde», sagte Christine Lüders am Freitag. «Umso unerträglicher ist es, dass manchen dieser Genozid nicht einmal bekannt ist.» Lüders forderte Schulen dazu auf, auch die aktuelle massive Diskriminierung der Sinti und Roma häufiger als bisher im Unterricht zu behandeln.

In der NS-Zeit wurden Sinti und Roma als «Zigeuner» geächtet, schrittweise entrechtet und schließlich in Vernichtungslager deportiert. Schätzungsweise 500 000 von ihnen fielen dem Holocaust zum Opfer.

In Deutschland sei insbesondere jüngeren Menschen wenig darüber bekannt, sagte Lüders. In einer Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle gab ein Drittel der 25 bis 34-Jährigen an, nichts von der Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma zu wissen. «Unsere historische Verantwortung wird vergessen», bemängelte Lüders.

Mit einer Delegation von fünfzig Menschen - unter ihnen viele Holocaust-Überlebende - nimmt der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma am Sonntag an einem Gedenktag für die Opfer im Konzentrationslager Auschwitz teil. Erwartet werden neben Delegationen von Roma-Organisationen aus vielen Staaten Europas unter anderen auch Vertreter der polnischen Regierung und der Botschaften europäischer Staaten, der USA und Israels.

Fr, 2015-07-31 11:28
Rangun (dpa)

Schauspielerin Jolie mit Sohn Maddox in Myanmar

Rangun (dpa) - US-Schauspielerin Angelina Jolie (40) hat sich in Myanmar für eine stärkere Rolle der Frauen im Friedensprozess mit ethnischen Minderheiten eingesetzt. Jolie bereist die einstige Militärdiktatur in Südostasien als Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Sie traf Präsident Thein Sein und besuchte ein Flüchtlingslager in der Kachin-Region. Dort unterhielt sie sich unter anderem mit einer 90-jährigen Frau, die fast ihr ganzes Leben auf der Flucht verbracht hat, wie die Vereingten Nationen berichteten. Jolie ist mit ihrem in Kambodscha geborenen Sohn Maddox unterwegs. Die beiden hatten dort zuvor Hilfsprojekte besichtigt. Jolie will in Kambodscha demnächst einen Film drehen.

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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