Mo, 2015-04-27 10:45
Berlin (ICAN)

Atomwaffensperrvertrag in New York: Steinmeier muss Chance für Atomwaffenverbot ergreifen

Anlässlich der Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags vom 27. April - 22. Mai 2015 in New York fordert die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) Außenminister Steinmeier auf, die historische Chance für ein Verbot nicht verstreichen zu lassen. “Deutschland sollte seinen wachsenden Einfluss für eine Wende der internationalen Nuklearpolitik nutzen,” so Abrüstungsexperte Sascha Hach von ICAN Deutschland. Der Bundesrepublik komme eine besondere Verantwortung für die völkerrechtliche Ächtung zu. “Wenn Deutschland als Stationierungsort und NATO-Mitglied ein Verbot unterstützt, werden sich dem zahlreiche weitere Staaten anschließen.”

Im Verlauf der letzten beiden Jahre sind die humanitären Folgen eines Atomwaffeneinsatzes ins Zentrum der Diskussion um nukleare Abrüstung gerückt. Angeführt von Österreich haben sich gegenwärtig 76 Staaten dazu bereit erklärt, an Verhandlungen über ein völkerrechtliches Verbot teilzunehmen. Auf der Überprüfungskonferenz in New York werden diese die Staatengemeinschaft mit dem katastrophalen Risiko eines Atomwaffeneinsatzes konfrontieren. Unter den atomwaffenfreien Staaten herrscht zunehmend Unmut darüber, dass die Atomwaffenstaaten das humanitäre Völkerrecht aus der Diskussion ausklammern und ihrer vertraglichen Abrüstungsverpflichtung nicht nachkommen. “Nur wenn für Atomwaffen die gleichen Maßstäbe gelten wie für andere Massenvernichtungswaffen, können ihr Einsatz und ihre Verbreitung langfristig verhindert werden,” erklärt Hach.

Der auf der letzten Überprüfungskonferenz in 2010 beschlossene Aktionsplan zur Abrüstung wurde nicht umgesetzt. Aus Sicht von ICAN Deutschland sind internationale Krisen wie gegenwärtig in der Ukraine keine Entschuldigung für mangelnden Fortschritt. Vielmehr machen sie die Eliminierung von Atomwaffen umso dringlicher, um unverhältnismäßiges menschliches Leid zu vermeiden.

ICAN Deutschland wird in New York mit großen Delegationen präsent sein und steht für Ihre Interviewanfragen gerne zur Verfügung.

Mo, 2015-04-27 09:33
Tröglitz/Magdeburg (dpa)

Nach TV-Sendung: Mehr als 30 Hinweise zu Brandanschlag in Tröglitz

Tröglitz/Magdeburg (dpa) - Nach einem Aufruf in der MDR-Sendung «Kripo live» sind bei der Polizei mehr als 30 Hinweise zum Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz eingegangen. Die meisten Anrufer hätten Informationen zu einem vor Ort gefundenen Schlüsselbund mit einem auffälligen Anhänger gehabt, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes von Sachsen-Anhalt am Montag. Ob eine heiße Spur dabei sei, werde sich zeigen. Neben dem Schlüsselbund wurden in der Sendung auch ein dunkler Handschuh sowie die Kanister gezeigt, in denen sich der Brandbeschleuniger befand.

In der Nacht zum 4. April hatten bisher unbekannte Täter ein für Flüchtlingswohnungen vorgesehenes Mehrfamilienhaus in Tröglitz angezündet. Zuvor hatte es mehrfach Proteste gegen die Unterbringung von Asylbewerbern gegeben. Der damalige Bürgermeister trat wegen einer geplanten NPD-Demonstration vor seinem Privathaus zurück.

Mo, 2015-04-27 09:41
Kathmandu (dpa) 

Zahl der Erdbeben-Toten übersteigt 3400 - Hilfe für Nepal läuft

Die Lage im Erdbebengebiet bleibt dramatisch: Hunderttausende Nepalesen campieren auf den Straßen, die Seismologen verzeichneten Dutzende Nachbeben. Derweil steigt die Zahl der Opfer.

Kathmandu (dpa) - Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben im Himalaya finden die Helfer weiter zahlreiche Tote. Allein in Nepal kamen nach Regierungsangaben vom Montag mindestens 3 326 Menschen ums Leben. Für die Rettungs- und Hilfsarbeiten würden alle verfügbaren Kräfte eingesetzt. Das Militär erklärte, 90 Prozent aller nepalesischen Soldaten seien im Einsatz. In Indien starben bei dem gewaltigen Beben 62, in China mindestens 20 Menschen. Unterdessen erschütterten weitere Nachbeben die Erde im Katastrophengebiet.

Zahlreiche Staaten und Organisationen entsandten Helfer. Der einzige internationale Flughafen Nepals war zwar am Montag geöffnet, doch konnten viele Flugzeuge nicht landen und zogen stundenlang Kreise. Auch Deutschland schickte Experten. Am Mittag sollte ein Team des Technischen Hilfswerks (THW) in der Hauptstadt Kathmandu eintreffen.

Den Überlebenden machten in der Nacht starke Regenfälle zu schaffen. Hunderttausende abgekämpfte Menschen verbrachten die Nacht - auch aus Angst vor Nachbeben - in provisorischen Zeltstädten.

Nepals Regierung spricht von mehr als 6500 Verletzten. Krankenhäuser sind heillos überfüllt. Viele Verletzte müssen auf der Straße versorgt werden. Die Regierung rief die Bürger am Montag zu Blutspenden auf. Überlebende berichten, viele Straßen seien wegen Erdrutschen oder aufgerissenen Teer nicht passierbar.

Das Tourismusministerium versicherte, ein Fokus der Hilfskräfte sei es auch, die festsitzenden Urlauber in Sicherheit zu bringen. Allein aus dem Basislager am Mount Everest seien 82 Menschen ausgeflogen worden, sagte Suresh Man Shrestha vom Ministerium. Dort waren mindestens 19 Bergsteiger und Helfer in einer Lawine gestorben. Dutzende sitzen noch am höchsten Berg der Welt fest.

Die Europäische Kommission versprach Nepal drei Millionen Euro Soforthilfe. Das Geld solle zusätzlich zu den Hilfen der einzelnen Mitgliedstaaten und zur Entsendung von Zivilschutzexperten in die Erdbebenregion fließen, erklärte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides. Am dringendsten würden medizinische Helferteams und Nothilfe-Lieferungen benötigt.

Die Asiatische Entwicklungsbank sicherte 200 Millionen Dollar (rund 183 Millionen Euro) an Unterstützung zu. Für Zelte, Medikamente und Trinkwasser sollen kurzfristig 3 Millionen Dollar Soforthilfe bereitgestellt werden.

In Kathmandu habe in der Nacht eine solidarische Atmosphäre geherrscht, berichtet der deutsche Reisefotograf Jordane Schönfelder. Viele Menschen seien auf Nachbarschaftshilfe angewiesen. Es gebe keine Informationszentren und nur wenige Soldaten und Polizisten. «Selbst nach den Verschütteten graben die meisten Leute selber.»

Das Erdbeben der Stärke 7,8 war die stärkste Erschütterung des Bodens in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Das Epizentrum lag etwa 80 Kilometer nordwestlich von Kathmandu. Große Teile der Infrastruktur Nepals, viele alte Häuser sowie Weltkulturerbe- und Pilgerstätten wurden zerstört. Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. «Wir versuchen Telefonleitungen zu reparieren und Strom wiederherzustellen«, sagte Nepals Kommunikationsminister Minendra Rizal. Nach Regierungsangaben sollten auch am Montag massenhaft Leichen verbrannt werden, um Seuchen zu verhindern.

Dem Beben am Samstag folgten viele Nachbeben. Das ganze Ausmaß der Zerstörung war noch nicht abzusehen, weil viele abgelegene Dörfer zunächst nicht erreicht wurden. Auch Kathmandu war nicht mehr über den Landweg erreichbar, nachdem ein Nachbeben der Stärke 6,7 die Ost-West-Landstraße bei Mugling und Narayanghat blockierte.

Vom Flughafen Berlin-Schönefeld sollte am Montag ein Flug mit 60 Tonnen Hilfsgütern nach Nepal starten, wie das Deutsche Rote Kreuz mitteilte. Ein Hilfsflug von I.S.A.R. Germany mit 52 Experten war schon am Sonntag gestartet. Unter ihnen seien auch Rettungshundeführer. Das größte Hilfskontingent kommt aber aus dem Nachbarland Indien. Neu Delhi schickte allein 16 Helikopter. «Das Erdbeben in Nepal, das so viele Tote verursacht hat, ist eine schlimme Katastrophe. Die internationale Gemeinschaft muss die Region jetzt unterstützen», erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Viele Organisationen riefen zu Spenden für die Erdbebenopfer auf und entsandten ebenfalls Helfer und Material. Die Liste der Länder, die in den ersten 24 Stunden ihre Unterstützung ankündigten, reicht von Sri Lanka über Japan und Russland bis Belgien, Frankreich und Luxemburg. Nepal rief den Notstand in den betroffenen Gebieten aus, in denen 6,6 Millionen Menschen leben. Gesteuert wird die Hilfe für Nepal vom UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung (OCHA).

Im Internet riefen Prominente zur Unterstützung auf: «Mein Herz bricht mit der steigenden Zahl der Todesopfer», schrieb Sängerin Katy Perry (30) am Montag bei Twitter. «Bitte helft Unicef dabei, betroffene Kinder und Familien zu unterstützen.» Schauspielerin Alyssa Milano (42) schrieb: «Mein Herz ist in Nepal.» Auch der Tennisspieler Rafael Nadal (28), die Sängerin Shakira (38) und Kim Kardashian (34) äußerten ihr Mitgefühl.

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mo, 2015-04-27 09:45
Hamburg (Greenpeace)

Greenpeace-Studie: Vattenfall kann in der Lausitz Braunkohleausstieg bis 2030 vormachen

Schrittweise Umstellung von Braunkohle auf Erneuerbare ohne Arbeitsplatzverluste möglich

Der Energiekonzern Vattenfall kann sein ostdeutsches Braunkohlegeschäft innerhalb von 15 Jahren herunterfahren und auf Erneuerbare Energien umsteigen – ohne dadurch Arbeitsplätze oder Deutschlands Klimaschutzziel zu gefährden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Vattenfall will seine klimaschädliche Braunkohlesparte verkaufen. Doch die aktuelle Diskussion über einen Klimabeitrag für Kohlekraftwerke unterstreicht die unsichere Zukunft des Geschäfts und verzögert den Verkaufsprozess laut Agenturmeldungen. „Vattenfall kann in der Lausitz den schrittweisen Braunkohleausstieg bis 2030 vormachen und den Mitarbeitern gleichzeitig zukunftsfähige Jobs in den Erneuerbaren Energien anbieten. Dieser Weg ist nicht einfach, aber er ist unausweichlich, und er wird umso schwieriger, je länger Energiekonzerne und Gewerkschaften warten“, sagt Greenpeace-Energieexpertin Susanne Neubronner.
Die vollständige Studie finden Sie hier.

Greenpeace stellt das Szenario für einen nachhaltigen Umbau des Vattenfall-Geschäfts in der Lausitz pünktlich zur heutigen Hauptversammlung des Konzerns in Stockholm vor, auf der wichtige strategische Entscheidungen getroffen werden können. Der schwedische Staatskonzern will sich künftig ganz auf Erneuerbare Energien konzentrieren und seinen CO2-Ausstoß als Beitrag zum Klimaschutz deutlich senken. Auch aus diesem Grund soll die Braunkohlesparte verkauft werden. Ein Verkauf aber würde das Problem an einen neuen Eigner weiterreichen, der die Planungen für weitere Tagebaue sehr wahrscheinlich fortführen und so noch über Jahrzehnte Braunkohle abbauen und verstromen würde – mit den bekannten katastrophalen Klima- und Umweltschäden. „Die vorhandenen Potenziale für Erneuerbare Energien in Sachsen und Brandenburg sind groß genug, um die wegfallenden Arbeitsplätze aus der Braunkohle bis 2030 aufzufangen. Unsere Studie zeigt auch, dass sich mit einem Braunkohleausstieg in der Lausitz bis 2030 Umweltkosten für die Allgemeinheit in Höhe von gut 80 Milliarden Euro einsparen lassen“, so Studienautorin Julika Weiß vom IÖW.

Ein Großteil der fossilen Energieträger muss im Boden bleiben

Der Weltklimarat hat in seinem jüngsten Bericht betont, dass ein Großteil der Kohle- und Ölreserven im Boden bleiben muss, um die zunehmend spürbarer werdenden Folgen des Klimawandels künftig in beherrschbaren Grenzen zu halten. Bei der Umsetzung dieser Erkenntnis müssen künftig auch Energiekonzerne, Politik und Gewerkschaften Verantwortung übernehmen. „Wir können nicht weiter Kohle verbrennen, als gäbe es keinen Klimawandel. Vattenfall und die schwedische Regierung, aber auch deutsche Gewerkschaftschefs sind es nicht nur den Bergleuten, sondern auch den Opfern des Klimawandels schuldig, endlich darauf zu reagieren“, fordert Neubronner.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat angekündigt, Klimaschutz zum Schwerpunkt des in Deutschland stattfindenden G7-Gipfels Anfang Juni zu machen und so die Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris vorzubereiten. Dabei wird der notwendige Ausstieg aus den fossilen Energien eine große Rolle spielen. Greenpeace fordert eine langfristige Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050. 
 

Mo, 2015-04-27 09:30
Müchen (Testbiotech)

EU-Kommission lässt 19 Gentechnik-Pflanzen auf einmal zu

Testbiotech bereitet Beschwerde vor

Die EU-Kommission hat so viele gentechnisch veränderte Pflanzen für den EU-Import zugelassen wie nie zuvor an einem einzigen Tag. Am Freitag letzter Woche wurden neunzehn Pflanzen zugelassen, siebzehn können für Lebens- und Futtermittel verwendet werden, zwei Zulassungen betreffen Nelken. Zehn Zulassungen beziehen sich auf Neuanmeldungen, der Rest betrifft Verlängerungen bereits bestehender Zulassungen. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der für die Nahrungsmittelproduktion in der EU zugelassenen Gentechnik-Pflanzen auf 58. Testbiotech plant eine Beschwerde gegen die Zulassung.

„Die Risiken der jeweiligen Pflanzen wurden nicht ausreichend erforscht. Kombinierte Auswirkungen auf die Gesundheit, die auftreten können, wenn die Pflanzen in Nahrungsmitteln gemischt werden, wurden sogar überhaupt nie untersucht“, sagt Christoph Then von Testbiotech. „Der laxe Umgang mit den Risiken dieser Pflanzen und deren massenhafte Zulassung führt zu stetig steigenden gesundheitlichen Risiken in der Nahrungsmittel­produktion.“

Die Risikobewertung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA wurde auch von Experten verschiedener EU-Mitgliedsländer kritisiert. Doch dies hatte keine Auswirkungen auf die Zulassungen. Stattdessen schlägt die EU-Kommission jetzt neue Regeln vor, die es einzelnen Mitgliedsländern erlauben sollen, den Import von Gentechnikpflanzen zu verbieten. Den Mitgliedsländern soll dabei allerdings ausdrücklich untersagt werden, ihren Importstopp beispielsweise mit gesundheitlichen Risiken zu begründen. Damit könnten entsprechende Importverbote in Zukunft kaum gegen Klagen verteidigt werden.

Tatsächlich bestehen aber erhebliche Unsicherheiten bei der Risikobewertung dieser Pflanzen. Einige Beispiele: Sieben der zehn Neuzulassungen betreffen Pflanzen, die unempfindlich gegen Unkraut­vernichtungsmittel gemacht wurden. Diese Resistenzen erstrecken sich auf vier verschiedene Gruppen von Spritzmitteln. Doch die Rückstände der Herbizide und ihre möglichen Wechselwirkungen wurden bei der Risikobewertung nicht berücksichtigt.

Bei drei der Gentechnik-Sojabohnen wurde die Zusammensetzung der Fettsäuren verändert. Diese Pflanzen sollen zum Teil angeblich förderlich für die Gesundheit sein, wurden aber nie auf ihre tatsächlichen Gesundheitseffekte getestet.

Eine Maispflanze soll Trockenheit besser widerstehen können. In der Paxis zeigt sich allerdings kein Vorteil gegenüber ähnlichen, konventionell gezüchteten Maissorten. Dafür gibt es jedoch besondere Unsicherheiten in der Risikobewertung: Wie das aus Bakterien stammende Gen in den Pflanzen tatsächlich funktioniert, wird bislang nicht verstanden. Zudem weisen die Maispflanzen eine Resistenz gegen Antibiotika auf, obwohl derartige Eigenschaften laut EU-Regelwerk vermieden werden sollen.

Testbiotech kritisiert insbesondere die Zulassung von Rapspflanzen der Firma Monsanto, von denen angenommen wird, dass sie sich bei Transportverlusten unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten können.
Testbiotech plant eine Musterbeschwerde gegen die Entscheidung der EU-Kommission. Die Organisation hatte bereits in drei anderen Fällen offiziell Beschwerde eingelegt, ein Fall ist bereits beim Gerichtshof der Europäischen Union anhängig.
 

Mo, 2015-04-27 07:59
Astana (dpa)

Kasachischer Präsident Nasarbajew mit 97,7 Prozent im Amt bestätigt

Astana (dpa) - Bei der Wahl in der ölreichen Ex-Sowjetrepublik Kasachstan ist der autoritäre Dauerpräsident Nursultan Nasarbajew mit einem Rekordwert von 97,7 Prozent der Stimmen bestätigt worden. Dieses vorläufige Endergebnis gab der Wahlleiter Kuandyk Turgankulow am Montag der Staatsagentur Kazinform zufolge in der Hauptstadt Astana bekannt. 

Der 74 Jahre alte Nasarbajew ist seit 25 Jahren an der Macht. Die Wahlbeteiligung wurde mit einem Rekordwert von 95,2 Prozent der Stimmen angegeben. Westliche Beobachter kritisieren die Wahl als unfair und nicht frei.

Nach seinem Sieg sagte Nasarbajew: «Ohne ein solches Vertrauen wäre es schwierig, die vor uns stehenden Aufgaben zu lösen.» Das Ergebnis zeige die «Einheit des kasachischen Volkes».

Rund zehn Millionen Kasachen waren am Sonntag zu der Abstimmung aufgerufen gewesen. Zugelassen waren auch zwei systemtreue Zählkandidaten. Eine Opposition oder freie Medien gibt es in dem Steppenstaat nicht. 2011 waren Nasarbajew 96 Prozent der Stimmen zugesprochen worden. Das Land steht international wegen schwerer Menschenrechtsverstöße in der Kritik.

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Mo, 2015-04-27 08:08
Berlin (dpa)

Nahles verteidigt Dokumentationspflichten beim Mindestlohn

Berlin (dpa) - Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat die Dokumentationspflichten beim Mindestlohn gegen Kritik aus der Union verteidigt. «Ich muss sagen, dass ich die Dokumentationspflichten für angemessen und notwendig halte», sagte die SPD-Politikerin am Montag im «ZDF»-Morgenmagazin. Wenn man die Arbeitsstunden nicht ordentlich erfasse, könne der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro nicht eingehalten werden. Insgesamt habe sich der Mindestlohn bislang «absolut bewährt». Negative Folgen für den Arbeitsmarkt seien bislang nicht zu erkennen.

Nach sechsstündigen Beratungen im Kanzleramt hatte die große Koalition in der Nacht wichtige Streitpunkte zum Thema vertagt. Damit bleibt es vorerst bei den Regelungen. Wirtschaft und Union hatten gefordert, dass es weniger bürokratische Lasten - etwa bei den Dokumentationspflichten - geben solle.

Mo, 2015-04-27 07:00
Lüneburg (dpa)

Auschwitz-Überlebende Eva Pusztai-Fahidi: «Hassen verwüstet»

Wegen des Auschwitz-Prozesses gegen Oskar Gröning ist sie in Lüneburg. Eva Pusztai-Fahidi ist Nebenklägerin, die 89-jährige Ungarin hat den Völkermord überlebt. Jahrzehntelang schweigt sie voll Hass, ausgerechnet eine Einladung nach Deutschland wirkt heilend.

Lüneburg (dpa) - In Auschwitz hat eine einzige Handbewegung von Lagerarzt Josef Mengele für ihre Schwester und die Mutter den Tod bedeutet, gleich nach der Ankunft. Auch den Vater hat sie nie wieder gesehen, die Cousine nicht mit dem kleinen Kind - 49 Familienangehörige hat sie im Holocaust verloren. Eva Pusztai-Fahidi strahlt Haltung und Würde aus, die groß gewachsene 89-Jährige mit dem schlohweißen Haar geht kerzengerade.

«Ich war ein Nichts - eine Frau, splitternackt und kahlgeschoren», beschreibt sie ihre Lage nach der Ankunft in Auschwitz als 18-Jährige. «Man wollte mir auch die Seele nehmen, das habe ich nicht zugelassen», sagt sie stolz. Nur deshalb habe sie überleben können.

Die Situation im Gerichtssaal mehr als 70 Jahre danach sei für sie «wunderbar», sagt sie zum Prozess gegen Oskar Gröning - auch wenn seine Terminologie «als wäre das Dritte Reich im Gerichtssaal» nur schwer zu ertragen sei. Der 93-Jährige muss sich wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Es geht um die sogenannte «Ungarn-Aktion» im Sommer 1944. Pusztai-Fahidi hat den Völkermord überlebt, ist Nebenklägerin, am Dienstag will sie als Zeugin aussagen. «Wir Überlebenden sitzen in einem Gericht und er muss sich verteidigen», sagt sie zufrieden. «Ich muss mich ab und zu zwicken, ob das die Wirklichkeit ist. Ich empfinde den Prozess als ganz wichtige Genugtuung.»

«Ich kann nicht im Namen der Toten verzeihen - ich allein habe 49 Angehörige verloren», betont sie. Ihre ermordete Schwester wäre heute 82 - so aber bliebe sie elf, für immer. «Ich habe die ganze Welt gehasst, eine lange Zeit lang, vor allem die Täter.» Doch das habe sich über die Jahre geändert. «Zu hassen ist ein Zustand, der die Seele verwüstet - man spürt ihn auf der Haut», sagt sie. «Wenn man weiter hasst, dann bleibt man ein Opfer», meint sie, deren gerader Blick viel Herzenswärme verrät. «Ich will einfach deshalb nicht hassen, weil ich meine Seele schonen will. Ich will ein besserer Mensch sein.»

Nach der Befreiung habe sie nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden setzen wollen, nie wieder ein deutsches Wort sprechen. Fast 60 Jahre hat sie geschwiegen, hat zweimal geheiratet, hat im Außenhandel gearbeitet. Dann kommt 1989 eine Einladung aus Deutschland. Daheim in Budapest liest Pusztai-Fahidi in der Zeitung, dass die hessische Ortschaft Stadtallendorf ehemalige Häftlinge von Münchmühle sucht, einem Außenlager Buchenwalds. Dort hat sie das Kriegsende erlebt, als Zwangsarbeiterin, auf einem Todesmarsch ist sie entkommen. Sie nimmt die Einladung an. «Das hat heilend gewirkt», sagt Pusztai-Fahidi heute. «Man hat sich geschämt und man hat um Verzeihung gebeten.»

«Jetzt fällt es mir nicht mehr schwer, nach Deutschland zu kommen», betont die dreisprachig aufgewachsene, die auch die Sprache der Täter schon immer beherrschte. Nach der Befreiung habe sie als erste Bücher die Texte von Wagner-Opern gekauft, berichtet sie. Vor einigen Jahren hat sie ein Buch über den Untergang ihrer Familie geschrieben, «Die Seele der Dinge» heißt es. «Ich wollte meiner Familie ein Denkmal setzen, haltbarer als Erz», sagt die am 22. Oktober 1925 in Debrecen geborene. «Ich habe meiner Familie für achtzehneinhalb wunderbare Jahre danken wollen.»

Sogar Oskar Gröning könne sie vielleicht verzeihen, wenn sie menschliche Züge an ihm entdecken würde, sagt Pusztai-Fahidi, wenn er aufstehe und die ganze Wahrheit sagt. «Er weiß ja ganz genau, was die Wahrheit war. Er hat ja dort gestanden, an der Rampe.» Was möchte sie den jungen Deutschen und kommenden Generationen mit auf den Weg geben, nach ihren Erfahrungen mit Hass und Antisemitismus? Gerade Schüler wollten ihren Rat sicher nicht gern hören, antwortet die 89-Jährige verschmitzt. Er sei ganz einfach: «Ihr müsst lernen. Nur blöden Menschen kann man alles einreden.»
 

Mo, 2015-04-27 07:15
Berlin (dpa)

Salz, Fracking oder Atommüll? Neue Probleme bei Endlagersuche

Vor 20 Jahren rollten die ersten Castor-Behälter nach Gorleben. Die Bundesregierung will sich die Endlager-Option im dortigen Salzstock offen halten und die Salzförderung weiter verbieten. Das wirft heikle Fragen auf für andere mögliche Endlagerregionen in Deutschland.

Berlin (dpa) - Die Slogans sind schon lange fertig: «Strahlungsfrei aufs Frühstücksei.» Oder: «Besser Salz fördern, als Atommüll lagern». Schon 1996 wurde als findige Idee von Gorleben-Gegnern die Salinas Salzgut GmbH gegründet, das Ziel ist aber bis heute nicht erreicht: Salz aus dem dortigen Salzstock fördern. Wenn es dafür grünes Licht gäbe, wäre Gorleben wohl aus dem Rennen als Atommüll-Endlager.

Das Salz-Förderverbot in Gorleben - seit 1977 einzige Option für das deutsche Endlager für hochradioaktiven Atommüll - läuft vereinfacht gesagt im August aus. Die Bundesregierung hat aber beschlossen, die sogenannte Veränderungssperre des Salzstocks zu verlängern.

Doch da bald bundesweit nach einem Endlager gesucht werden soll, stellt sich die Frage: Muss ein Rohstoff-Förderverbot dann nicht auch für alle anderen denkbaren Endlagerregionen gelten? «Wir brauchen eine Klarstellung im Bergrecht, die alle potenziellen Endlagerorte sichert», fordert der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grünen). Dann müssten zum Beispiel Anträge auf Gasförderung («Fracking») oder Geothermie zurückgestellt werden. Die für den 8. Mai geplante Gorleben-Entscheidung im Bundesrat wurde nun verschoben.

Seit einem Jahr berät die 33-köpfige Endlager-Kommission, die die Grundlage für die Suche erarbeitet. Sie fordert eine Regelung der Bundesregierung zu der heiklen Frage - aber aus Kommissionskreisen ist zu hören, dass sich das Bundeswirtschaftsministerium gegen ein Rohstoffförder-Moratorium für mögliche Endlagerregionen stemmt.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne), wie Wenzel Mitglied der Kommission, sieht das anfangs kaum vorankommende Gremium langsam in der Spur. Für den 20. Juni hat man zum Bürgerdialog in Berlin eingeladen, um die Transparenz der Arbeit zu untermauern. «Es sind die Mühen der Ebene, die wir durchschreiten», sagt Habeck. Denn es ist ein schwieriges Unterfangen: Atombefürworter und Atomgegner, Verfechter und Bekämpfer eines Endlagers in Gorleben an einem Tisch.

Vor 20 Jahren - am 25. April 1995 - wurden die ersten Castor-Behälter in das nahe des Salzstocks gelegene oberiordische Zwischenlager gebracht. 113 Behälter stehen dort heute - wo sie wohl einmal endgelagert werden? Gorleben bleibt trotz aller Bedenken bei der neuen Suche im Rennen - aber die Kommissionsarbeit zeigt das Dauerproblem, nämlich dass der Standort eine Sonderrolle spielt.

In die Erkundung Gorlebens wurden schon über 1,6 Milliarden Euro investiert - mit Verlängerung der Veränderungssperre kann Gorleben ein potenzieller Endlagerkandidat bleiben. Dies sei aber «kein neues Präjudiz für Gorleben als Endlager, auch wenn ich weiß, dass es den Betroffenen in der Region schwer fällt, dies zu akzeptieren», sagt Bundesumweltminister Barbara Hendricks (SPD). Letztlich wird damit eine Vorgabe des Endlagersuchgesetzes umgesetzt: Erst im Falle des Ausschlusses darf der Salzstock auch anderweitig genutzt werden.

Weitgehender Konsens ist eine Tiefen-Endlagerung in Salz-, Ton- oder Granitgestein - die Kommission verwarf Optionen wie eine Endlagerung im Weltall oder in der Antarktis, allein schon weil das Suchgesetz eine Endlagerung deutscher Atomabfälle in Deutschland vorsieht.

Es gibt erhebliche Zweifel, ob tatsächlich bis 2031 - wie geplant - ein Endlagerort gefunden ist, dann muss es noch gebaut werden. Eine Arbeitsgruppe der Kommission kommt zu dem wenig erbaulichen Ergebnis, dass erst zwischen 2075 bis 2130 die Einlagerung der hochradioaktiven Abfälle aus den deutschen Atomkraftwerken beendet sein könnte.

Das größte Problem: Die Zwischenlager und Castor-Behälter sind nur für 40 Jahre genehmigt. Habeck sorgt das sehr. «Die Zwischenlager stehen neben Atomkraftwerken, die wir bald abreißen wollen.» Dann gäbe es viele Jahrzehnte Zwischenlager in der ganzen Republik verteilt - auf der grünen Wiese. «Wie sollen Sicherheit, Kontrolle, Wartung und Reparatur der Castoren sichergestellt sein?», so Habeck. Und wer soll mögliche Mehrkosten in Milliardenhöhe für Verzögerungen zahlen? Denn wer weiß schon, ob es bis dahin überhaupt noch die für die hochradioaktiven Abfälle verantwortlichen Atomkonzerne gibt.
 

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mo, 2015-04-27 07:21
Kathmandu/Berlin (dpa)

Promis rufen zur Spenden für Erdbeben-Opfer auf

Kathmandu/Berlin (dpa) - Viele Prominente haben im Internet zu Spenden für die Erdbeben-Opfer in Nepal aufgerufen. «Mein Herz bricht mit der steigenden Zahl der Todesopfer», schrieb Sängerin Katy Perry (30) am Montag bei Twitter. «Bitte helft Unicef dabei, betroffene Kinder und Familien zu unterstützen.» Bei dem schweren Erdbeben im Himalaya waren allein in Nepal am Wochenende nach Angaben des dortigen Innenministeriums mindestens 3200 Menschen ums Leben gekommen. «Söhne, Ehefrauen, Väter», schrieb Schauspielerin Alyssa Milano (42). Man solle hinter die Zahlen schauen. «Mein Herz ist in Nepal.» Auch reiche Stars wie der Tennisspieler Rafael Nadal (28), die Sängerin Shakira (38) und Kim Kardashian (34) äußerten ihr Mitgefühl und riefen zu Spenden auf.

Mo, 2015-04-27 07:19
Singapur (dpa)

Ölpreise leicht gefallen

Singapur (dpa) - Die Ölpreise sind am Montag leicht gesunken. Ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete am Morgen 64,15 US-Dollar und damit 13 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 20 Cent auf 56,95 Dollar.

Händler sprachen von einem impulsarmen Handel. Zuletzt hatten die Ölpreise von der gestiegenen Unsicherheit im Nahen Osten profitiert. Das militärische Eingreifen von Saudi-Arabien im Jemen schüre die Angst vor Lieferausfällen.

Mo, 2015-04-27 06:00
Frankfurt/Main (dpa)

KfW fördert energiesparende Produktion: Schont Umwelt und Firmenkasse

Um Investitionen stemmen zu können, ist der deutsche Mittelstand oft auf Kredite der KfW angewiesen. Die Förderbank schreibt sich den Klimaschutz auf die Fahnen - und hilft Unternehmen verstärkt bei Investitionen für eine bessere Energieeffizienz in der Produktion.

Frankfurt/Main (dpa) - Ob Schokoladentafeln oder -weihnachtsmänner: Die Farüchoc-Schokoladenfabrik gießt die leckere Süßspeise in alle möglichen Formen. Dass das Unternehmen seine Gießanlage - also das Herzstück im Produktionsprozess - modernisiert hat, kommt nicht nur der Umwelt zugute. Immerhin werden dank der energieeffizienteren Maschine mehr als 11 000 Kilogramm CO2 jährlich eingespart. Auch die Betriebskosten der Osnabrücker sind gesunken: Denn der Stromverbrauch liegt mehr als ein Drittel unter dem des Vorgängermodells.

«Der harte Wettbewerb auf unseren Absatzmärkten zwingt uns dazu, jeden Kostenfaktor zu durchleuchten», betont Geschäftsführer Michael Kirschner. Weil die Herstellung und Weiterverarbeitung von Schokolade energieintensiv ist, seien Einsparungen in diesem Bereich relevant.

Farüchoc ist nur einer von vielen Mittelständlern, die sich mit sparsameren Maschinen weniger abhängig von der Entwicklung der Energiepreise machen wollen. Bei der Hausbank beißen sie aber oft auf Granit. Vor allem kleinere Firmen, die weniger Sicherheiten bieten können, kommen schwerer an Kredite - zumindest zu Bedingungen, die sie verkraften können. «Viele Geschäftsbanken haben Schwierigkeiten mit der langfristigen Finanzierung von Projekten und Investitionen», sagt auch KfW-Vorstandsmitglied Ingrid Hengster.

Deshalb springt die staatseigene Förderbank mit einem günstigen Angebot für energieeffiziente Produktionsanlagen und -prozesse in Unternehmen ein. Und zwar nicht nur wie üblich für den Mittelstand, sondern vom 1. Juli an für Unternehmen aller Größen - selbst die Börsenschwergewichte aus dem Dax können also günstige Finanzierungen beantragen. Hengster betont: «Die Höhe des Energieverbrauchs von Unternehmen ist nicht mehr nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern zunehmend auch der Zukunftsfähigkeit unserer Volkswirtschaft.»

Das Förderprogramm richtet sich an die unterschiedlichsten Unternehmen, wie Hengster im Magazin «_BIZZ energy today» erklärt: «Vom Schokoladenhersteller, der die zur Schmelze benötigte Hitze mit weniger Energie gewinnen will, über den Automobilzulieferer, der seine Anlagen mit geringerem Energieverbrauch betreiben möchte, bis zum Chemiebetrieb, der Wasser durch einen Recyclingprozess mehrfach verwenden kann - und damit letztlich nicht nur Wasser, sondern auch Energie und Kosten spart.»

Die KfW ist überzeugt, dass das Thema Energieeffizienz kaum einen Firmenchef kaltlasse. Denn 45 Prozent der mittelständischen Unternehmen hätten nach einer Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (dena) jährliche Energiekosten von mehr als 100 000 Euro: «Es sind Kosten, die den Gewinn eines Unternehmens schmälern - Jahr für Jahr.» Energieeffizienz sei daher ein zunehmend wichtiger Wettbewerbsfaktor. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner betont: «Nachholbedarf sehen wir vor allem bei den kleinen und weniger energieintensiven Unternehmen.»

Zudem hängen Energiepreise auch von politischen Entscheidungen ab. Das schmälert die Planungssicherheit. Zumal die Energie überwiegend importiert wird und die Zahl der Lieferländer überschaubar ist: Nach Zahlen der KfW kommen mehr als ein Drittel der Rohölimporte und des Erdgasaufkommens aus Russland. Vor allem die Gasimporte seien nur schwierig durch andere Lieferanten zu ersetzen, falls Russland die Energiepreise anheben sollte.

Zwar sei der Energieanteil an den Gesamtkosten der Mittelständler mit meist unter zehn Prozent relativ gering: «Jedoch ist gleichzeitig auch die durchschnittliche Umsatzrendite - und damit der Spielraum - im deutschen Mittelstand mit 6 Prozent niedrig.» Steigen die Energiepreise um ein Fünftel, würden demnach rund 9 Prozent der Mittelständler ohne Gegenmaßnahmen in die Verlustzone geraten.  

Nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC zahlen sich Investitionen in Energieeffizienz für die Mittelständler aus. In mehr als jedem dritten Unternehmen ließen sich die Energiekosten durch Investitionen in Energieeffizienz um 20 Prozent und mehr reduzieren. Dadurch könnten die Gesamtkosten um 3,6 Prozent gesenkt werden.

Allerdings lässt sich der Energieverbrauch in der industriellen Produktion nicht endlos senken. Viele betriebliche Maßnahmen seien bereits ausgereizt, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer bei der Vorlage des IHK-Energiewende-Barometers 2014: «Die Energieeffizienz lässt sich nicht beliebig steigern. Die «low hanging fruits» sind häufig abgeerntet.» Aus Sicht der Unternehmen werde es damit wirtschaftlich unattraktiver, die Effizienz weiter zu steigern.
 

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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